Juli 2017: Bezirk Null und Camp

Guten Morgen ihr Lese- und Schreibbegeisterten,

na, wie seid ihr heute so aus dem Bett gekrochen? Seid ihr fit für den Tag und sprüht vor Energie oder hat sich eure Stimmung nach den Wasserfluten der letzten Tage eingeregnet? Ich muss sagen, dass ich Regentage unheimlich mag, sie haben für mich etwas Inspirierendes und Magisches (außerdem war es ja nicht mal kalt). Ähnlich wie Tage mit Hochnebel. Da kommt dann wohl meine dunkle Seele zum Vorschein. 😀
Mein Blick fiel nach einem guten Kaffee vorhin allerdings als erstes auf den Kalender. Es ist der 01. Juli! Sechs Monate sind im neuen Jahr schon vergangen. Also wow, es ist Halbzeit, Bergfest oder wie auch immer man das nennen möchte. Das heißt, ich habe noch ganze sechs Monate, also 184 Tage, um zu schaffen, was ich mir vorgenommen habe, nämlich mein Projekt „Bezirk Null“ in der ersten Überarbeitung fertigzustellen. Und dabei hilft mir in diesem Monat auch der Camp NaNoWriMo. Solltet ihr noch nicht wissen, was hinter dem merkwürdigen Kürzel (nein, keine Partei und auch kein Amt) verbirgt, hier kurz erklärt: Das Camp NaNo ist der Ableger dieses verrückten Schreibmonats im November, wo man versucht, 50.000 Wörter zu verfassen, einfach, um seinen eigenen Schweinehund und seine inneren Zweifel zu besiegen. Zum Camp legt man sein Ziel selbst, Seitenzahlen, Stunden, Wörter, Zeilen, alles möglich. Es geht also nicht allein darum, eine Masse an Text zu produzieren, sondern auch darum, ihn zu verbessern.
Im letzten Jahr war ich mehr oder weniger mit dabei, steckte tief in der Überarbeitungsphase von Totenläufer und hatte kaum die Möglichkeit, bewusst über mein Schaffen nachzudenken. Ich war einfach total beschäftigt. Dieses Jahr ist anders und ich möchte jeden einzelnen Tag nutzen, um mich wieder mehr mit meinem Projekt zu befassen. Inklusive Blog, inklusive Plotskizzen und vor allem, ja, vor allem einer Menge an Spaß! Also nichts da mit Zurückhaltung! Diesen Monat wird in die Tasten gehauen. YEAH!

Was ist mein Ziel?

Ich möchte täglich eine Seite schreiben oder überarbeiten. Das ist viel, aber machbar. Wenn alles gut läuft, bekomme ich Kapitel eins und zwei von Bezirk Null fertig und hätte eine gute Grundlage für die nächsten Monate. Zudem möchte ich noch eine Horrorkurzgeschichte für Qindie, in der Kaninchen eine Rolle spielen, zu Ende schreiben. Es wird mal etwas Anderes, beabsichtigt klischeelastig und skurril lustig, wenn mein Plan aufgeht.

Vorläufiges Projektcover zur Motivation für Bezirk Null, ohne Gewähr auf grafisch schöne oder korrekte Darstellung:

CoverVorläufigBezirkNull.jpg

Was liegt sonst an?

Morgen werde ich online lesen, mit neun Kollegen der Autorenruppe Tödlich. Bin schon sehr nervös, muss ich sagen. Wer also noch nichts vorhat, ist gern eingeladen, mal reinzuschauen. Ich selbst lese von 20:30 Uhr bis 21:00 Uhr meine Krimi Kurzgeschichte Rosenblut. Ein rachsüchtiger und überraschend kalter Text. Hier der Link zum Stream: KLICK MICH! und zur Veranstaltung mit allen Details.

KrimiGruppe_Lesung_Neu.jpg


Und was ist mit euch? Seid ihr beim Camp NaNo dabei oder macht ihr diesen Monat Urlaub und entspannt?

 

Die Angst, nicht gut genug zu sein

Hallo, hallo, die Mika hier.

Ich denke, einige von euch fragen sich, ob ich nach den großen Ankündigungen im Vorjahr mit Redaktionsplan, Vorsätzen für 2017 und allem anderen nun doch zu jenen Autoren gehöre, die auf halber Strecke aufgegeben haben. Schreibt Mika noch? Ist sie untergetaucht, geflohen, auf Reisen? Darauf habe ich eine knappe Antwort: Nein, ich bin noch da und ich habe nicht aufgegeben, aber ich musste mich sammeln.

Was ist passiert? Dazu muss ich ein wenig ausholen.

Wir Autoren sind ein komisches Volk. Wir wollen unbedingt und mit aller Macht unser Buchbaby gesund und munter auf die Welt bringen und sind überzeugt, danach sei alles besser. Wir denken, dann kommt die Anerkennung und vor allem ein Gefühl von endloser Zufriedenheit. Doch wenn das Baby erstmal geboren ist, kommen wir irgendwie so gar nicht klar, denn es schreit und tut, was es will. Wir sind überfordert, geplättet und schockiert. Wieso zum Teufel läuft das eigentlich nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe? Manchmal ziehen uns dann Kleinigkeiten herunter. Fragen an uns selbst zum Beispiel. Wie etwa: Wieso hat XYZ eigentlich keine Rezension geschrieben? Ist der Text so schlecht? Warum reagiert niemand auf die Frage nach dem Aussehen meines Covers? Ist es so grausig? Besser wird da nach der Geburt in der Regel nicht allzu viel. Wir sind ja nicht urplötzlich so hoch angesehen wie J. K. Rowling oder Stephen King, die ganz ehrlich, auch ihre Krisen zu überwinden haben. Im Gegenteil, wir sind immer noch wir: ein Mensch mit einem Traum. Und das ist gut so. Was wir da geschaffen haben ist eben nicht DAS Rezept für Glück, es ist ’nur‘ eine Geschichte zwischen zwei Deckeln, die unser Herz erfüllt, und die hat das Recht darauf, zu schreien, zu strampeln und schwierig zu sein. Das gehört eben dazu und wir wachsen daran. Es gibt wahrlich schlimmere Dinge als das, ja, wirklich, die gibt es.

Träume können wehtun, aber wer fällt und aufsteht, hat Stärke gewonnen

Lasst mich nun etwas über mich erzählen, was mit diesem Gedankenkarussell zu tun hat. Ich war nach der Veröffentlichung von Totenläufer im November 2016 am Boden zerstört. Es fühlte sich kurzzeitig an, wie der absolute Weltuntergang. Dafür gab es unzählige Gründe, die einen waren existentiell, die anderen hausgemacht. Mir war so, als sei mein Traum in sich zusammengefallen oder besser, unter meinen Füßen zersplittert. Dabei war mein Buchbaby Totenläufer gesund auf die Welt gekommen. Es ist eine Dystopie und inzwischen lese ich sehr oft von diesem Genre. Muss wohl einen gewissen Trend dahin geben. Fakt ist, wenn es einen Hype gibt, dann im Bereich Jugendbuch, und man zwischen den unzähligen Neuerscheinungen überhaupt gesehen wird. Ich schreibe keine Jugendliteratur und ich treffe auch kein bestimmtes anderes Genre, was den Geschmack Vieler bedient. Es gibt nicht einmal eine Love-Story in Totenläufer oder sagen wir, die wird nur angedeutet. Totenläufer ist schlichtweg kein Mainstream. So ist es eben, aber trotzdem war ich eine Drama-Queen. Ich bin nicht esoterisch und ich glaube nicht an Schicksal, aber womöglich musste ich genau aus dem Grund durch die Welle an Dingen hindurch, die danach kamen. Die waren nämlich wirklich schlimmer als die Traumsplitter unter meinen Füßen. Innerhalb weniger Monate krempelte sich mein Leben vollständig um. Ich zog aus der Stadt weg, in der ich mich wohlfühlte, ohne Wohnung oder 100% sicheren Job. Ich musste Menschen auf Wiedersehen sagen, die ich sehr liebte und rannte von A nach B, um halbwegs irgendetwas auf die Reihe zu bekommen. Die Zeit hechtete an mir vorbei und eine Hiobsbotschaft jagte die nächste. Im März war ich endgültig an meinem Limit angekommen. Zum ersten Mal in meinem Leben fand ich nicht die Worte für das, was mir da nun eigentlich passierte. Ich konnte plötzlich nicht mehr schreiben. Keinen vernünftigen Satz. Alles war irgendwie schräg. Als ob man die Welt durch einen verzerrten Spiegel betrachtet.
Was ich alles noch vorhatte, rückte in weite Ferne. Ich dachte an diesen Blog, an die Menschen, die mich unterstützen, die Autorengruppen, in denen ich aktiv bin und spürte den Druck auf mir wachsen. Irgendwie wurde ich niemandem mehr so wirklich gerecht. Da war sie, die Angst. Dieser alberne Gedanke: „Du bist nicht gut genug“. Und ja, ich denke, dass ihr da draußen genau diesen Gedanken auch in euch tragt, in irgendeinem Bereich eures Lebens. Ob Job, Familie, Hobby oder was auch immer. Aber keine Sorge, ihr seid gar nicht „nicht genug“. Das ist nur euer Kopf, der euch das einreden will, der sich leider in seiner Misere äußerst wohlfühlt und euch das auch spüren lässt. Tatsächlich hat euer Kopf Unrecht, mein Kopf hat Unrecht. Wir sind genug, nur jeder von uns macht die Dinge etwas verschieden. Ein Vergleich ist also unnötig. Und manchmal tritt man eben einfach richtig tief in Scheiße (entschuldigt den groben Vergleich), ohne vorher irgendetwas geahnt zu haben, aber sie trocknet und fällt ab, manchmal muss man nachhelfen, aber sie bleibt nicht da. Sie geht weg und dann ist es wirklich besser. Kein Traum ist kaputt, keine Welt zusammengebrochen, es hat sich nur alles etwas verschoben und man ist um einige Erfahrungen reicher. Das ist nicht unbedingt eine schlechte Sache. Veränderungen sind manchmal auch nötig, damit wir erkennen, was wirklich zählt. Und Ruhm gehört irgendwie so gar nicht dazu, denke ich.

Deshalb nehme ich nun allen Mut zusammen und mache weiter. Hier bin ich. Ich habe meine Autorenängste und die Vergangenheit hinter mir gelassen und neue Energie getankt. Ich kann wieder schreiben und sehe allmählich wieder vor mir, was ich möchte und was nicht. Also! Auf zu neuen, düsteren Schreib- und Leseabenteuern. Vielleicht seid ihr ja auch wieder mit dabei, wenn mein Red-Mon-Stadt Universum wächst, das nächste Buch Form annimmt und ich über dies und das berichte. Ich verspreche nicht, dass es in nächster Zeit sehr regelmäßig passiert, aber es wird sich etwas rühren. Denn etwas ändert sich, ganz langsam und das ist gut so. 🙂

Nun zu euch. Hand aufs Herz, was wollt ihr schaffen? Was habt ihr dieses Jahr schon erreicht? Und seid ihr darauf vielleicht sogar ein bisschen stolz?

_____

Bild: Flickr.com

 

LBM 2017: Es wird anders

Nur noch eine Woche, dann geht in Leipzig wieder der Messewahnsinn los. Von Belletristik, Self-Publishing, Design und Mangas gibt es alles zu sehen und einen breiten Veranstaltungsplan. Für mich ist es DAS Ereignis des Jahres und dieses Mal wird es eine ganz neue Erfahrung, denn ich werde als Ausstellerin und Autorin hier und dort zu finden sein. Was ich genau mache? Das erfahrt ihr in hier im Beitrag.


Drachennacht

Habt ihr schon vom Drachenmondverlag gehört? Wenn nicht, ist euch da wirklich ein Hype entgangen. Lange Schlangen vor dem Messeständen zur Signierstunde sind keine Seltenheit, denn der Verlag hat ein gutes Konzept: schicke Designs und magische Fantasy. Letzteres ist nicht mein bevorzugtes Genre, aber es macht natürlich trotzdem Spaß sich unter das Fantasyvolk zu mischen. Am Messesamstag wird es abends eine Veranstaltung geben, die sich „1. Leipziger Drachennacht“ nennt und ein echter Geheimtipp ist. Ich hätte davon ja nichts mitbekommen, aber meine Freundin Stella Delaney hat zum Verkaufsstart der Tickets den Kampf gegen die überlasteten Server geschlagen und gewonnen, darum kann ich abends dabei sein. Ich freue mich riesig darauf!

Drachennacht


Papyrus Autor in Halle 5 D503: Da bin ich

Auf Facebook und an anderen Stellen habe ich kleine Hinweise gegeben und meine nächsten Bekannten und Freunde wissen es schon. Seit Dezember wohne ich in Berlin wohne und arbeite Seite an Seite mit dem Entwicklerteam von Papyrus Autor zusammen. Einer Software für Autoren, die aus Texten das Beste herausholt. Kein Wunder also, dass wir auch auf der Leipziger Buchmesse sind und ich mit aushelfe. Freitag, Samstag und Sonntag findet ihr mich also dort: In Halle 5 an Stand D503.

Und wenn ich nicht am Stand bin, bin ich mit Stella unterwegs, die extra aus der Schweiz angereist ist, trotz straffem Zeitplan! Wir werden am Donnerstag Leipzig unsicher machen. Leipzig, wir kommen! :3


Podiumsgespräch am Sonntag um 13:30Uhr, Stand D600

LBM_Podiumsgespräch

Ich werde in Leipzig als Autorin meinen ersten Auftritt vor Publikum haben. Anna Wagner von Epubli hat mich vor etwa zwei Monaten angesprochen, ob ich nicht an einem Podiumsgespräch teilnehmen möchte. Nun ist es soweit und ich bin wahnsinnig gespannt, wie das wird. Mit zwei anderen Autorenkollegen diskutiere ich über Strategien, wie man neben Beruf und Alltag eigentlich zum Schreiben kommt. Würde mich freuen, wenn der ein oder andere mal vorbeischaut.

Link zur Ankündigung: Veranstaltung


Taschenbuch Totenläufer und Sieben Raben

Last but not least, wer sich meine Büchlein als Taschenbuch anschauen möchte und mal das Gewicht testen möchte, der kann zum Qindie-Stand (Halle 5 C301) oder zum Epubli-Stand (Halle 5 D209) tingeln. Dort steht jeweils ein Büchlein von mir zum Anschauen, Prüfen, Reinlesen … dran riechen? Ich weiß, klingt verrückt, aber ich mag den Geruch von Papier einfach sehr. Weiß nicht, wie es euch geht.

Das war dann schon alles. Wir sehen uns auf der Messe. Ich freu mich.
Demnächst dann mal wieder einen ausführlichen Beitrag zum Schreiben hier auf dem Blog. Muss neben Umzug und allem anderen nur noch meine Routine wiederfinden.

+Mika+

Blogbeitrag_LBM_Foto.JPG

Tom Lichterfeld: Künstler und Rebell

Künstler sind schwer zu begreifen. Sie leben in ihrer eigenen Welt und machen vor allem das, was sie gern tun wollen, egal, ob das nun wirtschaftlich sinnvoll ist oder nicht. Sie wollen frei sein und verzichten lieber auf ihre Sicherheit, anstatt sich den irgendjemandem zu unterwerfen. Meist sind sie deshalb auch Gesellschaftskritiker, denken kreativ und analytisch. Aus dieser Kombination ist Tom Lichterfeld entstanden. Der, sagen wir mal, Kontrahent meiner Hauptfigur aus Totenläufer. Sein Denken ist logisch, moralisch und stringent. Er ist vermutlich die einzige Figur in dieser Geschichte, die ich ohne große Schwierigkeiten schreiben konnte. Heute gibt es dann mal ein paar Details zu ihm. Einige sind sogar nicht mal im Buch erwähnt worden und werden wohl auch nie erwähnt werden.*


Toms Rolle in Totenläufer

„In Wirklichkeit bin ich nur ein Künstler, der seinen Frieden will.“

Wenn ich mir den Entstehungsprozess meines Romans anschaue, ist Tom Lichterfeld im Grunde ein Unfall gewesen. Klingt hart und merkwürdig, ist aber nicht zu leugnen. Er war zu Beginn einfach nur ganz praktisch, um in die ersten Kapitel mehr Spannung zu bringen. Daher sollte er erstmal nur eine farblose und schnell wieder verschwindende Person sein, die man mit jemand anderem recht leicht verwechseln kann. Leider (oder zum Glück?) hat sich der Plot so entwickelt, dass er einen ganz eigenen Charakter bekam und nun nicht mehr wegzudenken ist.
Auf dieser Basis musste Tom also jemand sein, der sehr leicht in verschiedene Rollen schlüpfen kann. Er war Hafenarbeiter, Soldat, ist Künstler, imitiert Menschen der Verwaltung und kann sein Verhalten anpassen, je nachdem, wo er ist und wie man erwartet, dass er sich verhält. Gleich zu Beginn sagt er deshalb: „Ich bin ein Mensch ohne Konstanten“. Er ist mal hier, mal da, immer da, wo man ihn braucht. So sieht er sich selbst, allerdings schätzt ihn seine Umgebung nicht vorrangig dafür, sondern für zwei ganz andere Dinge: nämlich seine Loyalität zu Freunden und seine Überzeugungskraft/sein Durchhaltevermögen.

Diese Dinge, die in Totenläufer tatsächlich nur ganz zart angerissen werden, sind Toms eigentliche Funktion, die erst in Band II richtig zum Tragen kommt. Man sieht bisher Beides ja nur an wenigen Stellen in Totenläufer aufblitzen. Vermutlich kommt es teils eher wie „Geplänkel“ daher, aber dieses Geplänkel ist nicht bedeutungslos. Um es mal genau zu benennen, geht es ganz speziell um Toms Freundschaft zu Jay McCullum. Seinerseits ein großes … nun ja, Kind? Es ist elementar für die nächsten Ereignisse, dass Tom und Jay nicht ohne einander funktionieren. Deshalb ist der Scherz, den Jay in Kapitel drei macht, als er Tom zu einem „vermeintlichen Date“ einlädt zwar ein Scherz, aber er wollte im Grunde indirekt damit sagen: „Stirb nicht, denn sonst …“. Was dieses „denn sonst …“ beinhaltet, kann man sich vielleicht vorstellen, wenn man sich überlegt, wie wacklig ein Gegenstand wird, der zuvor an zwei Stellen festgeschraubt war und plötzlich, ohne Vorwarnung, an einem Punkt den Halt verliert . Vor allem dann, wenn vorher eine perfekte Balance zwischen Vernunft und Intuition bestand. Zwischen Tom und Jay, das ist klar.


Wieso ist Tom ein Rebell?

Tom ist neben allem anderen, was er so macht, Künstler. Er hat die Welt gezeichnet, vor allem an schönen Tagen und mit all ihren guten Seiten. Er ist keine düstere Figur, niemand, der mit sich selbst Schwierigkeiten hat. Er hadert eher mit den Dingen, die in der Vergangenheit passiert sind. Als Kind lebte er in einem behüteten Zuhause, es wird vermutet, auf einem Bauernhof. Aus diesem Zuhause wurde er mit etwa 12 Jahre herausgerissen und musste in vielen Schritten lernen, mehr oder weniger allein klar zu kommen. Als Teenager war er ein Straßenkind und war mal hier, mal dort. Hatte kein echtes Zuhause und fand letztlich Zuflucht in Red-Mon-Stadt. Für ihn der Inbegriff eines Ortes, der ihm Sicherheit und Geborgenheit schenkt. Ein Ort, wo alle Menschen fair behandelt werden und gleich sind. Ein Trugschluss, das ist offensichtlich.

Man sagt ja, Rebellen fänden sich vor allem unter den Menschen, die in einem unfairen System geboren worden sind und gegen dieses ankämpfen. Meist sind es nicht Einwanderer, die etwas ändern wollen. Tom ist eingewandert und trotzdem Rebell, einfach, weil er die Ungerechtigkeit in seinem selbst gewählten Zuhause nicht mehr ertragen kann.
Ich muss ja sagen, dass ich mich lange gegen den Begriff „Rebell“ gewehrt habe. Er kommt mir so abgenutzt vor und trifft auch nicht ganz zu. Immerhin ist die REKA eine Gruppe, die sich eher spontan zusammengerafft hat und aufgrund eines einzelnen Vorfalls gegründet worden ist. Es geht nicht um Macht, es geht nicht um Gewalt, es geht nicht darum, zu zeigen, was „besser gemacht werden soll“, sondern darum, die Diskriminierung Einzelner aufzuhalten. Definitiv und mit allen Mitteln. Letzteres macht Toms Motive und die der anderen Mitgliedern zu einer schwammigen Angelegenheit. Eigentlich wollen sie ja keine zivilen Opfer, aber tatsächlich gibt es sie trotzdem. Sie sind nicht einfach nur „gut“. Sie sind in Wirklichkeit sehr menschlich.

rebellion2


Tom ist kein Gary Stu

Totenläufer hat ja zwei komplizierte Protagonisten, die irgendwie nur so mäßig sympathisch sind und, wie mir berichtet wurde, beim Lesen teils ein Gefühl von „Was zur Hölle“ oder „Hä?“ erzeugen. Da erscheint Tom doch fast ein wenig glatt gebügelt. Er hat immer eine gute Antwort parat, wirkt sehr durchdacht, ist der Ruhepol zwischen den beiden Streithähnen der REKA und noch dazu ein talentierter Künstler. Beste Voraussetzungen für einen Gary Stu. Eine allzu perfekte Figur, die jeder mögen soll und daher nervt. Tatsächlich hat Tom jedoch seine Fehler. Die lassen sich in zwei Adjektiven zusammenfassen, er ist naiv und gutgläubig (Hey, sein bester Freund war immer zur Stelle, wenn’s mal brenzlig wurde, wie sollte das anders sein!). Zudem hat er für den Zweck getötet. Sogar seine eigenen Leute. Es fällt bei ihm irgendwie leicht, das zu übersehen, weil er es nicht zum Thema seiner Gedanken macht, aber er hat es getan und nicht einmal ein schlechtes Gewissen.
Wenn man also mal ganz genau hinschaut, zeigt sich, dass er denselben Konflikt wie Neel haben könnte, aber nicht hat. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass er sich selbst für seinen Weg entschieden hat. Neel wurde seine Rolle hingegen aufgedrängt. Beide Männer sind dadurch völlig konträr. Auf der einen Seite der Mann mit dem Trauma (Neel) und auf der anderen Seite, der Mann mit den Idealen (Tom). Der eine gefangen, der andere nicht. Beide tun etwas sehr ähnliches, verarbeiten das Erlebte jedoch auf eine ganz andere Art und Weise. Dem einen geht es auf psychologischer Ebene grauenvoll. Er hat Flashbacks, ist öfter abwesend, völlig in sich verschlossen und dem anderen geht es mit seinen Taten mehr oder weniger gut, weil er darin einen tieferen Sinn sieht – eine logische Konsequenz – ein notwendiges Übel.


Wer ist E. F.?

Es gibt in Totenläufer eine ausgedehnte Beschreibung eines Leinwandgemäldes. Man könnte sagen, das sei völlig überflüssig und trägt nicht zur Handlung bei. Oder man sagt sich, vielleicht hat die Autorin das mit Absicht etwas überbetont, um auf etwas hinzuweisen. Okay gut, hinweisen ist vielleicht nicht das richtige Wort, aber das Gemälde hat eine symbolischen Komponente (Schlange, die eine rissige, blattgrüne Kugel im Maul hält) und auch eine Andeutung zu Toms Vergangenheit. Es geht um die beiden Initialen E. F. Sie stehen als Kürzel auf der Leinwand und vielleicht, ja, vielleicht hat sich der ein oder andere eher gedacht, Mika hat das da nicht umsonst hingeschrieben. Denn das habe ich wirklich nicht. E. F. ist maßgeblich daran beteiligt gewesen, die REKA zu gründen und Tom trägt an seiner Ferse ein kleines Tattoo mit denselben Buchstaben (steht nicht im Buch). E. F. ist für Tom und alle anderen Mitglieder eine wichtige Person, ein Künstler, den Tom nicht einfach nur bewundert, sondern aus ganz verschiedenen Gründen nicht vergessen kann.

Graffiti.jpg

Ich weiß, das ist ein Graffiti, aber so in etwa habe ich mir den Stil des Leinwandbildes vorgestellt.


Fazit, wer ist Tom?

Tom ist die stabilste Figur in Totenläufer. Er war als platter Nebencharakter gedacht, musste dann jedoch im Sinne der Geschichte Tiefe entwickeln und es ist ihm wohl ganz gut gelungen. Wenn er agiert, denkt er darüber nach, wie andere ihn wahrnehmen und macht sich das bewusst. Teils analysiert er die Reaktionen auch und kann daher gut einschätzen, wie sein Umfeld tickt, auch wenn er sich manchmal sehr stark vertut. Sein Konflikt steht zwischen den Zeilen in folgendem Zitat, er hat der Verwaltung Red-Mon-Stadts zu sehr vertraut:

2rmstalkandermacht

Sagt mir doch, ob euch der Beitrag gefallen hat und was ich in Zukunft besser machen könnte. Würde mich freuen, von euch zu hören.

Eure
+Mika+


*Die letzten beiden Charakterisierungen sind schon eine Weile her. Ihr findet sie hier:

Rina Morita: zwischen Flucht und Mut

Neel Talwar: Widersprüche und indirekte Antworten


Totenläufer gibt es als Ebook und Taschenbuch bei Thalia oder auf Amazon.

cropped-headerdunkelfeder_januar2017.jpg

Bezirk Null

Guten Abend ihr Lese- und Schreibbegeisterten,

einige von euch verfolgen mein Blog ja nun schon seit über einem Jahr und haben miterlebt, wie mein Manuskript Totenläufer Stück für Stück gewachsen und zu einem vollständigen Buch geworden ist. Alles begann mit einer Liedzeile und endete mit einem 400-seitigen Taschenbuch. Obwohl „endete“ der falsche Ausdruck ist, denn die Geschichte ist noch längst nicht zu Ende erzählt. Immerhin habe ich Band I mit einem bösen Cliffhanger enden lassen! Verzeiht mir. Nun, da Viele das Buch gelesen haben, darf ich es ja offiziell aussprechen. Ich habe einen Cliffhanger benutzt! Und ja, es fühlt sich gut an. War echt schwierig, das über Monate geheim zu halten. Zurück zum eigentlichen Thema. 2017 steht im Zeichen von Band II …


Was wird euch im nächsten Buch erwarten?

Es wird einige unvorhersehbare Wendungen geben, irgendwer entpuppt sich wohl als Feind und irgendwas passiert mit den Protagonisten. Ich weiß, damit habe ich eigentlich nichts gesagt und das war auch das Ziel, noch behalte ich die Details für mich. Aber im Laufe der nächsten Monate werde ich hier ein wenig vom Inhalt preisgeben. So viel soll aber schon mal gesagt sein: Es wird mehr Action geben. Immerhin ist ein gewisser Soldat nun auf freiem Fuß und kann seine charakterlichen Widersprüche ohne Hemmungen zeigen.

Heute geht es aber erstmal um den Titel. Letztes Jahr fiel es mir ja unheimlich schwer, überhaupt zu entscheiden, wie mein Buch heißen wird. Erst zwei Monate vor der Veröffentlichung wusste ich eine Lösung und das war doch ein wenig zu spät. Nun steht der Titel fest, bevor überhaupt die Rohfassung fertig ist, aber das motiviert:

Bezirk Null.jpg

Stellt euch das Ganze in Silver Coin Schrift vor. Ich bin gerade mit Netbook unterwegs und mir fehlt da die Schriftart.

Band II wird also „Bezirk Null“ heißen. Nicht Teppichläufer, nicht Silbermünzenverkäufer und auch nicht 203er. Es ist schlicht „Bezirk Null“.  Die Bezeichnung für einen Ort, der gar nicht existieren dürfte, aber es dennoch tut. So wie die Null für das Nichts steht. Ein Bezirk, der im Grunde ein Paradoxon ist. Ob da nun Chaos und bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen, wie behauptet wird, wird sich zeigen. Fakt ist, es liegt viel Schnee …


Zitat und wie weit bin ich?

Ich kann zumindest sagen, dass die erste Szene so gut wie fertig ist und 53.000 weitere Wörter, mit mehr oder minder guter Qualität, warten auf eine Überarbeitung. Ich habe ansonsten die Struktur durchdacht, muss aber noch einige Plotlöcher stopfen, die sich wie Abgründe vor mir auftun. Wie immer heißt es da: Aufgeben zählt nicht. Und falls es euch beruhigt … auch in meinem Buch wurde zur Abwehr von Fremden eine Mauer gebaut. So komisch ist das in den USA also alles gar nicht … Hier nun ein kurzes Zitat aus Band II. Damit verabschiede ich mich dann auch von euch:

zitat_bezirknull

Bis dahin
+Mika+


Totenläufer gibt es als Ebook und Taschenbuch bei Thalia oder auf Amazon.

cropped-headerdunkelfeder_januar2017.jpg