Schreibarbeit

Ist Mystery ein Genre?

Auf die Frage „Was liest du eigentlich so?“ antworten wir meist mit einem Autor oder einem Buch. Manchmal jedoch mit einem Genre wie Fantasy, Krimi, Science-Fiction oder Liebesroman. Mit diesen Genrebegriffen verbinden wir eine bestimmte Vorstellung von Literatur, die unserem Geschmack entspricht. Lieben wir eher phantastische Elemente, Spannung oder doch romantisches Kribbeln? Wir geben damit unsere Vorlieben preis und geben Einblick in unsere Identität. Doch wie ist das eigentlich mit dem Genre Mystery? Gehört haben wir davon alle schon mal, doch was stellen wir uns darunter vor? Gibt es klare Kriterien, die zu diesem Genre gehören? In diesem Beitrag möchte ich den Versuch wagen und Mystery definieren.


Was bedeutet „Mystery“? Die Ursprünge

Lange dachte ich, der Begriff Mystery sei eindeutig zu verstehen und jeder wisse, was damit gemeint ist. Tatsächlich ist er jedoch genauso geheimnisvoll wie seine Wortbedeutung selbst. Man versteht darunter etwas Übernatürliches und Unerklärliches, das sich nicht so richtig begreifen lässt. Möchte man konkrete Beispiele für Mystery nennen, fallen einem eher Fernsehserien zwischen 1990 und 2010 ein. Allen voran Akte X. Aber Bücher? Nein, das nicht so richtig. Warum das so ist, erklärt ein Blick auf die Geschichte des Wortes.

Das Wort „mystery“ hat seinen Ursprung im griechischen „mysterion“, das sich auf Ereignisse oder Rituale mit geheimem Kern bezog . Diese hatten oft einen religiösen Hintergrund. Das etymologische Lexikon der deutschen Sprache sagt sogar, „mysterion“ hinge eng mit der Idee zusammen, dass die Eingeweihten eines Geheimnisses durch ein Schweigegebot gebunden waren. Das Rätsel, das Unbekannte, bezog sich also auf etwas, von dem andere ausgeschlossen waren und das nur diejenigen im eingeweihten Kreis kannten.

Heute wird im Deutschen unter dem Begriff „Mystery“ ein Rätsel oder Geheimnis verstanden. Es gibt Mystery-Games, Mystery-Filme, Mystery-Bücher. Der religiöse Kontext ist verschwunden, wenngleich es thematisch noch immer um etwas geht, das unerklärlich ist und uns genau dadurch schockiert oder interessiert. Im Gegensatz zum Rätsel in einem Kriminalroman gleicht das Mysterium eher einem übernatürlichen Puzzle, das sich nur selten auf die Aufklärung eines Kriminalfalls begrenzt.

Mystery in der englischsprachigen Literatur

 

Das Wort „Mystery“ in seiner heutigen Form im Gegensatz zum „Mysterium“ ist aus dem Englischen entlehnt und im Grunde ein Anglizismus. Geprägt durch die Medienlandschaft und ihre Werbung wird Mystery vor allem als Etikett für Geschichten verwendet, die einen großen phantastischen Anteil haben.

Im englischsprachigen Raum wird Mystery jedoch für jedwede Form von Kriminalroman verwendet. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die englische mystery novel auf Deutsch mit Kriminalroman übersetzt wird.

In diesen beiden Polen besteht der Konflikt. Im deutschsprachigen Raum denken wir bei Mystery unweigerlich an düstere Schauplätze mit unerklärlichen Vorkommnissen. Das heißt, wir denken eher weniger an einen Kriminalroman, sondern an eine Mischung aus Psychothriller, Grusel und einem tiefen, verstörenden Geheimnis. Die Stimmung der Mystery Geschichte ist dabei atmosphärisch dicht, oft düster und geprägt von undurchsichtigen Figuren. Es geht nicht um alltägliche Rätsel, sondern um etwas überhaupt nicht Alltägliches.

Gleichzeitig ist Mystery kein Horror, denn es fehlen die ekelhaften, extrem gewaltvollen und schockierenden Elemente.

Was passiert, wenn ich nun zum Beispiel im Shop einer Onlinebuchhandlung* nach Mystery suche? Es wird ein Misch aus unterschiedlichen Büchern angezeigt. Die meisten lassen sich im Bereich Psychothriller, atmosphärischer Horror, aber auch düsteres Märchen ansiedeln. Was wie ein Kriminalroman aussieht, sind Übersetzungen aus dem Englischen. Thalia führt sogar ein Book Trope mit dem Titel Mystery unter dem sich auch Liebesromane finden – vermutlich haben sie ein Mysterium im Zentrum, das gelöst wird.


Warum es für Mystery keine klaren Genregrenzen gibt

Der Genrebegriff Mystery findet in der deutschen Literaturwelt bis jetzt kaum Bedeutung. Die Ursache dafür fasst das folgende Zitat aus Buecher-wiki treffend zusammen:

„Mystery ist eine unscharfe Sammelbezeichnung für erzählende Literatur an der Schnittstelle von Kriminalroman, Fantasy, Horrorliteratur und historischem Roman, selten von Science Fiction.“ (Buecher-wiki 2016, nicht mehr online einsehbar)

In einer Seminararbeit schreibt Jana Gläßer bereits 2013 über den Begriff Mystery, dass er ursprünglich von Fernsehsendern wie ProSieben genutzt worden ist, um einer Serie das Etikett Mystery zu geben und das Rätselhafte in die Medienlandschaft zu tragen. Das heißt die Bezeichnung Mystery war ein Marketinginstrument. Auch heute 2026 ist das noch immer der Fall.

Was heißt das jetzt genau? Das Genre Mystery hat noch keine Definition. Autor*innen mit geisterhaften und düsteren Themen, die einen geheimnisvollen Hintergrund beleuchten, müssen sich also entscheiden: Entweder ist mein Buch ein Krimi oder Horror oder Fantasy oder Science-Fiction. Ein Bücherregal mit der Aufschrift Mystery finden wir in keiner Buchhandlung. Es handelt sich viel eher um ein Subgenre der Phantastik so wie das ziemlich moderne Subgenre Dark Fantasy.

Natürlich können wir uns darüber streiten, ob es überhaupt nötig ist, ein Genre wie Mystery genau zu definieren. Ich sage ja, denn im deutschsprachigen Raum gibt es eine deutliche Trennung zwischen Büchern, die man in der Phantastik ansiedelt und Bücher mit realem Kontext, die zur Belletristik gehören. Ein Genre-Mix findet besonders in der Kriminalliteratur selten statt, die Phantastik ist da deutlich offener, weshalb sich in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Variationen entwickelt haben. Es ist also durchaus sinnvoll, das Etikett „Mystery“ für Bücher zu nutzen, die zwar eher kriminalistisch sind, jedoch mit phantastischen Elementen wie dem Übernatürlichen arbeiten.


Was ist Mystery? Der Versuch einer Definition

Der Begriff Mystery, den wir heute im deutschsprachigen Raum nutzen, ist abzugrenzen vom englischen Begriff, der hier eher als Krimi zu verstehen ist. In einem Mystery Roman geht es meist um das Lösen eines Geheimnisses. Das kann in Form eines Verbrechens, einer übernatürlichen Macht oder einem Rätsel vorliegen. Die Sprache ist atmosphärisch dicht und eindeutig dunkel/negativ. Im Gegensatz zu Horror geht es aber nicht vorrangig darum, den Leser mit Abartigkeit zu schockieren, sondern ihn vielmehr in eine finstere Welt zu führen. Der Mystery-Roman arbeitet mit Spannung und Nervenkitzel. Er verführt zum Miträtseln und bedient sich einer breiten Zahl an Elementen ganz unterschiedlicher Genre. Im Gegensatz zum Kriminalroman bedient er sich jedoch oft auch in der Phantastik. Geister, dunkle Wesen, Magie, Aliens das alles kann man in einem Mystery-Roman finden. Das Genre ist also viel eher als Substitut aus ganz unterschiedlichen Elemente zu verstehen und heute eher ein Subgenre.

Erste Veröffentlichung 2016, aktualisiert Mai 2026


Mystery Bücher von Mika M. Krüger


Quellen:

Jana Gläßer „Was ist Mystery“ 2013, Seminararbeit.

https://www.etymonline.com/word/mystery

https://corpora.uni-leipzig.de/de/res?corpusId=deu_newscrawl-public_2018&word=Mysterium

https://www.dwds.de/wb/Mysterium

Buecher-wiki – der Link ist leider inzwischen tot, letzter Aufruf war 2016

Gedanken-Mix

2024 – Das neue Jahr

Hallo alle zusammen, schön, dass ihr da seid. Es gehört zu meiner Tradition, zum Neujahr auf das alte Jahr zu schauen und das kommende zu begrüßen. Dabei lege ich meinen Kurs für die nächsten Monate fest und reflektiere, was ich geschafft habe. Manchmal gibt es ein Motto, manchmal führe ich nur stichpunktartig auf, was passiert ist. Heute geht es um 2024. Ein ganz besonderes Jahr. Wieso, weshalb, warum, das lest ihr im Beitrag.

Was war 2023 los?

Zuerst ein Blick auf das vergangene Jahr. Ich hatte viele unfassbar tolle Momente mit meinen Schreibkolleg*innen und mit den lieben Menschen um mich herum. Das Jahr war randvoll mit Arbeit, die ich nach meinen Brotjob erledigte und sich teils bis in die Abendstunden zog. Besonders die Veröffentlichung von „Dunkle Pfade, scharfe Zähne“ im September hatte es in sich. Doch ich bin stolz, dass ich das Projekt gemeinsam mit neun Autor*innen auf die Beine stellen konnte. Ein Dank geht auch hier noch einmal raus an alle, die uns tatkräftig unterstützt haben. Darunter auch die DJG Berlin. Ihr seid wundervoll!

Im Bereich Coverdesign ist bei mir in diesem Jahr auch wieder viel passiert. Entwerfen durfte ich insgesamt drei Cover. Band 3 von Amalia Frey für ihre Herstory „Alvine Hoheloh„, für Anne Zandts Debüt „Im Jahr des Mondes“ sowie für „Dunkle Pfade, scharfe Zähne“.

Schreibend bin ich gemäß meinem Motto mit „viel Spaß in den Text“ gut vorangekommen. Entstanden sind insgesamt drei Kurzgeschichten „Festgefahren“, „Das Psychometer“ und „Nachts im Aquarium“. Eine der Geschichten wurde veröffentlicht, die anderen beiden warten darauf, gelesen oder gehört zu werden. Ich habe ein paar Ideen, wie ich sie euch zeigen kann, aber es ist alles noch sehr schwammig. Wenn etwas ansteht, erfahrt ihr es als erstes auf Instagram.
Doch das wichtigste Projekt fehlt noch in der Reihe: „Bezirk Null“. Ich konnte das Manuskript endlich ein gutes Stück vorantreiben. Es bleibt noch immer abzuwarten, wann ich die Veröffentlichung schaffe, doch ich bin zuversichtlich, dass es gar nicht mehr so lange dauert. 😉 Für alle, die es nicht wissen, Bezirk Null ist Band 2 von Silver Coin 203, das Buch ist bereits 2016 erschienen und eine Dystopie für Erwachsene. Mit viel Action, verschiedenen Perspektiven und packender Gesellschaftskritik.
Das heißt 2023 war für mich ein extrem gutes Jahr und das habe ich allen voran meinen Freund*innen und euch, meinen Fans und Followis, zu verdanken.

Wie gestalte ich 2024?

2024 ist besonders, denn es ist das zehnjährige Jubliäum meines Debüts „Sieben Raben„. Ich kann es selbst kaum glauben, aber die Zahlen lügen nicht. Vor zehn Jahren ist meine Märchenadaption erschienen und seitdem gehe ich Schritt für Schritt als Indie Autorin vorwärts. Ich schreibe noch immer Geschichten mit nahem Bezug zur Realität, mit widersprüchlichen Figuren und düsterer Fantasy. Mit pragmatischem Ton lotse ich euch in abgründige Zukunftsstädte, in geheime Zwischenwelten und beschwöre dunkle Mächte aus dem Untergrund herauf. Trotzdem habe ich sehr viel gelernt. Dass ich mich nicht verstecken muss, dass es okay ist, nicht für die Masse zu schreiben und dass Kunst, wie meine Schauspielfreundin Rahel Schöppenthau mir kürzlich sagte, dazu da ist, um meine Perspektive auf die Welt einzufangen, damit ihr sie erleben könnt.

„Die Leidenschaft leben und noch mehr Menschen erreichen.“

Ich nehme das Zehnjährige zum Anlass, mich und mein Schreiben neu zu erfinden. Ohne Perfektionismus, sondern mit Leidenschaft. Ich will wieder kreativer sein, mich nicht zu sehr an Kleinigkeiten festbeißen, sondern lieben, was ich mache. Und das ist gar nicht so einfach, denn der Buchmarkt ist hart und kann frustrieren, doch das ist kein Grund, meine Geschichten aufzugeben. Im Gegenteil, ich schreibe, weil die Worte aus mir fließen und sie mich erfüllen. Weil sie mein Ich sind und mich ausmachen. Und ich hoffe, ich kann euch wieder genauso mitreißen wie die Jahre zuvor.

Welche Termine könnt ihr euch merken?

Leipziger Buchmesse: Ich werde vom 21. bis zum 22. März in Leipzig sein.

Buch Berlin: Zusammen mit Stella habe ich für September bereits einen Stand gebucht. Ihr findet uns dort als Ausstellerinnen vom 21. bis 22. September.

Ansonsten bin ich ganzjährig auf Instagram anzutreffen. 🙂

Weitere Neujahrsbeiträge

2023// 2022 // 2021 // 2020 // 2019 // 2017 // 2016

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Beitragsbild via Depositphoto von grandfailure.

Gedanken-Mix, Schreibarbeit

NaNoWriMo 2023: Ein Fazit

Morgen ist der November schon wieder vorbei und damit endet auch der National Novel Writing Month (NaNoWriMo). Jedes Jahr stecken sich tausende Schreibende das Ziel, 50.000 Wörter in einem Monat zu schreiben und bestenfalls ihr Manuskript zu beenden. Ich habe in diesem Jahr wieder teilgenommen. Allerdings ohne den Anspruch, das hohe Ziel zu erreichen. In diesem Beitrag findet ihr mein kurzes Fazit.

Taugt der Schreibmonat als Motivation?

Ich kann die Frage grundsätzlich bejahen. Für mich dient der Schreibmonat im November als Motivation und hilft mir dabei, Zeit für das Schreiben zu finden. Was manchmal gar nicht so leicht ist, wenn man seine lieben Menschen treffen möchte oder im Brotjob stark eingespannt ist. Es geht mir im NaNoWriMo nicht darum, so viele Wörter wie möglich aufs Papier zu bringen, sondern eine Routine zu finden, durch die ich mich wieder regelmäßig mit meiner Geschichte beschäftigen kann. Ob das dann gedanklich, schreibend, überarbeitend oder recherchierend ist, spielt keine Rolle. Die Hauptsache ist, in kleinen Schritten dem fertigen Manuskript entgegenzuschreiten. Elegant und bestenfalls mit viel Spaß an der Sache.

Denn nicht ohne Grund wird der NaNoWriMo kritisiert. Die hohe Wortzahl setzt Schreibende unter Druck und ist nur schwer zu erreichen, wenn man Familie und Brotjob mit dem Schreiben vereinbaren muss. Täglich wollen etwa 1.700 Wörter getippt werden, damit die riesige Zahl geschafft werden kann. Das kann schnell demotivieren und unter Druck setzen. Zumal es meiner persönlichen Ansicht nach auch nicht sinnvoll ist, einfach irgendwas zu tippen, nur um eine bestimmte Wortzahl zu schaffen. Hier beißt sich Qualität mit Quantität. Ich persönlich habe den NaNoWriMo nur ein Mal gewonnen und blende die Wortzahlen so gut es geht aus, damit ich dran bleibe. Stattdessen mache ich mir gern Listen, in denen ich mir notiere, welche Abschnitte ich geschafft habe oder wie stark mein Manuskript gewachsen ist. Das motiviert mich deutlich mehr als eine fixe Wortzahl.

Was war mein Projekt beim NaNoWriMo?

Auch in diesem Jahr habe ich am zweiten Band von Silver Coin 203 gearbeitet. Eine dystopische Geschichte mit Action, unterschiedlichen Erzählperspektiven, Techniktalk, emotionalen Momenten und einer charismatischen Antagonistin. Immerhin konnte ich ein Viertel aller Szenen überarbeiten, habe das Ende in einer groben Form geschrieben und die letzten Zwischenkapitel geplottet. Da ich seit Jahren an dem Manuskript arbeite, picke ich mir einzelne Szenen heraus, an denen ich mich wild austobe. Dazu lese ich die Szene, sollte sie schon geschrieben sein, durch und überlege mir, welche Lücken bestehen, dann starte ich mit dem Finetuning. Ändere Dialoge, kürze weg, ergänze und schreibe um. Oder, sollte die Szene noch nicht geschrieben sein, notiere ich mir die groben Plotpunkte und tippe langsam den Film nieder, der beim Schreiben stets in meinem Kopf läuft.

Für mich ist mein diesjähriger Fortschritt ein riesen Erfolg, denn von März bis Oktober war ich zum größten Teil mit der Veröffentlichtung von „Dunkle Pfade, scharfe Zähne“ beschäftigt. Mein Kopf war voll mit allen möglichen Themen nur nicht mit meinem Manuskript, das in diesem Monat so stark gewachsen ist wie schon lange nicht mehr.

Wieso ich die 50.000 Wörter nicht mehr knacken will?

Schon als ich 2015 das erste Mal am NaNoWriMo teilgenommen habe, war ich nicht sicher, ob ich so viele Wörter schreiben können würde. Damals startete der Monat jedoch an einem Sonntag und ich konnte erheblich vorarbeiten. Zumal ich nur einen 20 Stunden Nebenjob hatte, der zwar emotional anstrengend, aber auch nicht besonders fordernd war. Sprich, ich hatte viel Zeit. Heute ist das anders. Ich presse meine Schreibzeit zwischen viele Termine. Teils habe ich nur eine Stunde am Tag, die ich konzentriert arbeiten kann.

2015 konnte ich außerdem irgendwie drauflos schreiben. Heute muss ich mir einen Tag vorher überlegen, was in der Szene vorkommt, die ich schreiben werde. Wenn die Zeit nicht da ist, weil ich von sieben Uhr bis zwanzig Uhr den Tag gefüllt habe, dann bringt es auch nicht viel, mich abends zum Schreiben zu zwingen. In der Regel muss ich die Szenen dann nachträglich so stark überarbeiten, dass ich sie auch gleich löschen könnte.

Ich brauche zudem zwischen intensiven Schreibphasen immer mal Pausen von mehreren Tagen, die mein Kopf freipusten. Da kann ich über die Figuren nachdenken, über das was gesagt wird, wie ich vielleicht noch mehr aus einer Szene herausholen kann und und und. Meine Arbeitsweise hat sich einfach komplett verändert und passt nicht mehr zum Stil des NaNoWriMo.

Was ist mein Fazit?

Ich bin dieses Jahr noch nicht ganz sicher, wie ich den NaNoWriMo abschließend bewerten soll. Einerseits bin ich sehr stolz, andererseits habe ich mich zum Ende hin eher demotiviert gefühlt, da ich abends keine Energie mehr zum Schreiben hatte. Es ist ein seltsames Für und Wider. Letztlich habe ich mir aber endlich mal wieder richtig Zeit für mein Projekt freigeschaufelt und das ist ja schon ein Erfolg, oder nicht?

Wie habt ihr den NaNoWriMo dieses Jahr erlebt? Habt ihr mitgemacht oder ist euch das zu stressig?

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Mehr über mich und mein Schreiben findet ihr auf Instagram.
Oder ihr werft einen Blick auf meine Publikationen.

Aktuelles

Leserunde auf Lovelybooks

Bis morgen könnt ihr euch für die Leserunde von „Dunkle Pfade, scharfe Zähne“ bewerben. Euch erwarten schaurig-schöne Geschichten mit düsterer und seichter Fantasy, realen Schauplätzen in Japan und märchenhaften Erzählungen.

Die eBooks verlosen wir in den Formaten .epub, .pdf, .mobi. Es ist also für alle etwas dabei.

Zur Leserunde

Klappentext:

Eine schöne Fremde, die ein finsteres Geheimnis verbirgt. Ein schildkrötenartiges Wesen im Fluss, das von zu Hause vertrieben wird. Eine menschengroße Katze mit unstillbarem Appetit auf Rache.

Yokai – japanische Geister- und Monsterwesen – existieren in den erstaunlichsten Formen und an allen denkbaren Orten. In zehn fantastischen Geschichten laden sie dich ein, ihnen Auge in Auge gegenüberzutreten.
Doch Vorsicht, nicht alle Yokai sind harmlos und gutgesinnt … Wagst du es trotzdem?
Irasshaimase – Willkommen.

Alle Erlöse gehen an die Deutsch-Japanische Gesellschaft Berlin.
Mit Illustrationen von Vincent Brosche.

Mehr über „Dunkle Pfade, scharfe Zähne“ findet ihr auf der Projektseite.

Schreibarbeit

Recherche: Dystopie und Bergsteigen

Recherche ist für die Arbeit an einem Manuskript  enorm wichtig. Wenngleich sich die Art der Recherche von Genre zu Genre deutlich unterscheidt. So ist es bei historischen Romanen zum Beispiel eher notwendig, zu hinterfragen, wie die Realität in der entsprechenden Zeitepoche aussah. Wohingegen es bei einem Lokalkrimi wichtig ist, reale Orte zu beschreiben und eine gegenwartsgetreue Darstellung umzusetzen. Eine Dystopie allerdings lebt von Gesellschaftskritik. Sie ist zentraler Bestandteil der Geschichte und zwischen den Zeilen omnipräsent. Deshalb ist ein umfassendes Verständnis unserer Gesellschaft mit ihrer systematischen Benachteiligung bestimmter Gruppen von essentieller Bedeutung. Als Autorin für dystopische Geschichten möchte ich heute ein wenig über die Recherche für mein aktuelles Romanprojekt berichten.

Welche Themen recherchiere ich für meine Dystopie?

In der Regel ist es so, dass ich ein Recherchethema nicht finden muss, sondern, dass es mich findet. Denn als Autorin gehe ich zuerst davon aus, dass ich genau genommen nichts weiß und jedes angesprochene Thema im Detail hinterfragen – es sezieren – muss. Das liegt daran, dass ich eine Illusion erzeugen möchte, die sich so echt wie möglich anfühlen soll. Damit sie sich jedoch echt anfühlen kann, muss ich mich mit den Themen genug beschäftigt haben, um sie nachfühlbar beschreiben zu können. Im besten Fall werde ich Spezialistin zu den Themen und im schlechtesten Fall schaffe ich es zumindest, so zu wirken, als sei ich Spezialistin. Das heißt, ich recherchiere viel und ausdauernd.

In meinem Fall geht es um Gefahren beim Bergsteigen. Diejenigen, die mich sehr gut kennen, gehe ich seit einem geschlagenen Jahr mit dem Thema auf den Geist. Meine Nachrichtenleiste im Handy zeigt mir Artikel dazu an, ich verfolgte die Todesmeldungen zum Gipfelsturm auf den Mount Everest und K2 – und das alles, weil ich drei Figuren habe, die ich möglichst sicher, aber auch mit den typischen Gefahren über einen Berg führen möchte. Im Winter mit Schnee. Es geht um einen kleinen Teil im Roman (Bezirk Null), aber ich möchte ihn so echt wie möglich schreiben, da ich Action liebe. Das Problem: Obwohl ich bereits viel gewandert bin, habe ich meine einzigen alpinen Erfahrungen in der Jugend gemacht. Auf einem gut erschlossenen Bergwanderweg in Österreich. Mir stellten sich also unzählige Fragen: Was braucht man zum Bergsteigen? Was ist das Gefährlichste beim Bergsteigen? Was sollten meine Figuren nicht tun, wenn sie überleben wollen?

Der Mount Everest als Extrembeispiel

Eine Freundin empfahl mir in diesem Zusammenhang das Buch von John Krakauer „In eisige Höhen“. In dem Buch geht es um eine Katastrophe, die sich 1984 ereignete als eine Gruppe von Bergsteigern auf dem Weg zum Giepfel von einem Sturm überrauscht worden sind. Der Mount Everest ist als Recherchebeispiel mit Sicherheit extrem, denn Probleme, die zum Beispiel durch zu starke Höhen auftreten, wie HARPE sind bei geringeren Höhen zu vernachlässigen. Es wird zum Beispiel auch kein Sauerstoff benötigt, der bei bestimmten Höhen lebenswichtig ist. Doch dieses Extrem hat mir geholfen, schneller einen Überblick von den realen Gefahren zu bekommen. Zumal das Interesse groß ist und man leicht an alle möglichen Information kommt. Das Social Media ist ab April voll mit Beiträgen von Menschen, die den Gipfel besteigen. Von Euphorie, Anerkennung und unaussprechlichen Katastrophen ist alles zu lesen. Vor meiner Recherche war mir nicht klar war, in welchem Ausmaß die Besteigung dieses heiligen Berges kommerzialisiert worden ist. Ihr findet unten dazu einige erschreckende Meldungen. 2020 standen die Menschen wortwörtlich in 8000 Metern Höhe beamtet mit Sauerstoff Schlange, um auf den Gipfel zu gelangen. Mir wurden auf unangenehme Weise die Augen geöffnet und für mein Projekt stellte sich heraus, dass es keine Gifpelstürmung geben kann, da diese unter den Bedingungen, die ich im Manuskript erdacht habe, völlig unrealistisch sind und meine Figuren ein anderes Ziel verfolgen.

Referenzgebirge suchen

Um die Örtlichkeiten in Bezirk Null noch realistischer beschreiben zu können, habe ich mir zudem einen Referenzort gesucht, durch den ich eine genauere Vorstellung von dem Gelände zu bekommen. Google Maps macht es möglich. In meinem Fall habe ich mir in Kanada die Pacific Rims herausgesucht und habe eine halbwegs realistische Route entworfen. Das heißt jedoch nicht, dass meine Figuren sich dann in Kanada bewegen. Im Gegenteil, wo sich das Gebirge befindet, bleibt unklar. Noch besser wäre es natürlich, eine bereits vorhandene Route zu nehmen und diese anzupassen, aber in meinem Fall gehe ich von einem nicht allzu häufig begangenem Gebiet aus und auch das passt zu den Pacific Rims.

(Karte einfügen)

Ergebnisse – kurz

  • das Wetter bestimmt den Auf- oder Abstieg und das Gelingen
  • man muss sich auf die Gruppe verlassen können (mindeste drei Personen)
  • anseilen ist bei schwierigen Stellen zwingend notwendig
  • Lawinen tauchen aus dem Nichts auf
  • den Gipfel erreichen zu wollen, ist ein Ziel, das eine besondere Motivation voraussetzt
  • bei Verletzungen müssen die Personen ggfs. mit Hubschrauber gerettet werden (in bestimmten Höhen ist auch gar keine Rettung mehr möglich – je nach Grad der Erschöpfung)
  • das Gepäck sollte so leicht wie möglich gehalten werden
  • immer auf die eigene körperliche Verfassung achten
  • eingelaufene Schuhe benutzen
  • auf alle Eventulitätenvorbereitet sein
  • Kälte mit Winden über längere Zeit sind sehr gefährlich – bestenfalls Erfahrung nötig
  • schwächere Personen unterstützten – nicht vorwegrennen
  • in großen Höhehn wird Schnee getaut, um sich mit Wasser zu versorgen (auf dem Mount Everest übernehmen das häufig Sherpa)

Fachbegriffe – Auszug

Für ein echtes Erlebnis ist es zudem unerlässlich, die Fachsprache zu kennen. Nützlich für das Bergsteigen sind in dem Zusammenhang bspw. folgende Wörter: Fixseil, Anseilen, Grat, Eispickel, Eisschuhe, Felsstufe, technisch herausfordernd/anspruchsvoll, First, Kumbhu-Eisburch, Gletscherspalten

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Beitragsbild: Mount Fuji – Mika M. Krüger

Weiterführende Links/Quellen:

https://www.statista.com/chart/1157/successful-mount-everest-ascents-per-year/

https://www.focus.de/panorama/welt/gibt-niemanden-der-dich-so-schnell-retten-kann-bergsteigerin-sicher-dass-sterbender-hassan-ohne-ueberlebenschance-war_id_201422140.html