Aktuelles

Totenläufer: Leserunde auf Lovelybooks

Der erste Band meiner dystopischen Reihe Silver Coin 203 mit dem Titel „Totenläufer“ ist nun schon seit einem Monat veröffentlicht. Unglaublich aber wahr. Ein bisschen fühlt es sich an, als sei noch gar nichts passiert. War ich wirklich auf einer Messe?, habe ich ernsthaft schon mein zweites Buch in den Amazonas der Buchwelt geschickt? Ja, es ist alles wahr und tatsächlich ist viel geschehen. Inzwischen sind drei sehr positive Rezensionen auf Amazon eingetrudelt und ich habe die ersten Rückmeldungen von Lesern erhalten. Alle positiv, aber auch kritisch. So wie es sein muss. 🙂

Ich nehme das nun zum Anlass, eine Leserunde auf Lovelybooks zu starten. Vielleicht habt ihr ja Lust, daran teilzunehmen. Voraussetzung ist nur, dass ihr dort einen Account habt, auf meine Bewerbungsfrage antwortet und schon seit ihr im Lostopf und bekommt vielleicht eines von zehn ebooks oder den zwei Taschenbüchern geschenkt.
Würde mich freuen, wenn ihr dabei seid.

Hier der Link zu Lovelybooks: Totenläufer Leserunde

Auf ein Baldiges.

+Mika+

Aktuelles, Gedanken-Mix

Messebericht Buchberlin: Ein Resümee

Es ist fast zwei Wochen her, seit ich aufbrach, um mit meiner Autorenkollegin Sabine Schulter als Ausstellerin auf der Buchberlin zu sein. Meine erste Messe, meine erste Chance, direkt mit Lesern zu sprechen. Eigentlich wollte ich schon früher davon berichten, aber letzte Woche war ich noch so von den Eindrücken geplättet, dass ich erstmal eine Pause brauchte, um mich zu sortieren. Inzwischen ist das Chaos wieder sortiert und alles läuft in halbwegs geregelten Bahnen. Hier also mein Bericht zur Buchberlin.


Vor der Messe: Organisieren bis zur letzten Minute

Buchmessen sind für mich immer großartig. Auch als Besucherin, tümmle ich mich gern zwischen den Lesebegeisterten und lasse mich von der Stimmung mitreißen. Dieses Mal hatte ich jedoch meinen eigenen Stand und das war neu. Meine einzige Messeerfahrung hinter den Kulissen war 2011, als ich das Deutschlandfest in Japan zu kleinen Teilen mitorganisieren durfte. Damals lag die die Verantwortung auf den Schultern von jemand anderem, dieses Mal bei mir ganz allein. Dementsprechend war ich, wie ihr meinem letzten Beitrag über die Buchberlin entnehmen konntet, reichlich nervös. Mein Patentrezept gegen die Nervosität: Einfach bis zum letzten Tag vor der Messe so viel zu tun haben, dass man vergisst, was vor einem liegt. Ob der Aufbau eines Probestands, das Erstellen einer Inventarliste und Preisliste oder das Zusammenpacken der Kisten, beinahe bis kurz vor der Abfahrt habe ich noch Dinge organisiert und mich gut abgelenkt. Das hat geholfen, meine Aufregung zu kontrollieren.

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So sah unser Stand aus. Wir hatten auch ganz liebe Standnachbarn. Den Arunya Verlag.

Aufbau – Start in den ersten Messetag

Nachdem Sabine, ihr Mann Tobi und ich uns in ein mit Kisten bis oben hin vollgepacktes Auto gequetscht hatten, halbwegs glimpflich den Weg zum Estrel fanden und dort alles lagerten, waren wir alle ein wenig erleichtert. Allerdings startete der erste Messetag mit Chaos. Die Ringbahn in Berlin war gesperrt, was zur Folge hatte, dass ich länger zur Messe brauchte, als geplant. Acht Uhr wollte ich da sein, etwa zwanzig Minuten später kam ich an. Völlig aus der Puste, weil ich trottelig wie ich bin, viel zu früh aus dem Bus gestiegen bin und irgendwo in der Mitte der Sonnenallee rauskam. Ups. Kann schon mal passieren. Das bedeutete: Im Sprint mit Rucksack bepackt die Straße hinunterhasten, um noch halbwegs pünktlich zu kommen. 2 Kilometer habe ich im Schnellschritt geschafft. Fragt mich nicht, wie das ging. Jedenfalls konnte ich noch tolle Berliner Sightseeingspots besichtigen: Döner Laden 1, Döner Laden 2, Döner Laden 3 und nicht zu vergessen der schöne Döner Laden 4. Alle gut besucht.

Am Estrel haben wir dann recht zügig alles aufbauen können. Erst Tischdecke, dann die Buchständer, dann die Bücher und irgendwie alles unter dem Tisch verstauen, wo es niemand sieht. Etwa 9:30 waren wir mit dem Aufbau fertig und mir ist persönlich ein Stein vom Herzen gefallen.

Um zehn öffneten dann die Tore und ich bekam moralische und seelische Unterstützung von meiner guten Fee: Stella Delaney. Sie war extra aus der Schweiz angereist und hat uns sehr geholfen. An sich war sie nur als Besucherin eingetragen, aber im Laufe des Tages stand sie mehrfach hinter dem Stand und hat Sabines und meine Bücher angepriesen. Besser als ich es je gekonnt hätte. Sie ist einfach gut darin!

Zum Auftakt der Buchberlin gab es auch einen Flashmop mit musikalischer Untermalung. Von diesem wussten wir Aussteller bereits, aber leider … haben wir davon nicht viel gemerkt. Wir waren ja doch relativ außen am Zipfel und bekamen nichts davon mit. Schade eigentlich.

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Ähm ja, das bin dann wohl ich …

Ablauf der Messetage

In den ersten Stunden war ich unglaublich nervös. Meine Hände haben gezittert und ich brachte nur irgendwelche merkwürdig gestammelten Sätze heraus, die sonst nicht meine Art sind. Die ersten Leser an unserem Stand haben mich deshalb wohl leider auch etwas merkwürdig erlebt. Entschuldigt! So bin ich in Wirklichkeit gar nicht. Ich-rede-Sätze-ganz! So-echt-so! Irgendwann hatte sich das jedoch gelegt und dann hatte ich wirklich Spaß daran, die Leute anzusprechen und mit ihnen zu quatschen. Denn das ist es ja eigentlich, was man macht. Quatschen. Ich würde gern sagen, ich kann mich daran erinnern, was ich gemacht habe und wie. Aber nein, kann ich nicht. Ich weiß, ich war zwischendurch Kaffee trinken, habe Kartoffelecken spendiert bekommen und etliche Leseproben herausgegeben und Bücher verkauft. Was ich jedoch noch sehr deutlich weiß, dass am Samstag und auch am Sonntag viele Menschen da waren, die ich hier über das Blog, Neobooks, Facebook und andere Portale kennengelernt habe. Das war für mich mein persönliches Highlight, denn damit habe ich nicht gerechnet. Man sitzt ja immer nur vor dem Bildschirm und tippt unbemerkt von allen anderen vor sich hin und dann … stehen die Leute plötzlich vor einem. Das ist wirklich grandios! Ein Dank an euch alle, die ihr da gewesen seid. Das hat mein erstes Messewochenende zu etwas ganz Besonderem gemacht.

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Das Estrel. Ein riesiger Komplex mit zwei großen Hallen.


Die Messeziele

Vor der Messe hatte ich ja einige Ziele formuliert, die ich gern umsetzen wollte. Diese werde ich jetzt nochmal durchgehen und gleichzeitig aufzeigen, was gut gelaufen ist und wo eventuell noch Verbesserungsbedarf besteht.

  1. Neue Leser erreichen: In den Tagen nach der Messe sind einige Menschlein auf Facebook oder hier auf dem Blog dazugestoßen und ich konnte auch einige Verkäufe auf den Onlineportalen verzeichnen. Ich denke also, zumindest ein paar neue Leser konnte ich erreichen. Ein wenig mehr nachträgliche Resonanz hätte ich mir dennoch gewünscht. Wär gut, wenn man wissen könnte, weshalb es nicht noch mehr gewesen sind.
  2. Zwischen den anderen auffallen: Unser Rollup hat viel gebracht. Es war von weitem gut zu sehen und hat Einige angezogen. Allerdings gab es, und das muss ich ehrlich sagen, einige Stände, die mehr in die Aufmachung investiert haben als wir und dadurch eher einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Nächstes Mal anders.
  3. Einen professionellen und interessanten Eindruck machen: Sabine und ich wurden mehrfach mit einem Verlag verwechselt. Vermutlich, weil die meisten Self-Publisher sich sonst nur einen kleinen Einzeltisch leisten konnten und wir im Team auftraten sowie insgesamt 10 Bücher präsentieren konnten. Das ist für zwei einzelne Personen schon eine ganze Menge.
  4. Die Standgebühr über Verkäufe erwirtschaften: Da gibt es nichts zu sagen. Check. Hat gut funktioniert.

 


Was werde ich anders machen?

Die Aufmachung des Stands. Ich habe gemerkt, dass unser Stand dadurch positiv aufgefallen ist, weil wir eine sortierte und übersichtliche Auswahl auf unserem Tisch zu liegen hatten, aber etwas mehr Kreativität muss nächstes Mal noch in die Gestaltung fließen. Ich bin ja jemand, der es mag, sich in jeder Hinsicht auszutoben, nur war ich noch etwas unsicher, was überhaupt geht. Fakt ist: Weniger Bücher bestellen, mehr in den Gesamteindruck investieren. Ich stelle mir vor, Totenläufer Kekse anzubieten oder „Useful“-Beutel im Stil meines Buches zu organisieren. Eventuell auch einzelne Tassen, die handbemalt sind, anbieten. Wenn ich das machen will, muss ich jedoch deutlich früher mit der Planung anfangen. Anfang Juni ist eine gute Zeit.

Für viele Leser waren meine Leseproben zudem schwer als solche zu erkennen. Das muss definitiv klar zu erkennen sein.

Preisschilder sind nicht notwendig, habe ich gemerkt. Das klärt sich meist im Gespräch und Bücher haben ja eh immer einen ähnlichen Preis.

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Fazit

Es sind nur zwei kleine Schritte hinter den Tisch, die den Unterschied zwischen Aussteller und Besucher machen, aber es gehört einiges an Mut dazu, sein eigenes Werk anzupreisen. Die Messe hat mir gezeigt, dass das gar nicht so schwer ist, wenn man erstmal damit anfängt, die Leute anlächelt und sie in ein nettes Gespräch verwickelt. Wir sind ja alle Lesebegeisterte, die sich verstehen. Nächstes Jahr hat mich die Buchberlin definitiv wieder. Von der Organisation her kann ich mich nicht beschweren. Ich wusste sofort wohin, war immer informiert und hatte den Eindruck, es wurde viel für uns Aussteller getan.


Solltet ihr noch mehr Beiträge über die BuchBerlin lesen wollen. Hier eine Auswahl:

Sarah Ricchizzi

Messebericht

Evolution Buch Berlin

Hinter den Kulissen


silvercoin203headertaschenbuch
Seit vier Tagen gibt es Totenläufer jetzt auch als Taschenbuch. Wer Lust auf düstere Action mit Soldaten, Rebellen und einer sicherheitsfanatischen Regierung hat, einfach mal vorbeischauen.
Aktuelles, Gedanken-Mix

Blogvorstellung: Buchstabenträumerei

Ich weiß, der Blogbeitrag zur Buchberlin steht noch aus und ich verspreche, am Sonntag werdet ihr meine Erlebnisse in einem kurzen Beitrag zusammengefasst hier finden. Heute möchte ich euch jedoch jemanden vorstellen. Es geht um Anna, eine Leserin, eine Träumerin und eine liebevolle Mutter, auf die mich eine Freundin aufmerksam gemacht hat. Anna schreibt fleißig an einem Literaturblog und hat vor zwei Wochen mein Büchlein „Totenläufer“ und mich auf ihrem Blog vorgestellt. Und weil ich finde, dass sie noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient, habe ich den Spieß mal umgedreht und Anna ein paar Fragen gestellt. Ihr dürft gespannt sein.

annaWer bist du und worüber bloggst du überhaupt?
Ich bin eine waschechte Träumerin. Wird die Welt zu viel oder zu anstrengend, sind Bücher, Filme, Serien, Musik und Tagträume die ideale Medizin. Auch sonst ist ein Buch die beste Begleitung in jeder Lebenslage. In meinem Blog dreht sich daher alles rund um Bücher. Außerdem bin ich: Redakteurin, Optimistin und Mama.
Welches Buch hat dich zu einem Lesewurm gemacht und warum?
Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen ersten Ausflug in die Schulbücherei. Ich war elf Jahre alt, neu in der Schule und wusste nicht so recht wohin mit mir. Also stöberte ich bei den Büchern und lieh mir „Alanna: Die schwarze Stadt“ von Tamora Pierce aus und legte damit den Grundstein für mein Dasein als Lesewurm. Diese Jugendbuchreihe hat mich enorm gefesselt, da sie von Magie, Liebe, Krieg und Freundschaft handelt, und gleichzeitig in eine fremde Welt entführt. Die Bände stehen bis heute in meinem Bücherregal.
Wenn du einem Autor sagen könntest, was er für dich schreiben soll, was wäre das?
Ein Buch über einen jungen Erwachsenen, der zu viel an sich selbst zweifelt, und das Leben aus lauter Angst zu versagen an sich vorbeiziehen lässt. Natürlich katapultiert ihn etwas aus dieser Misere, sei es ein anderer Mensch, oder eine Ausnahmesituation, oder auch etwas Magisches. Die Geschichte könnte sich in viele Richtungen entwickeln, von einer Liebesgeschichte bis hin zur Dystopie. Aber eine tiefgreifende, psychologische Charakterstudie würde ich mir wünschen. Und bitte kein kitschiges Happy End.
Gibt es ein Buch, das du gern nochmal ganz von vorn lesen würdest, weil es dich so gefesselt hat?
Ganz aktuell würde ich gerne „Splitterherz“ von Bettina Belitz nochmal von vorn lesen, da ich beim ersten Lesen Startschwierigkeiten hatte, es am Ende aber absolut faszinierend fand. Mit diesem veränderten Eindruck ist es sicherlich ein ganz anderes Erlebnis.
Wenn dich ein Autor anschreibt und um eine Rezension bittet, was sollten er oder sie beachten?
Grundsätzlich freue ich mich immer sehr über Anfragen. Es wäre aber schön, wenn der Autor sich vorab darüber informiert, was ich gerne lese. Thriller oder Krimis gehören zum Beispiel nicht dazu. Ganz wichtig ist außerdem, dass ich keinen Reader besitze und folglich auch keine eBooks lesen kann.
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Bücher lassen uns träumen.

Ihr seht, kein kitschiges Happy End, ein wenig Psychologie und anspruchsvolle Töne mit einem Hauch Magie, das sollten Autoren schreiben, um Anna glücklich zu machen. Noch dazu ist sie eine Leserin, die in den Papierseiten eines Taschenbuchs versinkt. Mit einem Ebook kann man sie also nicht ködern. Schaut doch einfach mal auf ihrem Blog vorbei und stöbert in den Rezensionen, die sie mit viel Sorgfalt und Mühe verfasst.

Ihr findet Anna auch hier:

Bildquellen:
Buchstabenträumerei
Pixabay
Aktuelles, Gedanken-Mix

Wieso wir schreien müssen, um gehört zu werden

Ich halte nichts davon, auf einen fahrenden Medienzug aufzuspringen, aber ich kann einfach nicht mehr schweigen. Mehrfach saß ich in den letzten Monaten vor meinem Bildschirm und habe mich gefragt, ob ich es wagen soll, einen Kommentar zu alldem zu machen, was ich in letzter Zeit beobachtet und erlebt habe. Ich habe es gelassen. Aus Angst, ich könnte anecken. Stattdessen habe ich ein Buch geschrieben, was alles kritisiert, was mir sauer aufstößt und vermutlich ecke ich damit auch an. Aber das bin ich. Ich bin wohl eine Moralistin und ein Gutmensch, zwei Wörter, die heutzutage belächelt werden. Inzwischen ist mir das egal.


Starten wir mal von vorn. Am 09.11. um 6:30 bin ich mit dem Gedanken aufgewacht, dass nun eine Frau Amerika regieren wird und obwohl ich Hillary Clinton nicht viel abgewinnen kann, dachte ich: „Na ja, sie ist wenigstens eine Frau.“ Das wäre ja mal was für die USA gewesen. Doch stattdessen öffne ich Google und sehe: 244 Stimmen pro Trump. Ich dachte, ich träume. Ich dachte, das ist ein verdammt blöder Scherz. Aber nein, das war es nicht. Absolut nicht. Zwei Stunden später wurde verkündet: Donald Trump wird aller Wahrscheinlichkeit nach der neue Präsident eines Amerika, das ich als Teenagerin geliebt habe. Dazu mal folgendes Zitat:

Michael Moore vor der US-Wahl: „Remember back in the ‘90s when the people of Minnesota elected a professional wrestler as their governor? They didn’t do this because they’re stupid or thought that Jesse Ventura was some sort of statesman or political intellectual. They did so just because they could. Minnesota is one of the smartest states in the country. It is also filled with people who have a dark sense of humor — and voting for Ventura was their version of a good practical joke on a sick political system. This is going to happen again with Trump.“ (Übersetzung unten)*

Ein Rassist. Ein Dummschwätzer. Ein Sexist. Ein Lügner. Ein Mann, der nichts darauf gibt, was andere über ihn denken oder sagen wird Präsident. Michael Moore hatte Recht. Er wirft mit Parolen um sich und will Amerika wieder „groß“ machen. Dass dieses Land gerade mit ihm an der Spitze keine Chance auf ein Großwerden hat, wenn das gesamte Ausland nur den Kopf schüttelt, scheint da wohl keine Rolle zu spielen. Selbst Stephen King hat die Schnauze voll:

Doch was sich da im Großen abspielt, sehe ich beinahe täglich im Kleinen. Ich habe mich stets geweigert, zu akzeptieren, dass Menschen, die über Leichen gehen (#Totenläufer, ja, das ist tatsächlich Thema in meinem Buch), mehr Erfolg haben als andere. Ich habe mir gesagt, wer ehrlich, offen und freundlich ist, der wird für dieses Verhalten belohnt – irgendwann. Denn man kann doch nur dankbar sein, wenn jemand Rücksicht nimmt und sich bemüht, oder? Leider ist das falsch. Wer irgendetwas in einer völlig überfüllten Welt erreichen möchte, muss schreien, um gehört zu werden. Er muss sich auf den Marktplatz stellen, ein Podest nehmen und lauthals brüllen, am besten etwas Unsinniges, damit jeder erst einmal aufmerksam wird. Denn erst danach kommt das Interesse.

Das ist keine Neuigkeit, ich weiß, aber was das im Detail bedeutet, lerne ich jeden Tag ein Stück mehr. Ich musste sehen, wie Freunde von mir, die sich seit Monaten abstrampeln, vom Staat Deutschland einen A****tritt bekommen, während in Dresden Menschen gegen Einwanderer hetzen, die morgens ihr erstes Sterni öffnen (nicht alle sind so, das ist mir bewusst). Ich habe gesehen, wie Leute mit einem sehr guten Abschluss nicht ernst genommen werden, weil sie nicht selbstbewusst genug sind (WTF!). Ich lese Kommentare in den Medien, die alle gleich klingen und nur ein Ziel haben: aufrütteln. Ich muss erleben, wie Menschen in den Himmel gelobt werden, die in Wirklichkeit eine Maske tragen und sich selbst feiern. Ich habe Bilder auf meiner Instagram Seite von jungen Frauen, die sich in Pose legen, in der Hoffnung, für ihre gefakte Schönheit ein Minimum an Aufmerksamkeit zu bekommen. Brust raus und wie ein bisschen naiv gucken (Entschuldigt meine Wortwahl). Der Schüchterne, der Landschaftsfotos oder Bilder von Horizonten teilt, vielleicht sogar ein kleines Atelier eröffnet, ist nichts wert, denn er ist langweilig. Ja richtig, das ist langweilig. Viel zu gediegen. Genauso der Politiker, der sich für mehr Menschlichkeit einsetzt, der ist auch nichts wert. Ganz gleich, ob er ehrenvolle Motive hat. Donald Trump, der auf die Kacke haut, ist der Held der Nation. Gehasst oder geliebt, etwas dazwischen gibt es nicht. Er provoziert, stachelt die Menschen an und Viele finden genau das toll. Er ist ja wenigstens authentisch und nicht verblendet. Ich frage mich, weshalb jemand, der guten Motiven folgt, automatisch weniger authentisch sein soll. Und wieso lassen sich so viele vom Zorn anstecken? Ist es wirklich, so, dass manche nur noch dadurch richtig lebendig sein können?

Ich kann nicht ausdrücken, wie schockiert ich über all das bin. Wer meine Bücher liest, wird annehmen, ich sei ein sehr düsterer Mensch, der schwarz malt. Tatsächlich bin ich genau das Gegenteil. Ich laufe oft durch die Straßen, schaue hoch zu den Bäumen und freue mich über die Farben, das Licht, den azurblauen Himmel. Wenn mir eine streunende Katze entgegenläuft, hocke ich mich auf den Boden, halte ihr die Hand hin und wenn sie sich streicheln lässt, obwohl ich völlig fremd bin, spüre ich stets einen Moment von vollkommener Glückseligkeit. Ich liebe den Duft von Kaffee am Morgen und kann stundenlang auf einer Wiese sitzen, um mich herum das Geräusch von Wind. Das ist Schönheit, das ist unsere Welt, und sie gefällt mir genau so. Alles andere bleibt hoffentlich Fiktion.

 

EinsameInsel
So friedlich kann es sein. Einfach mal ein bisschen am See entspannen.

Vor einigen Tagen erst stand ich in der Straßenbahn und lauschte auf ein Gespräch zweier älterer Frauen. Die Bahn brauchte etwa fünf Minuten länger als geplant. Plötzlich fingen die beiden an, sich lautstark über diesen Umstand zu ärgern. Dass man das nicht ordentlich abwickeln kann mit den Bahnen. Dass die Bahn immer erst wartet, ehe die andere wegfährt (durch Baustellen bedingt). Im Westen sei ja alles besser, da ist alles strukturiert und das Gesundheitssystem funktioniert. Sie sind frustriert und lassen das raus. Aber vor allem halten sie fest zusammen, obwohl sie einander nicht kennen. Sie haben eine gemeinsame Basis geschaffen und verstehen sich auf dieser sofort. Wut und Aggression sind ihre Gemeinsamkeit. Und unwillkürlich frage ich mich, ob das funktioniert hätte, hätten sie sich zum Beispiel darüber gefreut, dass sie genügend Geld für ein Ticket haben. Hätte das eine gute Gesprächsgrundlage geboten? Nein, vermutlich nicht.

Wir wollen, dass unsere Stimme gehört wird und deshalb werden wir laut. Alles andere ist nebensächlich. Dabei sind jene Menschen, die darüber lachen, wenn sie zu spät kommen oder auf die Nase fallen, die angenehmeren. Es sind jene Menschen, mit denen man stundenlang zusammensitzen kann und redet, weil es einfach Spaß macht und unkompliziert ist. Diese Art von Menschen wird grenzenlos unterschätzt und man findet sie viel zu selten, oder verbergen sie sich einfach nur?

Ich für meinen Teil habe entschieden, zumindest in Punkto Politik meine Haltung zu ändern. Ich werde nicht mehr still zusehen, aus Angst anzuecken. Ich poste auf meinem Facebookprofil inzwischen fiktive Slogans und Zitate, die vermutlich einige erschrecken oder abstoßen werden, aber wisst ihr was: Dann ist es so. Wenn ein Mensch als zukünftiger Präsident sagen darf: „Wir bauen eine Mauer, damit keine Einwanderer mehr kommen.“ oder „Hillary Clinton ist eine bitch.“ Dann darf ich auch sagen: „Wer einen Rassisten unterstützt, blendet die Realität aus. Denn die Probleme verursachen nicht die anderen, sondern er selbst.“

Und damit verabschiede ich mich von euch und lege euch den Postillon ans Herz: Historischer Sieg: Donald Trump zieht als erster Clown ins Weiße Haus ein

+Mika+


Quellen:

*Erinnert ihr euch an die 90ger, als die Leute von Minnesota einen professionellen Wrestler als ihren Goveneur gewählt haben? Sie haben es nicht getan, weil sie dumm waren oder dachten, dass Jesse Ventura eine Art Staatsmann wäre oder ein politischer Intellektueller. Sie haben es getan, weil sie es konnten. Minnesota ist einer der cleversten Staaten dieses Landes. Er ist außerdem mit Menschen bevölkert, die einen Sinn für schwarzen Humor haben – und für Ventura zu stimmen, war ihre Version eines Witzes, den sie über ein krankes politisches System machten. Genau das wird auch mit Trump passieren.

http://michaelmoore.com/trumpwillwin/

Silver Coin 203

Halloween Spezial: Das Monster aus Red-Mon-Stadt

Eine dystopische Kurzgeschichte zu Halloween. Bei Beschwerden zwecks Rechtschreibung, Grammatik oder Logik, wendet euch vertrauensvoll an die Autorin. Sie hat mit besten Wissen und Gewissen alle Zutaten vermengt und war der Ansicht, dieses Textstück sei vorzeigbar. Viel Spaß!


Die Lichtflecke an den Wänden wechselten zwischen Gelb, Rot und Dunkelblau. Ein Farbmuster so durcheinander, wie er sich fühlte. Normalerweise fiel es ihm nicht sonderlich schwer, in einen traumlosen Schlaf zu fallen und einfach in der Schwärze zu versinken. Doch seit einigen Monaten war das anders. Er wälzte sich jede Nacht von einer Seite auf die andere und heute war es besonders zermürbend. Denn er war allein in der Wohnung. Zum ersten Mal seit langer Zeit. Das kam ihm falsch vor. Völlig falsch. Jede verstreichende Sekunde pochte in seiner Schläfe und beschwor Bilder herauf, die er nicht abschütteln konnte. Mischa – von einem Hygienepolizisten erschossen. Nikki – von einem Monorailzug überrollt. Seine Mutter – gehängt als Verräterin. Es war unlogisch, sich diese Szenarien auszumalen, denn es ging ihnen gut. Ganz sicher. Dennoch konnte er nicht aufhören darüber nachzudenken. Nicht nach allem, was er gesehen hatte. Wieso war er nicht mitgegangen? Wieso lag er hier? Wieso zum Teufel musste er immer so tun, als habe er alles unter Kontrolle?
Plötzlich hörte er ein metallenes Scharren, dumpf, aber nicht weit entfernt. Es folgte ein verzerrter Piepton. Beide Geräusche schienen aus dem Nichts gekommen zu sein, doch sie klangen zu echt, als dass sie Einbildung sein konnten. War es ein Gerät aus der Küche? Oder eine Drohne von draußen? Es gab viele Möglichkeiten, wenn er ehrlich war. Doch ehe er zu einem Schluss kommen konnte, schabte etwas an der Wand vor seiner Zimmertür. Augenblicklich setzte er sich auf und griff automatisiert unter seine Matratze, wo er ein Springmesser versteckte. Eine der wenigen Waffen, die er besitzen durfte, ohne Schwierigkeiten zu bekommen.
Angestrengt horchte er auf ein unbekanntes Geräusch und meinte, ein wässriges Röcheln zu hören. Er setzte die Füße auf den Boden, schlich bis zur Zimmertür, die einen Spalt breit offen stand, und warf einen Blick in den Flur. Alles war unverändert.
Einen Augenblick stand er noch da, starrte auf den Flur, beinahe so als könne sich etwas in einen Angreifer verwandeln. Das Laminat oder die Wände oder gar die Lichtstreifen auf dem Boden. Sein Herzschlag war ungewohnt aufgewühlt, dabei hatte er sich doch geschworen, nicht mehr in Panik zu verfallen. Deshalb schüttelte er den Kopf und sagte sich, dass er nicht verrückt werden würde, nur weil er einmal nicht bei ihnen war. Niemand ohne eine Berechtigungskarte konnte diese Wohnung betreten. Absolut niemand. Es war unmöglich, dass sich irgendjemand hier hereinschlich und …
Ein Rascheln von links. Sofort wandte er den Blick in die Richtung. Mischas Zimmer? Nein. Das Zimmer seiner Mutter? Auch Fehlanzeige. Er umfasste das Messer in seiner Hand fester und schob die Tür soweit auf, dass er hinausgehen konnte. Dann trat er auf den Flur, setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen und näherte sich dem Wohnzimmer. Das Rascheln wurde lauter und nun vernahm er auch ein heiseres Atmen.
Neel lehnte den Kopf an die Wand und biss die Zähne zusammen. Es gab keinen Grund, sich zu fürchten. Im Nahkampf war er gut. In Gedanken zählte er nach unten und verließ sein Versteck. Er warf einen Blick in das Zimmer und entdeckte vor dem Schreibtisch eine zusammengekauerte Gestalt mit Buckel. Im fahlen Lichtschein sah er ihre dürren Finger, die versuchten, eine Schublade zu öffnen. Zittrig kratzten sie am Holz, begleitet von einem trockenen Röcheln.
„Was zum …“, murmelte Neel, weil er noch nie etwas Dergleichen gesehen hatte. Die Gestalt wandte sich abrupt zu ihm und für eine Sekunde blitzten karminrote Augen aus Dunkelheit zu ihm. Sie leuchteten ungewöhnlich kräftig. Neel reagierte sofort, hob den Arm und schleuderte das Springmesser mit Leichtigkeit in Richtung der Gestalt, doch diese war schneller. Sie wich dem Messer aus, rollte sich auf den Boden, rappelte sich auf und verschwand in der Küche.
Er musste handeln, zügig und durchdacht. Deshalb überbrückte er den Abstand bis zum Schreibtisch, zog das Messer aus dem Holz und lief der Gestalt hinterher.
In der Küche wehte ihm kühle Luft entgegen. Die bucklige Gestalt war gerade dabei, durch das Fenster nach draußen zu klettern. Ganz gleich, ob es metertief nach unten ging. Natürlich, es machte diesem Wesen nichts.
In wenigen Schritten war Neel dort, packte das Bein der Gestalt und zog sie mit aller Kraft zurück in die Küche. Der Körper zwischen seinen Händen war ungewohnt leicht, doch als er versuchte, die Gestalt auf den Boden zu drücken, wurde er ins Gesicht geschlagen, hörte einen lauten Wutschrei, roch Urin und Erbrochenes. Finger krallten sich in die Haut an seinem Hals und rissen eine Wunde hinein. Dann endlich gewann er die Oberhand, presste die Gestalt auf den Boden und war drauf und dran mit dem Messer zuzustechen, als aus dem Mund des Wesens ein ersticktes Flehen drang.
„B-B-itte, t-tu mir nichts, Neel.“
Neel hielt inne, starrte in das bleiche Gesicht vor sich. Faltige, viel zu helle Haut. Schwarzer Schlamm bedeckte Wangen und Teile der Stirn. Pusteln und Ekzeme leuchteten darunter hervor. Hellweiße Haare standen wirr in alle Richtungen ab. Es war schwer, ihn zu erkennen, aber keine Frage, er war es.
„Loyd?“, fragte Neel und spürte, wie sich der Körper der Gestalt unter ihm hob und senkte.
„Ja“, brachte der Mann hervor und um Neels Brust schnürte sich ein Drahtseil. Kein Unwesen, kein Monster, nur ein Lorca. Ein Mensch mit ungewöhnlichem Aussehen.
„Was suchst du hier?“
„I-ich dachte, d-dein Vater … und v-vielleicht.“
„Mein Vater?“, fragte Neel und brennende Hitze schoss durch seinen Körper. „Der ist nicht hier.“
„I-ich weiß … I-ich dachte nur …“
„Du hast gar nicht nachgedacht“, unterbrach ihn Neel und drückte seinen Arm fester auf die dürre Brust des Mannes. „Du kannst hier nicht einfach auftauchen. Hast du eine Ahnung, was hier los ist?“
Loyd schwieg, sah ihn an. Die roten Fäden in seinen Augen glänzten. Ihm blieben wohl die Worte im Hals stecken. Gut so, seinetwegen war doch alles zum Teufel gegangen. Neel packte ihn am Kragen und zog ihn nach oben. Mit Wucht drückte er ihn gegen die Küchenwand. Viel Gegenwehr bekam er nun nicht mehr.
„B-bitte, d-dein Vater hat mir gesagt …“
„Halt die Klappe!“, rief Neel. „Halt deine verdammte Klappe! Ich will nichts davon hören!“
„N-eel“, murmelte der Mann, der einst der beste Freund seines Vaters gewesen war. „Es – es tut mir so leid.“
„Es tut dir leid“, wiederholte Neel und überhörte die Verzweiflung, die in jeder Silbe mitschwang. Dieser Mensch hatte ihnen nur Unglück gebracht und dann wagte er es auch noch, sich wie ein Verbrecher aufzuführen. Nach allem, was sie für ihn getan hatten.
„Ich wollte niemals, dass euch das passiert.“
„Ach, du wolltest es nicht“, wiederholte Neel und seine Lippen bebten. „Als ob das eine Rolle spielt.“ Erneut hob er das Messer an. Seine Hände zitterten, aber er konnte es tun, wenn er wollte. Wäre vermutlich nicht mal sonderlich schwer. Wie es sich wohl anfühlte, jemandem die Kehle durchzuschneiden? Er biss die Zähne zusammen, holte aus und rammte das Messer mit Wucht in die Wand, direkt neben Loyds Ohr. Der Mann erstarrte vor Angst und Neel fixierte seine panisch geweiteten Augen. Nahm jedes Zucken seiner Muskeln wahr. Nur um ihn dann zu Seite zu ziehen und von sich wegzustoßen, in Richtung Wohnzimmer.
„Hau ab!“, sagte Neel.
„I-ich, b-bitte, Neel. Sie werden mich …“
„Hau ab, bevor ich mich vergesse!“, brüllte er und der Mann vor ihm zuckte zusammen, hob die Hände schützend vor seinen Oberkörper wie ein verletztes Tier.
„Verschwinde endlich!“, brüllte er und Loyd tat es. Beim Gehen zog er sein rechtes Bein nach, hatte seinen Rücken zu einem Buckel geformt und schleppte sich mühselig voran. Er trug einen viel zu großen Mantel, der um seine dünnen Hüften schlackerte, war im Grunde nicht mehr als ein Gespenst.
Als Neel die Eingangstür hinter ihm schloss, betrachtete er sie einen Moment lang im Stillen. Spürte der Wut und dem Hass nach, die jede Zelle seines Körpers erfüllten. Doch gleichzeitig fragte er sich auch, ob er dem Mann Unrecht getan hatte. Er wusste sehr genau, dass ihn keine Schuld traf, denn schuldig war nur, wer wegsah. Neel streckte die Hand aus und berührte mit den Fingerspitzen das kalte Metall der Klinke. Stellte sich vor, wie er Loyd hinterherrief und ihm Obdach anbot. Sein Vater hätte es getan. Ganz bestimmt.
Dann zog er die Hand zurück. Nein, das war es nicht wert. Wenn er ihn schützte, tötete er seine Schwester, seine Mutter und seinen Bruder. Deshalb atmete er tief ein, schloss die Augen und legte die Stirn an die verschlossene Tür. Kein Geist, der ihn heimsuchte, kein Gespenst, das ihn bedrohte. Es war diese Stadt, die Menschen zu Dämonen machte.


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Nun ihr Lieben, wünsche ich euch ein nicht ganz so düsteres und erschreckendes Halloween wie es Neel Talwar in dieser Geschichte erlebt hat. Ganz im Sinne von Süßes sonst gibt’s Saures. Und solltet ihr noch mehr Geschichten aus Red-Mon-Stadt lesen wollen, könnt ihr einfach auf Amazon vorbeischauen.

+Mika+


Bei Beschwerden zwecks Rechtschreibung, Grammatik oder Logik, wendet euch vertrauensvoll an die Autorin. Sie hat mit besten Wissen und Gewissen alle Zutaten vermengt und war der Ansicht, dieses Textstück sei vorzeigbar.

Beitragsbild: Jin Mikami
Halloweenkürbis: Pixabay