Ein Mal London und zurück

Derzeit ist Großbritannien in aller Munde. Das Land wird bald nicht mehr Teil der EU sein. Oder anders, vielleicht werden Teile dieses Landes in Zukunft zur EU gehören und aus groß wird klein, eventuell auch löchrig. In meinem Beitrag geht es jedoch nicht um den Brexit, sondern um meine Reise nach London. Ein paar meiner Erfahrungen möchte ich heute mit euch teilen.


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Mein erstes Erlebnis von London war im wahrsten Sinne des Wortes überschwänglich. Kaum setzte ich meine Füße auf den Boden der Millionenmetropole, machte ich eine aufregende Bekanntschaft … Es war ein Uhr nachts und meine Freundin und ich mussten unbedingt den Bus erreichen. Entsprechend hastig rannten wir über die Straßen. Zwei Männer in Anzügen kamen uns torkelnd entgegen. Einer von ihnen hatte offensichtlich ein gewisses Bedürfnis nach Nähe und verwechselte mich augenscheinlich mit einer Bekannten. Er fragte nämlich, ob ich „diese Person“ sei und wollte mich umarmen. Leider ging die Wahrscheinlichkeit, dass ich wirklich „jene Person“ war gegen null, weshalb ich auswich und sein Kumpel ihn wegzog. Das blubbernde Gemurmel danach konnte ich leider nicht mehr deuten. So mitten in der Nacht einen fremden Briten umarmen, das macht man ja auch nicht! Hätte ich wohl nur getan, wenn er ausgesehen hätte wie ein berühmter Privatdetektive mit Pfeife und verzweifelt um Hilfe gebeten hätte. Jedenfalls, es heißt ja immer, der erste Eindruck zählt. London ist also ein betrunkener Businessman, der alle umarmen möchte. Herzlich willkommen Fremder, mögest du gleich unsere Kultur lieben lernen! Tja, ob das gut oder schlecht ist, lasse ich jetzt mal im Raum stehen.

Am ersten Tag in London bin ich dann gemeinsam mit meiner Freundin auf Erkundungstour gegangen und muss sagen, dass London unglaublich viel zu bieten hat. Von alten Gebäuden über neue Gebäude, kitschigen Ecken und schicken Stadtteilen und egal wo man hinschaut, gibt es diese kleinen Läden über deren Eingangstüren mit alter Schrift etwas geschrieben steht. Unser Stadtspaziergang führte uns von Waterloo zum Buckingham Palace weiter über den Trafalgar Square zum Covent Garden. Das ist eine ziemlich weite Strecke und nichts für jemanden, der Fußlahm ist. Wir hatten unseren Spaß.

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Der Pavillon 2016 im Hyde Park. In diesem Jahr hat ihn der dänische Architekt Bjarke Ingels entworfen.

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Ein Alice im Wunderland Teeservice. Hätte ich am liebsten mitgenommen.

 


Houses of Parliament*, Tate Modern und Sky Garden

Ein Gebäude besichtigen, in dem politische Entscheidungen getroffen werden? Das klingt im ersten Moment nicht sonderlich spannend, will ja niemand im Urlaub mit ernsten Themen belästigt werden. Ich muss aber sagen, dass es sich gelohnt hat, den Westiminster-Palast zu betreten. Es ist ein geschichtsträchtiger Ort und der Charme eines alten London hallt dort nach. Im Eintrittspreis enthalten ist ein Audioguide, der einige Details über die britische Geschichte und das Staatssystem offenbart. Was mich jedoch besonders beeindruckt hat, war das Gefühl, auf den Wegen wichtiger Entscheidungsträger zu wandeln. Der Thron der Queen stand nur einen Meter entfernt vor mir. In Deutschland blicken wir im Reichstag auf die Politiker herab. In London sind wir mit ihnen auf Augenhöhe. Interessant ist auch, dass es im Unterhaus nicht genügend Sitzplätze gibt, um alle Politiker unterzubringen. Viele von ihnen müssen stehen oder sitzen auf den Stufen zwischen den Bänken. Kein Wunder, dass sich die Parlamentarier da so manches Mal etwas zu heftig streiten.

Die Tate Modern ist kostenlos und auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man auf moderne Kunst steht. Wir waren zur Eröffnung des neuen Gebäudeteils dort und es gab das ein oder andere Kunstwerk, das mich sprachlos oder auch verwirrt zurückließ.

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Mal ganz ehrlich, wer denkt auch an Silent Hill bei dieser Installation?

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Kunst aus der Tate Modern. Der japanische Künstler hat nur die Farben Weiß und Blau verwendet. (Thema Krieg)

Wir hatten versucht, einen Platz für die Besichtigung des Sky Garden zu bekommen. Dieser ist im neuen Walkie Talkie Tower in London. Leider waren wir etwas zu spät, denn ein Besuch muss zwei Wochen vorher angemeldet werden. Kann nur jedem empfehlen, dieses kostenlose Angebot mitzunehmen und sich rechtzeitig um einen Platz zu kümmern. Immerhin kann man London von oben sehen und ein Ticket für das höchste Gebäude Europas mit Blick auf London kostet 32 Euro! Das nur kurz als Hinweis für euch.

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The Shard. London kann auch modern.


The Ten Bells und Jack The Ripper

Ich schreibe nicht nur Mystery, sondern auch Horrorgeschichten. Und wo ist die Quelle für die besten Einfälle für solche Geschichten? Richtig, sie liegt im wahren Leben, bei echten Kriminalfällen. Der weltweit wohl bekannteste Fall ist der um Jack the Ripper. Es geht das Gerücht um, dass er im Pup The Ten Bells seine Opfer getroffen und ausgesucht hat. Ich konnte es mir deshalb nicht nehmen lassen, dorthin zu pendeln. Ich würde jetzt gern sagen, dass ich ein mulmiges Gefühl hatte, als ich vor dem Pub stand und mich der Schatten der Vergangenheit streifte, aber leider war dem nicht so. Es einfach nur eine Kneipe. Sorry Leute, aber so ist es eben. 🙂

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Sherlock Holmes Museum

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht eine von Arthur Conan Doyles Geschichten über Watson und Holmes gelesen habe. Traurig angesichts der Tatsache, dass ich Krimis mag und mich selbst Autorin nenne. Deshalb war es mehr als notwendig, zumindest das Museum aufzusuchen und mein schlechtes Gewissen etwas zu beruhigen. Das Museum hat drei Stockwerke und ist wirklich sehr klein, aber es machte mir trotzdem Spaß, alles anzuschauen. Überall standen ungewöhnliche und alte Dinge herum. Das Licht war schummrig und ich fühlte mich in die Zeit von Arthur Conan Doyle zurückversetzt.

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Bücher

Ich konnte nicht widerstehen im Sherlock Holmes Museum Geld für Bücher auszugeben. Sieht doch aber auch wirklich schön aus, oder?


Verkehr in London und eine Idee

Was wäre wenn, … So geht entstehen viele Ideen. Wir malen uns aus, wie etwas sein könnte. Was wäre, wenn wir alle unter der Erde leben. Was wäre, wenn alles um uns herum nur ein Computerprogramm ist. Meistens kommen diese Eingebungen dann, wenn wir es am wenigsten erwarten. In London ging es mir genauso. Ich saß mit meiner Freundin in einem dieser roten Doppelstockbusse in Richtung Westminster Abbey. Vor uns etliche Autos, Motorräder, zu enge Straßen, Menschen. Vor lauter Sinneseindrücken wusste ich gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Ständig dachte ich, jemand wird vom Bus überfahren oder es gibt einen Unfall. Und urplötzlich war er da, dieser eine Gedanke. Was wäre, wenn … du dort unten auf dem Bürgersteig stehst und urplötzlich bist du allein in dieser riesigen Stadt. Auf einen Schlag und ich rede nicht von einer Zombieapokalypse, in der leere und zerstörte Autos zu finden sind. Nein, ich rede von einem Moment, in dem alles menschliche Leben auf einen Schlag verschwindet. Wieso sollte das passieren und was macht das mit einem, wenn man in einer Millionenstadt allein ist? Fragen, die eine Mystery Geschichte in Gang setzen können. Fehlt die Quintessenz und ich hätte da sogar eine Vorstellung. Was, wenn diese Person in der leeren Welt das Referendum von Großbritannien verhindern soll? Wäre doch was, oder?


Brexit und so …

Dieser Frage schließe ich einen kurzen Kommentar zum Brexit an, den ich mir einfach nicht kneifen kann. Die schwerwiegende Volksentscheidung Großbritanniens, die EU zu verlassen, hat meinem Aufenthalt etwas getrübt. Einen Tag lang war ich völlig neben der Spur. Nicht zuletzt, weil ich eine Freundin in Großbritannien habe, die am Boden zerstört war und nur noch davon sprach, dass man ihr die Zukunft gestohlen habe. Ich glaube nicht, dass die EU perfekt ist und jeder dabei sein oder bleiben soll. Zum Zwang sollte diese Gemeinschaft nicht werden. Aber diese Entscheidung ist für mich der Beweis, dass der Gedanke von Solidarität und Zusammenhalt nicht stark genug war, um die Idee vom Kampf des Einzelnen zu besiegen (sehr dramatisch, ich weiß). In einer Zeit, wo wir alle näher zusammenrücken sollten ist das ein schlechtes Zeichen. Es macht mich ehrlich gesagt sprachlos und lässt mich mit tausend Fragen zurück, die nie beantwortet werden können. Eine jedoch drängt sich mir immer wieder auf. Wollen wir uns wirklich von Angst steuern lassen? Ich sage, nein! Ich werde die Briten in der EU jedenfalls sehr vermissen, aber ! für mich sind sie auch dann noch Freund, wenn sie ihren eigenen Weg gehen.

Meine nächste Reise wird mich wohl nach Frankfurt zur Buchmesse führen. Vielleicht sieht man sich dort!

+Mika+

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Ich im Hyde Park. Wuhu!


*19 Pfund Eintritt, kann nur zu bestimmten Zeiten besucht werden

** 15 Pfund Eintritt

Link Beitragsbild aus flickr.com

7 Gedanken zu “Ein Mal London und zurück

  1. Ouh 🙂 das sind wirkliche sehr schöne Bilder 🙂 super :). London ist wirklich eine herrliche fantasievolle Stadt :3 gleichsam mysteriös, modern, von der Geschichte verfolgt und mit eigensinnigen Menschen. Wir sind damals ebenfalls zu Fuß überall hergetorkelt. Es war herrlich 🙂 so erlebt man am meisten, lernt Mensch und Stadt kennen, einfach hinreißend.

    Das mit der Geschichts-Idee: Super 😀 ich hatte den Gedanken, was wäre, wenn zwei Menschen verblieben wären und sie sich dann treffen würden? Wirklich interessante Gedanken. Daraus könnte man eine Anthologie-Idee machen :3 Vielleicht wäre der Kontext aber auch zu sprengend 😀

    Brexit: Ja, es ist traurig, dass unsere Welt noch nicht an dem Punkt ist zu erkennen, dass wir alle auf dem gleichen Planeten leben und wir alle eigentlich doch nur Menschen sind. Und wenn man am gleichen Ort lebt und wir eigentlich alle gleich sind, warum können wir dann nicht als ein Ganzes handeln?

    – SR

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