Aktuelles, Gedanken-Mix

Sommerpause ist beendet!

Liebe Leser und Interessierte,

vor etwa einem Monat habe ich hier meine Sommerpause bekanntgegeben. Ich wollte mich ganz auf mein Romanprojekt und einige andere Dinge konzentrieren, was auch wunderbar funktioniert hat. Inzwischen sind beinahe alle Kapitel überarbeitet, ich habe das erste Feedback bekommen und kann euch nun wieder mit Neuigkeiten versorgen. Los geht es demnächst mit einem Thema, über das ich mir seit einigen Monaten Gedanken mache: einen Redaktionsplan für mein Blog. Ich muss an dieser Stelle einräumen, dass ich Dinge gern totplane. Für das Blog gilt das jedoch nicht. Hier habe ich immer aus dem Bauch heraus entschieden, was für einen Artikel ich veröffentlichen möchte. Der Nachteil liegt auf der Hand. Manchmal gingen mir einfach die Themen aus und ich geriet in Verzug mit meinen Beiträgen. In der Hoffnung, das in Zukunft besser in den Griff zu bekommen, werde ich also einen vernünftigen Redaktionsplan erstellen und über den Entwicklungsprozess einen Blogbeitrag schreiben. Vielleicht wir der ein oder andere ja davon inspiriert.

Um euch noch kurz mit auf den Weg zu geben, was im letzten Monat passiert ist, hier ein kurzes Statusupdate:

Punkt 1) Hurt No One wird allerspätestens Anfang November auf allen Onlineshops erhältlich sein. Inzwischen bin ich ganz nervös, da die Veröffentlichung schon bald ansteht.

Punkt 2) Ich bin nun stolze Besitzerin von Papyrus Autor und werde meine letzte Überarbeitung damit durchgehen.

Punkt 3) Der vorläufige Coverentwurf von Hurt No One steht, obwohl die Ausarbeitung mich noch einige Kraft kosten wird.

Punkt 4) Ich habe unzählige Projektideen und keine Zeit, sie alle aufzuschreiben. Mag mir jemand eine abnehmen? 😛

Punkt 5) Ich habe am Camp NaNo teilgenommen, war aber weniger produktiv als meine drei KollegInnen, mit denen ich mir eine Cabin teilte. Wer jetzt gerade nicht weiß, worum es geht, schaut einfach auf Stella Delaney Blog nach. Sie hat das ganz wundervoll erklärt. 🙂

Ich hoffe, euch ist es im letzten Monat gut ergangen. Haltet die Ohren steif und genießt den Sommer.

+Mika+

Aktuelles, Gedanken-Mix

Sommerpause

Liebe Leser und Interessierte,

ursprünglich wollte ich keine Sommerpause einlegen, aber es ist soweit, ich komme nicht drumrum. Derzeit sitze ich an dem Feinschliff zu meinem Roman Hurt No One, der im Oktober erscheint. So sehr mir das Bloggen Spaß macht und ich den Austausch mit euch genieße, muss ich zumindest bis Mitte August mit dem Schreiben von Beiträgen pausieren. Warum? Ich schaffe sonst meine eigene Deadline zur Veröffentlichung nicht. Die Überarbeitung frisst wahnsinnig viel Zeit und kostet mich mehr Nerven als erwartet. Gerade heute saß ich wieder einmal von sechs Uhr dreißig (kein Witz) bis gerade eben (gut Pausen hab ich natürlich gemacht) an meinem Projekt und habe dennoch nicht mein Soll geschafft.

Womöglich werden sich nun einige von euch fragen, weshalb ich mir so einen Stress mache. Ich könnte ja auch gut und gerne die Veröffentlichung auf nächstes Jahr verschieben. Aber ganz so einfach ist das leider nicht, denn ich werde im November auf der Buchberlin vertreten sein und möchte euch dort mein neues Büchlein vorstellen. Außerdem, es muss ja mal fertig werden, oder? Seit letztem Jahr Juli (zu der Zeit entstand die Idee) sitze ich nun an diesem einen Roman und, seien wir mal ehrlich, ich könnte auch noch weitere zehn Jahre daran basteln, weil in Szene X das und das nicht stimmt oder in Szene Z der und der Protagonist zu viele Details verrät. Leider oder vielleicht ist es gut so, ist das Buch auch länger geworden als geplant, was meinen Zeitplan etwas durcheinander würfelt. Es gibt einfach sehr viele Figuren, viele ineinander verwobene Details und eine fremde Welt, die erklärt werden muss. Das ist, ich geb’s zu, eine gewaltige Herausforderung, die ich ein bisschen unterschätzt habe. Doch wie wir ja alle wissen, springt man über Hürden hinweg oder, wie es die Antagonistin aus meinem Projekt formulieren würde: „Über eine Hürde springt man nicht, sie wird ganz einfach so umfunktioniert, dass sie einen neuen, besseren Weg ermöglicht.“ Und wie war das? Sagte nicht schon Stephen King, man dürfe nicht einfach eine Idee aufgeben, nur weil sie einem zu schwer vorkommt. In dem Sinne kremple ich die Ärmel hoch und haue in die Tasten.

Ich verspreche euch jedoch, dass ich im August wieder für euch da sein werde! Bis dahin hört ihr von mir auf Facebook.

Am Ende nun noch ein kleines Statusupdate zu Hurt No One:

  • Wie viele Kapitel sind bereits geschrieben? 12 von 12.
  • Wie weit ist die erste Runde der Überarbeitung? Bin bei Kapitel 11 von 12.
  • Wie weit ist die zweite Runde der Überarbeitung? Bin bei Kapitel 7 von 12.
  • Wie weit ist die Korrektur auf ausgedrucktem Papier? Bin bei Kapitel 5 von 12.
  • Haben schon die ersten Testleser angefangen zu lesen? Ja. 😀
  • Gibt es schon ein Cover? Nein. 😦
  • Hat sich die Titelfrage geklärt und bleibt es bei Hurt No One? So gut wie und nein, es bleibt nicht bei Hurt No One.
  • Gibt es einen Klappentext? Ist in Arbeit.

Und nun wünsche ich euch einen wundervollen Restsonntag.

+Mika+

 

Gedanken-Mix

Ein Mal London und zurück

Derzeit ist Großbritannien in aller Munde. Das Land wird bald nicht mehr Teil der EU sein. Oder anders, vielleicht werden Teile dieses Landes in Zukunft zur EU gehören und aus groß wird klein, eventuell auch löchrig. In meinem Beitrag geht es jedoch nicht um den Brexit, sondern um meine Reise nach London. Ein paar meiner Erfahrungen möchte ich heute mit euch teilen.


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Mein erstes Erlebnis von London war im wahrsten Sinne des Wortes überschwänglich. Kaum setzte ich meine Füße auf den Boden der Millionenmetropole, machte ich eine aufregende Bekanntschaft … Es war ein Uhr nachts und meine Freundin und ich mussten unbedingt den Bus erreichen. Entsprechend hastig rannten wir über die Straßen. Zwei Männer in Anzügen kamen uns torkelnd entgegen. Einer von ihnen hatte offensichtlich ein gewisses Bedürfnis nach Nähe und verwechselte mich augenscheinlich mit einer Bekannten. Er fragte nämlich, ob ich „diese Person“ sei und wollte mich umarmen. Leider ging die Wahrscheinlichkeit, dass ich wirklich „jene Person“ war gegen null, weshalb ich auswich und sein Kumpel ihn wegzog. Das blubbernde Gemurmel danach konnte ich leider nicht mehr deuten. So mitten in der Nacht einen fremden Briten umarmen, das macht man ja auch nicht! Hätte ich wohl nur getan, wenn er ausgesehen hätte wie ein berühmter Privatdetektive mit Pfeife und verzweifelt um Hilfe gebeten hätte. Jedenfalls, es heißt ja immer, der erste Eindruck zählt. London ist also ein betrunkener Businessman, der alle umarmen möchte. Herzlich willkommen Fremder, mögest du gleich unsere Kultur lieben lernen! Tja, ob das gut oder schlecht ist, lasse ich jetzt mal im Raum stehen.

Am ersten Tag in London bin ich dann gemeinsam mit meiner Freundin auf Erkundungstour gegangen und muss sagen, dass London unglaublich viel zu bieten hat. Von alten Gebäuden über neue Gebäude, kitschigen Ecken und schicken Stadtteilen und egal wo man hinschaut, gibt es diese kleinen Läden über deren Eingangstüren mit alter Schrift etwas geschrieben steht. Unser Stadtspaziergang führte uns von Waterloo zum Buckingham Palace weiter über den Trafalgar Square zum Covent Garden. Das ist eine ziemlich weite Strecke und nichts für jemanden, der Fußlahm ist. Wir hatten unseren Spaß.

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Der Pavillon 2016 im Hyde Park. In diesem Jahr hat ihn der dänische Architekt Bjarke Ingels entworfen.

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Ein Alice im Wunderland Teeservice. Hätte ich am liebsten mitgenommen.

 


Houses of Parliament*, Tate Modern und Sky Garden

Ein Gebäude besichtigen, in dem politische Entscheidungen getroffen werden? Das klingt im ersten Moment nicht sonderlich spannend, will ja niemand im Urlaub mit ernsten Themen belästigt werden. Ich muss aber sagen, dass es sich gelohnt hat, den Westiminster-Palast zu betreten. Es ist ein geschichtsträchtiger Ort und der Charme eines alten London hallt dort nach. Im Eintrittspreis enthalten ist ein Audioguide, der einige Details über die britische Geschichte und das Staatssystem offenbart. Was mich jedoch besonders beeindruckt hat, war das Gefühl, auf den Wegen wichtiger Entscheidungsträger zu wandeln. Der Thron der Queen stand nur einen Meter entfernt vor mir. In Deutschland blicken wir im Reichstag auf die Politiker herab. In London sind wir mit ihnen auf Augenhöhe. Interessant ist auch, dass es im Unterhaus nicht genügend Sitzplätze gibt, um alle Politiker unterzubringen. Viele von ihnen müssen stehen oder sitzen auf den Stufen zwischen den Bänken. Kein Wunder, dass sich die Parlamentarier da so manches Mal etwas zu heftig streiten.

Die Tate Modern ist kostenlos und auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man auf moderne Kunst steht. Wir waren zur Eröffnung des neuen Gebäudeteils dort und es gab das ein oder andere Kunstwerk, das mich sprachlos oder auch verwirrt zurückließ.

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Mal ganz ehrlich, wer denkt auch an Silent Hill bei dieser Installation?
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Kunst aus der Tate Modern. Der japanische Künstler hat nur die Farben Weiß und Blau verwendet. (Thema Krieg)

Wir hatten versucht, einen Platz für die Besichtigung des Sky Garden zu bekommen. Dieser ist im neuen Walkie Talkie Tower in London. Leider waren wir etwas zu spät, denn ein Besuch muss zwei Wochen vorher angemeldet werden. Kann nur jedem empfehlen, dieses kostenlose Angebot mitzunehmen und sich rechtzeitig um einen Platz zu kümmern. Immerhin kann man London von oben sehen und ein Ticket für das höchste Gebäude Europas mit Blick auf London kostet 32 Euro! Das nur kurz als Hinweis für euch.

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The Shard. London kann auch modern.

The Ten Bells und Jack The Ripper

Ich schreibe nicht nur Mystery, sondern auch Horrorgeschichten. Und wo ist die Quelle für die besten Einfälle für solche Geschichten? Richtig, sie liegt im wahren Leben, bei echten Kriminalfällen. Der weltweit wohl bekannteste Fall ist der um Jack the Ripper. Es geht das Gerücht um, dass er im Pup The Ten Bells seine Opfer getroffen und ausgesucht hat. Ich konnte es mir deshalb nicht nehmen lassen, dorthin zu pendeln. Ich würde jetzt gern sagen, dass ich ein mulmiges Gefühl hatte, als ich vor dem Pub stand und mich der Schatten der Vergangenheit streifte, aber leider war dem nicht so. Es einfach nur eine Kneipe. Sorry Leute, aber so ist es eben. 🙂

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Sherlock Holmes Museum

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht eine von Arthur Conan Doyles Geschichten über Watson und Holmes gelesen habe. Traurig angesichts der Tatsache, dass ich Krimis mag und mich selbst Autorin nenne. Deshalb war es mehr als notwendig, zumindest das Museum aufzusuchen und mein schlechtes Gewissen etwas zu beruhigen. Das Museum hat drei Stockwerke und ist wirklich sehr klein, aber es machte mir trotzdem Spaß, alles anzuschauen. Überall standen ungewöhnliche und alte Dinge herum. Das Licht war schummrig und ich fühlte mich in die Zeit von Arthur Conan Doyle zurückversetzt.

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Bücher
Ich konnte nicht widerstehen im Sherlock Holmes Museum Geld für Bücher auszugeben. Sieht doch aber auch wirklich schön aus, oder?

Verkehr in London und eine Idee

Was wäre wenn, … So geht entstehen viele Ideen. Wir malen uns aus, wie etwas sein könnte. Was wäre, wenn wir alle unter der Erde leben. Was wäre, wenn alles um uns herum nur ein Computerprogramm ist. Meistens kommen diese Eingebungen dann, wenn wir es am wenigsten erwarten. In London ging es mir genauso. Ich saß mit meiner Freundin in einem dieser roten Doppelstockbusse in Richtung Westminster Abbey. Vor uns etliche Autos, Motorräder, zu enge Straßen, Menschen. Vor lauter Sinneseindrücken wusste ich gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Ständig dachte ich, jemand wird vom Bus überfahren oder es gibt einen Unfall. Und urplötzlich war er da, dieser eine Gedanke. Was wäre, wenn … du dort unten auf dem Bürgersteig stehst und urplötzlich bist du allein in dieser riesigen Stadt. Auf einen Schlag und ich rede nicht von einer Zombieapokalypse, in der leere und zerstörte Autos zu finden sind. Nein, ich rede von einem Moment, in dem alles menschliche Leben auf einen Schlag verschwindet. Wieso sollte das passieren und was macht das mit einem, wenn man in einer Millionenstadt allein ist? Fragen, die eine Mystery Geschichte in Gang setzen können. Fehlt die Quintessenz und ich hätte da sogar eine Vorstellung. Was, wenn diese Person in der leeren Welt das Referendum von Großbritannien verhindern soll? Wäre doch was, oder?


Brexit und so …

Dieser Frage schließe ich einen kurzen Kommentar zum Brexit an, den ich mir einfach nicht kneifen kann. Die schwerwiegende Volksentscheidung Großbritanniens, die EU zu verlassen, hat meinem Aufenthalt etwas getrübt. Einen Tag lang war ich völlig neben der Spur. Nicht zuletzt, weil ich eine Freundin in Großbritannien habe, die am Boden zerstört war und nur noch davon sprach, dass man ihr die Zukunft gestohlen habe. Ich glaube nicht, dass die EU perfekt ist und jeder dabei sein oder bleiben soll. Zum Zwang sollte diese Gemeinschaft nicht werden. Aber diese Entscheidung ist für mich der Beweis, dass der Gedanke von Solidarität und Zusammenhalt nicht stark genug war, um die Idee vom Kampf des Einzelnen zu besiegen (sehr dramatisch, ich weiß). In einer Zeit, wo wir alle näher zusammenrücken sollten ist das ein schlechtes Zeichen. Es macht mich ehrlich gesagt sprachlos und lässt mich mit tausend Fragen zurück, die nie beantwortet werden können. Eine jedoch drängt sich mir immer wieder auf. Wollen wir uns wirklich von Angst steuern lassen? Ich sage, nein! Ich werde die Briten in der EU jedenfalls sehr vermissen, aber ! für mich sind sie auch dann noch Freund, wenn sie ihren eigenen Weg gehen.

Meine nächste Reise wird mich wohl nach Frankfurt zur Buchmesse führen. Vielleicht sieht man sich dort!

+Mika+

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Ich im Hyde Park. Wuhu!

*19 Pfund Eintritt, kann nur zu bestimmten Zeiten besucht werden

** 15 Pfund Eintritt

Link Beitragsbild aus flickr.com

Gedanken-Mix, Schreibarbeit

Selbstzensur: Wieso wir uns beim Schreiben selbst Grenzen setzen

Es gibt Dinge, über die darf ich nicht schreiben. Wieso? Na, das ist eben so. In einen Krimi gehört keine explizite Sexszene, genauso wie in eine romantische Liebesgeschichte kein brutaler Mord passt. Ganz zu schweigen von einem anspruchsvollen Gegenwartsroman, der ja nun wirklich nicht zu viele Klischees bedienen sollte. Passt nicht, gibt’s nicht, soll so nicht sein.

Diese und ähnliche Gedanken machen wir uns beim Schreiben jeden Tag. Einige sagen, in der Literatur gäbe es keine Tabus, andere meinen, Grenzen seien wichtig, um die Erwartungen von Lesern zu erfüllen. Es scheint immer wichtiger zu werden, warum wir etwas nicht tun, als die Frage, warum wir etwas tun. Selbstzensur ist das Thema, das sich dahinter verbirgt. Nur ist das wirklich so dramatisch, wie es klingt?


Selbstzensur: Ein Widerspruch in sich

Zu Beginn eine Kleinigkeit: Ich hatte einen Knoten im Kopf, als ich Selbstzensur zum ersten Mal gehört habe. Wie soll man sich denn selbst zensieren? Geht nicht, dachte ich mir. Immerhin bezeichnet die Zensur etwas, was durch eine Institution oder ein Organ vorgenommen wird. Inhalte werden dabei gezielt kontrolliert und beschnitten. „Streich das! Mach das nicht! Das ist zu kritisch, bloß weg damit!“ Sind Aufforderungen, die ganz gut passen. Es ist ein negativer Begriff, der Einfluss auf die Freiheit hat. Dass man selbst derlei Druck auf sich ausübt, ist für mich ein Widerspruch in sich. Aber halt! Ich habe mich getäuscht. Wenn ich in Ruhe darüber nachdenke, ist er nicht so unsinnig, wie es auf den ersten Blick den Eindruck macht. Werfen wir einen Blick auf das Wort Selbstbestrafung . Es ist ähnlich konstruiert. Bestrafungen werden in der Regel durch andere durchgeführt. Durch die Gesellschaft, Menschen, Institutionen. Psychologisch gesehen, ist es jedoch auch möglich, sein eigenes Verhalten zu bestrafen.


Brisant ist interessant

Im Grunde geht es also darum, ob jemand etwas bewusst oder auch unbewusst aus seinem Romanprojekt streicht, um damit gesellschaftlich weniger aufzufallen, weniger anzuecken, mehr Akzeptanz zu bekommen. Sagt meine Protagonistin wirklich ‚Penner‘ oder ‚Nigger‘, weil sie eine rechtsradikale Schlägerin ist oder lasse ich das lieber, damit sich niemand am Wortlaut stört?

Ein Gedanke aus meinem eigenen Schreibprozess: Eine meiner Protagonistinnen hat in ihrer Vergangenheit ein Tier gequält. Vermutlich aus Frustration über ihre eigene ausweglose Situation. Diese Erfahrung hat sie und ihr zwischenmenschliches Vorgehen stark geprägt. Ich weiß, dass eine solche Szene negativ auffallen wird. Stephen King ist das passiert, als einer seiner Protagonisten in einem Buch einen Hund quälte. Er bekam daraufhin Hassbotschaften. Natürlich möchte ich nicht, dass mir das Gleiche passiert, andererseits ist diese Frau eben eine gefühlskalte Person. Das ist ein Konflikt. Auch jetzt, wo ich diese Worte hier im Blog niederschreibe, fühlt es sich nicht richtig an, eine solche Szene in mein Buch einzubinden. Ich fürchte mich davor, die Quälerei zu erwähnen und zensiere mich selbst, indem ich diesen Aspekt lösche. Nicht etwa, weil es für die Geschichte nicht wichtig ist, sondern weil ich mich fürchte, einen schlechten Eindruck zu machen. Dabei ist es nur eine fiktive Geschichte. Mal ganz davon abgesehen, dass es tatsächlich Menschen gibt, die Tieren schaden. Das ist traurige Realität.

Um zur Selbstzensur zurückzukommen. Es macht durchaus Sinn, zu hinterfragen, aus welchen Gründen bestimmte Dinge von uns selbst gelöscht werden. Wer etwas nicht schreibt, weil es zu brisant ist, läuft Gefahr, nicht ehrlich mit sich und seiner Geschichte zu sein. Eventuell entsteht ein langweiliges Werk ohne Höhen und Tiefen. Zu glatt, zu sauber, zu perfekt. Wer kann damit Menschen aufrütteln? Keiner, denke ich.


Rules

Sich an Schreibregeln und Genregrenzen zu halten, ist keine Zensur

Einige Dinge fallen mir in der Diskussion dennoch negativ auf und verursachen ein Stirnrunzeln. Es ist meiner Ansicht nach keine Zensur, wenn wir uns an Regeln des Schreibens und genrespezifische Grenzen halten. Wer beides überschreitet, ist entweder extrem gut oder, ich muss es sagen, kennt sich nicht aus. Ich kann nicht eine Fantasywelt aufbauen und urplötzlich eine machthungrige Maus einführen, die vom Planet Mauswahn kommt und mit einer Laserstrahlenpistole auf einen Ork zielt. Na gut, ja, das kann ich schon, die Frage ist doch aber, will das jemand lesen? Sehr wahrscheinlich nicht. Und ja, ich kann radikal alle meine Hauptpersonen umbringen, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich kann auch Figuren auftauchen lassen, die nichts mit dem eigentlichen Geschehen zu tun haben, pöbeln, brutalen Sex haben, sich die Köpfe blutig schlagen und einfach wieder verschwinden, ohne eine weitere Erwähnung. Kein Problem, aber mehr als einen verwirrten Blick und frustrierte Leser wird das wohl nicht bringen.

Die Frage ist immer, ob man sich freiwillig entscheidet, Dinge zu löschen oder es nur tut, weil man sich gesellschaftlich dazu gedrängt fühlt. Eine Geschichte über einen pädophilen Massenmörder? Nein Danke. Islamkritik? Nein danke. Veganerin trifft Kannibalen? Auch nicht. Zu sagen, wo freiwillig anfängt und wo es aufhört, ist dabei unmöglich. Überall werden wir durch irgendetwas beeinflusst. Wir sollten uns in erste Linie mit der Entscheidung wohlfühlen und sie nicht bereuen. Es ist richtig zu sagen, die Geschichte ist einfach so wie sie ist, egal, ob manche sich daran stören. Wir sollten dazu stehen und mutig sein, die ‚unpassenden‘ Dinge anzusprechen. Es ist allerdings nicht sinnvoll, Schreibregeln zu missachten, nur weil man denkt: „Pah, ich mach das jetzt eben so.“ Wenn ich nicht weiß, wo eine Straße anfängt und wo sie aufhört, werde ich womöglich überfahren.

Mein Eindruck ist, dass die Kritik einer sogenannten Selbstzensur im Bereich Self-Publishing zum Teil (!) dazu genutzt wird, um zu rechtfertigen, warum man bestimmte, unlogische Dinge in Romanen eben doch tut. Es ist Kunst, ich wollte mich nicht selbst zensieren. Von Lesern höre ich demgegenüber immer öfter, Bücher seien Versprechen und mit diesem sind eben auch gewisse Erwartungen verknüpft. Jemand, der einen aufwühlenden Thriller in den Händen hält, wird wohl wütend werden, wenn in diesem eine ausschweifende Dreiecksbeziehung vorkommt. Gedankenlos einfach zu schreiben, was einem gerade einfällt, kann problematisch sein (muss nicht, kann aber …). Für mich ist es daher keine Selbstzensur, zu durchdenken, wie der Roman ankommen könnte. Ich fühle mich dadurch auch nicht meiner Freiheit beraubt. Es gibt tatsächlich viel schwerwiegendere Gründe, sich gegen bestimmte Szenen zu entscheiden. Aus Angst vor gesellschaftlichen Konsequenzen zum Beispiel.

Bis dahin

+Mika+


Nützliche Links

Selbstzensur der Medien

FaZ

Spiegel

Bilder:

Filtern ist keine Lösung: Karsten Suehring

To break the rules you must first master them: Lefteris Heritakis

Gedanken-Mix

Rezension zu Sieben Raben

In der letzten Woche habe ich von Christian Milkus eine sehr gute Rezension zu meinem Buch Sieben Raben bekommen, über die ich mich unwahrscheinlich gefreut habe. Da mir aufgefallen ist, dass ich hier auf dem Blog noch gar keine Leserstimmen veröffentlicht habe, hole ich das an dieser Stelle nach und poste seine Rezension hier als Gastbeitrag.


„Criminal Mystery ist heute angesagt: „Sieben Raben“ von Mika M. Krüger. Angelehnt an das Grimmsche Märchen und übertragen ins Moderne, wird die junge Frana von sieben Raben begleitet, wohin sie auch geht. Schon bald stoßen ihre rätselhaften Begleiter sie auf dunkle Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit. Sie forscht nach und gerät so ins Visier gefährlicher Männer, die es schon seit ihrer Geburt auf sie abgesehen haben.

Ich mag düstere Geschichten, und somit war das Buch genau das Richtige für mich. Solche Bücher leben von der Atmosphäre, und das hat die Autorin sehr gut umgesetzt. Es ist ein stimmungsvolles Buch, das man abends im Bett während eines Gewitters lesen kann oder vorm Kamin mit Pfeife und Scotch in der Hand (ja, ein Kakao tut’s auch). Die Beschreibungen sind gut gelungen, und der Schreibstil ist sehr sanft und flüssig, sodass die Atmosphäre auch über das ganze Buch hinweg bestehen bleibt. Auch das Umschalten gelingt der Autorin wunderbar, so gibt es zwischendurch actionreiche Szenen, die wirklich packend geschrieben worden sind, und emotionale Szenen, die zum Nachdenken anregen.

Frana ist durch ihre liebenswürdige, aber auch sture und freche Art sehr sympathisch, und die Raben gaben der Geschichte von Anfang an den richtigen Flair. Franas Nachforschungen werden schön linear beschrieben, ohne unnötiges Blabla. Dadurch ist das Buch relativ kurz, dafür aber – wie sagt man so schön – knackig.

Für mich hat das Buch nur einen größeren Kritikpunkt: das Ende. Es war nicht schlecht, jedoch platzte keine Bombe, sondern eher ein Bömbchen. Etwas schade, denn da wurde Potential verschenkt. Insgesamt gesehen ist das aber nur ein kleiner Wermutstropfen. Mystery-Fans werden an der frechen Frana und ihrer tollkühnen Rabenbande definitiv ihre Freude haben und das Buch nur schwer beiseite legen können. Thumbs up!“


Wer ist Christian Milkus?

ChristianMilkus

Christian Milkus ist Autor und Geotechnologe. Er schreibt Fantasy und wird demnächst seinen Debütroman „Der Schatten in mir“ herausbringen. Es ist ein dunkler Fantasy Roman, der in einer mittelalterlichen Welt spielt. Das Besondere daran? Es gibt eine mutige Protagonistin, die trotz Borderline ihren Weg geht. Hier geht es zu seiner Webseite.