Aktuelles, Gedanken-Mix

Sommerpause

Liebe Leser und Interessierte,

ursprünglich wollte ich keine Sommerpause einlegen, aber es ist soweit, ich komme nicht drumrum. Derzeit sitze ich an dem Feinschliff zu meinem Roman Hurt No One, der im Oktober erscheint. So sehr mir das Bloggen Spaß macht und ich den Austausch mit euch genieße, muss ich zumindest bis Mitte August mit dem Schreiben von Beiträgen pausieren. Warum? Ich schaffe sonst meine eigene Deadline zur Veröffentlichung nicht. Die Überarbeitung frisst wahnsinnig viel Zeit und kostet mich mehr Nerven als erwartet. Gerade heute saß ich wieder einmal von sechs Uhr dreißig (kein Witz) bis gerade eben (gut Pausen hab ich natürlich gemacht) an meinem Projekt und habe dennoch nicht mein Soll geschafft.

Womöglich werden sich nun einige von euch fragen, weshalb ich mir so einen Stress mache. Ich könnte ja auch gut und gerne die Veröffentlichung auf nächstes Jahr verschieben. Aber ganz so einfach ist das leider nicht, denn ich werde im November auf der Buchberlin vertreten sein und möchte euch dort mein neues Büchlein vorstellen. Außerdem, es muss ja mal fertig werden, oder? Seit letztem Jahr Juli (zu der Zeit entstand die Idee) sitze ich nun an diesem einen Roman und, seien wir mal ehrlich, ich könnte auch noch weitere zehn Jahre daran basteln, weil in Szene X das und das nicht stimmt oder in Szene Z der und der Protagonist zu viele Details verrät. Leider oder vielleicht ist es gut so, ist das Buch auch länger geworden als geplant, was meinen Zeitplan etwas durcheinander würfelt. Es gibt einfach sehr viele Figuren, viele ineinander verwobene Details und eine fremde Welt, die erklärt werden muss. Das ist, ich geb’s zu, eine gewaltige Herausforderung, die ich ein bisschen unterschätzt habe. Doch wie wir ja alle wissen, springt man über Hürden hinweg oder, wie es die Antagonistin aus meinem Projekt formulieren würde: „Über eine Hürde springt man nicht, sie wird ganz einfach so umfunktioniert, dass sie einen neuen, besseren Weg ermöglicht.“ Und wie war das? Sagte nicht schon Stephen King, man dürfe nicht einfach eine Idee aufgeben, nur weil sie einem zu schwer vorkommt. In dem Sinne kremple ich die Ärmel hoch und haue in die Tasten.

Ich verspreche euch jedoch, dass ich im August wieder für euch da sein werde! Bis dahin hört ihr von mir auf Facebook.

Am Ende nun noch ein kleines Statusupdate zu Hurt No One:

  • Wie viele Kapitel sind bereits geschrieben? 12 von 12.
  • Wie weit ist die erste Runde der Überarbeitung? Bin bei Kapitel 11 von 12.
  • Wie weit ist die zweite Runde der Überarbeitung? Bin bei Kapitel 7 von 12.
  • Wie weit ist die Korrektur auf ausgedrucktem Papier? Bin bei Kapitel 5 von 12.
  • Haben schon die ersten Testleser angefangen zu lesen? Ja. 😀
  • Gibt es schon ein Cover? Nein. 😦
  • Hat sich die Titelfrage geklärt und bleibt es bei Hurt No One? So gut wie und nein, es bleibt nicht bei Hurt No One.
  • Gibt es einen Klappentext? Ist in Arbeit.

Und nun wünsche ich euch einen wundervollen Restsonntag.

+Mika+

 

Gedanken-Mix

Ein Mal London und zurück

Derzeit ist Großbritannien in aller Munde. Das Land wird bald nicht mehr Teil der EU sein. Oder anders, vielleicht werden Teile dieses Landes in Zukunft zur EU gehören und aus groß wird klein, eventuell auch löchrig. In meinem Beitrag geht es jedoch nicht um den Brexit, sondern um meine Reise nach London. Ein paar meiner Erfahrungen möchte ich heute mit euch teilen.


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Mein erstes Erlebnis von London war im wahrsten Sinne des Wortes überschwänglich. Kaum setzte ich meine Füße auf den Boden der Millionenmetropole, machte ich eine aufregende Bekanntschaft … Es war ein Uhr nachts und meine Freundin und ich mussten unbedingt den Bus erreichen. Entsprechend hastig rannten wir über die Straßen. Zwei Männer in Anzügen kamen uns torkelnd entgegen. Einer von ihnen hatte offensichtlich ein gewisses Bedürfnis nach Nähe und verwechselte mich augenscheinlich mit einer Bekannten. Er fragte nämlich, ob ich „diese Person“ sei und wollte mich umarmen. Leider ging die Wahrscheinlichkeit, dass ich wirklich „jene Person“ war gegen null, weshalb ich auswich und sein Kumpel ihn wegzog. Das blubbernde Gemurmel danach konnte ich leider nicht mehr deuten. So mitten in der Nacht einen fremden Briten umarmen, das macht man ja auch nicht! Hätte ich wohl nur getan, wenn er ausgesehen hätte wie ein berühmter Privatdetektive mit Pfeife und verzweifelt um Hilfe gebeten hätte. Jedenfalls, es heißt ja immer, der erste Eindruck zählt. London ist also ein betrunkener Businessman, der alle umarmen möchte. Herzlich willkommen Fremder, mögest du gleich unsere Kultur lieben lernen! Tja, ob das gut oder schlecht ist, lasse ich jetzt mal im Raum stehen.

Am ersten Tag in London bin ich dann gemeinsam mit meiner Freundin auf Erkundungstour gegangen und muss sagen, dass London unglaublich viel zu bieten hat. Von alten Gebäuden über neue Gebäude, kitschigen Ecken und schicken Stadtteilen und egal wo man hinschaut, gibt es diese kleinen Läden über deren Eingangstüren mit alter Schrift etwas geschrieben steht. Unser Stadtspaziergang führte uns von Waterloo zum Buckingham Palace weiter über den Trafalgar Square zum Covent Garden. Das ist eine ziemlich weite Strecke und nichts für jemanden, der Fußlahm ist. Wir hatten unseren Spaß.

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Der Pavillon 2016 im Hyde Park. In diesem Jahr hat ihn der dänische Architekt Bjarke Ingels entworfen.

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Ein Alice im Wunderland Teeservice. Hätte ich am liebsten mitgenommen.

 


Houses of Parliament*, Tate Modern und Sky Garden

Ein Gebäude besichtigen, in dem politische Entscheidungen getroffen werden? Das klingt im ersten Moment nicht sonderlich spannend, will ja niemand im Urlaub mit ernsten Themen belästigt werden. Ich muss aber sagen, dass es sich gelohnt hat, den Westiminster-Palast zu betreten. Es ist ein geschichtsträchtiger Ort und der Charme eines alten London hallt dort nach. Im Eintrittspreis enthalten ist ein Audioguide, der einige Details über die britische Geschichte und das Staatssystem offenbart. Was mich jedoch besonders beeindruckt hat, war das Gefühl, auf den Wegen wichtiger Entscheidungsträger zu wandeln. Der Thron der Queen stand nur einen Meter entfernt vor mir. In Deutschland blicken wir im Reichstag auf die Politiker herab. In London sind wir mit ihnen auf Augenhöhe. Interessant ist auch, dass es im Unterhaus nicht genügend Sitzplätze gibt, um alle Politiker unterzubringen. Viele von ihnen müssen stehen oder sitzen auf den Stufen zwischen den Bänken. Kein Wunder, dass sich die Parlamentarier da so manches Mal etwas zu heftig streiten.

Die Tate Modern ist kostenlos und auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man auf moderne Kunst steht. Wir waren zur Eröffnung des neuen Gebäudeteils dort und es gab das ein oder andere Kunstwerk, das mich sprachlos oder auch verwirrt zurückließ.

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Mal ganz ehrlich, wer denkt auch an Silent Hill bei dieser Installation?
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Kunst aus der Tate Modern. Der japanische Künstler hat nur die Farben Weiß und Blau verwendet. (Thema Krieg)

Wir hatten versucht, einen Platz für die Besichtigung des Sky Garden zu bekommen. Dieser ist im neuen Walkie Talkie Tower in London. Leider waren wir etwas zu spät, denn ein Besuch muss zwei Wochen vorher angemeldet werden. Kann nur jedem empfehlen, dieses kostenlose Angebot mitzunehmen und sich rechtzeitig um einen Platz zu kümmern. Immerhin kann man London von oben sehen und ein Ticket für das höchste Gebäude Europas mit Blick auf London kostet 32 Euro! Das nur kurz als Hinweis für euch.

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The Shard. London kann auch modern.

The Ten Bells und Jack The Ripper

Ich schreibe nicht nur Mystery, sondern auch Horrorgeschichten. Und wo ist die Quelle für die besten Einfälle für solche Geschichten? Richtig, sie liegt im wahren Leben, bei echten Kriminalfällen. Der weltweit wohl bekannteste Fall ist der um Jack the Ripper. Es geht das Gerücht um, dass er im Pup The Ten Bells seine Opfer getroffen und ausgesucht hat. Ich konnte es mir deshalb nicht nehmen lassen, dorthin zu pendeln. Ich würde jetzt gern sagen, dass ich ein mulmiges Gefühl hatte, als ich vor dem Pub stand und mich der Schatten der Vergangenheit streifte, aber leider war dem nicht so. Es einfach nur eine Kneipe. Sorry Leute, aber so ist es eben. 🙂

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Sherlock Holmes Museum

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht eine von Arthur Conan Doyles Geschichten über Watson und Holmes gelesen habe. Traurig angesichts der Tatsache, dass ich Krimis mag und mich selbst Autorin nenne. Deshalb war es mehr als notwendig, zumindest das Museum aufzusuchen und mein schlechtes Gewissen etwas zu beruhigen. Das Museum hat drei Stockwerke und ist wirklich sehr klein, aber es machte mir trotzdem Spaß, alles anzuschauen. Überall standen ungewöhnliche und alte Dinge herum. Das Licht war schummrig und ich fühlte mich in die Zeit von Arthur Conan Doyle zurückversetzt.

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Bücher
Ich konnte nicht widerstehen im Sherlock Holmes Museum Geld für Bücher auszugeben. Sieht doch aber auch wirklich schön aus, oder?

Verkehr in London und eine Idee

Was wäre wenn, … So geht entstehen viele Ideen. Wir malen uns aus, wie etwas sein könnte. Was wäre, wenn wir alle unter der Erde leben. Was wäre, wenn alles um uns herum nur ein Computerprogramm ist. Meistens kommen diese Eingebungen dann, wenn wir es am wenigsten erwarten. In London ging es mir genauso. Ich saß mit meiner Freundin in einem dieser roten Doppelstockbusse in Richtung Westminster Abbey. Vor uns etliche Autos, Motorräder, zu enge Straßen, Menschen. Vor lauter Sinneseindrücken wusste ich gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Ständig dachte ich, jemand wird vom Bus überfahren oder es gibt einen Unfall. Und urplötzlich war er da, dieser eine Gedanke. Was wäre, wenn … du dort unten auf dem Bürgersteig stehst und urplötzlich bist du allein in dieser riesigen Stadt. Auf einen Schlag und ich rede nicht von einer Zombieapokalypse, in der leere und zerstörte Autos zu finden sind. Nein, ich rede von einem Moment, in dem alles menschliche Leben auf einen Schlag verschwindet. Wieso sollte das passieren und was macht das mit einem, wenn man in einer Millionenstadt allein ist? Fragen, die eine Mystery Geschichte in Gang setzen können. Fehlt die Quintessenz und ich hätte da sogar eine Vorstellung. Was, wenn diese Person in der leeren Welt das Referendum von Großbritannien verhindern soll? Wäre doch was, oder?


Brexit und so …

Dieser Frage schließe ich einen kurzen Kommentar zum Brexit an, den ich mir einfach nicht kneifen kann. Die schwerwiegende Volksentscheidung Großbritanniens, die EU zu verlassen, hat meinem Aufenthalt etwas getrübt. Einen Tag lang war ich völlig neben der Spur. Nicht zuletzt, weil ich eine Freundin in Großbritannien habe, die am Boden zerstört war und nur noch davon sprach, dass man ihr die Zukunft gestohlen habe. Ich glaube nicht, dass die EU perfekt ist und jeder dabei sein oder bleiben soll. Zum Zwang sollte diese Gemeinschaft nicht werden. Aber diese Entscheidung ist für mich der Beweis, dass der Gedanke von Solidarität und Zusammenhalt nicht stark genug war, um die Idee vom Kampf des Einzelnen zu besiegen (sehr dramatisch, ich weiß). In einer Zeit, wo wir alle näher zusammenrücken sollten ist das ein schlechtes Zeichen. Es macht mich ehrlich gesagt sprachlos und lässt mich mit tausend Fragen zurück, die nie beantwortet werden können. Eine jedoch drängt sich mir immer wieder auf. Wollen wir uns wirklich von Angst steuern lassen? Ich sage, nein! Ich werde die Briten in der EU jedenfalls sehr vermissen, aber ! für mich sind sie auch dann noch Freund, wenn sie ihren eigenen Weg gehen.

Meine nächste Reise wird mich wohl nach Frankfurt zur Buchmesse führen. Vielleicht sieht man sich dort!

+Mika+

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Ich im Hyde Park. Wuhu!

*19 Pfund Eintritt, kann nur zu bestimmten Zeiten besucht werden

** 15 Pfund Eintritt

Link Beitragsbild aus flickr.com

Gedanken-Mix, Schreibarbeit

Selbstzensur: Wieso wir uns beim Schreiben selbst Grenzen setzen

Es gibt Dinge, über die darf ich nicht schreiben. Wieso? Na, das ist eben so. In einen Krimi gehört keine explizite Sexszene, genauso wie in eine romantische Liebesgeschichte kein brutaler Mord passt. Ganz zu schweigen von einem anspruchsvollen Gegenwartsroman, der ja nun wirklich nicht zu viele Klischees bedienen sollte. Passt nicht, gibt’s nicht, soll so nicht sein.

Diese und ähnliche Gedanken machen wir uns beim Schreiben jeden Tag. Einige sagen, in der Literatur gäbe es keine Tabus, andere meinen, Grenzen seien wichtig, um die Erwartungen von Lesern zu erfüllen. Es scheint immer wichtiger zu werden, warum wir etwas nicht tun, als die Frage, warum wir etwas tun. Selbstzensur ist das Thema, das sich dahinter verbirgt. Nur ist das wirklich so dramatisch, wie es klingt?


Selbstzensur: Ein Widerspruch in sich

Zu Beginn eine Kleinigkeit: Ich hatte einen Knoten im Kopf, als ich Selbstzensur zum ersten Mal gehört habe. Wie soll man sich denn selbst zensieren? Geht nicht, dachte ich mir. Immerhin bezeichnet die Zensur etwas, was durch eine Institution oder ein Organ vorgenommen wird. Inhalte werden dabei gezielt kontrolliert und beschnitten. „Streich das! Mach das nicht! Das ist zu kritisch, bloß weg damit!“ Sind Aufforderungen, die ganz gut passen. Es ist ein negativer Begriff, der Einfluss auf die Freiheit hat. Dass man selbst derlei Druck auf sich ausübt, ist für mich ein Widerspruch in sich. Aber halt! Ich habe mich getäuscht. Wenn ich in Ruhe darüber nachdenke, ist er nicht so unsinnig, wie es auf den ersten Blick den Eindruck macht. Werfen wir einen Blick auf das Wort Selbstbestrafung . Es ist ähnlich konstruiert. Bestrafungen werden in der Regel durch andere durchgeführt. Durch die Gesellschaft, Menschen, Institutionen. Psychologisch gesehen, ist es jedoch auch möglich, sein eigenes Verhalten zu bestrafen.


Brisant ist interessant

Im Grunde geht es also darum, ob jemand etwas bewusst oder auch unbewusst aus seinem Romanprojekt streicht, um damit gesellschaftlich weniger aufzufallen, weniger anzuecken, mehr Akzeptanz zu bekommen. Sagt meine Protagonistin wirklich ‚Penner‘ oder ‚Nigger‘, weil sie eine rechtsradikale Schlägerin ist oder lasse ich das lieber, damit sich niemand am Wortlaut stört?

Ein Gedanke aus meinem eigenen Schreibprozess: Eine meiner Protagonistinnen hat in ihrer Vergangenheit ein Tier gequält. Vermutlich aus Frustration über ihre eigene ausweglose Situation. Diese Erfahrung hat sie und ihr zwischenmenschliches Vorgehen stark geprägt. Ich weiß, dass eine solche Szene negativ auffallen wird. Stephen King ist das passiert, als einer seiner Protagonisten in einem Buch einen Hund quälte. Er bekam daraufhin Hassbotschaften. Natürlich möchte ich nicht, dass mir das Gleiche passiert, andererseits ist diese Frau eben eine gefühlskalte Person. Das ist ein Konflikt. Auch jetzt, wo ich diese Worte hier im Blog niederschreibe, fühlt es sich nicht richtig an, eine solche Szene in mein Buch einzubinden. Ich fürchte mich davor, die Quälerei zu erwähnen und zensiere mich selbst, indem ich diesen Aspekt lösche. Nicht etwa, weil es für die Geschichte nicht wichtig ist, sondern weil ich mich fürchte, einen schlechten Eindruck zu machen. Dabei ist es nur eine fiktive Geschichte. Mal ganz davon abgesehen, dass es tatsächlich Menschen gibt, die Tieren schaden. Das ist traurige Realität.

Um zur Selbstzensur zurückzukommen. Es macht durchaus Sinn, zu hinterfragen, aus welchen Gründen bestimmte Dinge von uns selbst gelöscht werden. Wer etwas nicht schreibt, weil es zu brisant ist, läuft Gefahr, nicht ehrlich mit sich und seiner Geschichte zu sein. Eventuell entsteht ein langweiliges Werk ohne Höhen und Tiefen. Zu glatt, zu sauber, zu perfekt. Wer kann damit Menschen aufrütteln? Keiner, denke ich.


Rules

Sich an Schreibregeln und Genregrenzen zu halten, ist keine Zensur

Einige Dinge fallen mir in der Diskussion dennoch negativ auf und verursachen ein Stirnrunzeln. Es ist meiner Ansicht nach keine Zensur, wenn wir uns an Regeln des Schreibens und genrespezifische Grenzen halten. Wer beides überschreitet, ist entweder extrem gut oder, ich muss es sagen, kennt sich nicht aus. Ich kann nicht eine Fantasywelt aufbauen und urplötzlich eine machthungrige Maus einführen, die vom Planet Mauswahn kommt und mit einer Laserstrahlenpistole auf einen Ork zielt. Na gut, ja, das kann ich schon, die Frage ist doch aber, will das jemand lesen? Sehr wahrscheinlich nicht. Und ja, ich kann radikal alle meine Hauptpersonen umbringen, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich kann auch Figuren auftauchen lassen, die nichts mit dem eigentlichen Geschehen zu tun haben, pöbeln, brutalen Sex haben, sich die Köpfe blutig schlagen und einfach wieder verschwinden, ohne eine weitere Erwähnung. Kein Problem, aber mehr als einen verwirrten Blick und frustrierte Leser wird das wohl nicht bringen.

Die Frage ist immer, ob man sich freiwillig entscheidet, Dinge zu löschen oder es nur tut, weil man sich gesellschaftlich dazu gedrängt fühlt. Eine Geschichte über einen pädophilen Massenmörder? Nein Danke. Islamkritik? Nein danke. Veganerin trifft Kannibalen? Auch nicht. Zu sagen, wo freiwillig anfängt und wo es aufhört, ist dabei unmöglich. Überall werden wir durch irgendetwas beeinflusst. Wir sollten uns in erste Linie mit der Entscheidung wohlfühlen und sie nicht bereuen. Es ist richtig zu sagen, die Geschichte ist einfach so wie sie ist, egal, ob manche sich daran stören. Wir sollten dazu stehen und mutig sein, die ‚unpassenden‘ Dinge anzusprechen. Es ist allerdings nicht sinnvoll, Schreibregeln zu missachten, nur weil man denkt: „Pah, ich mach das jetzt eben so.“ Wenn ich nicht weiß, wo eine Straße anfängt und wo sie aufhört, werde ich womöglich überfahren.

Mein Eindruck ist, dass die Kritik einer sogenannten Selbstzensur im Bereich Self-Publishing zum Teil (!) dazu genutzt wird, um zu rechtfertigen, warum man bestimmte, unlogische Dinge in Romanen eben doch tut. Es ist Kunst, ich wollte mich nicht selbst zensieren. Von Lesern höre ich demgegenüber immer öfter, Bücher seien Versprechen und mit diesem sind eben auch gewisse Erwartungen verknüpft. Jemand, der einen aufwühlenden Thriller in den Händen hält, wird wohl wütend werden, wenn in diesem eine ausschweifende Dreiecksbeziehung vorkommt. Gedankenlos einfach zu schreiben, was einem gerade einfällt, kann problematisch sein (muss nicht, kann aber …). Für mich ist es daher keine Selbstzensur, zu durchdenken, wie der Roman ankommen könnte. Ich fühle mich dadurch auch nicht meiner Freiheit beraubt. Es gibt tatsächlich viel schwerwiegendere Gründe, sich gegen bestimmte Szenen zu entscheiden. Aus Angst vor gesellschaftlichen Konsequenzen zum Beispiel.

Bis dahin

+Mika+


Nützliche Links

Selbstzensur der Medien

FaZ

Spiegel

Bilder:

Filtern ist keine Lösung: Karsten Suehring

To break the rules you must first master them: Lefteris Heritakis

Gedanken-Mix, Schreibarbeit

Antagonistische Kräfte: Die Welt als Feind

Nachdem ich mich in meinem letzten Blogbeitrag mit einem kritisch diskutierten Thema auseinandergesetzt habe, geht es heute etwas ruhiger zu. Langweilig wird es deshalb nicht. Anlässlich einer Blogparade werde ich mich heute mit einem Teilaspekt des komplexen Themengebiets Antagonisten beschäftigen. Eines, das meiner Ansicht nach oft vernachlässigt wird: die antagonistischen Kräfte in Geschichten.


Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn ich an den Gegenspieler der Hauptfigur eines Romans denke, dann habe ich zuallererst das Bild einer Person im Kopf. Logisch, das Wort bezeichnet etwas Konkretes und bezieht sich nicht auf ein abstraktes Konzept. Trotzdem gibt es Bücher, in denen nicht etwa eine Person das Kontra zum Protagonisten darstellt, sondern eine antagonistische Kraft. Nur was genau könnt ihr euch darunter vorstellen? Im Gegensatz zu einem Antagonisten als Mensch, Tier o. ä., der/das spricht, ein Gesicht hat und daher leicht im Buch auszumachen ist, sind antagonistische Kräfte nicht ganz so leicht zu erkennen. Es handelt sich um eine natürliche, technische, gesellschaftliche ‚Sache‘, die pauschal gesagt, dem Glück des Protagonisten im Weg steht. Meiner Ansicht nach haben diese Kräfte drei Ebenen: natürliche Hindernisse, vom Menschen geschaffene Hindernisse und persönliche Hindernisse. Was ich mir darunter vorstelle erkläre ich kurz und gebe dazu auch ein paar Beispiele.

Natürliche Hindernisse: Hierzu zählt alles, worauf der Mensch selbst keinen Einfluss hat/hatte. Höhere Mächte, göttliches Handeln, biologische Gegebenheiten. Dinge, die im Grunde sind wie sie sind.

  • Krankheit: Ob eine todbringende Krankheit, die zu spät diagnostiziert wird, Alzheimer, eine Behinderung oder gar eine psychische Störung, sie alle können gegen das Glück des Haupthelden wirken und haben oft einen sehr dramatischen Einfluss auf die Handlung.
  • Naturkatastrophen: Zerstört ein Tornado, eine Flut oder ein Tsunami die Existenz einer Hauptperson, hat diese es nicht einfach. Besonders dann nicht, wenn eine Reihe von Katastrophen aufeinanderfolgen.

Vom Menschen Geschaffene Hindernisse: Ob technische Errungenschaften, deren Sklave wir werden, ein unmenschliches Staatssystem, Kriege oder Armut. Das alles sind Dinge oder Konzepte, die Menschen beeinflussen und meist künstlich geschaffen worden sind.

  • Die Gesellschaft: Wer kennt es nicht selbst? Unserer Gesellschaft sind Grenzen gesetzt. Sie gibt uns vor, wie wir uns zu verhalten haben, was falsch ist und was nicht. In Romanen können diese Grenzen den Antagonisten einschränken und damit gegen seine Ziele wirken.
  • Das Umfeld: Dazu zählen Familie, Freunde, Verwandte, Bekannte, vielleicht auch der Ton auf der Arbeitsstelle. Wer in einem Umfeld aufwächst, das Homosexualität ablehnt, selbst jedoch sein Coming Out plant, wird dieses als Hemmnis wahrnehmen.
  • Invasionen/Krieg: Wenn die feindliche Armee nicht gerade Personen hat, die einen Namen tragen und gezielt gegen den Protagonisten wirken, ist auch das eine antagonistische Kraft. Denken wir nur an Duddits Dreamcatcher, wo sich intelligente Aliensporen als Gegner der Menschheit entpuppten und zu ihrem Vorteil beeinflussten.

Persönliche Hindernisse (Psyche): Der Verstand ist unser Gefängnis. Wer glaubt, die Welt ist schwarz, feindlich und bösartig, der empfindet das nicht einfach nur so. Es ist eine Tatsache, die einen Menschen zerstören kann.

  • Phobien: Ängste gehören zum Beispiel dazu. Eine Person, die vor Panik nicht mehr den Raum verlassen kann, weil sich das Draußen wie ein Feind anfühlt, braucht viel Kraft, um diesen inneren Gegenspieler zu besiegen.
  • Die Vergangenheit: Unsere Erfahrungen prägen uns maßgeblich. Manche leben so sehr in der Vergangenheit, dass sie das Jetzt nicht mehr ertragen. Sie sind heimgesucht von quälenden Erinnerungen und können sich auf nichts Neues einlassen. Denn es könnte immer wieder passieren.

Ihr seht, hinter beinahe allen Dingen verbergen sich antagonistische Kräfte. Gerade sitze ich in meinem Wohnzimmer und tippe diesen Beitrag, den ich natürlich unbedingt heute noch fertigstellen möchte. Man stelle sich nun vor, das Stromkabel gibt den Geist auf und der Akku hält nur noch eine halbe Stunde. Der Kampf mit der Zeit beginnt und am Ende scheitert alles, weil der Laptop zu früh von alleine herunterfährt. Was für ein Drama!


Die Gesellschaft als antagonistische Kraft

Ich wollte diesen Beitrag schreiben, weil ich Dystopien liebe. Ein Genre, in dem es oft nicht Personen sind, die gegen Protagonisten wirken, sondern politische Gegebenheiten, gesellschaftliche Normen oder Systeme. Wie so etwas aussehen kann, möchte ich an einem prominenten Beispiel einmal aufschlüsseln.

In Fahrenheit 451 von Ray Bradbury ist die antagonistische Kraft eindeutig: Ein politisches System, in dem alle Menschen gleichgeschaltet leben sollen, um Unzufriedenheit im Keim zu ersticken. Deshalb werden eigene Gedanken unterdrückt und das Lesen von Büchern ist verboten. Wer ein Buch besitzt, macht sich strafbar, wird von der Feuerwehr aufgespürt und verschwindet spurlos. Es gäbe mehrere Möglichkeiten, daraus eine spannende Geschichte zu entwickeln.

  1. Der Protagonist ist eine Figur, die in diesem System geboren ist, aber in einer Familie aufwächst, die dennoch Bücher sammelt. Dieses Geheimnis wird aufgedeckt und der Held wird plötzlich vom Staat bedroht.
  2. Die Hauptfigur ist jemand, die durch unglückliche Umstände in der Welt landet und sich mit den Gepflogenheiten nicht abfinden kann (Zeitreise zum Beispiel).
  3. Es handelt sich um jemanden, der eigentlich mit dem System einverstanden ist, durch einen Schlüsselmoment darauf stößt, dass dieses nicht funktioniert. Er entscheidet sich, es nicht mehr zu akzeptieren.

Ray Bradbury wählte das letzte Szenario. Sein Held ist ein Feuerwehrmann, der damit beauftragt ist, Bücher zu verbrennen. Er ist verheiratet, ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft und hätte keinen Grund, am System zu zweifeln. Trotzdem wirft ihn der Kontakt mit einer jungen Frau aus der Bahn. Zwischen ihnen gibt es keine Liebesbeziehung, doch ihre Gespräche sind so intensiv, dass er alles in Frage stellt. Plötzlich bemerkt er, wie unglücklich er ist, weil er emotionslos und in Highspeed durch die Zeit rauscht, ohne darüber nachzudenken. Im Grunde wirkt die antagonistische Kraft des Buches erst, als der Protagonist selbst entscheidet, sich gegen die Gesellschaft zu wehren, die ihm dann in Form eines Roboterhundes und seines Chefs Steine in den Weg legt. Das erzeugt Spannung, denn zuerst fallen wir ahnungslos in diese Welt und sind schon fast schockiert, wie ’normal‘ dieses gefühlskalte Leben für den Feuerwehrmann ist. Eine Erleichterung also, dass er sich wehrt.


Ein Fazit

Und wozu jetzt der ganze Aufwand, wenn es im Grunde doch viel einfacher ist, dem Protagonisten einen Antagonisten gegenüberzustellen, der einfach nur der Böse ist? Der Inbegriff eines Psychopathen sozusagen, der alles daran setzt, den Protagonisten zu Fall zu bringen. Ganz einfach, ein schwarz-weiß Schema ist oft langweilig und schnell zu durchschauen. Wenn wir wissen, dass der Antagonist böse ist und damit eindeutig verlieren wird, haben wir kein Interesse mehr daran, das Buch zu Ende zu lesen. Eine antagonistische Kraft ist im Gegensatz dazu sehr schwer zu begreifen. Sie hat kein Motiv und kein Ziel und entzieht sich so gut wie jedem äußeren Einfluss. Eine Krankheit kommt einfach, ein Tornado genauso, die Gesellschaft ist träge und nicht von einem Augenblick auf die andere zu ändern. Doch genau darum geht es, die Unberechenbarkeit, das Ungewisse, die Frage, ob der Held es trotz aller Widrigkeiten schafft. So wie wir selbst in unserem Leben uns immer wieder persönlichen Antagonisten gegenübersehen.

Vielleicht habt ihr ja noch Beispiele aus Büchern, in denen antagonistische Kräfte wirken, die nicht zu den hier im Beitrag erwähnten gehören. Schreibt sie doch einfach in den Kommentar. Ich freue mich auf eure Meinung.

Gedanken-Mix

Achtung, Hobby-Autoren sind keine „echten“ Autoren … oder?

In den letzten Tagen bin ich im Social Media über einige Diskussionen zum Thema Hobby-Autor gestoßen und habe mir ein paar Gedanken dazu gemacht. Ernsthaft und völlig wertfrei. Und nein, es geht hier jetzt nicht um Wortklauberei. Im Gegenteil, das ist ein sehr wichtiges Thema, das wir endlich einmal ausdiskutieren müssen. Kann ja nicht sein, dass sich jeder einfach so Autor nennt, wo kommen wir denn da hin? Das wäre ja fast so als ob wir in einer Anarchie leben würden!!! Geht nicht, gibt’s nicht. Davon sind zumindest einige überzeugt.


Fangen wir aber mal beim Urschleim an und stellen uns gemeinsam etwas vor. Lieselotte Schreibwahn liest einen wundervollen Roman über eine junge Frau, die sich selbst aus den Zwängen der Gesellschaft befreit und so ihren Traumprinzen findet. Das Buch gefällt ihr so gut, dass sie anfängt, ein eigenes Buch zu schreiben. Sie tippt und tippt und tippt und irgendwann entsteht ein ganzer Roman. Da denkt sie: „Ach, wär doch ganz nett, wenn das Werk auch als Taschenbuch oder ebook erscheint. Sagen ja alle mit Self-Publishing kann man viel Geld machen.“ Daher informiert sie sich, überarbeitet ihr Werk, löscht einige Fehler, erstellt sich ein Pseudonym und veröffentlicht ihr Buch. Als sie fertig ist, lehnt sie sich im Stuhl zurück und denkt: „Hach, jetzt bin ich wirklich Autorin!“ Nur leider hat Lieselotte Schreibwahn alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, um in der hiesigen Autorenwelt als ‚echte‘ Autorin zu gelten. Denn sie ist eigentlich nur eine billige Kopie von diesen Menschen in strahlender Ritterrüstung. Sie ist eine Hobby-Autorin. Schlimm ist sowas, wirklich schlimm! Nur was unterscheidet sie vom ‚Original‘?

Punkt 1: Wer noch nichts veröffentlicht hat oder nur ab und an mal etwas veröffentlicht, der ist eindeutig ein Hobby-Autor!

Findet ihr diesen Punkt ungewöhnlich? Ich nicht. Es liegt ja auf der Hand! Jemand, der nur zehn Brötchen alle zwei Wochen fertigstellt, der ist kein Bäcker, der macht das nur, weil Tante Erna ihn darum gebeten hat. Wer Autor sein möchte, der muss da schon ordentlich in die Tasten hauen und regelmäßig veröffentlichen. Diese Ausreden, es ginge ja auch um Kreativität, sind ja nur Bla Bla. In einer Welt, wo alles auf Produktion ausgelegt ist, sollte doch jedem Kleinkind klar sein, dass auch kreative Berufe keine Ausnahme bilden. Also los, was sitzt ihr noch hier und lest diesen Beitrag, ihr hättet schon mindestens Kapitel drei eures nächsten Bestsellers fertig haben können.

Punkt 2: Hobby-Autor ist man, wenn man noch nicht viel Geld mit seinem Buch verdient.

Was, der Kapitalismus hat nun auch Einzug in die Welt der Kunst und Kultur gehalten? Richtig, denn auch hier macht das Geld die Musik. Wer mit seinen Texten kaum oder gar keine Einnahmen erzielt, der muss ja sein Geld irgendwo anders her bekommen. Von irgendwas muss man ja leben. Vermutlich ist unser Hobby-Autor hauptberuflich KFZ-Mechaniker oder aber Bäcker. Und wer lieber Brötchen bäckt, anstatt den ganzen Tag vor seinem Manuskript zu sitzen, der, tut mir leid, dass so hart sagen zu müssen, hat sich den Status Autor eben nicht verdient.

Punkt 3: Ein Hobby-Autor hat eindeutig eine schlechte Rechtschreibung, denn richtige Autoren können das viel besser.

 

Das ist mein persönlicher Favorit, denn er lässt sich noch erweitern. Wer als Autor im Social Media Rechtschreibfehler macht, der blamiert sich nicht nur, er ist im Grunde auf der Stufe eines Hobby-Autors stecken geblieben. Aber mal ganz von vorn. Autoren müssen ihr Handwerk beherrschen, dazu zählt die Rechtschreibung und die Grammatik. Wer offensichtliche Fehler in seinem Text macht, wie wahrscheinlich auch Lieselotte Schreibwahn (ich möchte der armen Frau natürlich nichts unterstellen), der kann aber gar nicht die Regeln der Rechtschreibung und Grammatik beherrschen. Denn ja, man sieht alle seine Fehler, wenn man schreit (Korrektur: schreibt). Diese Sache mit der Blindheit bei eigenen Texten ist nur eine Ausrede für faule Regelbrecher, die keine Lust haben, sich ernsthaft mit ihrem Text auseinanderzusetzen. Ja, erlich, wirkich! Kan isch ga nich leiden sowas!!!

Punkt 4: Ein Hobby-Autor hat keine 2000 Follower auf Facebook! NIEMALS! Das Social Media lügt nicht.

Kennt ihr dieses Bild:

 

Faktillon
Also wenn das nicht stimmt, dann weiß ich auch nicht …

Das ist die Wahrheit des Social Media. Je mehr Follower ich sammle, desto wichtiger bin ich und je wichtiger ich bin, na … ihr habt es erraten, umso mehr habe ich das Recht mich Autor zu nennen. Ganz egal, ob da nur zwei oder drei Leute dabei sind, die sich wirklich für meine Texte interessieren. Die Masse machts, das kennen wir ja schon aus der Vergangenheit …


Ihr seht, es gibt viele eindeutige Punkte, die einen Hobby-Autor von einem ‚echten‘ Autor unterscheiden. Wenn Punkt eins nicht greift, greift Punkt zwei und so weiter und so fort. Am Ende sind es nur einige wenige Auserwählte, die den glanzvollen Begriff ‚Autor‘ tatsächlich tragen dürfen. Nicht vergessen werden darf dabei, dass Hobby-Autor eine negative Konnotation enthält. Lest es etwas abwertend, so als stünde dort: Schmarotzer.

Aber jetzt mal im ernst und so ganz ohne einen ironischen Unterton: Diese Argumente habe ich mir nicht ausgedacht. Sie sind hier extrem überspitzt dargestellt, werden aber in etlichen Diskussionen verwendet. Und es sind nicht nur Trolle, die sich da äußern. Zu recht fragte mich vor kurzem ein Mitglied aus einer Gruppe, in der ich sehr aktiv bin: „Ist die Frage, ob Hobby-Autor oder nicht, eigentlich wichtig?“ Nein, es ist überhaupt nicht wichtig. So absolut gar nicht.

Im Grunde geht es in den Diskussionen zu diesem Thema nur um das Eine: Wie kann ich mir selbst einreden, dass ich besser bin als andere. „Also du bist kein echter Autor, weil …“ oder „Also ich bin ein echter Autor, weil …“ oder noch besser: „Na, wenn du nur XYZ machst, dann bist du ja kein ‚richtiger‘ Autor.“ Meiner Meinung nach ist das der verzweifelte Versuch, Anerkennung zu bekommen. Man möchte sich abgrenzen und klar aufzeigen, dass man selbst ja wirklich, wirklich viel tut. Einigen entgeht dabei, dass es dem Text egal ist, wer ihn schreibt oder wann oder mit wie viel Einsatz. Es mag idealistisch klingen, aber ein Autor ist der Urheber eines Textes, nicht mehr und nicht weniger. Es ist doch kein Geheimnis, dass viele Autoren neben dem Schreiben noch einer anderen Tätigkeit nachgehen und manche Ideen haben, aber eine Rechtschreibschwäche. Na und? Ist doch egal. Dieses elendige Gestreite existiert doch nur, weil ein paar Leute jemand anderem etwas nicht gönnen (was auch immer). Es wäre wirklich gut, wenn wir nicht immer auf andere schauen, um uns zu definieren, sondern einmal tief durchatmen. Andere abzuwerten ist einfach nur erbärmlich. Und wir Autoren, mal so ganz unter uns, sollten in jedem Fall zusammenhalten und uns nicht gegenseitig wegen solcher Kleinigkeiten zerfleischen.

Ich wünsche euch was

Mika


Quellen:

Beitragsbild: Markus Spiske von flickr.com

Faktillon: https://www.facebook.com/Faktillon