2: Dies und das, 3: Schreibtipps, 4: Silver Coin 203

Wie ein Roman entsteht

Lang, lang ist’s her. Wisst ihr noch, wie ich hier auf dem Blog von meinen Schreibfortschritten berichtet habe? Es kommt mir so vor, als sei das erst ein paar Wochen her, tatsächlich ist über ein Jahr vergangen! Unglaublich. Aus dem damaligen Projekt »Hurt No One« ist ein Buch geworden, das viele gute Kritiken bekommen hat. Im Moment arbeite ich an dem Fortsetzungsprojekt und deshalb ist es an der Zeit die Beitragsreihe »Wie ein Roman entsteht« wiederzubeleben. Was genau euch da erwartet erfährt ihr heute.

Was ist „Wie ein Roman entsteht“?

Simpel ausgedrückt verfolgt ihr hier auf dem Blog die Entstehung meines Romans. Mir ist klar, dass ich nicht die erste Autorin bin, die über ihre Projekte berichtet und womöglich kommt euch der Gedanke: »Habe ich schon tausend mal gelesen. Man setzt sich hin, tippt, veröffentlicht. Ende im Gelände. Kann ja nicht so schwer sein.« Aber ganz so einfach ist es nicht, denn hinter jedem fertigen Buch steckt ein langer Schaffensprozess mit viel Drama, zeitintensiven Überlegungen, euphorischen Freudenschreien oder auch Tränen. Ich probiere es mit wenig Drama, mehr Humor und ein bisschen Spannung, damit ihr etwas beim Lesen Spaß habt. Also, schön, dass ihr da seid.

Sta~~~~rtschu~~~~sss?

Na, noch nicht ganz. Bevor es richtig losgeht, ein kurzer Rückblick für all diejenigen, die neu hier hereinschauen: Ich schreibe seit November 2015 an einer dystopischen Reihe mit dem Titel »Silver Coin 203«. Es ist ein actionreiches Buch mit vier völlig verschiedenen Protagonisten, deren Schicksale sich gegenseitig verstricken und das jeweils anderen beeinflussen. Ob zum Guten oder Schlechten ist dabei nicht immer klar. Band I »Totenläufer« ist im November 2016 als Taschenbuch und Ebook erschienen. Mit Band II »Bezirk Null« geht es seit Dezember weiter und jede Woche wächst das Manuskript ein Stück, was ein beruhigendes Gefühl ist, denn an diesem Projekt zu schreiben ist ein bisschen wie Nach-Hause-Kommen. Ich finde beim Schreiben Ruhe. Was angesichts der Tatsache, dass im Buch Intrigen gesponnen, geprügelt und heftig gestritten wird, abwegig klingt. Aber ja, ich kann den Stress des Alltags dort rauslassen und fühle mich einfach wohl. Liegt wohl auch an den Figuren, die inzwischen wie Freunde geworden sind.

Hier die Rahmendaten des Projekts:

Umfang: 16 Kapitel
Slogan: »Vergeben bedeutet Macht« und »Erinnerungen sterben nie«
Kapitel in Rohfassung: 14
Kapitel bei Testlesern: 1
Coverbild: noch offen
Klappentext: noch offen

Das neue Projekt Bezirk Null …

Was erwartet mich als Autorin und euch als Leser eigentlich mit diesem Buch? Kurz gesagt, ein Wust an harter Arbeit. In vorherigen Beiträgen habe ich es bereits anklingen lassen, aber Bezirk Null stellt mich vor eine strukturelle Herausforderung. Es hat zwei völlig verschiedene Handlungsorte, fünf Perspektiven und mehrere Rückblenden in die Vergangenheit. Es ist kompliziert, da eine klare Linie zu verfolgen, doch nach Stunden des Grübelns habe ich eine Lösung gefunden. Wuhu! 😀  Diese lautet: Ich greife ein Thema aus Band I auf und lasse alle Handlungsstränge an der Auflösung dieses Themas arbeiten. Damit habe ich einen roten Faden, die Kapitel hängen zusammen und ich stelle zudem den Bezug zu Band eins her. Ohne zu viel vorwegzunehmen lautet die übergeordnete Frage zu diesem Thema: »Was zum Teufel ist Experiment Palladium und was macht das eigentlich mit dem Menschen, an dem geforscht worden ist?«

Derzeit sitze ich an der Überarbeitung. Kapitel eins wurde an zwei Testleser gegeben und von ihnen mit Genuss gelesen, um anschließend mit genauso viel Genuss zerpflückt zu werden. Natürlich nur, um alles besser zu machen, so viel ist klar. 😉

Ansonsten drücke ich mich vor einer Actionszene am Hafen. Damit ich diese gut über die Bühne bringen kann, habe ich wie üblich eine detaillierte Skizze angefertigt und müsste mir nur noch die einzelnen Abläufe überlegen. Wo ist wer? Wann schießt wer? Wer ist überhaupt da? Aber wie das eben so ist, manchmal … ist Netflix zu spannend:

Westhafen.jpg
Der Auswanderungshafen von Red-Mon-Stadt. Die Form ist inspiriert vom Hafen Yokohama.

Damit ich die Rahmenhandlungen in Bezirk Null überblicken kann, habe ich mir einen Zeitstrahl angelegt. Dadurch verliere ich die wichtigen Momente nicht aus den Augen und behalte gleichzeitig im Blick, welche Parallelhandlungen so passieren:

Zeitstrahl.JPG

Das sind neben einer Karteikartenübersicht derzeit meine Grundlagen zur Strukurierung. Es kann also jederzeit mit der Actionszene richtig losgehen!

Ausblick für August und September

Fest steht, ich werde mir Kapitel zwei vorknöpfen und eine Kurzzusammenfassung schreiben. Danach muss ich die einzelnen Szenen auf ihre Notwendigkeit hin überprüfen und mir überlegen, wie ich durch Kürzen mehr Spannung erzeuge. Anschließend brauche ich einen Schlachtplan für die Perspektive von Person fünf. Diese Person bekommt in »Bezirk Null« nach einem recht »sympathischen« Auftritt in Totenläufer eine eigene Stimme und ja, auch das könnte schwierig werden, denn diese Person hat eine ganz eigene Sprache, die simpel, intuitiv und selbstironisch ist. Alles Attribute, die fast nichts mit meiner Art gemein haben. In dem Sinne freue ich mich auf Stunden des Grübelns und Korrigierens, bis der »AHA«-Moment kommt und alles Sinn ergibt. Auf dass der unsympathischste Nebencharakter am Ende die beliebteste Figur wird, nicht wahr?

Abschließend ein Zitat aus dem aktuellen Rohtext. Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit. Ich aus Red-Mon-Stadt verabschiede mich und wünsche einen stets sicheren Tag. Bis zum nächsten Mal!

ZitatAutorenwahnsinn.jpg


Wie ein Roman entsteht: Teil I

Wie ein Roman entsteht: Teil II

Wie ein Roman entsteht: Teil III

Beitragsbild: Coffee and Chocolate von Anders Printz

2: Dies und das

Die Angst, nicht gut genug zu sein

Hallo, hallo, die Mika hier.

Ich denke, einige von euch fragen sich, ob ich nach den großen Ankündigungen im Vorjahr mit Redaktionsplan, Vorsätzen für 2017 und allem anderen nun doch zu jenen Autoren gehöre, die auf halber Strecke aufgegeben haben. Schreibt Mika noch? Ist sie untergetaucht, geflohen, auf Reisen? Darauf habe ich eine knappe Antwort: Nein, ich bin noch da und ich habe nicht aufgegeben, aber ich musste mich sammeln.

Was ist passiert? Dazu muss ich ein wenig ausholen.

Wir Autoren sind ein komisches Volk. Wir wollen unbedingt und mit aller Macht unser Buchbaby gesund und munter auf die Welt bringen und sind überzeugt, danach sei alles besser. Wir denken, dann kommt die Anerkennung und vor allem ein Gefühl von endloser Zufriedenheit. Doch wenn das Baby erstmal geboren ist, kommen wir irgendwie so gar nicht klar, denn es schreit und tut, was es will. Wir sind überfordert, geplättet und schockiert. Wieso zum Teufel läuft das eigentlich nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe? Manchmal ziehen uns dann Kleinigkeiten herunter. Fragen an uns selbst zum Beispiel. Wie etwa: Wieso hat XYZ eigentlich keine Rezension geschrieben? Ist der Text so schlecht? Warum reagiert niemand auf die Frage nach dem Aussehen meines Covers? Ist es so grausig? Besser wird da nach der Geburt in der Regel nicht allzu viel. Wir sind ja nicht urplötzlich so hoch angesehen wie J. K. Rowling oder Stephen King, die ganz ehrlich, auch ihre Krisen zu überwinden haben. Im Gegenteil, wir sind immer noch wir: ein Mensch mit einem Traum. Und das ist gut so. Was wir da geschaffen haben ist eben nicht DAS Rezept für Glück, es ist ’nur‘ eine Geschichte zwischen zwei Deckeln, die unser Herz erfüllt, und die hat das Recht darauf, zu schreien, zu strampeln und schwierig zu sein. Das gehört eben dazu und wir wachsen daran. Es gibt wahrlich schlimmere Dinge als das, ja, wirklich, die gibt es.

Träume können wehtun, aber wer fällt und aufsteht, hat Stärke gewonnen

Lasst mich nun etwas über mich erzählen, was mit diesem Gedankenkarussell zu tun hat. Ich war nach der Veröffentlichung von Totenläufer im November 2016 am Boden zerstört. Es fühlte sich kurzzeitig an, wie der absolute Weltuntergang. Dafür gab es unzählige Gründe, die einen waren existentiell, die anderen hausgemacht. Mir war so, als sei mein Traum in sich zusammengefallen oder besser, unter meinen Füßen zersplittert. Dabei war mein Buchbaby Totenläufer gesund auf die Welt gekommen. Es ist eine Dystopie und inzwischen lese ich sehr oft von diesem Genre. Muss wohl einen gewissen Trend dahin geben. Fakt ist, wenn es einen Hype gibt, dann im Bereich Jugendbuch, und man zwischen den unzähligen Neuerscheinungen überhaupt gesehen wird. Ich schreibe keine Jugendliteratur und ich treffe auch kein bestimmtes anderes Genre, was den Geschmack Vieler bedient. Es gibt nicht einmal eine Love-Story in Totenläufer oder sagen wir, die wird nur angedeutet. Totenläufer ist schlichtweg kein Mainstream. So ist es eben, aber trotzdem war ich eine Drama-Queen. Ich bin nicht esoterisch und ich glaube nicht an Schicksal, aber womöglich musste ich genau aus dem Grund durch die Welle an Dingen hindurch, die danach kamen. Die waren nämlich wirklich schlimmer als die Traumsplitter unter meinen Füßen. Innerhalb weniger Monate krempelte sich mein Leben vollständig um. Ich zog aus der Stadt weg, in der ich mich wohlfühlte, ohne Wohnung oder 100% sicheren Job. Ich musste Menschen auf Wiedersehen sagen, die ich sehr liebte und rannte von A nach B, um halbwegs irgendetwas auf die Reihe zu bekommen. Die Zeit hechtete an mir vorbei und eine Hiobsbotschaft jagte die nächste. Im März war ich endgültig an meinem Limit angekommen. Zum ersten Mal in meinem Leben fand ich nicht die Worte für das, was mir da nun eigentlich passierte. Ich konnte plötzlich nicht mehr schreiben. Keinen vernünftigen Satz. Alles war irgendwie schräg. Als ob man die Welt durch einen verzerrten Spiegel betrachtet.
Was ich alles noch vorhatte, rückte in weite Ferne. Ich dachte an diesen Blog, an die Menschen, die mich unterstützen, die Autorengruppen, in denen ich aktiv bin und spürte den Druck auf mir wachsen. Irgendwie wurde ich niemandem mehr so wirklich gerecht. Da war sie, die Angst. Dieser alberne Gedanke: „Du bist nicht gut genug“. Und ja, ich denke, dass ihr da draußen genau diesen Gedanken auch in euch tragt, in irgendeinem Bereich eures Lebens. Ob Job, Familie, Hobby oder was auch immer. Aber keine Sorge, ihr seid gar nicht „nicht genug“. Das ist nur euer Kopf, der euch das einreden will, der sich leider in seiner Misere äußerst wohlfühlt und euch das auch spüren lässt. Tatsächlich hat euer Kopf Unrecht, mein Kopf hat Unrecht. Wir sind genug, nur jeder von uns macht die Dinge etwas verschieden. Ein Vergleich ist also unnötig. Und manchmal tritt man eben einfach richtig tief in Scheiße (entschuldigt den groben Vergleich), ohne vorher irgendetwas geahnt zu haben, aber sie trocknet und fällt ab, manchmal muss man nachhelfen, aber sie bleibt nicht da. Sie geht weg und dann ist es wirklich besser. Kein Traum ist kaputt, keine Welt zusammengebrochen, es hat sich nur alles etwas verschoben und man ist um einige Erfahrungen reicher. Das ist nicht unbedingt eine schlechte Sache. Veränderungen sind manchmal auch nötig, damit wir erkennen, was wirklich zählt. Und Ruhm gehört irgendwie so gar nicht dazu, denke ich.

Deshalb nehme ich nun allen Mut zusammen und mache weiter. Hier bin ich. Ich habe meine Autorenängste und die Vergangenheit hinter mir gelassen und neue Energie getankt. Ich kann wieder schreiben und sehe allmählich wieder vor mir, was ich möchte und was nicht. Also! Auf zu neuen, düsteren Schreib- und Leseabenteuern. Vielleicht seid ihr ja auch wieder mit dabei, wenn mein Red-Mon-Stadt Universum wächst, das nächste Buch Form annimmt und ich über dies und das berichte. Ich verspreche nicht, dass es in nächster Zeit sehr regelmäßig passiert, aber es wird sich etwas rühren. Denn etwas ändert sich, ganz langsam und das ist gut so. 🙂

Nun zu euch. Hand aufs Herz, was wollt ihr schaffen? Was habt ihr dieses Jahr schon erreicht? Und seid ihr darauf vielleicht sogar ein bisschen stolz?

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Bild: Flickr.com