1: News

Rätsel. Grusel. Buchankündigung.

Lang, lang ist’s her. Zumindest fühlt es sich so an, obwohl von April bis jetzt nur ein paar Monate vergangen sind. Die Tage rasen so schnell an mir vorbei, dass ich mich vor Kurzem dabei ertappte, wie ich verdattert aus dem Fenster schaute und feststellte: Es ist schon wieder Herbst. Also beginne ich mit einer Begrüßung.
Hallo an euch da draußen. Ich hoffe, ihr konntet den Sommer genießen und freut euch trotz schwindender Helligkeit ein wenig auf die dunkle Jahreszeit, die Kerzenschein, Kakao, Lichterketten und Plätzchen bereit hält. Ich für meinen Teil mag es neblig und verregnet, was sicherlich keine Überraschung ist.

Es gibt womöglich ein paar unter euch, die sich noch daran erinnern können, wie ich im Jahr 2016 meine zweite große Veröffentlichung Totenläufer angekündigt habe. Ich verfasste regelmäßige Blogbeiträge über die Entstehung, den aktuellen Schreibstatus und Details zum Buch. Ich hatte viel Freude mit der Promotion und war damals überrascht, wie viel positive Resonanz ich bekam. Gut, ich gebe zu, ich bin immer überrascht, wenn mich jemand zu meinen Büchern befragt, mir ein Lob ausspricht oder überhaupt folgt, ist meine Natur, aber gerade 2016 war in dieser Hinsicht unwahrscheinlich aufregend. Erste Messe, erste Lesungen, erstes Alles. Ich stand ständig unter Strom, war völlig fixiert auf mein Schreiben und Feuer und Flamme für die Dystopie. Wieso ich das hier erwähne? Ich weiß, es gibt Einige, die auf Band zwei warten und es fällt mir wahnsinnig schwer, euch mitzuteilen, dass Band zwei von Totenläufer, also Bezirk Null, nicht meine nächste Veröffentlichung sein wird. Es tut mir leid, in dem Punkt habe ich euch und mich enttäuscht. Ich wollte es längst fertig haben, bin jedoch aufgrund von zahlreichen privaten Umschwüngen, die ich teils hier auf dem Blog erwähnt habe, und der politischen Entwicklung in unserem Land, nicht dazu in der Lage gewesen. Ich war oder bin blockiert. Jetzt wisst ihr es alle. So sieht es aus. Trotzdem habe ich Bezirk Null nie aus den Augen verloren und habe einige gute Ideen, wie ich aus der ursprünglichen Trilogie eine Dilogie machen kann, damit ihr nicht noch einmal ewig warten müsst. Das wollte ich unbedingt kurz klären bevor ich nun zum eigentlichen Thema übergehe. Mein neues Projekt und die nächste Veröffentlichung.

 

Vorhang auf für Rätsel, Grusel und unerklärliche Ereignisse

 

Mein neues Buch wird geheimnisvoll und schaurig. Die Geschichte webt sich um eine Reihe von Rätseln, die entschlüsselt werden müssen. Und nebenbei passieren die merkwürdigsten Sachen. Erdbeben, Feuer, verwirrte Leute. In einigen wenigen Posts auf Facebook, Instagram oder auch Twitter gab es kleine Hinweise, worum es genau gehen wird. Die Rede war von einem Dorf namens Flußwalde, von einem Eichhörnchen, einem Wesen namens Xylmahr und irgendwas mit einer Farbe, die es so gar nicht gibt. Nur wie passt das eigentlich zusammen und gibt es da überhaupt einen Zusammenhang? Das erfahrt ihr im Buch.

Erstes Zitat April 2019.jpg

Wie wird das Buch heißen?

Die Titelfindung für eine Neuveröffentlichung stellt mich immer wieder vor Herausforderungen. Einerseits möchte ich nicht zu viel verraten, andererseits aber genug, damit ihr euch ein Bild machen könnt. Als selbstverantwortliche Autorin obliegt mir die Entscheidung, wie ich mein Projekt nenne, was unendlich viele Möglichkeiten eröffnet. Es gibt auf der anderen Seite allerdings auch niemanden, der mich vor einem Fauxpas bewahrt. Das hat Vor- und Nachteile. Ich befolge bei meiner Titelwahl daher die simple Regel: Such dir etwas Kurzes und Aussagekräftiges, was zu deinem Schreibstil passt. Besonders Zwei-Wort-Titel* haben es mir angetan. Kristallene Realität, Sieben Raben, Todschwarzes Meer,  Toten-Läufer (ganz klar zwei Wörter zu erkennen!) und nun …

Goldrote Finsternis. Das ist der Titel, unter dem mein neuer Roman 2020 erscheinen wird. Ich kann es kaum erwarten, euch das fertige Produkt zu zeigen, denn ungeachtet dessen, dass ich hier noch gar nicht darüber geschrieben habe, ist viel Kraft und Energie hinein geflossen, genauso wie Tränen und Blut.

Auf den ersten Blick ist der Titel eine ungewöhnliche Wortkombination, denn die Finsternis hat bekanntlich keine Farbe. Sie existiert dann, wenn das Licht vollständig fehlt. Und ohne Licht keine Farbe. Zumindest nach der naturwissenschaftlichen Logik, aber wie es mit Logik so ist, kann sie unter neuen Kriterien variieren. Für eine Figur aus meinem Roman hat die Finsternis eine Farbe und der Titel richtet sich nach der Weltsicht dieser Figur.
Ich muss sagen, mit dem „Gold“ habe ich mich anfangs schwer getan, denn es gibt im Augenblick einen Trend, dieses Metall in Büchern zu benutzen, und ja, ich wehre mich normalerweise vehement gegen Trends. „Tod dem Mainstream“ war schon immer mein Prinzip. Aber wir sehen ja, was mit herausgequälten Alternativen passiert, die entwickeln ein unerträgliches Eigenleben, daher bleibe ich bei meinem Plan und hoffe, ihr findet den Titel genauso spannend wie ich.

Weitere Neuigkeiten demnächst hier auf dem Blog.

++Mika++

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*bei Kurzgeschichten tendiere ich zu längeren Titeln, häufig ist jedoch etwas Düsteres enthalten oder gar ein Widerspruch.

 

Fotolizenz erworben über Depositphoto

6: Leseproben

Gruselige Ostern

Ich wünsche euch ein gruselig-fröhliches Osterfest. Als Überraschungsei habe ich eine dreihundert Wort Geschichte vorbereitet, in der meine mörderischen Kaninchen aus der Kurzgeschichte Das schwarze Kaninchen wieder aufleben. Da es sich um Horror handelt, ist diese Geschichte womöglich nicht für jedes Gemüt geeignet.

Oh nein, oh nein, das darf nicht sein – Oh, nein, oh nein, das tut es doch.
Es töten die Kaninchen aus dem finstren Loch.

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Das Fremde lag zwischen frischem Löwenzahn und Klee. Es schien eine aus Holz gefertigte Schale zu sein, in dessen Mitte ein ovales Ding thronte. So schwarz wie Shwaas selbst, jedoch mit roten Kringeln verziert. Die runde Spitze zeigte nach oben, der Bauch nach unten.

Shwaas hob das Köpfchen und näherte sich dem Etwas mit ausgestrecktem Körper. Er schnüffelte daran, nahm etwas Chemisches wahr und schüttelte sich. So ein unangenehm stechender Geruch war ihm selten untergekommen. War das etwa jenes Zeug, das die Zweibeinigen auf Dinge strichen, damit sie ihre Farbe wechselten?

Shwaas schaute in die Schale. Unter dem ovalen Ding lagen Stückchen in Dunkelrot. Vorsichtig hielt er sein Näschen daran und vernahm einen unverkennbar schmackhaften Duft. Speichel sammelte sich in Shwaas Mäulchen und er flitzte aufgeregt im Kreis, schlug Haken und weckte mit seinem Trampeln die weißen Kaninchen. Schlaftrunken kamen sie heraus und bleckten ihre Nagezähne.

Und als sie ihrerseits das Köpfchen hoben, da rauschte es durch ihre Glieder. Das unbändige, das fürchterliche, das heilige Oh!

Wie besessen stürzten sie sich auf das Körbchen, gruben ihre Nasen zwischen die Stückchen und schlangen sie gierig herunter. Je mehr sie fraßen, umso stärker erfüllte der liebliche Geruch den Kaninchenbau: eisenhaltig, nahrhaft, fuchsgesichtig – Menschenfleisch.

Shwaas begnügte sich mit einem einzelnen Stück, knusperte zufrieden nach dem Festschmaus und entdeckte ein Etikett, das am Körbchen klebte. Mühsam entzifferte er die Schrift: „Grausige Ostern, meine Kinderlein der Finsternis.“

Sie war es also. Shwaas blickte hinüber zur Holzwand, die ihr Zuhause umzäunte. Dort stand ein hutzliges Menschenweibchen und lächelte mit wenigen Zähnen im Mund. Es war geduldet, denn es brachte Überraschungen. Es wusste, Kaninchen versteckten keine Geschenke. Oh nein. Sie fraßen, was ihnen zwischen die Zähne kam, blutig und frisch mochten sie es am liebsten. Die Kaninchen der Finsternis, die Kaninchen des Todes, die Kaninchen ohne Gnade.


Bildquelle Pixabay – Pexels (Lizenz frei für kommerzielle Verwendung). Bearbeitet durch Mika M. Krüger. – Das Foto zeigt einen Feldhasen, kein Kaninchen. Shwaas ist empört! Dass die zweibeinigen Fuchsgesichter aber auch wirklich alles durcheinander bringen. Seufz!

Die Kurzgeschichte Das schwarze Kaninchen findet ihr in der Anthologie Letzte Fahrt von Qindie, die 2017 zu Halloween erschienen ist. Coverdesign von Jacqueline Spieweg.