Schreibarbeit

Ist Mystery ein Genre?

Auf die Frage „Was liest du eigentlich so?“ antworten wir meist mit einem Autor oder einem Buch. Manchmal jedoch mit einem Genre wie Fantasy, Krimi, Science-Fiction oder Liebesroman. Mit diesen Genrebegriffen verbinden wir eine bestimmte Vorstellung von Literatur, die unserem Geschmack entspricht. Lieben wir eher phantastische Elemente, Spannung oder doch romantisches Kribbeln? Wir geben damit unsere Vorlieben preis und geben Einblick in unsere Identität. Doch wie ist das eigentlich mit dem Genre Mystery? Gehört haben wir davon alle schon mal, doch was stellen wir uns darunter vor? Gibt es klare Kriterien, die zu diesem Genre gehören? In diesem Beitrag möchte ich den Versuch wagen und Mystery definieren.


Was bedeutet „Mystery“? Die Ursprünge

Lange dachte ich, der Begriff Mystery sei eindeutig zu verstehen und jeder wisse, was damit gemeint ist. Tatsächlich ist er jedoch genauso geheimnisvoll wie seine Wortbedeutung selbst. Man versteht darunter etwas Übernatürliches und Unerklärliches, das sich nicht so richtig begreifen lässt. Möchte man konkrete Beispiele für Mystery nennen, fallen einem eher Fernsehserien zwischen 1990 und 2010 ein. Allen voran Akte X. Aber Bücher? Nein, das nicht so richtig. Warum das so ist, erklärt ein Blick auf die Geschichte des Wortes.

Das Wort „mystery“ hat seinen Ursprung im griechischen „mysterion“, das sich auf Ereignisse oder Rituale mit geheimem Kern bezog . Diese hatten oft einen religiösen Hintergrund. Das etymologische Lexikon der deutschen Sprache sagt sogar, „mysterion“ hinge eng mit der Idee zusammen, dass die Eingeweihten eines Geheimnisses durch ein Schweigegebot gebunden waren. Das Rätsel, das Unbekannte, bezog sich also auf etwas, von dem andere ausgeschlossen waren und das nur diejenigen im eingeweihten Kreis kannten.

Heute wird im Deutschen unter dem Begriff „Mystery“ ein Rätsel oder Geheimnis verstanden. Es gibt Mystery-Games, Mystery-Filme, Mystery-Bücher. Der religiöse Kontext ist verschwunden, wenngleich es thematisch noch immer um etwas geht, das unerklärlich ist und uns genau dadurch schockiert oder interessiert. Im Gegensatz zum Rätsel in einem Kriminalroman gleicht das Mysterium eher einem übernatürlichen Puzzle, das sich nur selten auf die Aufklärung eines Kriminalfalls begrenzt.

Mystery in der englischsprachigen Literatur

 

Das Wort „Mystery“ in seiner heutigen Form im Gegensatz zum „Mysterium“ ist aus dem Englischen entlehnt und im Grunde ein Anglizismus. Geprägt durch die Medienlandschaft und ihre Werbung wird Mystery vor allem als Etikett für Geschichten verwendet, die einen großen phantastischen Anteil haben.

Im englischsprachigen Raum wird Mystery jedoch für jedwede Form von Kriminalroman verwendet. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die englische mystery novel auf Deutsch mit Kriminalroman übersetzt wird.

In diesen beiden Polen besteht der Konflikt. Im deutschsprachigen Raum denken wir bei Mystery unweigerlich an düstere Schauplätze mit unerklärlichen Vorkommnissen. Das heißt, wir denken eher weniger an einen Kriminalroman, sondern an eine Mischung aus Psychothriller, Grusel und einem tiefen, verstörenden Geheimnis. Die Stimmung der Mystery Geschichte ist dabei atmosphärisch dicht, oft düster und geprägt von undurchsichtigen Figuren. Es geht nicht um alltägliche Rätsel, sondern um etwas überhaupt nicht Alltägliches.

Gleichzeitig ist Mystery kein Horror, denn es fehlen die ekelhaften, extrem gewaltvollen und schockierenden Elemente.

Was passiert, wenn ich nun zum Beispiel im Shop einer Onlinebuchhandlung* nach Mystery suche? Es wird ein Misch aus unterschiedlichen Büchern angezeigt. Die meisten lassen sich im Bereich Psychothriller, atmosphärischer Horror, aber auch düsteres Märchen ansiedeln. Was wie ein Kriminalroman aussieht, sind Übersetzungen aus dem Englischen. Thalia führt sogar ein Book Trope mit dem Titel Mystery unter dem sich auch Liebesromane finden – vermutlich haben sie ein Mysterium im Zentrum, das gelöst wird.


Warum es für Mystery keine klaren Genregrenzen gibt

Der Genrebegriff Mystery findet in der deutschen Literaturwelt bis jetzt kaum Bedeutung. Die Ursache dafür fasst das folgende Zitat aus Buecher-wiki treffend zusammen:

„Mystery ist eine unscharfe Sammelbezeichnung für erzählende Literatur an der Schnittstelle von Kriminalroman, Fantasy, Horrorliteratur und historischem Roman, selten von Science Fiction.“ (Buecher-wiki 2016, nicht mehr online einsehbar)

In einer Seminararbeit schreibt Jana Gläßer bereits 2013 über den Begriff Mystery, dass er ursprünglich von Fernsehsendern wie ProSieben genutzt worden ist, um einer Serie das Etikett Mystery zu geben und das Rätselhafte in die Medienlandschaft zu tragen. Das heißt die Bezeichnung Mystery war ein Marketinginstrument. Auch heute 2026 ist das noch immer der Fall.

Was heißt das jetzt genau? Das Genre Mystery hat noch keine Definition. Autor*innen mit geisterhaften und düsteren Themen, die einen geheimnisvollen Hintergrund beleuchten, müssen sich also entscheiden: Entweder ist mein Buch ein Krimi oder Horror oder Fantasy oder Science-Fiction. Ein Bücherregal mit der Aufschrift Mystery finden wir in keiner Buchhandlung. Es handelt sich viel eher um ein Subgenre der Phantastik so wie das ziemlich moderne Subgenre Dark Fantasy.

Natürlich können wir uns darüber streiten, ob es überhaupt nötig ist, ein Genre wie Mystery genau zu definieren. Ich sage ja, denn im deutschsprachigen Raum gibt es eine deutliche Trennung zwischen Büchern, die man in der Phantastik ansiedelt und Bücher mit realem Kontext, die zur Belletristik gehören. Ein Genre-Mix findet besonders in der Kriminalliteratur selten statt, die Phantastik ist da deutlich offener, weshalb sich in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Variationen entwickelt haben. Es ist also durchaus sinnvoll, das Etikett „Mystery“ für Bücher zu nutzen, die zwar eher kriminalistisch sind, jedoch mit phantastischen Elementen wie dem Übernatürlichen arbeiten.


Was ist Mystery? Der Versuch einer Definition

Der Begriff Mystery, den wir heute im deutschsprachigen Raum nutzen, ist abzugrenzen vom englischen Begriff, der hier eher als Krimi zu verstehen ist. In einem Mystery Roman geht es meist um das Lösen eines Geheimnisses. Das kann in Form eines Verbrechens, einer übernatürlichen Macht oder einem Rätsel vorliegen. Die Sprache ist atmosphärisch dicht und eindeutig dunkel/negativ. Im Gegensatz zu Horror geht es aber nicht vorrangig darum, den Leser mit Abartigkeit zu schockieren, sondern ihn vielmehr in eine finstere Welt zu führen. Der Mystery-Roman arbeitet mit Spannung und Nervenkitzel. Er verführt zum Miträtseln und bedient sich einer breiten Zahl an Elementen ganz unterschiedlicher Genre. Im Gegensatz zum Kriminalroman bedient er sich jedoch oft auch in der Phantastik. Geister, dunkle Wesen, Magie, Aliens das alles kann man in einem Mystery-Roman finden. Das Genre ist also viel eher als Substitut aus ganz unterschiedlichen Elemente zu verstehen und heute eher ein Subgenre.

Erste Veröffentlichung 2016, aktualisiert Mai 2026


Mystery Bücher von Mika M. Krüger


Quellen:

Jana Gläßer „Was ist Mystery“ 2013, Seminararbeit.

https://www.etymonline.com/word/mystery

https://corpora.uni-leipzig.de/de/res?corpusId=deu_newscrawl-public_2018&word=Mysterium

https://www.dwds.de/wb/Mysterium

Buecher-wiki – der Link ist leider inzwischen tot, letzter Aufruf war 2016

Silver Coin 203

Figuren: Tom Lichterfeld

Tom Lichterfeld ist eine der Erzählfiguren aus der dystopischen Reihe Silver Coin 203, deren erster Teil „Totenläufer“ im Herbst 2016 erschienen ist. Er ist gut im Umgang mit Menschen und mischt sich hier und dort ein, um Informationen für die Rebellenorganisation REKA zu sammeln.

Doch in erster Linie ist Tom Künstler und die sind bekanntlich schwer zu begreifen. Sie leben in ihrer eigenen Welt und machen vor allem das, was sie gern tun wollen, egal, ob das nun wirtschaftlich sinnvoll ist oder nicht. Sie wollen frei sein und verzichten lieber auf ihre Sicherheit, anstatt sich jemandem zu unterwerfen. Meist sind sie deshalb auch Gesellschaftskritiker, denken kreativ und analytisch. Aus diesen Überlegungen ist Tom Lichterfeld entstanden. Seine Gedanken ist logisch, folgen einem moralischen Kompass und sind stringent. Er ist die einzige Figur in Silver Coin 203, die mir leicht von der Hand ging.


 

Toms Rolle in Silver Coin 203

„In Wirklichkeit bin ich nur ein Künstler, der seinen Frieden will.“

Im ersten Entwurf von Silver Coin 203 hat Tom Lichterfeld nicht existiert. Er ist eher zufällig im Schreibprozess entstanden, da ich eine Figur brauchte, die in den ersten Kapiteln mehr Spannung bringt. Ursprünglich sollte er eine farblose und schnell verschwindende Person bleiben, doch Tom hatte seinen eigenen Kopf und entwickelte sich zu jemandem mit Charakter, der nun nicht mehr aus der Geschichte wegzudenken ist.
Tom nimmt im Buch ganz verschiedene Rollen ein und ist extrem anpassungsfähig. Er war Hafenarbeiter und Soldat, zeichnet für sein Leben gern und imitiert Angestellte der Verwaltung, um an sensible Informationen zu kommen. Entsprechend der jeweiligen Situation ändert er sein Verhalten und kann Menschen leicht durchschauen. So auch Neel Talwar. Gleich zu Beginn sagt er: „Ich bin ein Mensch ohne Konstanten“. Er ist immer da, wo man ihn braucht. Seine Freunde schätzen ihn allerdings für zwei ganz andere Dinge: nämlich seine Verlässlichkeit und Überzeugungskraft.

–>ab hier enthält der Beitrag mögliche Spoiler.

Tom ist jedoch eine Nebenfigur, deshalb wird gerade seine Beziehung zu Freunden im ersten Band, Totenläufer, nur zart angerissen. Toms eigentliche Funktion kommt erst im Verlauf der Geschichte richtig zum Tragen. Ganz speziell geht es um Toms Freundschaft zu Jay McCullum. Seinerseits ein großes … nun ja, Kind? Es ist essentiell für die Story, dass Tom und Jay nicht ohne einander funktionieren. Stellt euch einen Gegenstand vor, der an zwei Stellen festgeschraubt ist und plötzlich, ohne Vorwarnung, an einem Punkt den Halt verliert. Das sind Tom und Jay.


Toms Hintergrund

Tom zeichnet in einer Szene von Silver Coin 203 Red-Mon-Stadt in aller Schönheit. Er ist keine düstere Figur, niemand, der mit sich selbst Schwierigkeiten hat. Er hadert eher mit den Dingen, die in der Vergangenheit passiert sind. Als Kind lebte er in einem behüteten Zuhause, es wird vermutet, auf einem Bauernhof. Aus diesem Zuhause wurde er mit etwa zwölf Jahren herausgerissen und musste in kleinen Schritten lernen, mehr oder weniger allein klar zu kommen. Als Teenager war er ein Straßenkind ohne echtes Zuhause und fand Zuflucht in Red-Mon-Stadt. Für ihn der Inbegriff eines Ortes, der ihm Sicherheit und Geborgenheit schenkt. Ein Ort, an dem alle Menschen fair behandelt werden. Dass er auf eine Lüge hereingefallen ist, merkt er zu spät. Und als er es merkt, gründet er mit weiteren Personen die Rebellenorganisation „REKA – Revolution des kalten Sturms.“

rebellion2

Tom ist kein Gary Stu

Totenläufer hat zwei komplizierte Hauptfiguren, die so einige Schwächen haben. Da erscheint Tom fast ein wenig glatt gebügelt. Er hat immer eine gute Antwort parat, wirkt sehr durchdacht, ist der Ruhepol zwischen den beiden Streithähnen der REKA und noch dazu ein talentierter Künstler. Beste Voraussetzungen für einen Gary Stu. Eine allzu perfekte Figur, die jeder mögen soll und die daher nervt. Tatsächlich hat Tom seine Fehler. Die lassen sich in zwei Adjektiven zusammenfassen, er ist naiv und gutgläubig (Hey, sein bester Freund war immer zur Stelle, wenn’s mal brenzlig wurde, wie sollte es also anders sein?). Zudem hat er für den Zweck getötet. Sogar seine eigenen Leute. Es fällt bei ihm irgendwie leicht, das zu übersehen, weil er es nicht zum Thema seiner Gedanken macht, aber er hat es getan und nicht einmal ein schlechtes Gewissen.
Wenn man also ganz genau hinschaut, zeigt sich, dass er denselben Konflikt mit sich herum tragen könnte wie Neel Talwar, aber er tut es nicht. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass er sich selbst für seinen Weg entschieden hat. Neel wurde in seine Rolle hineingedrängt. Beide Männer sind dadurch völlig konträr. Auf der einen Seite der Mann mit dem Trauma (Neel) und auf der anderen Seite, der Mann mit den Idealen (Tom). Der eine gefangen, der andere nicht. Beide tun etwas sehr Ähnliches, verarbeiten das Erlebte jedoch auf eine ganz andere Art und Weise. Dem einen geht es auf psychologischer Ebene grauenvoll. Er hat Flashbacks, ist öfter abwesend, völlig in sich verschlossen und dem anderen geht es mit seinen Taten mehr oder weniger gut, weil er darin einen tieferen Sinn sieht – eine logische Konsequenz – ein notwendiges Übel.


Wer ist E. F.?

–>dieser Teil enthält Spoiler

Es gibt in Totenläufer die ausgedehnte Beschreibung eines Leinwandgemäldes. Man könnte sagen, das sei völlig überflüssig und trägt nicht zur Handlung bei. Das Gemälde ist jedoch eine Andeutung auf Toms Vergangenheit, denn am unteren Rand stehen die beiden Initialen E. F. Die stehen für eine Person, die maßgeblich an der Gründung der REKA beteiligt gewesen ist. Tom trägt an seiner Ferse ein kleines Tattoo mit denselben Buchstaben (steht nicht im Buch). E. F. ist für Tom und alle anderen Mitglieder der REKA eine wichtige Person. Ein*e Künstler*in, den*die Tom nicht einfach nur bewundert, sondern aus ganz verschiedenen Gründen nicht vergessen kann.


2rmstalkandermacht


Weitere Charakterbeschreibungen

Rina Morita

Neel Talwar


Totenläufer gibt es als Ebook und Taschenbuch bei Thalia oder auf Amazon.

cropped-headerdunkelfeder_januar2017.jpg

Aktuelles, Gedanken-Mix

Sommerpause

Liebe Leser und Interessierte,

ursprünglich wollte ich keine Sommerpause einlegen, aber es ist soweit, ich komme nicht drumrum. Derzeit sitze ich an dem Feinschliff zu meinem Roman Hurt No One, der im Oktober erscheint. So sehr mir das Bloggen Spaß macht und ich den Austausch mit euch genieße, muss ich zumindest bis Mitte August mit dem Schreiben von Beiträgen pausieren. Warum? Ich schaffe sonst meine eigene Deadline zur Veröffentlichung nicht. Die Überarbeitung frisst wahnsinnig viel Zeit und kostet mich mehr Nerven als erwartet. Gerade heute saß ich wieder einmal von sechs Uhr dreißig (kein Witz) bis gerade eben (gut Pausen hab ich natürlich gemacht) an meinem Projekt und habe dennoch nicht mein Soll geschafft.

Womöglich werden sich nun einige von euch fragen, weshalb ich mir so einen Stress mache. Ich könnte ja auch gut und gerne die Veröffentlichung auf nächstes Jahr verschieben. Aber ganz so einfach ist das leider nicht, denn ich werde im November auf der Buchberlin vertreten sein und möchte euch dort mein neues Büchlein vorstellen. Außerdem, es muss ja mal fertig werden, oder? Seit letztem Jahr Juli (zu der Zeit entstand die Idee) sitze ich nun an diesem einen Roman und, seien wir mal ehrlich, ich könnte auch noch weitere zehn Jahre daran basteln, weil in Szene X das und das nicht stimmt oder in Szene Z der und der Protagonist zu viele Details verrät. Leider oder vielleicht ist es gut so, ist das Buch auch länger geworden als geplant, was meinen Zeitplan etwas durcheinander würfelt. Es gibt einfach sehr viele Figuren, viele ineinander verwobene Details und eine fremde Welt, die erklärt werden muss. Das ist, ich geb’s zu, eine gewaltige Herausforderung, die ich ein bisschen unterschätzt habe. Doch wie wir ja alle wissen, springt man über Hürden hinweg oder, wie es die Antagonistin aus meinem Projekt formulieren würde: „Über eine Hürde springt man nicht, sie wird ganz einfach so umfunktioniert, dass sie einen neuen, besseren Weg ermöglicht.“ Und wie war das? Sagte nicht schon Stephen King, man dürfe nicht einfach eine Idee aufgeben, nur weil sie einem zu schwer vorkommt. In dem Sinne kremple ich die Ärmel hoch und haue in die Tasten.

Ich verspreche euch jedoch, dass ich im August wieder für euch da sein werde! Bis dahin hört ihr von mir auf Facebook.

Am Ende nun noch ein kleines Statusupdate zu Hurt No One:

  • Wie viele Kapitel sind bereits geschrieben? 12 von 12.
  • Wie weit ist die erste Runde der Überarbeitung? Bin bei Kapitel 11 von 12.
  • Wie weit ist die zweite Runde der Überarbeitung? Bin bei Kapitel 7 von 12.
  • Wie weit ist die Korrektur auf ausgedrucktem Papier? Bin bei Kapitel 5 von 12.
  • Haben schon die ersten Testleser angefangen zu lesen? Ja. 😀
  • Gibt es schon ein Cover? Nein. 😦
  • Hat sich die Titelfrage geklärt und bleibt es bei Hurt No One? So gut wie und nein, es bleibt nicht bei Hurt No One.
  • Gibt es einen Klappentext? Ist in Arbeit.

Und nun wünsche ich euch einen wundervollen Restsonntag.

+Mika+

 

Silver Coin 203

Wie ein Roman entsteht

… Statusupdate #1: Hurt No One …

Mein letzter Beitrag handelte von Vorsätzen und deren Sinn oder Unsinn. Heute soll es um eines meiner Ziele gehen: Die Veröffentlichung meines Science-Fiction Romans „Hurt No One“ im Herbst. Noch ein Beitrag über ein Romanprojekt, werdet ihr jetzt denken und auf Schließen drücken. Aber Halt! Nicht so schnell. Es springt auch für euch etwas dabei heraus. Es geht hier nicht um meine Höhen und Tiefen, sondern um die einzelnen Schritte im Entstehungsprozess. Ihr seid also live dabei, wie mein Roman entsteht und könnt prüfen, ob ich meinen Job auch wirklich ordentlich mache.


Schreibprozess: Wie weit bin ich eigentlich?

Auf den ersten Blick ist das die wichtigste aller Fragen. Hab ich schon alles fertig geschrieben? Fehlt da noch etwas? Um es kurz zu machen: Mein Projekt befindet sich in der Überarbeitungsphase. Das heißt, der unliebsame, stressige und nervenaufreibende Teil hat begonnen. Für eine Seite brauche ich bis zu drei Stunden. Zumindest wenn ich schlechte Laune habe. Aber lassen wir das, ich bin natürlich immer gut gelaunt! So wie ihr und alle anderen da draußen!

Jeder Autor hat sein eigenes Überarbeitungssystem. Ich teile meines in vier Schritte und gehe diese Kapitel für Kapitel durch:

  • Schritt 1) Korrektur grober Sinnfehler, Rechtschreibung, Grammatik im Word-Dokument mit etwa zwei oder drei Runden.
  • Schritt 2) Überlegung zur Kapitelstruktur und inhaltlicher Logik auf einem Ausdruck mit rotem Stift (sehr demotivierend, aber leicht zu lesen, siehe Bild unten)
  • Schritt 3) Korrektur, nachdem die ersten Testleser gelesen haben.
  • Schritt 4) Finaler Durchgang mit Rechtschreibprüfung nach dem zweiten Testlesen.

Derzeit bastele ich am ersten Kapitel in Schritt 2. Vom eigentlichen Manuskript fehlt mir nur noch der Showdown, das Sahnehäubchen. Den schreibe ich allerdings erst, wenn die chaotische Struktur, entstanden durch das schnelle Schreiben im NaNoWriMo, sortiert ist. Erst dann kann ich leicht Querverweise zum Anfang ziehen und offene Fragen beantworten.

Überarbeitung.jpg


Ein Cover braucht Bedenkzeit …

… weshalb ich mir in der letzten Woche Gedanken über das Titelbild gemacht habe. Es soll düster sein, muss den Geist der Geschichte enthalten und trotzdem genügend Anziehungskraft ausüben, damit überhaupt jemand zugreift. In dem Zusammenhang ist eine Skizzen entstanden, die ich euch nicht vorenthalten will:

Coverdesign_Skizze2
Links seht ihr einen Soldaten, der auf eine Gestalt im Nebel schießt. Rechts eine Frau, aus der Gedanken herausströmen. Nicht zu sehen ist, dass sie angeschossen wird.

Ich schwanke zwischen zwei Möglichkeiten: Entweder wird es fotorealistisch oder aber eine Variante mit comichafter Tendenz. Ich meine damit nicht, dass ich Comicfiguren auf dem Titelbild möchte. Ich stelle mir viel eher vor, dass die Menschen schattenhaft sind und mit groben Zeichenstrichen gemalt werden. Letztere Variante erfordert natürlich sehr viel zeichnerisches Können (allein schaffe ich das sicher nicht). In beiden Fällen möchte ich keinesfalls Gesichter oder zu klare Formen, damit ihr kein zu eindeutiges Bild meiner Protagonisten bekommt. Es lebe die Fantasie! Es reift in jedem Fall die Überlegung, einen professionellen Coverdesigner zu engagieren, damit euch mein Cover auch wirklich umhaut.


Der rote Faden entsteht nur, wenn die Struktur stimmt

Seit ich von einer Lektorin gehört habe (2012), dass eines meiner Manuskripte stilistisch und sprachlich zwar überzeugt, aber die Struktur ausbaufähig ist, nehme ich mir für die Struktur viel Zeit. Ich nutze kleine Karteikarten, die ich mit den Kapitelinhalten beschrifte und schiebe sie hin und her, bis mir klar wird, was ich brauche und was nicht. In den letzten Tagen musste ich deshalb einige Kapitel löschen und an anderen Stellen Szenen einfügen. So langsam entsteht ein rundes Gesamtbild und der rote Faden wird sichtbar. Wichtig sind mir dabei auch Schlagwörter oder offene Fragen, die ich später in den Text einbaue. Wenn das Ganze fertig ist, sieht es am Ende ungefähr so aus:

PPS2
Struktur meines Projekts „Purpurscherben“ aus dem letzten Jahr.


Die Sache mit dem Titel …

… ist wirklich unglücklich gelaufen. Vielen von euch gefällt der Titel „Hurt No One“ sehr gut. Mir gefällt er auch, leider. Nur kann ich ihn für das endgültige Buch nicht übernehmen, da es der Songtitel einer meiner Lieblingsbands ist. Ich würde mich also nur in die Copyright-Nesseln setzen und das wäre unschön. Also muss ein neuer Titel her. Brainstorming ist angesagt. Inzwischen habe ich mehrere Blätter mit möglichen Varianten vollgeschmiert, bin der Lösung aber noch immer nicht näher gekommen. Fakt ist: Ich brauche einen Übertitel für die Trilogie und einen Untertitel. Der Untertitel ist kein Problem, den habe ich für Band eins schon seit zwei Monaten. Der eigentliche Trilogietitel bereitet mir jedoch Kopfschmerzen. Er soll den Inhalt aller drei Teile widerspiegeln, am besten schon den Konflikt andeuten und dennoch aussagekräftig sein. Der gleiche Nenner in meiner Trilogie ist die fiktive Stadt, in der alles spielt. Sie trägt den Namen „Red-Mon-Stadt“. Aber so ein Titel ist weder aussagekräftig noch deutet er einen Konflikt an. Mal sehen, was ich da tun kann.


Science-Fiction braucht eine eigene Welt: Ein Glossar entsteht

Da mein Projekt nicht einfach nur SF ist, sondern es sich im Speziellen um eine Dystopie handelt, brauche ich eine ganz eigene Welt mit ganz eigenen Regeln. Ein paar davon habe ich euch schon in meiner Kurzvorstellung Hurt No One beschrieben, aber das war eben nur die Spitze einer Welt, mit der ich mich schon seit mehr als zwei Jahren beschäftige. Aus diesem Grund habe ich ein Glossar mit allen wichtigen Begriffen, Institutionen oder Personengruppen erstellt. Für euch ein noch nicht ganz perfekter, aber exklusiver Auszug daraus:

Die Nutzversicherung bescheinigt den Nutzen einer Person für Red-Mon-Stadt. Es ist ein schriftliches Dokument, das jeder Bürger zu unterzeichnen hat. Dort wird einerseits die Art des Nutzens und andererseits die Eignung für diesen festgelegt. Der Nutzen einer Person wird durch einen Test ermittelt. Dieser Test bezieht sich nicht ausschließlich auf die Benotung durch schriftliche oder mündliche Prüfungen, sondern geht auch auf angeborene Talente oder die Persönlichkeit ein. Änderungen können im Nachhinein beantragt werden. Personen ohne Nutzversicherung, die sich in Red-Mon-Stadt aufhalten, sind keine offiziellen Einwohner der Stadt und gelten als PON (Person ohne Nutzen) und sind als Gefahr einzustufen.


Damit beende ich mein Statusupdate und wünsche euch eine wundervolle Restwoche. Macht was draus. Ihr hört von mir. Und solltet ihr selbst gerade an einem Buchprojekt sitzen, hinterlasst mir einen Kommentar, wir können uns gern darüber austauschen.

Bis dahin

+ Mika +