Silver Coin 203

Halloween Spezial: Das Monster aus Red-Mon-Stadt

Eine dystopische Kurzgeschichte zu Halloween. Bei Beschwerden zwecks Rechtschreibung, Grammatik oder Logik, wendet euch vertrauensvoll an die Autorin. Sie hat mit besten Wissen und Gewissen alle Zutaten vermengt und war der Ansicht, dieses Textstück sei vorzeigbar. Viel Spaß!


Die Lichtflecke an den Wänden wechselten zwischen Gelb, Rot und Dunkelblau. Ein Farbmuster so durcheinander, wie er sich fühlte. Normalerweise fiel es ihm nicht sonderlich schwer, in einen traumlosen Schlaf zu fallen und einfach in der Schwärze zu versinken. Doch seit einigen Monaten war das anders. Er wälzte sich jede Nacht von einer Seite auf die andere und heute war es besonders zermürbend. Denn er war allein in der Wohnung. Zum ersten Mal seit langer Zeit. Das kam ihm falsch vor. Völlig falsch. Jede verstreichende Sekunde pochte in seiner Schläfe und beschwor Bilder herauf, die er nicht abschütteln konnte. Mischa – von einem Hygienepolizisten erschossen. Nikki – von einem Monorailzug überrollt. Seine Mutter – gehängt als Verräterin. Es war unlogisch, sich diese Szenarien auszumalen, denn es ging ihnen gut. Ganz sicher. Dennoch konnte er nicht aufhören darüber nachzudenken. Nicht nach allem, was er gesehen hatte. Wieso war er nicht mitgegangen? Wieso lag er hier? Wieso zum Teufel musste er immer so tun, als habe er alles unter Kontrolle?
Plötzlich hörte er ein metallenes Scharren, dumpf, aber nicht weit entfernt. Es folgte ein verzerrter Piepton. Beide Geräusche schienen aus dem Nichts gekommen zu sein, doch sie klangen zu echt, als dass sie Einbildung sein konnten. War es ein Gerät aus der Küche? Oder eine Drohne von draußen? Es gab viele Möglichkeiten, wenn er ehrlich war. Doch ehe er zu einem Schluss kommen konnte, schabte etwas an der Wand vor seiner Zimmertür. Augenblicklich setzte er sich auf und griff automatisiert unter seine Matratze, wo er ein Springmesser versteckte. Eine der wenigen Waffen, die er besitzen durfte, ohne Schwierigkeiten zu bekommen.
Angestrengt horchte er auf ein unbekanntes Geräusch und meinte, ein wässriges Röcheln zu hören. Er setzte die Füße auf den Boden, schlich bis zur Zimmertür, die einen Spalt breit offen stand, und warf einen Blick in den Flur. Alles war unverändert.
Einen Augenblick stand er noch da, starrte auf den Flur, beinahe so als könne sich etwas in einen Angreifer verwandeln. Das Laminat oder die Wände oder gar die Lichtstreifen auf dem Boden. Sein Herzschlag war ungewohnt aufgewühlt, dabei hatte er sich doch geschworen, nicht mehr in Panik zu verfallen. Deshalb schüttelte er den Kopf und sagte sich, dass er nicht verrückt werden würde, nur weil er einmal nicht bei ihnen war. Niemand ohne eine Berechtigungskarte konnte diese Wohnung betreten. Absolut niemand. Es war unmöglich, dass sich irgendjemand hier hereinschlich und …
Ein Rascheln von links. Sofort wandte er den Blick in die Richtung. Mischas Zimmer? Nein. Das Zimmer seiner Mutter? Auch Fehlanzeige. Er umfasste das Messer in seiner Hand fester und schob die Tür soweit auf, dass er hinausgehen konnte. Dann trat er auf den Flur, setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen und näherte sich dem Wohnzimmer. Das Rascheln wurde lauter und nun vernahm er auch ein heiseres Atmen.
Neel lehnte den Kopf an die Wand und biss die Zähne zusammen. Es gab keinen Grund, sich zu fürchten. Im Nahkampf war er gut. In Gedanken zählte er nach unten und verließ sein Versteck. Er warf einen Blick in das Zimmer und entdeckte vor dem Schreibtisch eine zusammengekauerte Gestalt mit Buckel. Im fahlen Lichtschein sah er ihre dürren Finger, die versuchten, eine Schublade zu öffnen. Zittrig kratzten sie am Holz, begleitet von einem trockenen Röcheln.
„Was zum …“, murmelte Neel, weil er noch nie etwas Dergleichen gesehen hatte. Die Gestalt wandte sich abrupt zu ihm und für eine Sekunde blitzten karminrote Augen aus Dunkelheit zu ihm. Sie leuchteten ungewöhnlich kräftig. Neel reagierte sofort, hob den Arm und schleuderte das Springmesser mit Leichtigkeit in Richtung der Gestalt, doch diese war schneller. Sie wich dem Messer aus, rollte sich auf den Boden, rappelte sich auf und verschwand in der Küche.
Er musste handeln, zügig und durchdacht. Deshalb überbrückte er den Abstand bis zum Schreibtisch, zog das Messer aus dem Holz und lief der Gestalt hinterher.
In der Küche wehte ihm kühle Luft entgegen. Die bucklige Gestalt war gerade dabei, durch das Fenster nach draußen zu klettern. Ganz gleich, ob es metertief nach unten ging. Natürlich, es machte diesem Wesen nichts.
In wenigen Schritten war Neel dort, packte das Bein der Gestalt und zog sie mit aller Kraft zurück in die Küche. Der Körper zwischen seinen Händen war ungewohnt leicht, doch als er versuchte, die Gestalt auf den Boden zu drücken, wurde er ins Gesicht geschlagen, hörte einen lauten Wutschrei, roch Urin und Erbrochenes. Finger krallten sich in die Haut an seinem Hals und rissen eine Wunde hinein. Dann endlich gewann er die Oberhand, presste die Gestalt auf den Boden und war drauf und dran mit dem Messer zuzustechen, als aus dem Mund des Wesens ein ersticktes Flehen drang.
„B-B-itte, t-tu mir nichts, Neel.“
Neel hielt inne, starrte in das bleiche Gesicht vor sich. Faltige, viel zu helle Haut. Schwarzer Schlamm bedeckte Wangen und Teile der Stirn. Pusteln und Ekzeme leuchteten darunter hervor. Hellweiße Haare standen wirr in alle Richtungen ab. Es war schwer, ihn zu erkennen, aber keine Frage, er war es.
„Loyd?“, fragte Neel und spürte, wie sich der Körper der Gestalt unter ihm hob und senkte.
„Ja“, brachte der Mann hervor und um Neels Brust schnürte sich ein Drahtseil. Kein Unwesen, kein Monster, nur ein Lorca. Ein Mensch mit ungewöhnlichem Aussehen.
„Was suchst du hier?“
„I-ich dachte, d-dein Vater … und v-vielleicht.“
„Mein Vater?“, fragte Neel und brennende Hitze schoss durch seinen Körper. „Der ist nicht hier.“
„I-ich weiß … I-ich dachte nur …“
„Du hast gar nicht nachgedacht“, unterbrach ihn Neel und drückte seinen Arm fester auf die dürre Brust des Mannes. „Du kannst hier nicht einfach auftauchen. Hast du eine Ahnung, was hier los ist?“
Loyd schwieg, sah ihn an. Die roten Fäden in seinen Augen glänzten. Ihm blieben wohl die Worte im Hals stecken. Gut so, seinetwegen war doch alles zum Teufel gegangen. Neel packte ihn am Kragen und zog ihn nach oben. Mit Wucht drückte er ihn gegen die Küchenwand. Viel Gegenwehr bekam er nun nicht mehr.
„B-bitte, d-dein Vater hat mir gesagt …“
„Halt die Klappe!“, rief Neel. „Halt deine verdammte Klappe! Ich will nichts davon hören!“
„N-eel“, murmelte der Mann, der einst der beste Freund seines Vaters gewesen war. „Es – es tut mir so leid.“
„Es tut dir leid“, wiederholte Neel und überhörte die Verzweiflung, die in jeder Silbe mitschwang. Dieser Mensch hatte ihnen nur Unglück gebracht und dann wagte er es auch noch, sich wie ein Verbrecher aufzuführen. Nach allem, was sie für ihn getan hatten.
„Ich wollte niemals, dass euch das passiert.“
„Ach, du wolltest es nicht“, wiederholte Neel und seine Lippen bebten. „Als ob das eine Rolle spielt.“ Erneut hob er das Messer an. Seine Hände zitterten, aber er konnte es tun, wenn er wollte. Wäre vermutlich nicht mal sonderlich schwer. Wie es sich wohl anfühlte, jemandem die Kehle durchzuschneiden? Er biss die Zähne zusammen, holte aus und rammte das Messer mit Wucht in die Wand, direkt neben Loyds Ohr. Der Mann erstarrte vor Angst und Neel fixierte seine panisch geweiteten Augen. Nahm jedes Zucken seiner Muskeln wahr. Nur um ihn dann zu Seite zu ziehen und von sich wegzustoßen, in Richtung Wohnzimmer.
„Hau ab!“, sagte Neel.
„I-ich, b-bitte, Neel. Sie werden mich …“
„Hau ab, bevor ich mich vergesse!“, brüllte er und der Mann vor ihm zuckte zusammen, hob die Hände schützend vor seinen Oberkörper wie ein verletztes Tier.
„Verschwinde endlich!“, brüllte er und Loyd tat es. Beim Gehen zog er sein rechtes Bein nach, hatte seinen Rücken zu einem Buckel geformt und schleppte sich mühselig voran. Er trug einen viel zu großen Mantel, der um seine dünnen Hüften schlackerte, war im Grunde nicht mehr als ein Gespenst.
Als Neel die Eingangstür hinter ihm schloss, betrachtete er sie einen Moment lang im Stillen. Spürte der Wut und dem Hass nach, die jede Zelle seines Körpers erfüllten. Doch gleichzeitig fragte er sich auch, ob er dem Mann Unrecht getan hatte. Er wusste sehr genau, dass ihn keine Schuld traf, denn schuldig war nur, wer wegsah. Neel streckte die Hand aus und berührte mit den Fingerspitzen das kalte Metall der Klinke. Stellte sich vor, wie er Loyd hinterherrief und ihm Obdach anbot. Sein Vater hätte es getan. Ganz bestimmt.
Dann zog er die Hand zurück. Nein, das war es nicht wert. Wenn er ihn schützte, tötete er seine Schwester, seine Mutter und seinen Bruder. Deshalb atmete er tief ein, schloss die Augen und legte die Stirn an die verschlossene Tür. Kein Geist, der ihn heimsuchte, kein Gespenst, das ihn bedrohte. Es war diese Stadt, die Menschen zu Dämonen machte.


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Nun ihr Lieben, wünsche ich euch ein nicht ganz so düsteres und erschreckendes Halloween wie es Neel Talwar in dieser Geschichte erlebt hat. Ganz im Sinne von Süßes sonst gibt’s Saures. Und solltet ihr noch mehr Geschichten aus Red-Mon-Stadt lesen wollen, könnt ihr einfach auf Amazon vorbeischauen.

+Mika+


Bei Beschwerden zwecks Rechtschreibung, Grammatik oder Logik, wendet euch vertrauensvoll an die Autorin. Sie hat mit besten Wissen und Gewissen alle Zutaten vermengt und war der Ansicht, dieses Textstück sei vorzeigbar.

Beitragsbild: Jin Mikami
Halloweenkürbis: Pixabay

Aktuelles, Gedanken-Mix

Mein(e) Projekt(e) beim NaNoWriMo

Guten Abend ihr Lesebegeisterten und vermutlich Schreibwütigen,

in den letzten Tagen habt ihr hier auf meinem Blog abgestimmt, welches zweite Projekt ich beim NaNo in Angriff nehmen soll und es haben sich Viele von euch beteiligt. Mit 58,62% ist die Entscheidung recht knapp ausgefallen. Ich danke euch sehr, dass ihr mitgemacht habt.

Das heißt, in diesem Jahr tippe ich mindestens 50.000 Wörter in den folgenden zwei Projekten:


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Die Fortsetzung meiner dystopischen Reihe Silver Coin 203. Da ich euch jetzt keine Inhaltsangabe geben kann, ohne zu spoilern, greife ich auf die etwas unpersönliche Kurzzusammenfassung zurück, die ihr dann demnächst im Taschenbuch und ebook finden werdet. Ich hoffe, ihr nehmt es mir nicht übel.

In der Reihe Silver Coin 203 geht es um die künstlich erbaute Insel Red-Mon-Stadt. Ein Ort, an dem der Nutzen einer Person und der Glaube an Sicherheit das Leben der Menschen bestimmt. Im Zentrum der Geschichte stehen vier Protagonisten, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise durch die Gesetze der Stadt beeinflusst werden: Eine Verfolgte, die niemandem mehr trauen kann. Ein Soldat, der blind Befehle ausführt. Ein Künstler mit hochgehaltenen Idealen. Und eine Verwaltungsbeamte, deren Motive schleierhaft sind. Alle vier Schicksale verweben sich im Verlauf der Geschichte, ob zufällig oder nicht, und es entbrennt ein Kampf um Überleben, Freundschaft und Macht.

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Die Vorexemplare des Prints von Silver Coin sind schon da und an die ersten Leser verschickt.

Ähem, ja … soweit so gut. Ich weiß schon, ich könnte mir ruhig etwas Mühe geben und euch noch mehr Infos zeigen. Es gibt auch wirklich viele Dinge, die ich gern loswerden würde. Angefangen bei der Vergangenheit meiner Hauptpersonen Rina, Neel, Tom und Amanda, die ich im ersten Buch nur angedeutet habe, bis hin zum Plot, dem Anfang von Band 2 und der Frage, wie viele Bände wird es geben. Nur ist ja noch nicht einmal Band 1 erschienen und ich habe im letzten Jahr so häufig über dieses Projekt geschrieben, dass ich ernsthaft fürchte, euch damit zu langweilen. 😉 Aber ja, es ist wirklich mein Herzensprojekt, auch wenn das albern klingt und ich dieses Wort nie benutzen wollte. Wirklich, nie! Ein Zeichen dafür, dass ich dringend von etwas anderem sprechen sollte. Ihr denkt euch sicher schon alle euren Teil. So, jetzt aber Schluss. Das nächste Projekt ist dran!


Licht in Makkuro …

… wird ein Fantasy Kurzroman, der in einer sehr, sehr, sehr dunklen Welt spielt. Kein Scherz, denn in Makkuro gibt es so gut wie kein Licht. Nur manchmal schicken die Oberirdischen einen strahlenden Schimmer an den finsteren Ort und setzen damit ein Zeichen: Wer von euch als erstes das Licht an den Grenzpunkt bringt, darf zurück an die Oberfläche. Die junge Ebony, die es in Makkuro nicht mehr aushält, ergreift diesen Hoffnungsschimmer und muss erfahren, dass es nicht die Finsternis ist, die ihr Angst machen sollte.

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Heute Früh habe ich einen groben ersten Plot für die Geschichte konzipiert. Zumindest Anfang und Ende stehen damit fest. 

Die Idee zu dieser Geschichte entstand durch einen Wettbewerb des Amrûn Verlags, bei dem ich eine Kurzgeschichte mit demselben Titel eingereicht habe. Dort geht es zwar um einen etwas anderen Schwerpunkt, aber wie es immer ist, aus einer kleinen Idee wird manchmal etwas Großes. Wer sich über den Titel wundert. Makkuro hat nichts mit „Makro“ zu tun, sondern ist das japanische Wort für totale Schwärze. Der ein oder andere hat ja vielleicht schon Chihiros Reise ins Zauberland oder Totoro geschaut? Dort tauchen Rußmännchen auf, die sich wörtlich Makkuro Kurosuke nennen. Die Tiefschwarzen Schwarzen um genau zu sein. Als Fan von so gut wie allen japanischen Dingen, konnte ich nicht widerstehen und habe das Wort in den Titel eingebaut.

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Mehrere Rußmännchen aus dem Film Chihiros Reise ins Zauberland.

Wer von euch ist noch beim NaNo dabei und was werdet ihr schreiben? Inzwischen bin ich wirklich aufgeregt und freue mich auf den Startschuss.

Solltet ihr nicht wissen, was der NaNo ist und wozu das Ganze überhaupt gut sein soll, findet ihr ja vielleicht in meinem Beitrag vom letzten Jahr ein paar Antworten. Damals war ich noch totaler Neuling und habe mir einige Gedanken über dieses Konzept gemacht.


 

Bildquelle:
Makkuro Kurosuke Ink: Redbubble

Aktuelles, Gedanken-Mix

Ihr seid gefragt

Wer einen Roman beendet, stellt sich stets die Frage: Wie geht es weiter? Oder besser: Was werde ich als nächstes schreiben? Und genau vor dieser Entscheidung stehe ich gerade. Wie ich euch hier auf dem Blog mitgeteilt habe, werde ich auch in diesem Jahr an dem Schreibmonat (NaNoWriMo) teilnehmen und an zwei verschiedenen Projekten arbeiten. Projekt eins ist klar: Band zwei meiner Reihe Silver Coin 203. Projekt zwei ist jedoch offen. Da kam mir die Idee, euch in meinen Entscheidungsprozess einzubeziehen und eine Umfrage zu starten. Deshalb stelle ich euch in diesem Beitrag die zwei Projekte vor, die ich gern schreiben möchte. Ich würde mich freuen, wenn ihr am Ende eure Stimme abgebt. Viel Spaß beim Lesen.


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Licht in Makkuro

Genre: Fantasy, Grusel

Umfang: etwa 25.000 Wörter

Prämisse: Wovor wir uns wirklich fürchten sollten, sind nicht die dunklen Orte der Welt.

Kurzzusammenfassung: Ebony und ihre Eltern sind vor Jahren nach Makkuro verbannt worden. Ein Dorf, das tief unter der Erde liegt und beinahe vollständig ohne Licht auskommen muss. Die junge Frau erinnert sich noch an eine Zeit, in der sie in strahlendem Sonnenschein lebte und wünscht sich nichts mehr, als endlich dorthin zurückzukehren. Gerade als sie alle Hoffnung verloren hat, taucht unter dem Totenbaum im Zentrum des Dorfes ein helles Licht auf. Das Zeichen dafür, dass die Oberirdischen einem Einzigen die Chance gewähren, oberhalb der Erde das Glück zu finden. Ebony reagiert sofort, schnappt sich das Licht und macht sich auf den beschwerlichen Weg hinauf nach Lichtland. Doch was sie nicht weiß, es ist in Wirklichkeit gar nicht die Dunkelheit, die ihr Angst machen sollte, sondern jene Menschen aus anderen Dörfern, die genauso verzweifelt versuchen, an die Oberfläche zu gelangen.


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Sturmgeister

Genre: Geistergeschichte, Psychodrama

Umfang: etwa 25.000 Wörter

Prämisse: Es sind die Geister der Vergangenheit, die uns niemals loslassen.

Kurzzusammenfassung: Yoshitaka ist gerade 21 Jahre alt geworden und damit endlich erwachsen. Einen Tag nach seiner berauschenden Feier im Iizakaya findet er sich plötzlich in einem alten japanischen Haus wieder. An seiner Seite ein merkwürdig affenartiges Tier, das sich nicht abschütteln lässt. Als er nach und nach das Haus erkundet, begegnet er nicht nur völlig verängstigen Menschen, die dort eingesperrt sind und von einem Fluch sprechen, sondern auch Geistergestalten, die aus den Ritzen der Wände kriechen und versuchen, ihn zu töten. Doch was es genau mit diesen Wesen auf sich hat und weshalb sie Yoshitaka so bekannt vorkommen, erfährt er erst, wenn er den Fluch lösen kann. Anderenfalls wird er genauso enden wie alle in dem Haus.


Und nun kommen wir zur Umfrage. Ich weiß, um richtig bewerten zu können, welche Geschichte ihr gern lesen wollt, müsste ich euch wohl noch eine Leseprobe zeigen, allerdings stecken beide Projekte in den Kinderschuhen, weshalb ich darauf verzichte. Wählt einfach das Projekt aus, welches euch spontan und intuitiv am ehesten zusagt.


Bildquelle:

Licht

Japanisches Haus

Gedanken-Mix, Schreibarbeit

Dystopie: Gesellschaftskritik und Ich-Erzähler

Ein Testleser schrieb an den Rand meines Manuskriptes folgende Frage: „Ist es genretypisch, wenn deine Geschichte aus der Sicht von mehreren Personen geschrieben ist?“ Eine Frage, die mich ins Grübeln brachte. Ganz automatisch ging ich alle dystopischen Romane durch, die ich in den letzten Jahren gelesen habe und fragte mich, wie viele Blickwinkel verschiedener Personen dort zu finden sind. Das Ergebnis: die meisten zeigen nur einen. Deshalb habe ich mir dazu Gedanken gemacht, wieso dem so ist und diese hier für euch festgehalten.


Was ist eine Dystopie?

Fangen wir erst einmal klein an und wagen uns an eine Definition des Genres Dystopie. Wie bei jedem Genre, ob in der Literatur, der Kunst oder dem Film sind die Begriffsgrenzen nicht scharf und gerade, sondern eher ausgefranst und krumm. Wer ein Genre so halbwegs begreifen möchte, müsste eine Doktorarbeit schreiben und Buch um Buch um Buch durcharbeiten. Das ist für einen Blogbeitrag natürlich nicht möglich, daher beschränke ich mich auf die wesentlichen Fakten und würde mich freuen, wenn im Anschluss eine Diskussion entsteht.

Die Dystopie ist eine Unterkategorie von Science-Fiction. Es geht in Geschichten dieses Genres um Zukunftsvisionen, die ein negatives Gesellschaftssystem zeigen. Kurz, unsere Gegenwart entwickelt sich zu etwas Schlechtem. Meist erwachsen diese Systeme aus einer utopischen und gut gemeinten Grundidee. Zum Beispiel: „Alle sollten gleich sein“, „Weniger Krieg durch das Ausschalten von Gedanken“, „Weniger Kriminalität durch Kontrolle“. Als Autor stellt man sich die Frage, was ist, wenn sich die Dinge in der heutigen Gesellschaft so entwickeln, dass daraus morgen Y entsteht. Künstliche Intelligenz, das Aufkommen des Internets oder aber auch die Ausbeutung der Natur können Themen sein, die diese Gedankenspiele hervorbringen. Es entsteht also eine Welt, die auf unseren technologischen Errungenschaften und Gesellschaftsstrukturen basiert und diese Welt fungiert als Warnung. So könnte es aussehen, wenn wir nicht aufpassen. Die Kritik am heutigen System ist damit ein wichtiger Aspekt der Dystopie. Im Gegensatz zu Science-Fiction geht es zudem nicht vorrangig um die Wissenschaft, sondern um das soziale Zusammenleben und den Umgang mit den Gesetzen in dem System. Deshalb sind Dystopien meist düster und zeigen eine Welt, die schockiert und manchmal abgestumpft ist.

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Dieses Foto könnte glatt aus einem dystopischen Film stammen. Tatsächlich zeigt es einen Teil von Shibuya in Japan. Japanische oder ostasiatische Städte stehen oft Modell für Dystopien.

Exkurs: Der Ich-Erzähler und das Jugendbuch

Schaut man sich die Veröffentlichungen im Bereich Dystopie der letzten Jahre an, fällt besonders auf, dass es einen Boom im Bereich Jugendbuch gibt und zudem häufig aus der Perspektive eines Ich-Erzählers* berichtet wird. Die Protagonisten sind oft im Alter zwischen 15-20 Jahre und starten über kurz oder lang eine Revolution gegen das System. Durch das sehr persönliche „Ich“ wird die Distanz zu dem Erzählten aufgehoben und es entsteht eine unmittelbare und oft emotional tiefe Erfahrung. Gefühle werden dadurch direkt gezeigt. Diese Perspektive zu schreiben ist jedoch nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Einige Autoren beschreiben, dass es ihnen besonders leicht fällt, im Ich-Erzähler zu schreiben (geht mir tatsächlich genauso). Das liegt meiner Ansicht nach in der Natur der Sache. Da wir im realen Leben auch in einem Ich denken, können wir diese Perspektive recht schnell einnehmen und die erzählten Empfindungen leichter erleben. „Ich schreibe einen Einkaufszettel.“, „Ich lese einen Blogeintrag.“, „Ich habe mich gestritten.“ Die Erfahrungen sind unmittelbarer und nicht so beobachtend wie im Er/Sie-Erzähler. Es ist demnach nicht verwunderlich, warum sich der Ich-Erzähler bei Autoren (und Lesern natürlich!) großer Beliebtheit erfreut. Vielen geht er ganz leicht von der Hand. Doch nur, weil es relativ schnell geht, die Worte zu Papier zu bringen, heißt das nicht, dass diese am Ende auch passend sind. Häufig vermischt sich nämlich unterbewusst die Autorenidentität mit der Erzähleridentität. Das ist jetzt nicht verboten und auch niemals vollständig zu verhindern, aber es kann dazu führen, dass die Persönlichkeit des Erzählers blass oder chaotisch wird.* Es ist schwer, als Autor genügend Distanz zum Ich-Erzähler zu bekommen, um diesen authentisch und logisch stringent zu schreiben. So natürlich auch in einem dystopischen Roman.
Im Jugendroman ist der Ich-Erzähler weit verbreitet. Das liegt, platt gesagt, einfach daran, dass junge Menschen sich mit einem Ich besser identifizieren können als mit einem übergeordneten Er/Sie. Ihre Welt dreht sich häufig um ihre Probleme, ihre Sorgen und ihre Ängste und deshalb lesen sie diese Texte lieber. Allerdings hat diese Perspektive eine ganz besondere Tücke. Ist einem der Erzähler unsympathisch, hat das Buch von vornherein verloren:

„Das kann ganz angenehm sein – vorausgesetzt, dass es sich beim Ich-Erzähler um einen sympathischen Zeitgenossen handelt. Aber man sollte nicht blind darauf vertrauen, denn auch düstere Ekelpakete haben mitunter die eine oder andere spannende Geschichte zu erzählen […]“ (Bücher Wiki)


Wieso ist der Ich-Erzähler für eine Dystopie so attraktiv?

Was ich oben geschrieben habe, wird für die meisten von euch keine Neuigkeit sein, aber ich hoffe, euch anschließend ein paar neue Denkanstöße geben zu können.

Welche Vorteile hat der Ich-Erzähler in einer Dystopie? Zum einen erklärt sich die ungewöhnliche Welt durch die Gedanken der Protagonistin von selbst, zum anderen bleibt offen, was die Umgebung plant. Welche Hürden auf dem Weg bis zum Ziel warten, bleibt dadurch offen und Handlungsverläufe können sich plötzlich, ohne ersichtlichen Grund ,ändern. Als Leser ist man dann genauso wenig informiert wie die Hauptperson und wird unerwartet von einer kritischen Situation in die andere hineingerissen. Noch dazu, ohne zu wissen, was genau diese Situation für Auswirkungen hat. Augenblicklich ist man involviert und fühlt mit den Protagonisten verbunden. Das erzeugt Spannung und macht neugierig auf mehr. Wir leiden mit, nehmen ungewöhnliche Fakten als gegeben hin und können uns recht schnell emotional auf die Illusion einlassen, die da erschaffen wird.

Aber gerade für die Dystopie finde ich diese Perspektive nicht immer ideal. Wieso? Was einerseits ein Vorteil sein kann, birgt auch Schwierigkeiten. Wer eine Geschichte nur aus einer Sicht erzählt, kann die Gedanken anderer Personen nicht einfließen lassen. Das ist keine neue Erkenntnis, ich weiß, aber sie ist im Bereich Dystopie nicht zu vernachlässigen. Eine Dystopie ist meist gesellschaftskritisch und eine Gesellschaft begreift man erst, wenn man die Sichtweise mehrerer Personen darin betrachtet. Ich denke, die Soziologen würden mir zustimmen, sie betrachten ja auch immer Gruppen und nicht Einzelpersonen. Aber gut, es geht jetzt natürlich nicht um eine wissenschaftliche Studie.

Wenn der Protagonist aus einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht stammt, erfahren wir die Gedanken dieser einen Person in dieser einen Schicht. Über andere Schichten oder Menschen erfahren wir nur etwas, wenn es durch Dialoge oder ähnliche Informationsquellen aufgedeckt wird. Zum Beispiel in Form von Propaganda. Der Ich-Erzähler berichtet sehr einseitig und konzentriert sich nur auf bestimmte Sachverhalte, die für ihn als Wahrheit gelten. Dadurch entsteht ein schwarz-weiß Muster. Andere Figuren in der Geschichte werden verteufelt oder in den Himmel gelobt. Je nachdem, ob die Hauptfigur mit diesen Menschen zurechtkommt oder nicht. Es fehlt eine objektive Meinung.

Hinzu kommt, dass es ungewöhnlich sein kann, wenn der Ich-Erzähler uns im Detail die Gesellschaft erklärt, in der er lebt. Genauso wie wir nicht hinterfragen, warum wir eher Brot essen als Reis, wird die Hauptfigur nicht hinterfragen, warum sie bestimmte Dinge tut oder lässt. Derlei Informationen werden oft nur eingebaut, um den Leser von der fremden Welt zu überzeugen, sind aber eigentlich nicht notwendig. Eine Erklärung muss der inneren Logik des Erzählers folgen, ansonsten wirkt sie einfach nicht authentisch.
Bei Tribute von Panem funktioniert die Ich-Perspektive deshalb so gut, weil Katniss in eine völlig neue und ungewohnte Situation stolpert, die sie sich selbst erklärt. Im Zentrum steht ihre Entwicklung, jedoch nicht die detaillierte Beschreibung der Gesellschaft an sich. Die Motive der Rebellen oder auch der Menschen im Kapitol bleiben deshalb bis zum Schluss schwammig. Ein Er/Sie-Erzähler ist im Gegensatz dazu häufig weniger wertend und kann mehr Facetten aufzeigen als der Ich-Erzähler.


Eine Zusammenfassung

Komme ich nun auf meine Ausgangsfrage zurück. Ist es genreuntypisch, mehrere Sichtweisen von Figuren in einer Dystopie darzustellen? Generell nein, aber es gibt derzeit eine Tendenz zum Ich-Erzähler und zum Jugendbuch. Diese beiden bedingen sich gegenseitig und geben dem gesellschaftskritischen Genre emotionale Nähe. Wer jedoch eine Dystopie schreiben möchte, die sich auf die Gesellschaft und die Kritik an ihr konzentriert, erzeugt mehr Tiefe, in dem er verschiedene Sichtweisen aufzeigt. Wie im realen Leben erkennt man die Schwierigkeit einer Sache erst, wenn man die Summe vieler Gedanken zusammenfügt. Und meist gibt es dabei kein einfaches Schwarz und Weiß.


Mich würde nun interessieren, wie ihr darüber denkt. Gibt es die Eine Erzählperspektive in der Dystopie oder ist es eigentlich immer eine Frage des: Was will ich und wie setze ich es um? Ich freue mich über eure Kommentare.


*Ich meine an dieser Stelle nicht den auktorialen Ich-Erzähler, der bspw. die Geschichte einer anderen Person nacherzählt.

Quellen und weiterführende Links

BücherWiki

Wortwuchs

Beitragsbild: Jullo A Gonzalez

Foto: Hiro Tjp

Aktuelles

Es ist viel los …

Hallo ihr Schreibwütigen und Lesebegeisterten,

wie ihr sicherlich gemerkt habt, folge ich dem von mir ausgearbeiteten Redaktionsplan nur sporadisch. Der Sonntagsbeitrag erscheint nur noch 14tägig, obwohl ich wöchentlich etwas für euch verfassen wollte. Das ist für mich selbst sehr frustrierend, aber mein straffer Zeitplan lässt mir derzeit nicht viele Optionen. Damit ihr zumindest informiert seid, was in der nächsten Zeit so alles bei mir ansteht, hier ein kurzes Update.


Frankfurter Buchmesse 2016

Ich bin eine Spätplanerin, was mich nicht davon abhält, Dinge durchzuziehen, wenn ich sie mir erst einmal in den Kopf gesetzt habe. So ist es auch mit der Frankfurter Buchmesse. Am Samstag den 22. Oktober tummle ich mich dort mit meiner Autorenkollegin Stella Delaney. Ich freue mich schon wahnsinnig darauf, denn wir werden eindeutig unseren Spaß haben, wenn wir die Stände unsicher machen. Vermutlich werde ich auch bei dem ein oder anderen Verlagsstand vorbeischauen und die ein paar Visitenkarten loswerden, man weiß ja nie. Vielleicht sehen wir uns ja auf der Messe?

Visitenkarte.jpg
Ich habe zum ersten Mal eine Visitenkarte. Den Auftrag für den Druck gebe ich heute Abend raus. Drückt mir die Daumen, dass sie pünktlich zur Messe ankommen. Stichwort: Spätplanerin.

Teilweise Tödlich

Heimlich still und leise bin ich im September zur Verlagsautorin geworden und habe meinen ersten Autorenvertrag unterschrieben. Kein Witz, ist wirklich passiert. Okay, na gut, ihr denkt jetzt sicher, ich habe ein Manuskript untergebracht. Nein, so weit bin ich noch nicht. Es handelt sich bei der Veröffentlichung um eine Kurzgeschichtensammlung mit Krimis. Das Buch ist am 18. September unter dem Titel „Teilweise Tödlich“ erschienen. Darin enthalten ist meine Kurzgeschichte „Rosenblut“.

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Ich lege euch aus dem Buch die Kurzgeschichte „Karma“ ans Herz. Sie ist mein Favorit.

BuchBerlin

Ansonsten steht im November die Buchberlin an, dort werde ich meine Bücher an den Mann und die Frau bringen. An meiner Seite ist die Romantasy Autorin Sabine Schulter. Unsere Bücher bilden also einen guten Kontrast. Unsere Standnummer ist die 127, das ist leider etwas am Rand, aber dennoch nicht am äußersten Ende. Einen genauen Standplan veröffentliche ich hier auf dem Blog zu gegebener Zeit. Da das meine allererste Messe als Ausstellerin ist, bin ich wirklich gespannt, wie alles abläuft und ob wir uns dabei gut anstellen. Inzwischen haben wir schon das Design für ein Rollup, das neben dem Stand platziert wird und bereiten Leseprobenheftchen sowie einige Goodies vor.

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So in etwa wird unser Roll-Up aussehen.

NaNoWriMo

Und dann ist ja auch schon bald der NaNoWriMo, der am 01. November startet. Ihr wisst schon, 50.000 Wörter in einem Monat schreiben, ohne wenn und aber. Ich werde dieses Jahr wieder mit dabei sein, allerdings mit zwei Projekten. Warum? Da ich für mich entschieden habe, nicht auf Teufel komm raus an einer Geschichte zu arbeiten. Das führte nämlich dazu, dass ich die letzten Kapitel meines Projekts vom letzten Jahr vollständig neu schreiben musste, denn sie waren einfach grausig. Nicht gerade effizient, würde ich sagen. Ich verteile also die Wortanzahl auf zwei unabhängige Geschichten. Dazu dann auch demnächst mehr hier auf dem Blog. Nimmt jemand von euch teil?

In dem Sinne wünsche ich euch ein gutes Wochenende. Wir hören voneinander.

+Mika+