Silver Coin 203

Wie ein Roman entsteht III

… Statusupdate #3: Hurt No One …

Ein Roman wird nicht einfach aus dem Hut gezaubert. Er ist die Summe harter Arbeit, die zu großen Teilen aus Nachdenken, Überarbeiten und Schreiben besteht. Heute teile ich mit euch den dritten Teil meiner Reihe ‚Wie ein Roman ensteht‘, in der ich euch im Detail zeige, was alles passiert, bevor ein Buch veröffentlicht werden kann. Dies mache ich natürlich nicht langweilig, indem ich euch mit Faktenwissen überhäufe, sondern indem ich euch anhand meines Projektes Hurt No One zeige, wie ich beim Schreiben vorgehe. Viel Spaß also beim Lesen.


Ein kurzer Einstieg

Der ein oder andere von euch weiß, dass die Rohfassung meines Projekts bereits steht. Im Februar konnte ich das wohltuende „Ende“ unter meinen Text setzen, doch genau da fängt die Arbeit erst an. Das Stichwort ist ‚Überarbeitung‘ und um die geht es heute im Besonderen. Nur zur Erinnerung: Das Buch ist eine Dystopie für Erwachsene, enthält viele Aktion- und Thrillmomente, ist gleichzeitig aber auch etwas psychologisch. Geheimniskrämereien sind an der Tagesordnung und es ist nie wirklich klar, wer nun wirklich gut oder böse ist.

Aber bleiben wir mal beim Thema. Wenn ich es hochrechnet, werkele ich seit sechs Monaten an meinem Büchlein und das Ende ist noch weit entfernt. Für euch der Stand der Dinge:

  • Kapitel 1: Check. Nächster Schritt ist hier die Testleserunde ab Juni.
  • Kapitel 2: Ist mehrfach überarbeitet. Das letzte Unterkapitel ist jedoch noch offen.
  • Kapitel 3: Hat noch einige Schwächen, ist jedoch strukturell gewachsen und wartet auf zwei weitere Überarbeitungsrunden, die ab Anfang Mai laufen.
  • Kapitel 4: Ist im Stadium der ersten vollständigen Überarbeitung.
  • Kapitel 5-12: Noch offen.

Ihr seht, etwa ein Viertel habe ich geschafft, das ist ganz ordentlich, aber weniger als geplant. Und nun höre ich euch schon sagen, wieso dauert das denn so lange (oder bin ich es vielleicht selbst, die mir das vorwirft?). Kann ja nicht so schwer sein, bei der Überarbeitung ein paar Rechtschreibfehler zu löschen und fehlende Wörter zu ergänzen. Leider ist es damit lange nicht getan …


Das elende Überarbeiten …

Die Überarbeitung: jeder spricht davon, jeder weiß in etwa, was sich dahinter verbirgt, doch für mich ist es der blanke Horror. Ja, wirklich, das ist keine Übertreibung. Überarbeiten heißt: Lesen, löschen, lesen, tippen, lesen, löschen in einem ewigen Kreislauf. Währenddessen muss man sich über eine unendliche Anzahl von Punkten Gedanken machen: Eindruck der Figuren, Aufbau der Szene, Logik der Sätze, Rechtschreibung, Bedeutung der Szenen für den Gesamtzusammenhang, Stil, Ton, Grammatik. Für jeden einzelnen Punkt gibt es Regeln und jede muss geprüft werden, bis man zu einem Punkt kommt, an dem man schier verzweifelt.

„Interessiert das jemanden?“, schreit der innere Kritiker bösartig: „Wozu machst du dir die ganze Mühe, bist du dumm oder was?“ Zum Glück meldet sich aus dem Hintergrund dann meist ein zartes Stimmchen und flüstert: „Aber wenn du das so lässt, dann kann das keiner lesen.“ Und diese Stimme hat recht. Denn ein Text in Rohform ist schlichtweg nicht leserlich. Überarbeiten ist eine Mammutaufgabe, die ich gern jemand anderem überlassen würde, aber was muss, das muss. Während ich beispielsweise für 30 Normseiten etwa zwei bis drei Tage reine Schreibzeit brauche, kann eine Überarbeitung schon mal das vierfache an Zeit in Anspruch nehmen. Hier mal ein konkretes Beispiel  aus meinem Problemkapitel Drei:

„Es konnte ihn das Leben kosten, den Köder zu spielen, doch jemand anderem hätte er diesen Job nicht überlassen. Wenn er vorsichtig war, seinen Gegner nicht unterschätzte und sich dieses Mal an den Plan hielt, standen seine Chancen jedoch nicht schlecht. Er verbarg sich in dem unfertigen Rohbau eines Hochhauses. Noch war es nur ein skeletthafter Bau aus Beton. Die Fenster waren glaslos und durch die Räume jagte der Wind. Um das Haus herum waren mehr als zwanzig Rebellen postiert, die im äußersten Notfall eingreifen konnten. Nach den Rückschlägen der letzten Wochen war das einer der wenigen Hoffnungsschimmer und niemand wollte den Erfolg aufs Spiel setzen.“ (Nach der ersten Überarbeitung)

„Der Plan war in Toms Augen nicht mehr als ein unstabiles Gerüst. Er wackelte an allen Ecken und Enden, eine heftige Windböe konnte ihn jederzeit zu Fall bringen. Am liebsten hätte er den Rückzug befohlen, doch der Lorca-Alarm war ausgelöst und der Totenläufer auf dem Weg zum Rohbau. Das Einzige, was er jetzt noch tun konnte, war, alles daran zu setzen, dass sie trotzdem die Oberhand behielten. In seinem Kopf ging er deshalb Szenarien durch, die vom eigentlichen Vorhaben abwichen. Möglich war, dass er den Totenläufer nicht erkannte, dass die Stadtverwaltung noch eine weitere Einheit als Nachhut schickte, dass die Einheit 203 nicht etwa vom Stadtzentrum her kam, sondern vom Meer. Variablen, auf die er kaum Einfluss hatte.“ (Nach der dritten Überarbeitung)

Fällt euch etwas auf? Ja richtig, der Text ist vollständig anders, obwohl er die gleiche Szene einleitet: einen Häuserkampf. Warum habe ich beinahe alles verworfen? Das hat mehrere Gründe: 1) Es war unlogisch, dass meine Figur in diesem Moment als Köder fungiert (out of character), 2) die Position der Rebellen wird im späteren Verlauf durch einen Perspektivwechsel geklärt, 3) die Beschreibung des Rohbaus ist für den Beginn der Szene nicht wichtig, sie folgt später.

Was ich damit sagen will: Manche Kapitel müssen völlig neu konzipiert und durchdacht werden, was unheimlich viel Zeit in Anspruch nimmt. Zumindest bei mir ist die erste Version noch sehr naiv und unrealistisch geschrieben. Der Text hat zu sehr meine eigene Stimme, die sich erst nach viel Bedenkzeit eliminieren lässt. Damit ich bei solch einer aufwendigen Überarbeitung nicht den Überblick verliere, erstelle ich Zeichnungen, die das Geschehen genau skizzieren. So wie diese:

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Es sieht ziemlich gekritzelt aus, aber ihr seht die zwei Parteien, die sich beim Häuserkampf gegenüberstehen und ein paar Aufrisse, um den Standort der Personen zu klären.

Was sonst noch so anfällt: Das Cover und Band zwei.

Neben dem Schreibprozess gibt es einige Überlegungen, die ich als Autorin nicht außer Acht lassen darf. Ein Punkt ist das Cover. In der letzten Zeit ist mir klar geworden, dass ich dieses unbedingt selbst gestalten will und nur dann auf einen Designer zurückreife, wenn ich an die Grenzen meiner Möglichkeiten stoße. Eine Inspiration habe ich durch das Titelbild des Buches ‚Wenn du mich tötest‘ erhalten. Mir gefällt der verschwommene Stil sehr gut:

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Zudem ist Hurt No One ein Mehrteiler und nichts ist schlimmer als ein Buch mit Fortsetzung, die nicht notwendig ist. Aus diesem Grund bastele ich inzwischen an den ersten Seiten von Band zwei und konzipiere den Plot. Richtig lege ich jedoch erst los, wenn ich einen Haken hinter die Überarbeitung von Band eins setzen kann.


Zum Abschluss ein Wort aus Red-Mon-Stadt

Die letzten Male habe ich euch einen Auszug aus dem Glossar zu meiner Dystopie vorgestellt. Das werde ich für die Zukunft beibehalten. Heute stelle ich euch eine wichtige Figur vor, die in dem kurzen Textabschnitt oben erwähnt worden ist:

Der Totenläufer: Der Totenläufer ist ein SDF-Soldat, der im Namen der Stadtverwaltung Gefahrenquellen eliminiert. Er ist eine Person des öffentlichen Interesses. Er ist das Paradebeispiel absoluter Loyalität. In den Medien der Stadt ist er überall präsent, obwohl seine Identität geheim bleibt. Der Totenläufer reagiert auf Leserbriefe persönlich und setzt sich für die Bevölkerung ein, die sich immer mehr mit ihm identifiziert. Der Glaube an den Totenläufer und die Ideale, die er verkörpert, eint die gesamte Stadt.


Ich wünsche euch was

+Mika+

Wenn ihr Interesse an den ersten beiden Beiträgen zum Thema habt, klickt einfach hier:

Wie ein Roman entsteht 1

Wie ein Roman entsteht 2

Schreibarbeit

Was fasziniert uns an fiktiven Welten?

Ob in George Orwells 1984, Tolkiens Herr der Ringe oder auch Neil Gaimans Niemalsland, überall werden künstliche Welten erschaffen, mit denen wir uns mehr oder weniger identifizieren können. Manche dieser fiktiven Universen sind so plastisch, dass wir uns wünschen, ein Teil davon zu sein. Doch was genau finden wir daran eigentlich so interessant? Mein heutiger Beitrag richtet sich an alle, die wie ich gern aus der Realität flüchten.


Der erste Schritt: Wir akzeptieren die Eigenarten der fiktiven Welt

Als der Herr der Ringe zum ersten Mal im Kino lief, hatte ich ein Gespräch mit einer Klassenkameradin. Während ich hin und weg von der Geschichte war, sagte sie nur trocken: „Ein Ring kann doch nicht sprechen. Das ist ja total bescheuert.“ Damals war ich schockiert, wie sie eine Fantasywelt mit unserer vergleichen kann, heute weiß ich, sie konnte sich nicht auf die Illusion einlassen. Für sie existierte nur das, was sie auch wirklich anfassen, sehen, riechen oder schmecken konnte. Ihre Aussage trifft im Grunde den Kern der Problematik „fiktive Welten“, denn diese funktionieren für uns nur, wenn wir deren Andersartigkeit anerkennen. Für Leser oder Leserinnen kann ein Fantasy- oder Science-Fiction-Roman demnach nur dann interessant sein, wenn er oder sie akzeptiert, dass es sich um eine Welt handelt, die unserer zwar ähnelt, aber eigene Regeln hat. Diese Regeln sind dabei nicht mit den Maßstäben unserer Wirklichkeit zu erklären, folgen aber einer Logik, die eigens für das Universums geschaffen worden sind. Autoren sind Architekten, die aus dem Nichts ein Haus bauen, in dem wir uns sofort wohlfühlen sollen. Dieses Haus ist jedoch kein Reihenhaus, sondern ein sehr merkwürdig anmutendes Haus mit schiefen Wänden und Dächern aus Papier. Es wirkt auf den ersten Blick befremdlich, aber wer sich auf eine Erkundung darin einlässt, wird Dinge entdecken, die er zuvor nie gesehen hat.

Wir müssen uns also auf die andere Welt und deren Regeln einlassen, ansonsten fällt der Bau in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Ein wichtiges Element für den Erfolg dieses Unterfangens ist meiner Ansicht nach die Präsentation des Buches. Ich habe es schon viel zu oft erlebt, dass ich durch den Klappentext, das Cover oder eine irreführende Kategorie zu dem falschen Buch gegriffen habe und vom Inhalt enttäuscht worden bin. Nicht weil das Buch schlecht war, sondern weil es meine Erwartungen nicht erfüllt hat. Marketingstrategisch kann es vielleicht gut sein, durch einen allgemeinen Klappentext eine breitere Masse an Personen anzusprechen, so ein Vorgehen kann aber auch den gegensätzlichen Effekt haben. Ein Beispiel: Ein High-Fantasy Buch landet im Bereich Romance, da es auch um eine Liebesbeziehung geht. Im Klappentext wird zwar die fremde Welt erwähnt, jedoch vorrangig betont, es handele sich um eine atemberaubende Liebesgeschichte. Wir fangen an zu lesen und schon auf den ersten Seiten schlägt uns eine ausgeklügelte Fantasywelt mit zahlreichen Wesen entgegen, die wir nicht einordnen können. Kein Wunder, wenn wir verärgert sind. So ein Buch haben wir bei der Beschreibung auch nicht erwartet. Eventuell ärgern wir uns so sehr, dass wir eine bösartige Rezension verfassen. Zusammengefasst: Wir müssen wissen, auf was wir uns einlassen, damit wir der Welt darin eine Chance können.


Zweiter Schritt: Fuck you Realität

Wer von euch hat schon mal geträumt, dass er unsterblich ist, fliegen kann, zaubert oder unmenschliche Kräfte hat? So gut wie alle, nehme ich an. So manches Traumerlebnis ist sogar so toll, dass wir nach dem Aufwachen enttäuscht sind, doch wieder im ‚real life‘ festzustecken. Dieses Leben, wo es nicht mal möglich ist, ohne Anstrengung gute Noten zu schreiben oder bewundert zu werden, weil man toll aussieht, grandios zeichnet und super schnell läuft. Sprechen wir die Wahrheit einfach aus: Das Leben kann manchmal ziemlich frustrierend sein. Es ist also kein Wunder, dass wir der Realität den Stinkefinger zeigen und in eine andere Welt flüchten, die alles möglich macht, was wir uns erträumen. Fiktive Universen sind für uns also deshalb besonders interessant, weil sie unsere Fantasie anregen und Antworten auf das: Was wäre wenn … geben. Unmögliches wird möglich und wir sind mittendrin. In Fantasy geht es dabei meist um magische Phänomene, ungewöhnliche Wesen oder außergewöhnliche Kräfte. Science-Fiction bedient sich logischerweise an der Technik und wirkt auf den ersten Blick ‚realer‘. Allerdings werden dort technologische Errungenschaften möglich, die so manchen Ingenieur inspirieren oder Staatssysteme heraufbeschworen, die uns das Blut in den Adern gefrieren lassen.


Dritter Schritt: Entdeckungstour im Kopf

Vor Kurzem bin ich in einem Forum auf eine Diskussion über fiktive Welten gestoßen. Dort wurde unter anderem gesagt, dass diese deshalb so spannend sind, weil man sie erkunden könne. Im 15Jh. gingen Menschen auf Entdeckungsreisen und machten sich auf den gefährlichen Weg, unbekannte Länder zu finden. Heute sind so gut wie alle Gebiete auf der Welt entdeckt und mit dem Flugzeug leicht erreichbar. Die einzigen Unbekannten sind die Tiefsee und das Universum. Damit wir trotzdem wie Christopher Kolumbus auf unbekannten Gewässern segeln können, nehmen wir ein Buch zur Hand, stellen eine Kaffeetasse auf den Tisch und reisen durch eine uns völlig unbekannte Welt. Das ist wesentlich ungefährlicher als über den Ozean zu schippern und noch dazu kostengünstiger. Eine fiktive Welt im Buch muss damit so detailliert sein, dass wir daran interessiert sind, ihre Geheimnisse zu erforschen.


Nur was genau macht diese alternative Realität so plastisch, dass wir uns darin verlieren? Auf diese Frage gibt es, wie bei vielen komplexen Themen, keine einfache Antwort. Ein paar Dinge, die ich für wichtig halte, habe ich hier für euch formuliert.

  1. Liebe zum Detail: Je ausgefeilter die Welt ist, umso mehr können wir sie uns vorstellen. Dazu zählen neben Örtlichkeiten und Personen auch Namen, Geografie, Klima und vieles mehr. Es nutzt alles nichts, wenn in einem Sci-Fi Roman von ‚der Organisation‘ gesprochen wird oder von ‚der Regierung‘. Das kann zwar Spannung bringen, weil man wissen will, was sich hinter diesen Begriffen verbirgt, wenn jedoch der Autor selbst nicht weiß, worum es sich handelt, können wir uns nicht damit identifizieren.
  2. Unterschiede müssen sein. Faszinierend wird eine Welt immer dann, wenn sie sich von unserer eigenen unterscheidet. Fliegende Autos, Zeitsprünge, Magie, wenn Dinge passieren, die auf den ersten Blick unerklärlich sind, horchen wir auf. Wie kann das sein? Wieso funktioniert das? Auf die wichtigsten Fragen sollte es in einem Buch auch Antworten geben, aber nicht alles muss erklärt werden. Manche Dinge sind einfach so wie sie sind.
  3. Entdeckungstour: Eines der einfachsten Mittel, damit wir die Welt erkunden können, ist es, einen Protagonisten zu wählen, der die unbekannte Welt selbst neu erkundet. Harry Potter oder Alice im Wunderland sind nur zwei Beispiele, wo das gut funktioniert hat.

Wie das mit dem Weltenbau genau gemacht wird, könnt ihr entweder auf Tintenspuren oder aber unter Weltenbau-Wissen nachlesen. Und wenn ihr jetzt noch Energie habt und anzweifelt, dass ich das mit dem fiktiven Universum ordentlich mache, schaut einfach mal unter Hurt No One nach. Mein neuestes Schreibprojekt braucht eine künstliche Insel mit eigenem Staatsystem, Regeln und Gesetzen.

Ich verabschiede mich von euch und wünsche euch einen angenehmen Sonntag.

Bis nächste Woche

+Mika+


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Beitragsbild Bulb Fiction von Damn_unique Flickr.com

Gedanken-Mix, Schreibarbeit

Auf zu neuen Büchern

Zwei Wochen ist sie her: die Leipziger Buchmesse. Wer schon mal dort war, weiß, so ein Messetag ist anstrengend, aber seine Zeit wert. Leser wollen Autogramme, Autoren Kontakte knüpfen und Verlage ihr Programm präsentieren. Ich war in diesem Jahr am Freitag und Sonntag zugegen und habe alles mitgenommen. Von Vorträgen zum Self-Publishing über Lesungen mir bekannter Autoren oder Gesprächen mit Illustratoren war alles dabei. Einige meiner Erfahrungen möchte ich mit euch teilen.


Die Buchmesse löst in mir stets ein Gefühl von Euphorie aus. Es ist der kurze Blick in die erfolgreiche Buchwelt. Vor zehn Jahren berührten meine Füße zum ersten Mal die Hallen des Messegeländes. Damals kam ich als Mangafan, habe mich vom Japanhype mitreißen lassen und all die Zeichner bewundert, die dort ihre Sachen ausstellten. Dieses Jahr kam ich als Autorin und mischte mich unter das Volk der Verleger. Ich muss gestehen, das war eine ganz schöne Umstellung, denn die lockere Atmosphäre der Mangafans ist nicht überall zu spüren. Doch genau das macht die Leipziger Messe aus. Bunt mischt sich mit akkurat, chaotisch mit sortiert. Welten prallen aufeinander, begegnen sich, erfüllen einander und ich war mittendrin.


Self-Publishing: Marketing oder wie verkaufe ich meine Seele?

Meine erste Anlaufstelle war Halle fünf mit dem Bereich für Self-Publisher. Als ich am Freitagmorgen dort ankam, war die Halle gut besucht. Beinahe etwas zu gut. Die Anziehungskraft, die dieser Teil der Buchbranche innehat, war deutlich zu spüren. Ich startete mit Standbesuchen und einem Vortrag über Selbstvermarktung. Leser, so das Fazit, kaufen Bücher vor allem wegen des Inhalts, des Covers oder des Klappentexts. Die Wahl aufgrund eines Verlags ist eher selten. Eine Tatsache, die ich gut nachvollziehen kann. Bevor ich in die Buchwelt eintauchte, kannte ich höchstens Heyne oder Bastei Lübbe. Autorennamen oder Buchtitel sind für mich bis heute aussagekräftiger als ein Verlagsname. Euch geht es vielleicht ähnlich.

Der Grundtenor in Halle fünf war leicht zu erkennen: Self-Publishing ist Marketing und wer sich mit seinem Buch als Eigenverleger durchsetzen will, muss auch auf Qualität achten und mit Profis zusammenarbeiten. Ob Lektor, Grafiker oder Korrektor, ganz allein wird es schwer. Was auf den ersten Blick demotivierend klingt, hat mich angespornt und tausend Ideen in mir geweckt. Ich dachte, ich kann alles schaffen. Jetzt wo ich diesen Beitrag schreibe, sehe ich das etwas anders. Die von den Veranstaltern geführten Vorträge waren darauf aus, Autoren zu motivieren. Logisch, BoD, epubli und weitere leben von Self-Publishern und verdienen gut an ihnen. Es ist also nicht verwunderlich, dass es heißt, man braucht als Autor keinen Verlag. Ob das wirklich so einfach ist, wie es auf den ersten Blick aussieht, darüber lässt sich streiten.

Tatsache ist, der Autor soll eine „Marke“ werden, unter der ihr Leser euch etwas vorstellen könnt. So wie ihr genau wisst, ob euch eher Bücher von J.K. Rowling interessieren oder von Stephen King. Ich gebe zu, damit habe ich ein Problem. Ein Buch im Eigenverlag zu veröffentlichen bedeutet für mich Freiheit. Ich treffe eigene Entscheidungen und tue das, was ich für richtig halte. Marketing heißt jedoch, sich selbst verkaufen zu müssen und sich auch dem Mainstream anzupassen, um die Verkaufszahlen zu erhöhen. Nur verkaufe ich damit nicht auch meine Seele?


Verlagsspionage

Neben Vorträgen wollte ich in diesem Jahr gezielt Verlagsständen aufsuchen. Es heißt ja immer, man solle das Verlagsprogramm kennenlernen, schauen, ob es zu einem passt, eine Nische finden und sich dort einsortieren. Ich bin deshalb nicht zu den großen Publikumsverlagen gegangen. Das Spektrum dieser ist so groß, dass ich nie weiß, woran ich wirklich bin. Ich habe mich bewusst dazu entschieden, Kleinverlage aufzusuchen und bin dort als Leser aufgetreten. Meine Fragen waren breit gefächert, je nachdem, ob die Mitarbeiter am Stand Zeit hatten oder nicht.

Auf meiner Liste standen zehn Verlage. Bei einigen konnte ich schon beim ersten Blick auf den Stand feststellen, dass meine Werke nicht für sie in Frage kommen. Zu viel Fantasy, zu viel Romantik. In meine engere Wahl gefallen sind der El Gato Verlag, der Luzifer Verlag, der Amrûn Verlag und der Papierverzierer Verlag. Alle vier haben düstere Science-Fiction Werke im Programm und machen einen professionellen Eindruck. Ganz besonders der Stand von El Gato war sehr familiär. Ich saß etwa zehn Minuten gemütlich mit dem Verlagsinhaber auf einem Kissen und habe mich über die Bücher unterhalten, die dort produziert werden. Man sagte mir, es geht nicht um Massentauglichkeit, sondern um etwas Besonderes. Damit haben sie meinen Geist punktgenau getroffen. Ob ich mich nun doch bei Verlagen bewerbe, das entscheide ich demnächst.

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Der inzwischen sehr beliebte Drachenmondverlag auf der Messe. Mir gefallen die Cover sehr gut.

Auf der Suche nach Illustratoren

Wie einige von euch wissen, bin ich ein visueller Mensch. Ich zeichne selbst, fotografiere gern und bastele mit Photoshop Bilder zusammen, die ich für meine Geschichten verwenden kann. Kunst ist ein Teil meiner ganz persönlichen Leidenschaft und ich konsumiere sie in so gut wie allen Formen und Farben. Modern, historisch, abstrakt, detailliert. Warum also nicht auf der Buchmesse nach Inspiration suchen? Warum nicht Illustratoren ansprechen, mit denen ich mir eine Zusammenarbeit vorstellen kann? Mit zwei Künstlerinnen konnte ich ins Gespräch kommen und vielleicht entwickelt sich ja in Zukunft etwas. Zum einen ist dies Synticfaye und zum anderen Miss Geisterhausen, deren Name mich einfach sofort begeistert hat. Synticfaye macht digitale Zeichnungen im Fantasybereiche, aber auch für Science-Fiction. Eines ihrer Bilder hat mich an mein Projekt Hurt No One erinnert, weshalb es in meiner Postkartensammlung landete. Miss Geisterhausen hat genau den düsteren und verruchten Stil, den ich liebe. Ihre Zeichnungen sind grob, aber doch wundervoll ausdrucksstark. Beim Betrachten ihrer Bilder kommen mir gleich unzählige Ideen für neue Geschichten.

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Links das Bild von Miss Geisterhausen, rechts das von Synticfaye. Seid so lieb und kopiert das Foto nicht. Alle Rechte liegen natürlich bei den Künstlern!

Lesungen auf der Messe

Ein weiteres Ziel für die Messe waren Lesungen. Ich wollte von den bekannten und unbekannten Autoren lernen, denn irgendwann will ich für euch auch eine Lesung ausrichten. Aus diesem Grund war aufmerksames Zuhören angesagt. Überall dort, wo gelesen wurde, blieb ich kurz stehen und ließ die Geschichte auf mich wirken. Bemerkt habe ich, dass viele Autoren sehr leise vorlasen und den Blickkontakt mit dem Publikum scheuten. Natürlich, das eigene Buch gibt Sicherheit, aber gut ist es nicht.

Mein persönliches Highlight war die Lesung von Matí, der aus seiner Kurzgeschichtensammlung „Des Monsters Makel“ vorlas. Auch wenn er mir später im Vieraugengespräch sagte, er habe einige Fehler gemacht (ich habe nichts bemerkt), fand ich seine Art vorzulesen einfach grandios. Mit einer lauten Stimme und starker Betonung weckte er sofort das Interesse seiner Zuhörer. Und dann hat er noch diese kratzig düstere Stimme, die perfekt zu seinen Geschichten passt. Einfach wundervoll.


 

Qindie auf der Buchmesse 2016

Und neben all den Dingen, die ich so schon vorhatte, gab es auch noch den Qindiestand. Die Autorengruppe, in der ich mich engagiere, hat es zum zweiten Mal möglich gemacht und einen Stand auf der Buchmesse organisiert. Mein Buch Sieben Raben war mit dabei. Ja wirklich. Es stand zwischen den anderen Büchern im Regal und glänzte in düsterem Blau. Wie stolz ich war und was das für mich bedeutet hat, kann ich gar nicht beschreiben.

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Ich vor dem Qindiestand. Das Bild wurde von Divina Michaelis geschossen.

Mir bleibt nur noch eins zu sagen: Wir sehen uns im nächsten Jahr zur Buchmesse!

+Mika+


Das Beitragsbild und das letzte Foto sind von Divina Michaelis

Aktuelles, Gedanken-Mix

Buchmesse 2016: Ich bin dabei

Liebe Leser, Interessierte und ungewollt auf diesen Blog Gestoßene,

ich bin dabei! Bei der Leipziger Buchmesse 2016. Am Freitag und Samstag werde ich mich in den Hallen der Messe austoben, Veranstaltungen besuchen, mir Inspirationen holen und mich vom Meer der Besucher treiben lassen. Es ist nicht mein erster Besuch, aber dennoch eine kleine Premiere, denn in diesem Jahr wird mein Buch „Sieben Raben“ auf der Messe ausgestellt sein. Und nicht nur das, ich wirke wahrhaftig auf einem Stand mit und bin für euch ansprechbar. Gemeinsam mit den wundervollen Autoren und Autorinnen von Qindie bin ich in Halle 5 am Stand C301 vertreten. Allerdings nicht den ganzen Tag, sondern nur von 15 bis 17Uhr am Freitag und am Sonntag ab 15Uhr. Solltet ihr also Zeit haben, dann schaut einfach am Stand vorbei. Wir Autoren von Qindie freuen uns über jeden Besuch.

Vielleicht fragt ihr euch, was ich die restliche Zeit auf der Messe mache. Ich werde mich wohl hauptsächlich in Halle 2 aufhalten, wo es so viele Dinge aus meiner zweiten ‚Heimat‘ Japan gibt, an denen ich nur sehr schwer, wirklich sehr schwer vorbeigehen kann. Ansonsten besuche ich am Sonntag die Lesung von Mati zu seinem Buch „Des Monsters Makel“ um 14Uhr und werde mich bei allem anderen von meiner Intuition leiten lassen. 🙂 Na, wer von euch wird noch da sein?

Einen Bericht von der Messe und was so alles passiert ist, bekommt ihr von mir eine Woche später.

Ich wünsche euch was.

+Mika+

Mika Krüger - Sieben RabenBeitragsbildAdventskalender

Gedanken-Mix, Schreibarbeit

7 Gründe, warum Raben faszinierend sind

Raben sind düstere Vögel, die auf knorrigen Ästen sitzen und kehlige Laute von sich geben. Wenn ihre schwarze Gestalt am Himmel kreist, haben wir ein mulmiges Gefühl. Sie stehen symbolisch für den Tod und werden bis heute von einem tiefschwarzen Image verfolgt. Dabei brauchen wir vor ihnen keine Angst zu haben. In diesem Beitrag findet ihr sieben Gründen gegen das schlechte Image von diesen erstaunlichen Vögeln.


Grund 1) Raben sind unwahrscheinlich intelligent. Sie können komplexe Handlungen planen, sich Gesichter einprägen und von uns lernen. Wenn sie auf Ästen oder Laternen sitzen, versuchen sie stets, uns einzuschätzen. Sind wir eine Gefahr, ein Freund oder ein Feind? Keinesfalls dient ihr skeptischer Blick dazu, uns einzuschüchtern. Ihnen ist wohl bewusst, dass sie gegen einen Menschen keine Chance haben.

Dank ihrer Intelligenz können sie ganz erstaunliche Dinge tun. Ein Beispiel dafür ist ihr Vorgehen beim Knacken von Nüssen. Dazu nutzen sie den Straßenverkehr, werfen in roten Ampelphasen Nüsse auf die Straße und warten, bis es grün wird. Wenn die Nussschale dann von den Autoreifen geknackt worden ist, bedienen sie sich am Fressen. Ein weiteres Beispiel ihrer Intelligenz seht ihr in diesem Video:

Grund 2) Raben sind sehr kreativ und anpassungsfähig. Deshalb nutzen sie alles, was ihnen in den Schnabel kommt, um ihr Ziel zu erreichen. In Japan lässt sich zum Beispiel beobachten, wie sie Kleiderbügel aus Draht zum Nestbau verwenden. Dabei verbiegen sie den Draht in gewünschter Art und Weise und setzen ihn Stück für Stück aneinander, sodass ein Nest entsteht. Was im ersten Moment unglaublich erscheint, nämlich ein Nest aus Metall, ist ein Zeichen dafür, wie gut sie sich mit dem Leben in der Großstadt arrangiert haben. Zu sehen ist dieses Verhalten in der Doku, die am Ende des Beitrags als Link angegeben ist (ab 25:19).

Grund 3) Raben sind keine Einzelgänger, die darauf lauern anzugreifen, sondern soziale Gruppentiere. Sie leben monogam (ja, ihr habt richtig gehört, die Vögel haben manchen unserer Mitmenschen da was voraus) und sitzen bereits als Jungtiere beisammen und ‚erzählen‘ einander Geschichten. Schade, dass wir nicht verstehen, worum es geht.

Grund 4) Raben sind Singvögel. Das merkwürdige Krächzen oder Glucksen, das Raben aus der Kehle dringt, ist kein beabsichtigt gruseliger Laut. Es ist vielmehr eine ungewöhnliche Art zu singen. Man könnte sagen, es ist die Rabenvariante von öffentlichem Karaoke. Singen für die Geselligkeit sozusagen, ob es nun schön klingt oder nicht.

Grund 5) Raben können sehr zutraulich werden. Man könnte annehmen, dass Menschen und Raben nicht zusammenpassen. Jeder hat Respekt vor dem anderen, aber eine Freundschaft wird das nicht. Weit gefehlt, denn junge Rabentiere können genauso auf den Menschen geprägt werden wie Katze und Hund. Sie lassen sich streicheln, füttern und werden richtig anhänglich. Und mal ehrlich, wer will nicht so ein intelligentes Tier an seiner Seite? Nein okay, das ist natürlich nicht zu empfehlen. Es sind Wildtiere, die ihren eigenen Weg gehen sollten.

Grund 6) Raben sind keine Mörder, sondern Aasfresser. Ein Vorurteil gegenüber Raben ist die Vermutung, sie würden kleinere Singvögel töten, sodass ihre Population in bestimmten Gebieten abnimmt. Während wir es mit einem genervten Blick abnicken, dass unsere Hauskatze einen toten Vogel anschleppt, ist ein Rabe, der dies tut, sofort brutal und bösartig. Noch dazu sind Raben eher Aasfresser als Jäger. Sie begleiten Wölfe und andere Jäger eher beim Beutefang und bedienen sich anschließend, als selbst tätig zu werden. Frei nach dem Motto: Lass die anderen die Arbeit machen.

Rabenvögel sind keineswegs „blutrünstige Mörder“, sondern kümmern sich im Naturhaushalt um die Beseitigung von Aas. Deshalb kamen sie bereits im Mittelalter als Galgenvögel in Verruf. Finden sich heute Raben, Elstern oder Krähen an einem Kadaver ein, wird ihnen gleich ein Mord unterstellt. (Zitat aus NABU)

Grund 7) Raben sind wunderschön und fotogen. Ihr Gefieder glänzt silbern im Licht. Sie haben tiefschwarze Knopfaugen, bewegen sich grazil in der Luft und sind von beachtlicher Größe. Ob bei schummrigem Dämmerlicht, Sonnenaufgang oder Sommersonne, die dunkle Gestalt eines Raben macht sich auf jeder Fotografie gut. Während man beispielsweise eine weiße Taube vor weißen Wolken niemals vernünftig fotografieren kann, ist es ein Leichtes, den sich stark vom Himmel abzeichnenden Rabenvogel schön in Szene zu setzen. Man muss nur schnell genug sein.


Jetzt fragt ihr euch sicher, weshalb ich diesen Beitrag auf einem Blog für Romane und das Schreiben veröffentlicht habe. Ganz einfach, was ich euch hier präsentiert habe, ist in Auszügen das Ergebnis der Recherche für meinen Roman Sieben Raben. Dieser ist nun auch als Taschenbuch über Amazon oder epubli bestellbar. Ob ich da beim Klischee des mordenden Raben geblieben bin, könnt ihr sehr gern überprüfen.


Quellen:

Dokumentation über Raben

Rabenvögel

Rabenvögel: Vorurteile und Fakten

Rabenvögel aufziehen

Anmerkung: Ich nutze hier den Begriff Rabe, obwohl das korrekte Wort Rabenvogel ist und Elstern und Krähen mit einschließt.