Wer einen Roman beendet, stellt sich stets die Frage: Wie geht es weiter? Oder besser: Was werde ich als nächstes schreiben? Und genau vor dieser Entscheidung stehe ich gerade. Wie ich euch hier auf dem Blog mitgeteilt habe, werde ich auch in diesem Jahr an dem Schreibmonat (NaNoWriMo) teilnehmen und an zwei verschiedenen Projekten arbeiten. Projekt eins ist klar: Band zwei meiner Reihe Silver Coin 203. Projekt zwei ist jedoch offen. Da kam mir die Idee, euch in meinen Entscheidungsprozess einzubeziehen und eine Umfrage zu starten. Deshalb stelle ich euch in diesem Beitrag die zwei Projekte vor, die ich gern schreiben möchte. Ich würde mich freuen, wenn ihr am Ende eure Stimme abgebt. Viel Spaß beim Lesen.
Licht in Makkuro
Genre: Fantasy, Grusel
Umfang: etwa 25.000 Wörter
Prämisse: Wovor wir uns wirklich fürchten sollten, sind nicht die dunklen Orte der Welt.
Kurzzusammenfassung: Ebony und ihre Eltern sind vor Jahren nach Makkuro verbannt worden. Ein Dorf, das tief unter der Erde liegt und beinahe vollständig ohne Licht auskommen muss. Die junge Frau erinnert sich noch an eine Zeit, in der sie in strahlendem Sonnenschein lebte und wünscht sich nichts mehr, als endlich dorthin zurückzukehren. Gerade als sie alle Hoffnung verloren hat, taucht unter dem Totenbaum im Zentrum des Dorfes ein helles Licht auf. Das Zeichen dafür, dass die Oberirdischen einem Einzigen die Chance gewähren, oberhalb der Erde das Glück zu finden. Ebony reagiert sofort, schnappt sich das Licht und macht sich auf den beschwerlichen Weg hinauf nach Lichtland. Doch was sie nicht weiß, es ist in Wirklichkeit gar nicht die Dunkelheit, die ihr Angst machen sollte, sondern jene Menschen aus anderen Dörfern, die genauso verzweifelt versuchen, an die Oberfläche zu gelangen.
Sturmgeister
Genre: Geistergeschichte, Psychodrama
Umfang: etwa 25.000 Wörter
Prämisse: Es sind die Geister der Vergangenheit, die uns niemals loslassen.
Kurzzusammenfassung: Yoshitaka ist gerade 21 Jahre alt geworden und damit endlich erwachsen. Einen Tag nach seiner berauschenden Feier im Iizakaya findet er sich plötzlich in einem alten japanischen Haus wieder. An seiner Seite ein merkwürdig affenartiges Tier, das sich nicht abschütteln lässt. Als er nach und nach das Haus erkundet, begegnet er nicht nur völlig verängstigen Menschen, die dort eingesperrt sind und von einem Fluch sprechen, sondern auch Geistergestalten, die aus den Ritzen der Wände kriechen und versuchen, ihn zu töten. Doch was es genau mit diesen Wesen auf sich hat und weshalb sie Yoshitaka so bekannt vorkommen, erfährt er erst, wenn er den Fluch lösen kann. Anderenfalls wird er genauso enden wie alle in dem Haus.
Und nun kommen wir zur Umfrage. Ich weiß, um richtig bewerten zu können, welche Geschichte ihr gern lesen wollt, müsste ich euch wohl noch eine Leseprobe zeigen, allerdings stecken beide Projekte in den Kinderschuhen, weshalb ich darauf verzichte. Wählt einfach das Projekt aus, welches euch spontan und intuitiv am ehesten zusagt.
wie ihr sicherlich gemerkt habt, folge ich dem von mir ausgearbeiteten Redaktionsplan nur sporadisch. Der Sonntagsbeitrag erscheint nur noch 14tägig, obwohl ich wöchentlich etwas für euch verfassen wollte. Das ist für mich selbst sehr frustrierend, aber mein straffer Zeitplan lässt mir derzeit nicht viele Optionen. Damit ihr zumindest informiert seid, was in der nächsten Zeit so alles bei mir ansteht, hier ein kurzes Update.
Frankfurter Buchmesse 2016
Ich bin eine Spätplanerin, was mich nicht davon abhält, Dinge durchzuziehen, wenn ich sie mir erst einmal in den Kopf gesetzt habe. So ist es auch mit der Frankfurter Buchmesse. Am Samstag den 22. Oktober tummle ich mich dort mit meiner Autorenkollegin Stella Delaney. Ich freue mich schon wahnsinnig darauf, denn wir werden eindeutig unseren Spaß haben, wenn wir die Stände unsicher machen. Vermutlich werde ich auch bei dem ein oder anderen Verlagsstand vorbeischauen und die ein paar Visitenkarten loswerden, man weiß ja nie. Vielleicht sehen wir uns ja auf der Messe?
Ich habe zum ersten Mal eine Visitenkarte. Den Auftrag für den Druck gebe ich heute Abend raus. Drückt mir die Daumen, dass sie pünktlich zur Messe ankommen. Stichwort: Spätplanerin.
Teilweise Tödlich
Heimlich still und leise bin ich im September zur Verlagsautorin geworden und habe meinen ersten Autorenvertrag unterschrieben. Kein Witz, ist wirklich passiert. Okay, na gut, ihr denkt jetzt sicher, ich habe ein Manuskript untergebracht. Nein, so weit bin ich noch nicht. Es handelt sich bei der Veröffentlichung um eine Kurzgeschichtensammlung mit Krimis. Das Buch ist am 18. September unter dem Titel „Teilweise Tödlich“ erschienen. Darin enthalten ist meine Kurzgeschichte „Rosenblut“.
Ich lege euch aus dem Buch die Kurzgeschichte „Karma“ ans Herz. Sie ist mein Favorit.
BuchBerlin
Ansonsten steht im November die Buchberlin an, dort werde ich meine Bücher an den Mann und die Frau bringen. An meiner Seite ist die Romantasy Autorin Sabine Schulter. Unsere Bücher bilden also einen guten Kontrast. Unsere Standnummer ist die 127, das ist leider etwas am Rand, aber dennoch nicht am äußersten Ende. Einen genauen Standplan veröffentliche ich hier auf dem Blog zu gegebener Zeit. Da das meine allererste Messe als Ausstellerin ist, bin ich wirklich gespannt, wie alles abläuft und ob wir uns dabei gut anstellen. Inzwischen haben wir schon das Design für ein Rollup, das neben dem Stand platziert wird und bereiten Leseprobenheftchen sowie einige Goodies vor.
So in etwa wird unser Roll-Up aussehen.
NaNoWriMo
Und dann ist ja auch schon bald der NaNoWriMo, der am 01. November startet. Ihr wisst schon, 50.000 Wörter in einem Monat schreiben, ohne wenn und aber. Ich werde dieses Jahr wieder mit dabei sein, allerdings mit zwei Projekten. Warum? Da ich für mich entschieden habe, nicht auf Teufel komm raus an einer Geschichte zu arbeiten. Das führte nämlich dazu, dass ich die letzten Kapitel meines Projekts vom letzten Jahr vollständig neu schreiben musste, denn sie waren einfach grausig. Nicht gerade effizient, würde ich sagen. Ich verteile also die Wortanzahl auf zwei unabhängige Geschichten. Dazu dann auch demnächst mehr hier auf dem Blog. Nimmt jemand von euch teil?
In dem Sinne wünsche ich euch ein gutes Wochenende. Wir hören voneinander.
Zuerst einmal, wünsche ich euch allen einen wundervollen ersten Advent! Genießt den Sonntag und lasst euch nicht vom Schnee nicht in die Knie zwingen.
Nun zum Schreibmonat November: Für mich ist der NaNo in diesem Jahr beendet. Die 50.000 Wörter waren schon am Dienstag geschafft, aber ich wollte gemeinsam mit meiner Kollegin Stella Delaney über die Ziellinie springen. Das haben wir dann gestern gemacht und auf der NaNo Homepage unseren Text validiert. Ich bin nun also ein „Gewinner“.
Es war für mich ein erfolgreicher Monat mit Höhen und Tiefen. Meine Hauptfiguren Neel und Rina sind mir mit jeder Seite mehr ans Herz gewachsen, entpuppten sich jedoch als selbstständige Menschen, die ohne mich zu fragen, ihren eigenen Kopf durchsetzten. Meinen Plot musste ich dadurch jedoch nach zwei Wochen über den Haufen werfen. Die gut durchdachte Planung war dahin. Ich wollte eine Antagonistin, die von oben her beeinflusst wird und habe nun eine Frau, die im Hintergrund alle Strippen zieht. Mir schwebte eine Hauptheldin vor, die ängstlich und stur sein sollte, nun ist Rina eine Frau, die ohne zu zögern ihren Willen durchsetzt. Hatte ich geplant, dass es nur zwei Hauptpersonen gibt, sind es inzwischen vier.
Das schnelle Schreiben hat mich davon abgehalten, viel über die Struktur meines Werkes nachzudenken. Es hat sich verselbstständigt und mich gerade deshalb ständig auf Trab gehalten. Leider bringt diese Art des Schreibens auch einen großen Nachteil mit sich: Das Werk ist nun chaotisch. Ehe ich es irgendjemandem zum Lesen geben kann, muss ich dringend und ich meine DRINGEND alles überarbeiten … Diesen grauenvollen Arbeitsschritt werde ich im Januar beginnen, denn bisher ist mein Projekt noch gar nicht fertig. Der große Showdown steht meinen Hauptfiguren noch bevor. Drückt mit also die Daumen, dass ich trotz beendetem NaNo die Euphorie nicht verliere.
Im Dezember werde ich mich wieder mehr meinem Blog widmen, euch mein Projekt näher vorstellen und eine Schreibpause einlegen.
Und ich freue mich auch mit meiner Kollegin Sarah Richizzi, die ihren NaNo schon einige Tage vor mir beendet hat. 🙂
Inzwischen sind drei Wochen im Schreibmonat November vergangen. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gesammelt, ist verzweifelt, noch immer euphorisch oder bereits routinierter Wortzähler. Ich für meinen Teil spüre eine Mischung aus allen drei Aspekten. Euphorisch, weil ich schon die Hälfte meines Romans auf Papier habe. Verzweifelt, weil die Struktur einfach nicht hinhaut. Routiniert, weil ich täglich mindestens eine Stunde für das Schreiben investiere. Vorletztes Wochenende konnte ich im Rahmen des NaNo endlich ein paar meiner Schreibkollegen bei der „Nacht der wilden Worte“ persönlich treffen.
Die Nacht der wilden Worte
Schon mal in einem Raum mit vierzig Leuten gesessen, die alle fleißig und schnell auf ihren Tastaturen tippen? Nein. Ich bis zum vorletzten Wochenende auch nicht, aber es ist ein grandioses Gefühl, kann ich euch sagen. Vom 14.11. bis zum 15.11. fand in Hamburg die „Nacht der wilden Worte“ statt. Schreibende NaNos aus ganz Deutschland fanden sich zusammen, tauschten sich aus, philosophierten über das Schreibhandwerk und tippten einige Wörter in ihrem derzeitigen Projekt. Sechs Stunden lang wurden aus uns einsamen Wölfen und Wölfinnen Gemeinschaftstiere, die alle ein Ziel verfolgten: So viel zu schreiben wie nur möglich. Kein Wunder also, dass man an den Vierertischen auch gegeneinander antrat. Wer schreibt in welcher Zeit wie viele Wörter, war das Gebot der Stunde.
Der Veranstaltungsort tat sein Übriges, um mich in die richtige Schreibstimmung zu versetzen, denn getippt wurde nicht in einem Café, sondern in der Pauluskirche in Hamburg. Draußen war es kalt und finster, Nieselregen lag über der Stadt und wir saßen bis zur Mitternacht in einer Kirche bei Tee, Kaffee und Baguettes. Daran könnte ich mich glatt gewöhnen.
Was die Stimmung des Abends betraf, gehe ich mit gemischten Gefühlen nach Hause. Die Autoren waren ausgelassen, konzentriert, hoch motiviert und sehr gesprächig, aber der Wettbewerbscharakter war nicht mein Fall. Es gab WordWars, das heißt in 15 Minuten wurde wie verrückt drauflos getippt und danach gezählt, wie viele Wörter man geschafft hat. Derjenige mit den meisten Worten bekam anerkennenden Applaus. Ergänzt wurde das Programm durch Speed Datings, in denen es im Grunde auch darum ging, in 15 Minuten so viel zu schreiben wie möglich, um sich danach mit den anderen Autoren darüber auszutauschen. Da hätte ich mir beispielsweise gewünscht, dass wir uns gegenseitig das Geschriebene vorlesen, um über den Inhalt diskutieren zu können. Dem war jedoch nicht so. Es geht ja beim NaNo bekanntlich darum, die Geschichten voranzubringen und nicht über Kritikpunkte nachzudenken. Schade war es trotzdem, denn ich bin immer interessiert daran, was der Einzelne so aufs Papier bringt.
Außerdem gab es noch eine Tombola, Poster auf denen jeder seine liebsten Zitate, Ziele des Abends oder seinen Wordcount eintragen konnte. Mein persönliches Highlight war allerdings der Pep Talk von Andreas Eschbach, der auf einer A4 Seite zusammengefasst hat, warum der Mittelteil eines Romans immer der schwerste ist. Man weiß eben einfach nicht, welchen Weg man genau einschlagen soll, um zum Ziel zu kommen.
Gegen Null Uhr löste sich alles langsam auf. Einige Wenige blieben bis zum Schluss und kümmerten sich darum, dass das Kaffeekränzchen der Omas am nächsten Tag wie gehabt stattfinden konnte und keine Schreibnachtüberbleibsel (was für ein Wort) zurückgelassen worden.
So sah der Raum aus, den wir für die Schreibnacht zur Verfügung hatten. Man sieht, alle schreiben fleißig.
Fazit: Unter Druck schreiben ist …
… nicht mein Ding. Während einige gerade durch die WordWars angespornt waren, so schnell wie möglich ihren Text voranzubringen, war ich durch den Druck wie blockiert. Ich wollte mit den Teilnehmern sprechen und erfahren, worum es in ihren Geschichten geht, denn daher nehme ich meine Motivation. Von Geschichten zur Erinnerung an die verstorbene Mutter, über Dreiecksbeziehungen, Young Adult und eine Fanfiction von „Alles steht Kopf“ war alles vertreten. Ich fühlte mich mit meinem Science-Fiction Projekt, das zumindest etwas gesellschaftskritisch sein möchte, weniger kreativ als einige meiner Kollegen/Innen im Raum. Alles in allem war die Schreibnacht für mich eine grandiose Erfahrung. Da war selbst die Überraschung mit der Bahn vergessen. Auf der Hinfahrt nach Hamburg hieß es nämlich in Uelzen: Überspannungsschaden, bitte pressen sie sich mit aller Kraft in den SEV. Nun gut, das bin ich ja von der Tokioter Rush Hour gewöhnt.
Ich danke allen, die diesen Abend zu einem Erlebnis gemacht haben und möchte mich im Besonderen bei meiner Gastgeberin Johanna bedanken, die mich bei sich aufgenommen hat 🙂 Ich hoffe, man sieht sich bald wieder.
+ Mika +
PS: In der dritten Woche des NaNo hatte ich tatsächlich einen ernsthaften Hänger. Ich würde es nicht Schreibblockade nennen, aber die ersten Zweifel am Sinn meines Projektes haben sich eingeschlichen. Das habe ich zum Glück überwunden und inzwischen bin ich bei 45.000 Wörtern angekommen.
Keine Angst, dies ist kein Beitrag mit Tipps zur Ernährung. Und erst recht kein Beitrag, indem ich mich über dies und das beklage. Im Gegenteil, es geht um meine Erfahrungen in der ersten Woche des Schreibmonats November. Als Neuling plagten mich mit dem Startschuss am ersten November einige Zweifel: Schaffe ich es, täglich eine Wortanzahl von etwa 1.700 zu schreiben? Werde ich von meiner anfänglichen Euphorie verschluckt oder gar von meiner Müdigkeit besiegt? Bin ich vielleicht so motiviert, dass ich den 50.000 Wortsoll in einer Woche schaffen kann (unrealistisch ich weiß, aber … es könnte ja …)? All das ging mir durch den Kopf. Was ich dann tatsächlich in der letzten Woche erlebt habe, das lest ihr in diesem Beitrag.
Von Eiern auf Brot und Stress
Wenn man neben der Arbeit und anderen Verpflichtungen auch noch an seinem Roman arbeiten möchte, muss man sich die Zeit strikt einteilen, denn sie ist knapp bemessen. In meinem Fall habe ich mir drei Stunden pro Tag Zeit gegeben, um an meinem Projekt zu arbeiten. Da bleibt natürlich einiges auf der Strecke. Besonders die Zubereitung von Mahlzeiten wird auf das Mindeste beschränkt. Für gewöhnlich esse ich abwechslungsreich, koche zur Entspannung und fühle mich wie ein falscher Mensch, wenn ich nicht vernünftig was zwischen die Kiemen bekomme. Von Gemüselasagne über Sushi, Plätzchen und exotischen Kreationen wie Shrimps Banane Curry habe ich schon einiges ausprobiert und bin nur mittelmäßig wählerisch. Von Fertigessen aus der Tiefkühltruhe halte ich mich aber für gewöhnlich fern. Leider ist dieser Monat alles andere als gewöhnlich. Wenn ich im Schreibfluss bin, will ich nicht aufstehen und irgendetwas kochen. Ich möchte mich in meiner Geschichte verlieren und empfinde jede Art von Ablenkung als Störelement. Kurz gesagt, mein Ernährungsplan wurde rabiat umgestellt. Ich ernähre mich von Ei auf Brot, Pizza, Keksen und allen Dingen, die sich schnell zubereiten lassen. Das klingt nach Stress und irgendwie ist es das auch. Trotzdem fühle ich mich grandios, denn was den Schreibmonat ausmacht ist nicht etwa der Zeitdruck oder das Gefühl, unbedingt etwas schaffen zu „müssen“, sondern gleichzeitig mit tausend anderen zu schreiben.
Die Community und Schreiben muss nicht einsam sein
Den streng strukturierten Plan meines Projekts habe ich schon nach einer Woche im NaNo verworfen. Ich muss in kurzer Zeit Lösungen finden und daher vieles abändern.
In meinem Post zum NaNo habe ich es schon angedeutet. Warum es sich lohnt, an diesem stressigen Projekt teilzunehmen, liegt nicht etwa daran, dass man am Ende einen fertigen Roman hat (gut, dass ist natürlich auch nicht schlecht), sondern an der Idee, nicht allein zu sein. Überall kann man es hören und lesen „Schreiben ist einsam“. Wer schreibt, egal ob als Journalist, Texter oder Romanautor, ist im Entstehungsprozess seines Textes allein mit sich und dem Schreibmedium. Recherche wird betrieben, die Struktur aufgebaut und sich jedes Wort reiflich überlegt. Irgendwann wird das Projekt an Testleser gegeben und man könnte annehmen von da ist man nicht mehr einsam, denn es entsteht im besten Fall eine Diskussion um das Projekt. Doch das ist ein Trugschluss. In einem Prozess, wo Kritisierter und Kritiker sich gegenübersitzen entsteht selten eine ausgelassene, kreative Stimmung, in der sich der Schreiberling wohlfühlt. Liegt ja auch in der Natur der Sache. Kritik ist immer unangenehm. Und seien wir mal ehrlich, die Rohfassung eines Romans schafft es nur selten, einen euphorischen Aufschrei der Entzückung bei einem Testleser auszulösen. Viel eher hagelt es niederschmetternden Kritik, die im schlimmsten Fall bösartige Selbstzweifel heraufbeschwören kann.
Der NaNo hat mir jedoch gezeigt, dass wir Schreiberlinge alles andere als einsam arbeiten müssen. Obwohl ich physisch allein vor meinem PC sitze und schreibe, sorgt die Vorstellung, zur gleichen Zeit wie tausend andere, einen Text zu schreiben, dafür, dass ich mich nicht allein fühle. Auf zahlreichen Blogs, in Foren und Gruppen bei Facebook sprießen täglich Beiträge aus dem Boden. Es wird offen über das geredet, was man sonst still und heimlich macht, ohne andere einzuweihen. Ich habe ein Ziel vor Augen und weiß, dass ich nicht die Einzige mit der verrückten Idee bin, einfach nur zu schreiben, weil es verdammt nochmal Spaß macht. Das führt zu einem kreativen Hoch, zu Freude und Zufriedenheit und trotzdem kann vieles schief gehen.
Wenn die Blockade kommt
In meiner ersten Woche ist sie mir erspart geblieben, die allseits unbeliebte „Schreibblockade“. Ein Wort, das selbst einen ausgewachsenen Verlagsautor zum Zittern bringen kann, denn es handelt sich um einen Zustand extremer Unproduktivität. Wir Schreiberlinge starren auf ein leeres Blatt und kommen einfach nicht vorwärts. Unser Kopf sagt: Tipp jetzt! Aber der Körper streikt. Jedes Wort fühlt sich falsch an, die Sätze klingen holprig, wir lenken uns ab, indem wir Youtube Videos ansehen, auf Facebook posten, Instagram öffnen, vielleicht ein Spiel zocken. Diesem fiesen Teufel in Gestalt eines weißen Papiers habe ich den Kampf angesagt und in den letzten zehn Jahren einige Möglichkeiten entwickelt, mit ihm umzugehen.
Inspiration wächst nicht auf Bäumen. Um Quellen für neue Ideen zu finden, solltet ihr euer Umfeld ändern. ein Museum besuchen, ein Buch lesen, einen Film sehen, Mangas lesen. Es gibt unzählige Quellen der Inspiration.
Erstellt eine Mindmap. Klingt banal, aber mach dir bewusst, was du mit der nächsten Szene sagen willst und wofür du sie brauchst. Es ist kein Geheimnis, dass Blockaden immer dann auftauchen, wenn wir unzufrieden sind. Denk also darüber nach, ob du die Szene, die dich blockiert wirklich brauchst und schmeiß sie ggfs. einfach raus.
Schreib eine andere Szene in deinem Roman, eine Kurzgeschichte, aber vor allem etwas, was dir Spaß macht und dich zurück in den Schreibfluss bringt. Eventuell reicht auch ein Tagebucheintrag. Wenn du dann im Schreibfluss bist, kehr zu der problematischen Stelle zurück und lass die Worte einfach fließen.
Setz dich mit deinen Figuren auseinander. Zeichne ein Bild, schreib ein Interview mit deinen Charakteren und frag dich, was sie besonders macht und weshalb du dich zu Beginn der Geschichte in sie verliebt hast.
Sprich mit jemandem über die Blockade. Ob in Autorenforen, mit Freunden, deinen Eltern. Völlig egal, wichtig ist nur, dass du dich mitteilst und dein Projekt von einer anderen Seite betrachtest. Meist findest du erst nach einiger Zeit eine Lösung, aber je mehr Input du bekommst, umso wahrscheinlicher die Chance, dass irgendetwas dabei ist, was du für dein Projekt verwerten kannst. (Für mehr Ideen zu Schreibblockaden habe ich hier noch diese beiden Links: Leselupe und Marcus Johanus)
Das war es dann von meiner Seite. Ich blicke zuversichtlich auf die zweite Woche im November. Auch wenn die laut Hören-Sagen die schlimmste sein soll. Nächstes Wochenende findet ihr mich außerdem auf der NaNo Schreibnacht in Hamburg. Ich wünsche euch viel Erfolg für euer Projekt. Solltet ihr mal nicht weiterwissen, bin ich für ein Brainstorming immer bereit. Dazu könnte ihr mir per Mail schreiben oder aber einen Kommentar verfassen. Ich freu mich auf euch.
+ Mika +
Außerdem: Im letzten Beitrag habe ich um eure Mithilfe gebeten und viele großartige Anregungen zum Namen der Rebellenorganistion in meinem Roman „Hurt No One“ bekommen. Insgesamt haben 19 Personen an meiner Umfrage teilgenommen und ich habe mich für REKA (Revolution des kalten Sturms) entschieden. Obwohl dieser Name literarischer ist als der zweite Favorit ERF, spiegelt er die Grundstimmung der Organisation für mich am besten wider. Vielen lieben Dank noch einmal für eure Teilnahme. Ihr wart mir eine große Hilfe!
Auswertung im Detail: REKA Revolution des kalten Sturms: 6; ERF Equal Rights Front: 6; AIF Alliance for Independence and Freedom: 5; AFUF Allianz für Freiheit und Unabhängigkeit: 4; RDNG Rebellen der neuen Generation: 1; RFFG Revolutionäre Front für Gleichberechtigung: 0.
Und wenn ihr jetzt noch aufnahmefähig seid: Ich höre derzeit das Album Death Cab for Cutie, Kintsugi. Es ist sanfter Indie-Rock, der mich sehr leicht in eine fremde Welt entführt.