Schreibmonat November: Chaos und Wörterzählen

Der Titel dieses Beitrags klingt auf den ersten Blick nach Kritik. Vorneweg, ich bin ein Schreibmonat-Befürworter und mir geht es in erster Linie darum, zu beschreiben, wie es mir im November ergangen, und dass, in dem ich pro und contra abwäge.  Womöglich habt ihr euch gewundert, warum ihr diesen Monat auf meinem Blog keine Beiträge wie im letzten Jahr gefunden habt. Das lag nicht etwa daran, dass ich nichts zu berichtetn hatte, sondern daran, dass zu viel zu tun war und bei mir derzeit alles im Umbruch ist.


Dieses Jahr war anders. So viel steht fest. Angesichts meines ersten Schreibmonats war ich letztes Jahr ungewöhnlich euphorisch und habe hier auf dem Blog viel über meine Vorbereitungen berichtet. Diese Euphorie hat sich leider in diesem Jahr von mir verabschiedet, einfach, weil meine Zeit zu knapp war. Ich konnte mir nicht viele ernsthafte Gedanken über mein Vorgehen machen oder gar überlegen, was genau ich eigentlich schreiben will. Wir ihr wisst, war mein Plan, dass ich an zwei Projekten gleichzeitig zu arbeiten, um eine gewisse Qualität zu gewährleisten. Das hatte ich aus dem Vorjahr gelernt. Es sollte keine Hau-Ruck-Aktion werden. Im Endeffekt ist es dann genau das geworden und ich musste „Licht in Makkuro“ vorerst verwerfen. Was mich sehr bedrückt, da viele von euch Interesse an diesem Projekt haben und dafür gestimmt haben. Ich garantiere euch, das Projekt ist nicht vergessen, aber Silver Coin 203 – Band II war mir erstmal wichtiger. Gerade, weil ich schon seit über einem Jahr in dem Universum stecke und es mich einfach nicht loslässt.

Was tat ich also am 01. November, als der Startschuss fiel? Ich habe irgendwie, ohne Sinn und Verstand losgeschrieben. Etwas, was ich sonst vermeide. Der erste Satz stand zwar fest, aber alles danach wurde während des Schreibens entwickelt. Ihr könnt euch vorstellen, dass da ein gewaltiges Chaos entstand, das Tag für Tag mehr Gestalt annahm, aber nichts mit dem gemein hatte, was ich eigentlich wollte: Ein gut durchstrukturiertes Werk, das sofort Hand und Fuß hat. Das war der große Nacheil dieses Schreibmonats und vielleicht habe ich deshalb bis zum Ende hintergehinkt und nur einzelne Szenen geschrieben, anstatt einen zusammenhängenden, in sich schlüssigen Text zu produzieren. Vor der Überarbeitung graut es mich jetzt schon (startet im Januar)! Mag das jemand für mich übernehmen? 😀

arbeitstisch

Mit der Zeit sammelt sich so einige Zettelei an, wenn man an einem Projekt arbeitet. Oben links seht ihr die Figurenblasen. So viele Charaktere sind schon aufgetaucht und es werden nur noch mehr.

Aber natürlich gibt es auch einen großen Vorteil an dieser Art des Schreibens, denn es bedeutet, vollständig alle Ängste abzustreifen und das hat mir gut getan. Denn zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich vor einem Romanprojekt Respekt. Band II von Silver Coin 203 hat zwei verschiedene Handlungsstränge, die an zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten spielen und dennoch miteinander zu tun haben. Es gibt fünf Erzählfiguren und einige Rückblenden in die Vergangenheit meiner Protagonisten. Das alles logisch zu verknüpfen ist … nun ja, kompliziert. XD Daher war es wie ein Befreiungsschlag, als ich einfach irgendwie angefangen habe und den bösartigen Gedanken in meinem Kopf („Das wird nie was“) ganz weit nach hinten geschoben habe. Meine Scheu vor dem ersten Kapitel habe ich endlich überwunden und mir wurde im Verlauf des Monats immer klarer, wie ich alle Elemente zusammenfügen und gleichzeitig das Feedback meiner Leser aus Band I einbauen kann.

Das Wörterzählen war zudem eine Sache, die ich aus dem Vorjahr nicht kannte. Normalerweise schreibe ich einfach, ohne an Wörter zu denken. Im Vorjahr war das zumindest der Fall. Dieses Mal ertappte ich mich mehrfach dabei, wie ich auf meine Wörter schielte, um zu prüfen, ob ich noch im Rahmen bin. Ganz persönlich halte ich davon nicht allzu viel, denn es geht ja auch um die Qualität des Geschriebenen. Es kann einfach kein guter Text entstehen, wenn man innerhalb von einer Stunde 1000-2000 Wörter zu Papier bringt. Jeder, der etwas anderes behauptet, der, meine Meinung, redet sich da was ein. Das hat mich schon etwas unter Druck gesetzt und ich musste mich teils zwingen, mehr zu schreiben. Ein Zustand, den ich so auch noch nicht erlebt habe.
Aber vermutlich war genau das gut, denn in den letzten Monaten war ich so damit beschäftigt, meinen Text rund zu machen, dass ich kaum mehr richtig denken konnte. In meinem Kopf hatte sich ein Knoten gebildet, der sich einfach nicht mehr lösen ließ. Mir ist deshalb auf dem Weg verloren gegangen, weshalb ich überhaupt begonnen habe Silver Coin zu schreiben. Im Schreibmonat fiel es mir wieder ein. Der Satz: „I never meant to hurt no one“ war der Anlass und ich stellte mir die simple Frage danach, was genau dazu führt, dass jemanden sagt, er habe nie jemandem schaden wollen, aber es letztlich doch getan. Ein simpler Gedanke, aus dem dann die Geschichte von Neel, Rina, Tom und Amanda wurde. Band I ist da wohl nur die Einführung, während Band II ganz im Zeichen der Vergangenheit stehen wird. So viel soll schon mal gesagt sein.


Fazit nach diesem NaNo

Für mich steht fest, es wird keine Veröffentlichung mehr im NaNoWriMo geben. Auch wenn ich damit einigen Lesern das Herz breche, Silver Coin 203 Band II wird frühestens im Januar 2018 erscheinen. Ich weiß, das fordert viel Geduld von euch, aber es ist die einzig logische Entscheidung, wenn ich euch am Ende ein gutes Buch mit einer soliden Geschichte bieten möchte. Quality first. Das ist für mich am wichtigsten, auch wenn das bedeutet, vielleicht vergessen zu werden. Vielleicht, vielleicht schaffe ich es ja, ein kurzes Projekt zwischenzuschieben, damit ihr nicht allzu lange auf etwas Neues warten müsst.


Mehr über die Welt von Silver Coin (Red-Mon-Stadt) erfahrt ihr auf meiner Facebookseite, wo ich jeden Mittwoch und Samstag um 18 Uhr einen Red-Mon-Stadt-Talk eingeführt habe und in satirischer Art meinen eigenen Roman und die Figuren darin auf die Schippe nehme.

In dem Sinne wünsche ich euch noch einen besinnlichen 3. Advent!

adventkerze

8 Gedanken zu “Schreibmonat November: Chaos und Wörterzählen

  1. „Gerade, weil ich schon seit über einem Jahr in dem Universum stecke und es mich einfach nicht loslässt.“

    Das merkt man sehr. Selten habe ich ein Buch gelesen, wo schon auf den ersten Seiten klar wird, wie sehr der Autor sich mit der Welt auseinandergesetzt und wie detailliert und liebevoll er diese gestaltet hat UND wo es derselbe Autor dann doch schafft, mir als Leser keinen Haufen Infos vor die Füsse zu werfen. Du zeigst die Welt, wie sie ist, und lässt sie quasi vor den Augen des Lesers wachsen und mehr und mehr Gestalt annehmen. Sie entwickelt sich, und sie ist in sich logisch. Das ist eine grosse Leistung 🙂

    Und dann muss ich gleich nochmals deine schönen Zeichnungen loben. Ich finde die immer höchst faszinierend ^^

    Abschliessend möchte ich noch sagen, dass du dir mit Band II unbedingt Zeit lassen solltest. Alle grossartigen Dinge brauchen Zeit, und das Handlungsfäden-Sortieren ist eine aufwändige Aufgabe. Aber du wirst es schaffen, und es wird grossartig. Davon bin ich überzeugt ❤

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    • Liebe Stella, vielen Dank für diesen sehr motivierenden Kommentar! Ich bin froh, dass du das so siehst. Es hat mich einige Zeit gekostet, zu überlegen, wie ich alles ohne Infodump umsetzen kann. Manchmal ist dadurch vermutlich die ein oder andere Erklärung zu kurz gekommen, aber auch dafür bleiben mir ja noch Band II und III. (Das wird jetzt meine Standardausrede bis 2020, wenn Band III erscheint. XD)
      Genau aus diesem Grund bin ich dankbar, jemanden zu kennen, der ehrlich ist und kritische Dinge anspricht. (Wer das wohl ist?)
      Wäre ja so schön, wenn sich im Verlauf des nächsten Jahres Solving Puzzles von dir noch zu den deutschsprachigen Dystopien gesellt. 😉
      +Mika+

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  2. Glückwunsch, dass Du es geschafft hast! Mensch, von außen betrachtet bewegt sich bei Dir gerade wirklich sehr viel im Leben in eine sehr erwünschte Richtung, nicht wahr? Es macht einem total Freude zu erleben wie gut es läuft. 🙂

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  3. Danke für den Einblick in Dein Wirken und die Gefühle dabei bei NaNo, in dem turbulenten Monat Nov. der ja Dir wesentlich mehr als die 50.000 Wörter zu schreiben abverlangte (Veröffentlichung von Totenläufer, Aussteller auf der Buchberlin Messe). Dazu wirklich meine ehrliche Hochachtung, Du hast ganz schön Power!
    Als Leser kann man sich nicht so einfach vorstellen, worin der Sinn liegen soll, unter Druck im Monat so viele Wörter zu schreiben. Aber durch Deinen Bericht wird es mir klar: Es gilt wohl Blockaden und Schreibängste zu überwinden und das scheint mir Sinn genug zu sein, sich dieser Mühe zu unterziehen. Danach hat man ja erstmal eine ziemlich rohe Fassung, was dann infolge zum Überarbeiten zwingt,

    Das alles hast du bravourös geschafft – und auch noch umfassend darüber deine Fan-Gemeinde unterrichtet. Mach Dir deshalb keine Gedanken und vor allem keinen Termindruck, Du wirst nicht vergessen werden, zumal du ja wirklich fleißig immer wieder über Deine Tätig- und Befindlichkeiten postest. Nicht nur ich schätze das sehr!
    Wünsche Dir von Herzen weiterhin diese Zielstrebigkeit und Erfolg.

    Liebe Grüße
    Roland

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    • Lieber Roland,
      ja, ich kann sehr gut verstehen, dass dieser Wortkampf für Leser befremdlich wirkt. Ich würde mir wohl auch einen Autor wünschen, der von Anfang jedes seiner Worte genau abwägt (und diese Autoren gibt es ja auch), aber ich bin wohl oder übel aus einem anderen Holz geschnitzt. Mir gelingt es nicht auf Anhieb, etwas Gutes abzuliefern. Erst wenn bereits Text da ist, kann ich mit der echten Arbeit beginnen.
      Und was mich dann eben motiviert, sind Menschen wie du, die mir seit einigen Monaten folgen und immer mal wieder hier vorbeischauen. Das ist schon ein großes Weihnachtsgeschenk. 🙂 Danke schön. ❤
      Ich gebe mir Mühe, dich auch in Zukunft nicht zu enttäuschen.
      +Mika+

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  4. Liebe Mika,

    schön, wenn Dir meine Worte wie ein Weihnachtsgeschenk vorkommen, danke für soviel
    Wertschätzung. Tja…. wünschen kann man sich vieles, aber AutorInnen die so eben aus dem ‚Handgelenk‘ ein perfektes Buch schreiben, die wird es kaum geben. Wie in aller Kunst, ist auch bei großem Talent viel und immer wieder Übung notwendig, damit das Werk noch besser, noch kräftiger, verständlicher, den Leser mitnehmender wird. Insofern bist Du – meine feste Meinung – nicht aus ‚anderem‘ Holz, sondern aus einem sehr guten!

    Du gehst den richtigen Weg. Schreibst erfreulich klar und doch luftig, hast enorme Power und dabei doch menschliche Gefühle die du zeigst. Ich bin froh Deinen ‚Blog entdeckt zu haben und hoffe nur, dir nicht lästig zu sein, falls auch mal kritische Töne von meinen Tasten kommen.

    Gute Weihnachtszeit, Freude beim Schreiben und Erfolg beim Verkaufen.

    Roland

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