Ich weiß, der Blogbeitrag zur Buchberlin steht noch aus und ich verspreche, am Sonntag werdet ihr meine Erlebnisse in einem kurzen Beitrag zusammengefasst hier finden. Heute möchte ich euch jedoch jemanden vorstellen. Es geht um Anna, eine Leserin, eine Träumerin und eine liebevolle Mutter, auf die mich eine Freundin aufmerksam gemacht hat. Anna schreibt fleißig an einem Literaturblog und hat vor zwei Wochen mein Büchlein „Totenläufer“ und mich auf ihrem Blog vorgestellt. Und weil ich finde, dass sie noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient, habe ich den Spieß mal umgedreht und Anna ein paar Fragen gestellt. Ihr dürft gespannt sein.
Wer bist du und worüber bloggst du überhaupt?
Ich bin eine waschechte Träumerin. Wird die Welt zu viel oder zu anstrengend, sind Bücher, Filme, Serien, Musik und Tagträume die ideale Medizin. Auch sonst ist ein Buch die beste Begleitung in jeder Lebenslage. In meinem Blog dreht sich daher alles rund um Bücher. Außerdem bin ich: Redakteurin, Optimistin und Mama.
Welches Buch hat dich zu einem Lesewurm gemacht und warum?
Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen ersten Ausflug in die Schulbücherei. Ich war elf Jahre alt, neu in der Schule und wusste nicht so recht wohin mit mir. Also stöberte ich bei den Büchern und lieh mir „Alanna: Die schwarze Stadt“ von Tamora Pierce aus und legte damit den Grundstein für mein Dasein als Lesewurm. Diese Jugendbuchreihe hat mich enorm gefesselt, da sie von Magie, Liebe, Krieg und Freundschaft handelt, und gleichzeitig in eine fremde Welt entführt. Die Bände stehen bis heute in meinem Bücherregal.
Wenn du einem Autor sagen könntest, was er für dich schreiben soll, was wäre das?
Ein Buch über einen jungen Erwachsenen, der zu viel an sich selbst zweifelt, und das Leben aus lauter Angst zu versagen an sich vorbeiziehen lässt. Natürlich katapultiert ihn etwas aus dieser Misere, sei es ein anderer Mensch, oder eine Ausnahmesituation, oder auch etwas Magisches. Die Geschichte könnte sich in viele Richtungen entwickeln, von einer Liebesgeschichte bis hin zur Dystopie. Aber eine tiefgreifende, psychologische Charakterstudie würde ich mir wünschen. Und bitte kein kitschiges Happy End.
Gibt es ein Buch, das du gern nochmal ganz von vorn lesen würdest, weil es dich so gefesselt hat?
Ganz aktuell würde ich gerne „Splitterherz“ von Bettina Belitz nochmal von vorn lesen, da ich beim ersten Lesen Startschwierigkeiten hatte, es am Ende aber absolut faszinierend fand. Mit diesem veränderten Eindruck ist es sicherlich ein ganz anderes Erlebnis.
Wenn dich ein Autor anschreibt und um eine Rezension bittet, was sollten er oder sie beachten?
Grundsätzlich freue ich mich immer sehr über Anfragen. Es wäre aber schön, wenn der Autor sich vorab darüber informiert, was ich gerne lese. Thriller oder Krimis gehören zum Beispiel nicht dazu. Ganz wichtig ist außerdem, dass ich keinen Reader besitze und folglich auch keine eBooks lesen kann.
Bücher lassen uns träumen.
Ihr seht, kein kitschiges Happy End, ein wenig Psychologie und anspruchsvolle Töne mit einem Hauch Magie, das sollten Autoren schreiben, um Anna glücklich zu machen. Noch dazu ist sie eine Leserin, die in den Papierseiten eines Taschenbuchs versinkt. Mit einem Ebook kann man sie also nicht ködern. Schaut doch einfach mal auf ihrem Blog vorbei und stöbert in den Rezensionen, die sie mit viel Sorgfalt und Mühe verfasst.
In vielen Blogs für Self-Publisher geht es um Marketing, vor allem im Social Media. Ich selbst habe mir einiges abgeschaut und umgesetzt. Was ich selten sehe, sind Beiträge über Messen. Lesungen sind da schon eher ein Thema. Vermutlich, weil Messen so schon viel Arbeit machen und man kaum dazu kommt, einen Beitrag darüber zu verfassen. Ich dachte mir, heute gebe ich euch zumindest einen kleinen Einblick in meine Vorbereitungen für die Buchberlin.
Über die Buchberlin
Die Buchberlin ist noch recht jung und genau darin liegt ihr Vorteil. Auf den großen Besuchermessen wie Leipzig oder Frankfurt geht man als Einzelperson unter und noch dazu sind die Standgebühren jenseits von gut und böse. Wenn man sich nicht gerade mit anderen Autoren organisiert, hat man kaum die Möglichkeit, einen solchen Stand allein zu stemmen oder man stürzt sich in Unkosten. Bei der Buchberlin ist das nicht so, vor allem dann nicht, wenn man sich den Stand teilt. Um in konkreten Zahlen zu sprechen: 125 Euro habe ich für mein Tischlein auf der Buchberlin bezahlt (Auf der Buchberlin darf generell verkauft werden, was ein großer Pluspunkt ist!). Ein fairer Preis über den ich wirklich nicht meckern kann. Das Gleiche gilt auch für die Eintrittspreise: 4Euro sind wirklich moderat und bezahlbar. Genau deshalb werden sich auf der Messe auch viele Kleinverlage und Self-Publisher tummeln. Was bedeutet, es findet sich eine bunte Vielfalt an Büchern, die eben nicht dem Standard-Verlagsbild entspricht. Könnte also mal ganz angenehm sein. Zudem ist die Messe überschaubar und ich stelle mir vor, dass der Kontakt von Autor zu Leser wesentlich persönlicher ist. Ob ich das nach der Messe auch noch sage, wird sich zeigen.
Erste Gedanken vor der Messe
Ich bin niemand, der eine Marketingausbildung hat oder in irgendeinem Feld von Management tätigt war. Bei einer Messeplanung war ich nur 2011 tätig, als ich als Praktikantin im Goethe Insitut Tokio gearbeitet habe. Aus diesem Grund habe ich mir erstmal Seiten um Seiten über einen gelungenen Messeauftritt durchgelesen. Das meiste war unbrauchbar, denn es ging um großangelegte Aktionen, die ich nie hätte umsetzen können. Allerdings war dort vermerkt, man solle sich ein Messekonzept (Publikum/Ziele, Weshalb die Messe, Gastgeberfunktion, Nachüberlegungen) erstellen, indem man die Ziele für dieses Event formuliert. Ich gebe zu, das ist eine großartige Idee, aber leider … habe ich es nur teils ausformuliert, weil die Zeit fehlte. Dafür tue ich es jetzt für euch, hier meine Ziele:
Neue Leser erreichen
Zwischen den anderen auffallen
Einen professionellen, aber interessanten Eindruck hinterlassen
Die Standgebühr über Verkäufe erwirtschaften
Klingt jetzt nicht allzu spektakulär und wäre euch wohl auch in kurzer Zeit eingefallen, aber es ist eben noch etwas anderes, sich diese Ziele vor Augen zu führen, als sie nur im Kopf zu haben.
Zweitens muss man sich überlegen, wie man diese Ziele erreicht:
Neue Leser erreichen: Leseproben anbieten, keine Scheu davor haben, Leute anzusprechen, stolz auf das eigene Produkt sein
Zwischen anderen auffallen: Ein Rollup, das ein Hingucker ist und farblich passt
Einen professionellen Eindruck machen: stets freundlich sein, auf Fragen eingehen, Visitenkarten auslegen und ein vernünftiges Design für Postkarten, Lesezeichen und so weiter haben, plus den Stand gut aufbauen
Standgebühr erwirtschaften: Ankündigung hier auf dem Blog, auf anderen Social Media Kanälen
Leseproben, Lesezeichen, Postkarten und Bücher, alles muss entworfen und bestellt werden.
Feste Zeitplanung
Man beginnt immer mit den langfristigen Aufgaben. Das heißt, Werbemittel, Bücher und alles, was sonst eine länger Produktionszeit hat. Das ist Punkt Nummer eins. Da mein neues Buch Totenläufer erst am 01.11. herausgekommen ist, hatte ich einen knappen Zeitrahmen. Die Bestellung für den Buchdruck habe ich erst am 4.11 abgeschickt (Danke epubli, dass ihr so pünktlich liefert!), genauso wie das Werbematerial. Nun ist aber alles da. Das Wichtigste ist, dass ein genauer Zeitplan erstellt wird. Kann man ganz einfach über sein Handy mit Kalenderfunktion machen, in dem man sich Erinnerungen einrichtet. Das klingt jetzt alles wirklich sehr banal, ich weiß, aber man neigt wirklich dazu, bei dem Wust an Arbeit alles auf einmal machen zu wollen, aber das geht nach hinten los. Drei Monate vor Messe mit der Planung zu beginnen ist mehr als notwendig, am besten noch früher.
Und bei allem solltet ihr eins nicht vergessen: Wenn etwas schiefgeht, beim Druck oder an anderer Stelle, es ist nicht schlimm. Denn das sieht niemand, nur ihr selbst und vielleicht der arme Mensch, der gerade in eurer Nähe ist und den Panikanfall mitbekommt. Man muss wirklich ruhig bleiben und alles mit Humor sehen. Was ein Fehler auf dem Klappentext? Was soll’s hab ja auch nur ich allein zehnmal kontrolliert. 😀 Perfektionismus ist da ganz fatal, weil man dazu tendiert in Tränen auszubrechen, wenn oben am Lesezeichen ein KNICK ist. Ich sage euch, niemand, nicht einmal die großen Verlage mit ihren vielen Angestellten machen alles richtig. Sie verstecken ihre Fehler nur besser. 😉 Und als Einzelperson kann man dieses Niveau niemals erreichen. Plus, wenn ihr euch wie ich den Stand mit jemandem teilt, fetzt euch nicht wegen Kleinigkeiten, das Ganze soll ja Spaß machen.
Lagerstätte im WG-Zimmer, nicht gerade der idealste Platz, aber konnte ja keiner ahnen, dass ich mal einen Messestand organisiere
Was braucht man dringend außer ein Buch?
Ja, man könnte wohl ein Buch nehmen, es auf den Tisch legen und sich freuen, dass es jetzt da liegt. Das allein macht aber noch keinen Messeauftritt aus. Natürlich ist es unmöglich, einen Flachbildschirm hinter sich zu positionieren und einen HD Trailer des eigenen Buches zu liefern, aber zumindest etwas Liebe und Kreativität sollte man investieren. Hier nun eine (noch nicht ganz vollständige Liste) an Dingen, die ich für die Messe brauche:
Leseproben für Totenläufer und Sieben Raben (Produktionszeit bis zu 10 Tage bei wirmachendruck.de)
Bestellung der Bücher (10 Tage Produktionszeit bei epubli)
Lesezeichen für Totenläufer (4 Tage Produktionszeit diedruckerei.de)
Postkarten für Totenläufer (4 Tage Produktionszeit diedruckerei.de
Die Kasse mit Wechselgeld (!hätten wir beinahe vergessen)
Süßigkeiten zum Verteilen (Lotuskekse und Werthers Original)
Transportmöglichkeit bis zur Messe
individuelle Tüten zum Rausgeben
Preisschilder
Visitenkarten
Ihr seht die Liste ist wahnsinnig lang und ich habe beinahe selbst den Überblick verloren, aber nun sind wir gut vorbereitet, obwohl einige Kleinigkeiten von mir noch in der nächsten Woche organisiert werden. Für mich wird das wohl eines der anstrengendsten Wochenenden überhaupt, aber es wird auch großartig. Hoffentlich seid ihr mit dabei. Hier ein Plan, wo ihr mich und Sabine Schulter findet:
Ich halte nichts davon, auf einen fahrenden Medienzug aufzuspringen, aber ich kann einfach nicht mehr schweigen. Mehrfach saß ich in den letzten Monaten vor meinem Bildschirm und habe mich gefragt, ob ich es wagen soll, einen Kommentar zu alldem zu machen, was ich in letzter Zeit beobachtet und erlebt habe. Ich habe es gelassen. Aus Angst, ich könnte anecken. Stattdessen habe ich ein Buch geschrieben, was alles kritisiert, was mir sauer aufstößt und vermutlich ecke ich damit auch an. Aber das bin ich. Ich bin wohl eine Moralistin und ein Gutmensch, zwei Wörter, die heutzutage belächelt werden. Inzwischen ist mir das egal.
Starten wir mal von vorn. Am 09.11. um 6:30 bin ich mit dem Gedanken aufgewacht, dass nun eine Frau Amerika regieren wird und obwohl ich Hillary Clinton nicht viel abgewinnen kann, dachte ich: „Na ja, sie ist wenigstens eine Frau.“ Das wäre ja mal was für die USA gewesen. Doch stattdessen öffne ich Google und sehe: 244 Stimmen pro Trump. Ich dachte, ich träume. Ich dachte, das ist ein verdammt blöder Scherz. Aber nein, das war es nicht. Absolut nicht. Zwei Stunden später wurde verkündet: Donald Trump wird aller Wahrscheinlichkeit nach der neue Präsident eines Amerika, das ich als Teenagerin geliebt habe. Dazu mal folgendes Zitat:
Michael Moore vor der US-Wahl: „Remember back in the ‘90s when the people of Minnesota elected a professional wrestler as their governor? They didn’t do this because they’re stupid or thought that Jesse Ventura was some sort of statesman or political intellectual. They did so just because they could. Minnesota is one of the smartest states in the country. It is also filled with people who have a dark sense of humor — and voting for Ventura was their version of a good practical joke on a sick political system. This is going to happen again with Trump.“ (Übersetzung unten)*
Ein Rassist. Ein Dummschwätzer. Ein Sexist. Ein Lügner. Ein Mann, der nichts darauf gibt, was andere über ihn denken oder sagen wird Präsident. Michael Moore hatte Recht. Er wirft mit Parolen um sich und will Amerika wieder „groß“ machen. Dass dieses Land gerade mit ihm an der Spitze keine Chance auf ein Großwerden hat, wenn das gesamte Ausland nur den Kopf schüttelt, scheint da wohl keine Rolle zu spielen. Selbst Stephen King hat die Schnauze voll:
No more book recommendations, politics, or amusing dog pictures for the immediate future. I'm shutting down.
Doch was sich da im Großen abspielt, sehe ich beinahe täglich im Kleinen. Ich habe mich stets geweigert, zu akzeptieren, dass Menschen, die über Leichen gehen (#Totenläufer, ja, das ist tatsächlich Thema in meinem Buch), mehr Erfolg haben als andere. Ich habe mir gesagt, wer ehrlich, offen und freundlich ist, der wird für dieses Verhalten belohnt – irgendwann. Denn man kann doch nur dankbar sein, wenn jemand Rücksicht nimmt und sich bemüht, oder? Leider ist das falsch. Wer irgendetwas in einer völlig überfüllten Welt erreichen möchte, muss schreien, um gehört zu werden. Er muss sich auf den Marktplatz stellen, ein Podest nehmen und lauthals brüllen, am besten etwas Unsinniges, damit jeder erst einmal aufmerksam wird. Denn erst danach kommt das Interesse.
Das ist keine Neuigkeit, ich weiß, aber was das im Detail bedeutet, lerne ich jeden Tag ein Stück mehr. Ich musste sehen, wie Freunde von mir, die sich seit Monaten abstrampeln, vom Staat Deutschland einen A****tritt bekommen, während in Dresden Menschen gegen Einwanderer hetzen, die morgens ihr erstes Sterni öffnen (nicht alle sind so, das ist mir bewusst). Ich habe gesehen, wie Leute mit einem sehr guten Abschluss nicht ernst genommen werden, weil sie nicht selbstbewusst genug sind (WTF!). Ich lese Kommentare in den Medien, die alle gleich klingen und nur ein Ziel haben: aufrütteln. Ich muss erleben, wie Menschen in den Himmel gelobt werden, die in Wirklichkeit eine Maske tragen und sich selbst feiern. Ich habe Bilder auf meiner Instagram Seite von jungen Frauen, die sich in Pose legen, in der Hoffnung, für ihre gefakte Schönheit ein Minimum an Aufmerksamkeit zu bekommen. Brust raus und wie ein bisschen naiv gucken (Entschuldigt meine Wortwahl). Der Schüchterne, der Landschaftsfotos oder Bilder von Horizonten teilt, vielleicht sogar ein kleines Atelier eröffnet, ist nichts wert, denn er ist langweilig. Ja richtig, das ist langweilig. Viel zu gediegen. Genauso der Politiker, der sich für mehr Menschlichkeit einsetzt, der ist auch nichts wert. Ganz gleich, ob er ehrenvolle Motive hat. Donald Trump, der auf die Kacke haut, ist der Held der Nation. Gehasst oder geliebt, etwas dazwischen gibt es nicht. Er provoziert, stachelt die Menschen an und Viele finden genau das toll. Er ist ja wenigstens authentisch und nicht verblendet. Ich frage mich, weshalb jemand, der guten Motiven folgt, automatisch weniger authentisch sein soll. Und wieso lassen sich so viele vom Zorn anstecken? Ist es wirklich, so, dass manche nur noch dadurch richtig lebendig sein können?
Ich kann nicht ausdrücken, wie schockiert ich über all das bin. Wer meine Bücher liest, wird annehmen, ich sei ein sehr düsterer Mensch, der schwarz malt. Tatsächlich bin ich genau das Gegenteil. Ich laufe oft durch die Straßen, schaue hoch zu den Bäumen und freue mich über die Farben, das Licht, den azurblauen Himmel. Wenn mir eine streunende Katze entgegenläuft, hocke ich mich auf den Boden, halte ihr die Hand hin und wenn sie sich streicheln lässt, obwohl ich völlig fremd bin, spüre ich stets einen Moment von vollkommener Glückseligkeit. Ich liebe den Duft von Kaffee am Morgen und kann stundenlang auf einer Wiese sitzen, um mich herum das Geräusch von Wind. Das ist Schönheit, das ist unsere Welt, und sie gefällt mir genau so. Alles andere bleibt hoffentlich Fiktion.
So friedlich kann es sein. Einfach mal ein bisschen am See entspannen.
Vor einigen Tagen erst stand ich in der Straßenbahn und lauschte auf ein Gespräch zweier älterer Frauen. Die Bahn brauchte etwa fünf Minuten länger als geplant. Plötzlich fingen die beiden an, sich lautstark über diesen Umstand zu ärgern. Dass man das nicht ordentlich abwickeln kann mit den Bahnen. Dass die Bahn immer erst wartet, ehe die andere wegfährt (durch Baustellen bedingt). Im Westen sei ja alles besser, da ist alles strukturiert und das Gesundheitssystem funktioniert. Sie sind frustriert und lassen das raus. Aber vor allem halten sie fest zusammen, obwohl sie einander nicht kennen. Sie haben eine gemeinsame Basis geschaffen und verstehen sich auf dieser sofort. Wut und Aggression sind ihre Gemeinsamkeit. Und unwillkürlich frage ich mich, ob das funktioniert hätte, hätten sie sich zum Beispiel darüber gefreut, dass sie genügend Geld für ein Ticket haben. Hätte das eine gute Gesprächsgrundlage geboten? Nein, vermutlich nicht.
Wir wollen, dass unsere Stimme gehört wird und deshalb werden wir laut. Alles andere ist nebensächlich. Dabei sind jene Menschen, die darüber lachen, wenn sie zu spät kommen oder auf die Nase fallen, die angenehmeren. Es sind jene Menschen, mit denen man stundenlang zusammensitzen kann und redet, weil es einfach Spaß macht und unkompliziert ist. Diese Art von Menschen wird grenzenlos unterschätzt und man findet sie viel zu selten, oder verbergen sie sich einfach nur?
Ich für meinen Teil habe entschieden, zumindest in Punkto Politik meine Haltung zu ändern. Ich werde nicht mehr still zusehen, aus Angst anzuecken. Ich poste auf meinem Facebookprofil inzwischen fiktive Slogans und Zitate, die vermutlich einige erschrecken oder abstoßen werden, aber wisst ihr was: Dann ist es so. Wenn ein Mensch als zukünftiger Präsident sagen darf: „Wir bauen eine Mauer, damit keine Einwanderer mehr kommen.“ oder „Hillary Clinton ist eine bitch.“ Dann darf ich auch sagen: „Wer einen Rassisten unterstützt, blendet die Realität aus. Denn die Probleme verursachen nicht die anderen, sondern er selbst.“
*Erinnert ihr euch an die 90ger, als die Leute von Minnesota einen professionellen Wrestler als ihren Goveneur gewählt haben? Sie haben es nicht getan, weil sie dumm waren oder dachten, dass Jesse Ventura eine Art Staatsmann wäre oder ein politischer Intellektueller. Sie haben es getan, weil sie es konnten. Minnesota ist einer der cleversten Staaten dieses Landes. Er ist außerdem mit Menschen bevölkert, die einen Sinn für schwarzen Humor haben – und für Ventura zu stimmen, war ihre Version eines Witzes, den sie über ein krankes politisches System machten. Genau das wird auch mit Trump passieren.
wie ihr sicherlich gemerkt habt, folge ich dem von mir ausgearbeiteten Redaktionsplan nur sporadisch. Der Sonntagsbeitrag erscheint nur noch 14tägig, obwohl ich wöchentlich etwas für euch verfassen wollte. Das ist für mich selbst sehr frustrierend, aber mein straffer Zeitplan lässt mir derzeit nicht viele Optionen. Damit ihr zumindest informiert seid, was in der nächsten Zeit so alles bei mir ansteht, hier ein kurzes Update.
Frankfurter Buchmesse 2016
Ich bin eine Spätplanerin, was mich nicht davon abhält, Dinge durchzuziehen, wenn ich sie mir erst einmal in den Kopf gesetzt habe. So ist es auch mit der Frankfurter Buchmesse. Am Samstag den 22. Oktober tummle ich mich dort mit meiner Autorenkollegin Stella Delaney. Ich freue mich schon wahnsinnig darauf, denn wir werden eindeutig unseren Spaß haben, wenn wir die Stände unsicher machen. Vermutlich werde ich auch bei dem ein oder anderen Verlagsstand vorbeischauen und die ein paar Visitenkarten loswerden, man weiß ja nie. Vielleicht sehen wir uns ja auf der Messe?
Ich habe zum ersten Mal eine Visitenkarte. Den Auftrag für den Druck gebe ich heute Abend raus. Drückt mir die Daumen, dass sie pünktlich zur Messe ankommen. Stichwort: Spätplanerin.
Teilweise Tödlich
Heimlich still und leise bin ich im September zur Verlagsautorin geworden und habe meinen ersten Autorenvertrag unterschrieben. Kein Witz, ist wirklich passiert. Okay, na gut, ihr denkt jetzt sicher, ich habe ein Manuskript untergebracht. Nein, so weit bin ich noch nicht. Es handelt sich bei der Veröffentlichung um eine Kurzgeschichtensammlung mit Krimis. Das Buch ist am 18. September unter dem Titel „Teilweise Tödlich“ erschienen. Darin enthalten ist meine Kurzgeschichte „Rosenblut“.
Ich lege euch aus dem Buch die Kurzgeschichte „Karma“ ans Herz. Sie ist mein Favorit.
BuchBerlin
Ansonsten steht im November die Buchberlin an, dort werde ich meine Bücher an den Mann und die Frau bringen. An meiner Seite ist die Romantasy Autorin Sabine Schulter. Unsere Bücher bilden also einen guten Kontrast. Unsere Standnummer ist die 127, das ist leider etwas am Rand, aber dennoch nicht am äußersten Ende. Einen genauen Standplan veröffentliche ich hier auf dem Blog zu gegebener Zeit. Da das meine allererste Messe als Ausstellerin ist, bin ich wirklich gespannt, wie alles abläuft und ob wir uns dabei gut anstellen. Inzwischen haben wir schon das Design für ein Rollup, das neben dem Stand platziert wird und bereiten Leseprobenheftchen sowie einige Goodies vor.
So in etwa wird unser Roll-Up aussehen.
NaNoWriMo
Und dann ist ja auch schon bald der NaNoWriMo, der am 01. November startet. Ihr wisst schon, 50.000 Wörter in einem Monat schreiben, ohne wenn und aber. Ich werde dieses Jahr wieder mit dabei sein, allerdings mit zwei Projekten. Warum? Da ich für mich entschieden habe, nicht auf Teufel komm raus an einer Geschichte zu arbeiten. Das führte nämlich dazu, dass ich die letzten Kapitel meines Projekts vom letzten Jahr vollständig neu schreiben musste, denn sie waren einfach grausig. Nicht gerade effizient, würde ich sagen. Ich verteile also die Wortanzahl auf zwei unabhängige Geschichten. Dazu dann auch demnächst mehr hier auf dem Blog. Nimmt jemand von euch teil?
In dem Sinne wünsche ich euch ein gutes Wochenende. Wir hören voneinander.
Das Herzstück einer Buchveröffentlichung ist ohne Frage das Cover. Mit ihm steht oder fällt das Buch. Aus dem Grund habe ich lange gebraucht, um mir klar zu werden, was ich für mein Projekt möchte. Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere daran, dass ich kein fotorealistisches Motiv wollte, sondern etwas, was den Ton meiner Geschichte unterstreicht und gleichzeitig dem Genre entspricht. Am 20. Januar habe ich euch hier auf dem Blog meine erste Skizze vorgestellt. Dort standen zwei Möglichkeiten zur Auswahl. 1) Ein Soldat, der auf ein nicht näher zu definierendes schwarzes Objekt zielt, 2) Eine Frau, aus deren Kopf eine Gedankenblase platzt.
Mit dem Fortschreiten der Überarbeitung hat sich jedoch herauskristallisiert, welches Motiv für den Roman passender ist: Nummer zwei. Auch wenn einer meiner Testleser anmerkte, dass Silver Coin 203 sich nicht nur auf eine Hauptfigur konzentriert, wird die Geschichte hauptsächlich aus der Sicht einer Protagonistin erzählt. Ihre Andersartigkeit und die Reaktion der Gesellschaft auf diese ist der Grundbaustein meines Romans und daher musste eine anonyme Frau auf das Cover (mein Designer und ich haben ihr den Namen „Emma“ gegeben). Hier nun mein Entwurf vor der professionellen Umsetzung mit Photoshop. Zusammengebaut aus Fotos, die ich selbst geschossen habe und einer entliehenen Frau aus Fotolia.
Wie ihr auf einen Blick seht, habe ich zu viele Filter benutzt, Emma unsauber ausgeschnitten und dem Cover unbewusst einen 60er Jahre Stil verpasst. Worum es mir bei der Version jedoch vorrangig ging, war die Komposition. Ich wollte wissen, ob die einzelnen Elemente miteinander harmonieren. Durch Zufall habe ich den oberen Teil in hell und dunkel geteilt und mich entschieden, dies für die endgültige Version zu übernehmen. Wieso? Weil es in meinem Buch auch um die Frage gehen soll, ob man immer so leicht zwischen Schwarz und Weiß unterscheiden kann.
Und nach dem ganzen Gerede habt ihr sicher längst die Geduld verloren. Also lüfte ich nun den Vorhang und heraus kommt …
… eine blinde Frau mit Klecks hinter dem Kopf. 🙂 Ja gut, ich gebe zu, es ist keine Gedankenblase geworden, die spektakulär zerplatzt, denn das wäre zu viel des Guten gewesen. Das Konzept ist jedoch ähnlich. Es mag ungewöhnlich sein, „Emma“ ohne Augen darzustellen, aber dadurch repräsentiert sie zwei verschiedene Gruppen in meiner fiktiven Stadt. Zum einen den blinden Bürger, der nicht bemerken, was im Namen der Sicherheit geschieht und gleichzeitig die Menschengruppe, zu der auch meine Protagonistin gehört. Diese Personen haben eine auffällige Augenfarbe, die sie zum Sonderling machen.
Und was sagt ihr? Hab ich das vernünftig durchdacht oder sagt ihr: Nee, geht gar nicht?