Schreibarbeit

Wie ein Roman entsteht

Lang, lang ist’s her. Wisst ihr noch, wie ich hier auf dem Blog von meinen Schreibfortschritten berichtet habe? Es kommt mir so vor, als sei das erst ein paar Wochen her, tatsächlich ist über ein Jahr vergangen! Unglaublich. Aus dem damaligen Projekt »Hurt No One« ist ein Buch geworden, das viele gute Kritiken bekommen hat. Im Moment arbeite ich an dem Fortsetzungsprojekt und deshalb ist es an der Zeit die Beitragsreihe »Wie ein Roman entsteht« wiederzubeleben. Was genau euch da erwartet erfährt ihr heute.

Was ist „Wie ein Roman entsteht“?

Simpel ausgedrückt verfolgt ihr hier auf dem Blog die Entstehung meines Romans. Mir ist klar, dass ich nicht die erste Autorin bin, die über ihre Projekte berichtet und womöglich kommt euch der Gedanke: »Habe ich schon tausend mal gelesen. Man setzt sich hin, tippt, veröffentlicht. Ende im Gelände. Kann ja nicht so schwer sein.« Aber ganz so einfach ist es nicht, denn hinter jedem fertigen Buch steckt ein langer Schaffensprozess mit viel Drama, zeitintensiven Überlegungen, euphorischen Freudenschreien oder auch Tränen. Ich probiere es mit wenig Drama, mehr Humor und ein bisschen Spannung, damit ihr etwas beim Lesen Spaß habt. Also, schön, dass ihr da seid.

Sta~~~~rtschu~~~~sss?

Na, noch nicht ganz. Bevor es richtig losgeht, ein kurzer Rückblick für all diejenigen, die neu hier hereinschauen: Ich schreibe seit November 2015 an einer dystopischen Reihe mit dem Titel »Silver Coin 203«. Es ist ein actionreiches Buch mit vier völlig verschiedenen Protagonisten, deren Schicksale sich gegenseitig verstricken und das jeweils anderen beeinflussen. Ob zum Guten oder Schlechten ist dabei nicht immer klar. Band I »Totenläufer« ist im November 2016 als Taschenbuch und Ebook erschienen. Mit Band II »Bezirk Null« geht es seit Dezember weiter und jede Woche wächst das Manuskript ein Stück, was ein beruhigendes Gefühl ist, denn an diesem Projekt zu schreiben ist ein bisschen wie Nach-Hause-Kommen. Ich finde beim Schreiben Ruhe. Was angesichts der Tatsache, dass im Buch Intrigen gesponnen, geprügelt und heftig gestritten wird, abwegig klingt. Aber ja, ich kann den Stress des Alltags dort rauslassen und fühle mich einfach wohl. Liegt wohl auch an den Figuren, die inzwischen wie Freunde geworden sind.

Hier die Rahmendaten des Projekts:

Umfang: 16 Kapitel
Slogan: »Vergeben bedeutet Macht« und »Erinnerungen sterben nie«
Kapitel in Rohfassung: 14
Kapitel bei Testlesern: 1
Coverbild: noch offen
Klappentext: noch offen

Das neue Projekt Bezirk Null …

Was erwartet mich als Autorin und euch als Leser eigentlich mit diesem Buch? Kurz gesagt, ein Wust an harter Arbeit. In vorherigen Beiträgen habe ich es bereits anklingen lassen, aber Bezirk Null stellt mich vor eine strukturelle Herausforderung. Es hat zwei völlig verschiedene Handlungsorte, fünf Perspektiven und mehrere Rückblenden in die Vergangenheit. Es ist kompliziert, da eine klare Linie zu verfolgen, doch nach Stunden des Grübelns habe ich eine Lösung gefunden. Wuhu! 😀  Diese lautet: Ich greife ein Thema aus Band I auf und lasse alle Handlungsstränge an der Auflösung dieses Themas arbeiten. Damit habe ich einen roten Faden, die Kapitel hängen zusammen und ich stelle zudem den Bezug zu Band eins her. Ohne zu viel vorwegzunehmen lautet die übergeordnete Frage zu diesem Thema: »Was zum Teufel ist Experiment Palladium und was macht das eigentlich mit dem Menschen, an dem geforscht worden ist?«

Derzeit sitze ich an der Überarbeitung. Kapitel eins wurde an zwei Testleser gegeben und von ihnen mit Genuss gelesen, um anschließend mit genauso viel Genuss zerpflückt zu werden. Natürlich nur, um alles besser zu machen, so viel ist klar. 😉

Ansonsten drücke ich mich vor einer Actionszene am Hafen. Damit ich diese gut über die Bühne bringen kann, habe ich wie üblich eine detaillierte Skizze angefertigt und müsste mir nur noch die einzelnen Abläufe überlegen. Wo ist wer? Wann schießt wer? Wer ist überhaupt da? Aber wie das eben so ist, manchmal … ist Netflix zu spannend:

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Der Auswanderungshafen von Red-Mon-Stadt. Die Form ist inspiriert vom Hafen Yokohama.

Damit ich die Rahmenhandlungen in Bezirk Null überblicken kann, habe ich mir einen Zeitstrahl angelegt. Dadurch verliere ich die wichtigen Momente nicht aus den Augen und behalte gleichzeitig im Blick, welche Parallelhandlungen so passieren:

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Das sind neben einer Karteikartenübersicht derzeit meine Grundlagen zur Strukurierung. Es kann also jederzeit mit der Actionszene richtig losgehen!

Ausblick für August und September

Fest steht, ich werde mir Kapitel zwei vorknöpfen und eine Kurzzusammenfassung schreiben. Danach muss ich die einzelnen Szenen auf ihre Notwendigkeit hin überprüfen und mir überlegen, wie ich durch Kürzen mehr Spannung erzeuge. Anschließend brauche ich einen Schlachtplan für die Perspektive von Person fünf. Diese Person bekommt in »Bezirk Null« nach einem recht »sympathischen« Auftritt in Totenläufer eine eigene Stimme und ja, auch das könnte schwierig werden, denn diese Person hat eine ganz eigene Sprache, die simpel, intuitiv und selbstironisch ist. Alles Attribute, die fast nichts mit meiner Art gemein haben. In dem Sinne freue ich mich auf Stunden des Grübelns und Korrigierens, bis der »AHA«-Moment kommt und alles Sinn ergibt. Auf dass der unsympathischste Nebencharakter am Ende die beliebteste Figur wird, nicht wahr?

Abschließend ein Zitat aus dem aktuellen Rohtext. Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit. Ich aus Red-Mon-Stadt verabschiede mich und wünsche einen stets sicheren Tag. Bis zum nächsten Mal!

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Wie ein Roman entsteht: Teil I

Wie ein Roman entsteht: Teil II

Wie ein Roman entsteht: Teil III

Beitragsbild: Coffee and Chocolate von Anders Printz

Aktuelles, Silver Coin 203

Bezirk Null

Guten Abend ihr Lese- und Schreibbegeisterten,

einige von euch verfolgen mein Blog ja nun schon seit über einem Jahr und haben miterlebt, wie mein Manuskript Totenläufer Stück für Stück gewachsen und zu einem vollständigen Buch geworden ist. Alles begann mit einer Liedzeile und endete mit einem 400-seitigen Taschenbuch. Obwohl „endete“ der falsche Ausdruck ist, denn die Geschichte ist noch längst nicht zu Ende erzählt. Immerhin habe ich Band I mit einem bösen Cliffhanger enden lassen! Verzeiht mir. Nun, da Viele das Buch gelesen haben, darf ich es ja offiziell aussprechen. Ich habe einen Cliffhanger benutzt! Und ja, es fühlt sich gut an. War echt schwierig, das über Monate geheim zu halten. Zurück zum eigentlichen Thema. 2017 steht im Zeichen von Band II …


Was wird euch im nächsten Buch erwarten?

Es wird einige unvorhersehbare Wendungen geben, irgendwer entpuppt sich wohl als Feind und irgendwas passiert mit den Protagonisten. Ich weiß, damit habe ich eigentlich nichts gesagt und das war auch das Ziel, noch behalte ich die Details für mich. Aber im Laufe der nächsten Monate werde ich hier ein wenig vom Inhalt preisgeben. So viel soll aber schon mal gesagt sein: Es wird mehr Action geben. Immerhin ist ein gewisser Soldat nun auf freiem Fuß und kann seine charakterlichen Widersprüche ohne Hemmungen zeigen.

Heute geht es aber erstmal um den Titel. Letztes Jahr fiel es mir ja unheimlich schwer, überhaupt zu entscheiden, wie mein Buch heißen wird. Erst zwei Monate vor der Veröffentlichung wusste ich eine Lösung und das war doch ein wenig zu spät. Nun steht der Titel fest, bevor überhaupt die Rohfassung fertig ist, aber das motiviert:

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Stellt euch das Ganze in Silver Coin Schrift vor. Ich bin gerade mit Netbook unterwegs und mir fehlt da die Schriftart.

Band II wird also „Bezirk Null“ heißen. Nicht Teppichläufer, nicht Silbermünzenverkäufer und auch nicht 203er. Es ist schlicht „Bezirk Null“.  Die Bezeichnung für einen Ort, der gar nicht existieren dürfte, aber es dennoch tut. So wie die Null für das Nichts steht. Ein Bezirk, der im Grunde ein Paradoxon ist. Ob da nun Chaos und bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen, wie behauptet wird, wird sich zeigen. Fakt ist, es liegt viel Schnee …


Zitat und wie weit bin ich?

Ich kann zumindest sagen, dass die erste Szene so gut wie fertig ist und 53.000 weitere Wörter, mit mehr oder minder guter Qualität, warten auf eine Überarbeitung. Ich habe ansonsten die Struktur durchdacht, muss aber noch einige Plotlöcher stopfen, die sich wie Abgründe vor mir auftun. Wie immer heißt es da: Aufgeben zählt nicht. Und falls es euch beruhigt … auch in meinem Buch wurde zur Abwehr von Fremden eine Mauer gebaut. So komisch ist das in den USA also alles gar nicht … Hier nun ein kurzes Zitat aus Band II. Damit verabschiede ich mich dann auch von euch:

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Bis dahin
+Mika+


Totenläufer gibt es als Ebook und Taschenbuch bei Thalia oder auf Amazon.

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Gedanken-Mix

Tschüss 2016, hallo 2017

Es ist soweit. Ein neues Jahr ist gekommen. Eine Tür schließt sich, eine andere öffnet sich und wir werfen einen Blick in einen Raum voller Möglichkeiten. Was wollen wir mit diesem neuen Jahr machen? Was soll es uns bringen? Dieses 2017 … das nicht einfach nur eine Zahl ist, sondern ein Bilderrahmen, in dem ein noch leeres Blatt Papier hängt. Was wir darauf malen wollen, ist uns überlassen, aber damit es etwas Gutes wird, ist wohl eine Skizze notwendig. 


Erinnert sich noch jemand an meinen Beitrag „Wann wir nicht im Vorsatzrausch untergehen“? Am 10. Januar 2016 habe ich euch und mir selbst erklärt, worin der Zauber des neuen Jahres liegt und weshalb wir zu dieser Zeit stets etwas ändern wollen. Ich kam zu dem Schluss, dass Vorsätze in Wirklichkeit realistisch abgesteckte Ziele sind und schrieb:

Warum wir jedes Jahr aufs Neue etwas ändern wollen, liegt nicht etwa daran, dass wir in die Zukunft blicken können, sondern, weil wir uns an die vergangenen Monate erinnern, unzufrieden sind und uns wünschen, alles wäre anders. Ziele sind Vorsätze und Vorsätze sind Ziele. Wer sich keine Ziele steckt, kann nichts erreichen.

Zugegeben, das ist eine drastische Meinung, von der ich jetzt ein Stück abrücken möchte. Es ist nämlich nicht so, dass jemand ohne Ziele nichts erreicht. Er ist eben nur etwas planloser, intuitiver und spontaner. Tatsächlich hat so gut wie jeder kleinere oder größere Ziele. „Ich werde eine Kurzgeschichte schreiben.“ „Ich lese das Buch von XYZ.“ „Ich schaffe meine Prüfungen.“ Meist sind diese Ziele losgelöst von dem, was wir bereits erlebt oder getan haben. Sie sind sogar ziemlich statisch und man bekommt dein Eindruck, ein Davor habe es gar nicht gegeben. Oder noch schlimmer, das davor sei nur ein langweiliges, leeres Blatt Papier gewesen. Es sollte klar sein, dass dem nicht so ist. Viel eher reden wir uns das stetig ein, dabei müssen wir nur mal die Augen öffnen und genau hinschauen. Ich bin mir sicher, dann wird aus dem Weiß ganz schnell etwas Schönes. Also, erstes Ziel für 2017:

Kurz durchatmen, zurückschauen und mir klar machen, was ich schon alles geschafft haben.

Okay ja, das klingt jetzt vermutlich alles irgendwie merkwürdig. Wo ist die Mika hin, die euphorisch in die Zukunft schaut und am besten alles auf einmal erreichen will? Die ist ja nicht weg, es ist nur so, dass mir im letzten Jahr klar geworden ist, wie selten wir mal stolz auf das sind, was wir tun. Das gilt nicht nur für mich. Der Wunsch, immer mehr und mehr erreichen zu wollen, kann einen ratlos zurücklassen. Denn im Grunde ist nichts mehr genug. Für mich fühlt es sich ständig so an, als ob ich auf der Stelle trete. Was ist schon eine Veröffentlichung? Was ist schon ein Stand auf einer Messe? Was ist schon …  Fühlt sich irgendwie nicht wirklich toll an. Deshalb denkt vielleicht auch einfach mal kurz daran, welche guten Sachen ihr in 2016 erlebt habt und knüpft an diese an. Als Buchblogger, Leser, Autor, Freund, Sohn, Tochter, was auch immer. Ich denke, da ist viel mehr Gutes passiert, als es wir uns eingestehen wollen oder es auf den ersten Blick den Anschein hat.


Was habe ich in 2016 erreicht? Meine Ziele vom Vorjahr

2016 war für mich ein gutes und erfolgreiches Jahr. Um bei dem Bildvergleich zu bleiben, es war eher abstrakt als real, aber es hätte sich ganz gut an der Wohnzimmerwand gemacht. Ich habe meine Erwartungen in allen Punkten übertroffen. Mein zweites Buch „Totenläufer“ ist veröffentlicht worden, ich bin so gut wie umgezogen, habe mein Blog regelmäßig aktualisiert, war auf der Leipziger Buchmesse als Autorin präsent und in einer offline Schreibcommunity aktiv. Und noch dazu habe ich meine Autorenfreundin Stella Delaney in der Schweiz besucht und Sarah Ricchizzi im Norden von Deutschland, was für mich die absoluten Highlights waren. Das Einzige, was ich nicht schaffen konnte, war Teil II von Silver Coin 203 zu beenden. Auch nicht schlimm, denn zumindest die Struktur ist durchdacht und ich arbeite fleißig daran, die Rohfassung fertigzustellen. Was ich außerdem schon verraten kann ist, dass der Titel bereits feststeht. Wie Band II heißen wird, erfahrt ihr am Donnerstag hier auf dem Blog.

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Materialien, um ein gutes Bild zu malen. So 2017, wie wirst du aussehen?

Meine Ziele für das Jahr 2017

Damit dieses Jahr auch ein schönes Bild bekommt und kein leeres Blatt Papier bleibt, formuliere ich auch in diesem Jahr wieder meine Ziele. Wie immer pinne ich sie als Notiz auf meinem Handy an und kann sie zu Silvester abhaken:

  • Ein kurzes Zwischenprojekt veröffentlichen (Herbst)
  • Erste Fassung von Silver Coin 203 Band II fertig haben + Testlesern schicken
  • Ausstellerin auf der Buchberlin sein (Herbst)
  • Eine Gruppe für dystopische Literatur gründen
  • eine Verlagsbewerbung vorbereiten
  • aktiv meinen Blog weiterführen und mehr Inhalte über Red-Mon-Stadt veröffentlichen

 


Nun zu euch. Was ist euer Plan? Habt ihr überhaupt einen oder wollt ihr einfach ein bisschen Farbe auf das Papier werfen? Würde mich freuen, von euch zu hören.

+Mika+

Fotos von Pixabay

Aktuelles, Gedanken-Mix

Messebericht Buchberlin: Ein Resümee

Es ist fast zwei Wochen her, seit ich aufbrach, um mit meiner Autorenkollegin Sabine Schulter als Ausstellerin auf der Buchberlin zu sein. Meine erste Messe, meine erste Chance, direkt mit Lesern zu sprechen. Eigentlich wollte ich schon früher davon berichten, aber letzte Woche war ich noch so von den Eindrücken geplättet, dass ich erstmal eine Pause brauchte, um mich zu sortieren. Inzwischen ist das Chaos wieder sortiert und alles läuft in halbwegs geregelten Bahnen. Hier also mein Bericht zur Buchberlin.


Vor der Messe: Organisieren bis zur letzten Minute

Buchmessen sind für mich immer großartig. Auch als Besucherin, tümmle ich mich gern zwischen den Lesebegeisterten und lasse mich von der Stimmung mitreißen. Dieses Mal hatte ich jedoch meinen eigenen Stand und das war neu. Meine einzige Messeerfahrung hinter den Kulissen war 2011, als ich das Deutschlandfest in Japan zu kleinen Teilen mitorganisieren durfte. Damals lag die die Verantwortung auf den Schultern von jemand anderem, dieses Mal bei mir ganz allein. Dementsprechend war ich, wie ihr meinem letzten Beitrag über die Buchberlin entnehmen konntet, reichlich nervös. Mein Patentrezept gegen die Nervosität: Einfach bis zum letzten Tag vor der Messe so viel zu tun haben, dass man vergisst, was vor einem liegt. Ob der Aufbau eines Probestands, das Erstellen einer Inventarliste und Preisliste oder das Zusammenpacken der Kisten, beinahe bis kurz vor der Abfahrt habe ich noch Dinge organisiert und mich gut abgelenkt. Das hat geholfen, meine Aufregung zu kontrollieren.

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So sah unser Stand aus. Wir hatten auch ganz liebe Standnachbarn. Den Arunya Verlag.

Aufbau – Start in den ersten Messetag

Nachdem Sabine, ihr Mann Tobi und ich uns in ein mit Kisten bis oben hin vollgepacktes Auto gequetscht hatten, halbwegs glimpflich den Weg zum Estrel fanden und dort alles lagerten, waren wir alle ein wenig erleichtert. Allerdings startete der erste Messetag mit Chaos. Die Ringbahn in Berlin war gesperrt, was zur Folge hatte, dass ich länger zur Messe brauchte, als geplant. Acht Uhr wollte ich da sein, etwa zwanzig Minuten später kam ich an. Völlig aus der Puste, weil ich trottelig wie ich bin, viel zu früh aus dem Bus gestiegen bin und irgendwo in der Mitte der Sonnenallee rauskam. Ups. Kann schon mal passieren. Das bedeutete: Im Sprint mit Rucksack bepackt die Straße hinunterhasten, um noch halbwegs pünktlich zu kommen. 2 Kilometer habe ich im Schnellschritt geschafft. Fragt mich nicht, wie das ging. Jedenfalls konnte ich noch tolle Berliner Sightseeingspots besichtigen: Döner Laden 1, Döner Laden 2, Döner Laden 3 und nicht zu vergessen der schöne Döner Laden 4. Alle gut besucht.

Am Estrel haben wir dann recht zügig alles aufbauen können. Erst Tischdecke, dann die Buchständer, dann die Bücher und irgendwie alles unter dem Tisch verstauen, wo es niemand sieht. Etwa 9:30 waren wir mit dem Aufbau fertig und mir ist persönlich ein Stein vom Herzen gefallen.

Um zehn öffneten dann die Tore und ich bekam moralische und seelische Unterstützung von meiner guten Fee: Stella Delaney. Sie war extra aus der Schweiz angereist und hat uns sehr geholfen. An sich war sie nur als Besucherin eingetragen, aber im Laufe des Tages stand sie mehrfach hinter dem Stand und hat Sabines und meine Bücher angepriesen. Besser als ich es je gekonnt hätte. Sie ist einfach gut darin!

Zum Auftakt der Buchberlin gab es auch einen Flashmop mit musikalischer Untermalung. Von diesem wussten wir Aussteller bereits, aber leider … haben wir davon nicht viel gemerkt. Wir waren ja doch relativ außen am Zipfel und bekamen nichts davon mit. Schade eigentlich.

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Ähm ja, das bin dann wohl ich …

Ablauf der Messetage

In den ersten Stunden war ich unglaublich nervös. Meine Hände haben gezittert und ich brachte nur irgendwelche merkwürdig gestammelten Sätze heraus, die sonst nicht meine Art sind. Die ersten Leser an unserem Stand haben mich deshalb wohl leider auch etwas merkwürdig erlebt. Entschuldigt! So bin ich in Wirklichkeit gar nicht. Ich-rede-Sätze-ganz! So-echt-so! Irgendwann hatte sich das jedoch gelegt und dann hatte ich wirklich Spaß daran, die Leute anzusprechen und mit ihnen zu quatschen. Denn das ist es ja eigentlich, was man macht. Quatschen. Ich würde gern sagen, ich kann mich daran erinnern, was ich gemacht habe und wie. Aber nein, kann ich nicht. Ich weiß, ich war zwischendurch Kaffee trinken, habe Kartoffelecken spendiert bekommen und etliche Leseproben herausgegeben und Bücher verkauft. Was ich jedoch noch sehr deutlich weiß, dass am Samstag und auch am Sonntag viele Menschen da waren, die ich hier über das Blog, Neobooks, Facebook und andere Portale kennengelernt habe. Das war für mich mein persönliches Highlight, denn damit habe ich nicht gerechnet. Man sitzt ja immer nur vor dem Bildschirm und tippt unbemerkt von allen anderen vor sich hin und dann … stehen die Leute plötzlich vor einem. Das ist wirklich grandios! Ein Dank an euch alle, die ihr da gewesen seid. Das hat mein erstes Messewochenende zu etwas ganz Besonderem gemacht.

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Das Estrel. Ein riesiger Komplex mit zwei großen Hallen.


Die Messeziele

Vor der Messe hatte ich ja einige Ziele formuliert, die ich gern umsetzen wollte. Diese werde ich jetzt nochmal durchgehen und gleichzeitig aufzeigen, was gut gelaufen ist und wo eventuell noch Verbesserungsbedarf besteht.

  1. Neue Leser erreichen: In den Tagen nach der Messe sind einige Menschlein auf Facebook oder hier auf dem Blog dazugestoßen und ich konnte auch einige Verkäufe auf den Onlineportalen verzeichnen. Ich denke also, zumindest ein paar neue Leser konnte ich erreichen. Ein wenig mehr nachträgliche Resonanz hätte ich mir dennoch gewünscht. Wär gut, wenn man wissen könnte, weshalb es nicht noch mehr gewesen sind.
  2. Zwischen den anderen auffallen: Unser Rollup hat viel gebracht. Es war von weitem gut zu sehen und hat Einige angezogen. Allerdings gab es, und das muss ich ehrlich sagen, einige Stände, die mehr in die Aufmachung investiert haben als wir und dadurch eher einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Nächstes Mal anders.
  3. Einen professionellen und interessanten Eindruck machen: Sabine und ich wurden mehrfach mit einem Verlag verwechselt. Vermutlich, weil die meisten Self-Publisher sich sonst nur einen kleinen Einzeltisch leisten konnten und wir im Team auftraten sowie insgesamt 10 Bücher präsentieren konnten. Das ist für zwei einzelne Personen schon eine ganze Menge.
  4. Die Standgebühr über Verkäufe erwirtschaften: Da gibt es nichts zu sagen. Check. Hat gut funktioniert.

 


Was werde ich anders machen?

Die Aufmachung des Stands. Ich habe gemerkt, dass unser Stand dadurch positiv aufgefallen ist, weil wir eine sortierte und übersichtliche Auswahl auf unserem Tisch zu liegen hatten, aber etwas mehr Kreativität muss nächstes Mal noch in die Gestaltung fließen. Ich bin ja jemand, der es mag, sich in jeder Hinsicht auszutoben, nur war ich noch etwas unsicher, was überhaupt geht. Fakt ist: Weniger Bücher bestellen, mehr in den Gesamteindruck investieren. Ich stelle mir vor, Totenläufer Kekse anzubieten oder „Useful“-Beutel im Stil meines Buches zu organisieren. Eventuell auch einzelne Tassen, die handbemalt sind, anbieten. Wenn ich das machen will, muss ich jedoch deutlich früher mit der Planung anfangen. Anfang Juni ist eine gute Zeit.

Für viele Leser waren meine Leseproben zudem schwer als solche zu erkennen. Das muss definitiv klar zu erkennen sein.

Preisschilder sind nicht notwendig, habe ich gemerkt. Das klärt sich meist im Gespräch und Bücher haben ja eh immer einen ähnlichen Preis.

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Fazit

Es sind nur zwei kleine Schritte hinter den Tisch, die den Unterschied zwischen Aussteller und Besucher machen, aber es gehört einiges an Mut dazu, sein eigenes Werk anzupreisen. Die Messe hat mir gezeigt, dass das gar nicht so schwer ist, wenn man erstmal damit anfängt, die Leute anlächelt und sie in ein nettes Gespräch verwickelt. Wir sind ja alle Lesebegeisterte, die sich verstehen. Nächstes Jahr hat mich die Buchberlin definitiv wieder. Von der Organisation her kann ich mich nicht beschweren. Ich wusste sofort wohin, war immer informiert und hatte den Eindruck, es wurde viel für uns Aussteller getan.


Solltet ihr noch mehr Beiträge über die BuchBerlin lesen wollen. Hier eine Auswahl:

Sarah Ricchizzi

Messebericht

Evolution Buch Berlin

Hinter den Kulissen


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Seit vier Tagen gibt es Totenläufer jetzt auch als Taschenbuch. Wer Lust auf düstere Action mit Soldaten, Rebellen und einer sicherheitsfanatischen Regierung hat, einfach mal vorbeischauen.
Aktuelles, Gedanken-Mix

Neuveröffentlichung: Zwischen Euphorie und Panik

Ein Jahr habe ich gekämpft, Freudentränen geweint, verzweifelte Wutanfälle erlebt und jedes Wort tausendmal umgedreht. Ich habe gezweifelt, mich selbst gestresst und so manches Mal beinahe alles abgebrochen. Vor allem, weil ich mich gefragt habe, ob euch das, was ich da in Word eintippe, überhaupt interessiert. Die Geschichte eines Soldaten, der gezwungen ist, unaussprechliche Dinge zu tun und die Geschichte einer Frau, die ihm nicht vergeben will, aber es dennoch tut. Ist das überhaupt etwas, was jemand gern lesen möchte, oder doch nur der nächste billige Abklatsch von Tribute von Panem? Nun werden sich diese Frage beantworten, denn seit ein paar Tagen ist mein Buch Totenläufer als Ebook erschienen. Derzeit pendle ich zwischen einem Gefühl von Euphorie, Nervosität und … auch ein wenig Panik. Denn all die Wochen, die ich mich mit diesem Projekt beschäftigt habe, waren nicht allein für mich. Nein. Ein Buch lebt erst, wenn jemand es in die Hand nimmt und darin liest. Erst dann werden die toten Zeilen zu etwas Fantasievollem, Furchtbaren oder auch Bewegenden. Davor ist es nur Papier oder eine Datei mit dem Namen Totenläufer.epub. Nur ein Objekt ohne Seele. Die Fantasie darin entfaltet sich erst, wenn ihr es lest. Da gibt es keinen Zweifel.

Wer mich kennt weiß, dass ich es im Grunde verabscheue, Werbung für mich selbst oder meine Bücher zu machen. Es kommt mir aufdringlich vor, sich hinzustellen und mit stolz geschwelter Brust zu verkünden, wie toll das eigene Machwerk eigentlich ist. Vor allem, weil der innere Kritiker in mir meist laut schreit: „Das geht noch viel, viel, viel besser! Du bist noch lange nicht gut genug!“ Euch wird in den letzten Wochen vermutlich aufgefallen sein, dass ich dennoch immer mehr angefangen habe, über meine Projekte zu sprechen. Online und im realen Leben. Um ehrlich zu sein, ist das nicht immer leicht, denn in meinem Herzen bin ich ein unsicherer Mensch. Und neben all der Freude, die ich empfinde, wenn einer von euch hier einen Kommentar schreibt, mir eine persönliche Nachricht da lässt oder mich auf mein Schreiben anspricht, ist da auch immer ein unangenehmes Gefühl, das mich in die Seite sticht. Ich frage mich, ob ich euch allen vielleicht nicht gerecht werde. Ihr, die ihr gerade auf den Bildschirm schaut und euch extra für mich Zeit nehmt. Das ist nicht selbstverständlich in einer Zeit, in der der Sekundenzeiger irgendwie doppelt so schnell an uns vorbeizurasen scheint. Das ist es wahrlich nicht!

Im Jahr 2014 habe ich mein erstes Buch veröffentlicht. Im stillen Kämmerlein, beinahe unbemerkt, weil ich mich tatsächlich etwas dafür geschämt habe. Nicht, weil ich das Buch nicht mochte, darum ging es gar nicht. Sondern, weil ich dachte, es sei nicht richtig, mich mit derlei Träumereien zu beschäftigen, während andere von morgens bis spät abends in ihrem Job arbeiten und sich tag ein tag aus dafür aufopfern. Einige wenige Menschen wussten natürlich trotzdem davon, viele waren es jedoch nicht. Deshalb war ich sprachlos, als die ersten Rezensionen eintrudelten und wirklich gut ausfielen. Das kam mir wie ein Wunder vor. Nun sind zwei Jahre vergangen und ich bin mutiger geworden. Auch, weil ich weiß, dass ich inzwischen viel Unterstützung habe. Freunde, die an mich glauben, Menschen, die meine Geschichten mögen, Blogger, die ab und an hier vorbeischauen. Für mich ist das mehr wert als die Verkaufszahlen von Amazon oder der Rang meines ebooks auf einer Liste. Denn deshalb habe ich überhaupt angefangen zu schreiben. Ich wollte Geschichten erzählen, die andere interessieren und ihnen etwas mit auf den Weg geben. Wie auch immer dieses „Etwas“ aussieht.

Genau aus diesem Grund habe ich auch mein neues Buch Totenläufer geschrieben. Es ist ein gesellschaftskritischer Roman mit Actionszenen und einigen unvorhersehbaren Entwicklungen. Vier völlig unterschiedliche Personen leben in einer zukünftigen Welt und schaffen es mehr oder weniger gut, sich den Gegebenheiten dort anzupassen. Wer der Protagonist ist, ist nicht sofort klar, denn wie im richtigen Leben, erkennt man meist erst auf den zweiten Blick, was wirklich wichtig ist.
Ihr findet das Ebook derzeit auf Amazon und Neobooks. Thalia, ebook.de und alle anderen Händler werden es im Laufe der nächsten Woche gelistet haben. Vielleicht ist ja der ein oder andere unter euch, der mal ein Buch abseits vom Mainstream lesen und mir eine Chance geben möchte. Ich würde mich wahnsinnig freuen!

In dem Sinne wünsche ich euch allen ein grandioses Wochenende, in dem ihr ja vielleicht spannende, mysteriöse und unglaubliche Dinge erlebt. Bis dahin.

+Mika+

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