Eine Woche im Schreibmonat oder: Warum meine Ernährung mies ist …

… und es mir trotzdem gut geht …

Keine Angst, dies ist kein Beitrag mit Tipps zur Ernährung. Und erst recht kein Beitrag, indem ich mich über dies und das beklage. Im Gegenteil, es geht um meine Erfahrungen in der ersten Woche des Schreibmonats November. Als Neuling plagten mich mit dem Startschuss am ersten November einige Zweifel: Schaffe ich es, täglich eine Wortanzahl von etwa 1.700 zu schreiben? Werde ich von meiner anfänglichen Euphorie verschluckt oder gar von meiner Müdigkeit besiegt? Bin ich vielleicht so motiviert, dass ich den 50.000 Wortsoll in einer Woche schaffen kann (unrealistisch ich weiß, aber … es könnte ja …)? All das ging mir durch den Kopf. Was ich dann tatsächlich in der letzten Woche erlebt habe, das lest ihr in diesem Beitrag.


Von Eiern auf Brot und Stress

Wenn man neben der Arbeit und anderen Verpflichtungen auch noch an seinem Roman arbeiten möchte, muss man sich die Zeit strikt einteilen, denn sie ist knapp bemessen. In meinem Fall habe ich mir drei Stunden pro Tag Zeit gegeben, um an meinem Projekt zu arbeiten. Da bleibt natürlich einiges auf der Strecke. Besonders die Zubereitung von Mahlzeiten wird auf das Mindeste beschränkt. Für gewöhnlich esse ich abwechslungsreich, koche zur Entspannung und fühle mich wie ein falscher Mensch, wenn ich nicht vernünftig was zwischen die Kiemen bekomme. Von Gemüselasagne über Sushi, Plätzchen und exotischen Kreationen wie Shrimps Banane Curry habe ich schon einiges ausprobiert und bin nur mittelmäßig wählerisch. Von Fertigessen aus der Tiefkühltruhe halte ich mich aber für gewöhnlich fern. Leider ist dieser Monat alles andere als gewöhnlich. Wenn ich im Schreibfluss bin, will ich nicht aufstehen und irgendetwas kochen. Ich möchte mich in meiner Geschichte verlieren und empfinde jede Art von Ablenkung als Störelement. Kurz gesagt, mein Ernährungsplan wurde rabiat umgestellt. Ich ernähre mich von Ei auf Brot, Pizza, Keksen und allen Dingen, die sich schnell zubereiten lassen. Das klingt nach Stress und irgendwie ist es das auch. Trotzdem fühle ich mich grandios, denn was den Schreibmonat ausmacht ist nicht etwa der Zeitdruck oder das Gefühl, unbedingt etwas schaffen zu „müssen“, sondern gleichzeitig mit tausend anderen zu schreiben.


Die Community und Schreiben muss nicht einsam sein

Den streng strukturierten Plan meines Projekts habe ich schon nach einer Woche im NaNo verworfen. Ich muss in kurzer Zeit Lösungen finden und daher vieles abändern.

Den streng strukturierten Plan meines Projekts habe ich schon nach einer Woche im NaNo verworfen. Ich muss in kurzer Zeit Lösungen finden und daher vieles abändern.

In meinem Post zum NaNo habe ich es schon angedeutet. Warum es sich lohnt, an diesem stressigen Projekt teilzunehmen, liegt nicht etwa daran, dass man am Ende einen fertigen Roman hat (gut, dass ist natürlich auch nicht schlecht), sondern an der Idee, nicht allein zu sein. Überall kann man es hören und lesen „Schreiben ist einsam“. Wer schreibt, egal ob als Journalist, Texter oder Romanautor, ist im Entstehungsprozess seines Textes allein mit sich und dem Schreibmedium. Recherche wird betrieben, die Struktur aufgebaut und sich jedes Wort reiflich überlegt. Irgendwann wird das Projekt an Testleser gegeben und man könnte annehmen von da ist man nicht mehr einsam, denn es entsteht im besten Fall eine Diskussion um das Projekt. Doch das ist ein Trugschluss. In einem Prozess, wo Kritisierter und Kritiker sich gegenübersitzen entsteht selten eine ausgelassene, kreative Stimmung, in der sich der Schreiberling wohlfühlt. Liegt ja auch in der Natur der Sache. Kritik ist immer unangenehm. Und seien wir mal ehrlich, die Rohfassung eines Romans schafft es nur selten, einen euphorischen Aufschrei der Entzückung bei einem Testleser auszulösen. Viel eher hagelt es niederschmetternden Kritik, die im schlimmsten Fall bösartige Selbstzweifel heraufbeschwören kann.

Der NaNo hat mir jedoch gezeigt, dass wir Schreiberlinge alles andere als einsam arbeiten müssen. Obwohl ich physisch allein vor meinem PC sitze und schreibe, sorgt die Vorstellung, zur gleichen Zeit wie tausend andere, einen Text zu schreiben, dafür, dass ich mich nicht allein fühle. Auf zahlreichen Blogs, in Foren und Gruppen bei Facebook sprießen täglich Beiträge aus dem Boden. Es wird offen über das geredet, was man sonst still und heimlich macht, ohne andere einzuweihen. Ich habe ein Ziel vor Augen und weiß, dass ich nicht die Einzige mit der verrückten Idee bin, einfach nur zu schreiben, weil es verdammt nochmal Spaß macht. Das führt zu einem kreativen Hoch, zu Freude und Zufriedenheit und trotzdem kann vieles schief gehen.


Wenn die Blockade kommt

In meiner ersten Woche ist sie mir erspart geblieben, die allseits unbeliebte „Schreibblockade“. Ein Wort, das selbst einen ausgewachsenen Verlagsautor zum Zittern bringen kann, denn es handelt sich um einen Zustand extremer Unproduktivität. Wir Schreiberlinge starren auf ein leeres Blatt und kommen einfach nicht vorwärts. Unser Kopf sagt: Tipp jetzt! Aber der Körper streikt. Jedes Wort fühlt sich falsch an, die Sätze klingen holprig, wir lenken uns ab, indem wir Youtube Videos ansehen, auf Facebook posten, Instagram öffnen, vielleicht ein Spiel zocken. Diesem fiesen Teufel in Gestalt eines weißen Papiers habe ich den Kampf angesagt und in den letzten zehn Jahren einige Möglichkeiten entwickelt, mit ihm umzugehen.

  1. Inspiration wächst nicht auf Bäumen. Um Quellen für neue Ideen zu finden, solltet ihr euer Umfeld ändern. ein Museum besuchen, ein Buch lesen, einen Film sehen, Mangas lesen. Es gibt unzählige Quellen der Inspiration.
  2. Erstellt eine Mindmap. Klingt banal, aber mach dir bewusst, was du mit der nächsten Szene sagen willst und wofür du sie brauchst. Es ist kein Geheimnis, dass Blockaden immer dann auftauchen, wenn wir unzufrieden sind. Denk also darüber nach, ob du die Szene, die dich blockiert wirklich brauchst und schmeiß sie ggfs. einfach raus.
  3. Schreib eine andere Szene in deinem Roman, eine Kurzgeschichte, aber vor allem etwas, was dir Spaß macht und dich zurück in den Schreibfluss bringt. Eventuell reicht auch ein Tagebucheintrag. Wenn du dann im Schreibfluss bist, kehr zu der problematischen Stelle zurück und lass die Worte einfach fließen.
  4. Setz dich mit deinen Figuren auseinander. Zeichne ein Bild, schreib ein Interview mit deinen Charakteren und frag dich, was sie besonders macht und weshalb du dich zu Beginn der Geschichte in sie verliebt hast.
  5. Sprich mit jemandem über die Blockade. Ob in Autorenforen, mit Freunden, deinen Eltern. Völlig egal, wichtig ist nur, dass du dich mitteilst und dein Projekt von einer anderen Seite betrachtest. Meist findest du erst nach einiger Zeit eine Lösung, aber je mehr Input du bekommst, umso wahrscheinlicher die Chance, dass irgendetwas dabei ist, was du für dein Projekt verwerten kannst. (Für mehr Ideen zu Schreibblockaden habe ich hier noch diese beiden Links: Leselupe und Marcus Johanus)

Das war es dann von meiner Seite. Ich blicke zuversichtlich auf die zweite Woche im November. Auch wenn die laut Hören-Sagen die schlimmste sein soll. Nächstes Wochenende findet ihr mich außerdem auf der NaNo Schreibnacht in Hamburg. Ich wünsche euch viel Erfolg für euer Projekt. Solltet ihr mal nicht weiterwissen, bin ich für ein Brainstorming immer bereit. Dazu könnte ihr mir per Mail schreiben oder aber einen Kommentar verfassen. Ich freu mich auf euch.

+ Mika +


Außerdem: Im letzten Beitrag habe ich um eure Mithilfe gebeten und viele großartige Anregungen zum Namen der Rebellenorganistion in meinem Roman „Hurt No One“ bekommen. Insgesamt haben 19 Personen an meiner Umfrage teilgenommen und ich habe mich für REKA  (Revolution des kalten Sturms) entschieden. Obwohl dieser Name literarischer ist als der zweite Favorit ERF, spiegelt er die Grundstimmung der Organisation für mich am besten wider. Vielen lieben Dank noch einmal für eure Teilnahme. Ihr wart mir eine große Hilfe!

Auswertung im Detail: REKA Revolution des kalten Sturms: 6; ERF Equal Rights Front: 6; AIF Alliance for Independence and Freedom: 5; AFUF Allianz für Freiheit und Unabhängigkeit: 4; RDNG Rebellen der neuen Generation: 1; RFFG Revolutionäre Front für Gleichberechtigung: 0.

Und wenn ihr jetzt noch aufnahmefähig seid: Ich höre derzeit das Album Death Cab for Cutie, Kintsugi. Es ist sanfter Indie-Rock, der mich sehr leicht in eine fremde Welt entführt.

4 Gedanken zu “Eine Woche im Schreibmonat oder: Warum meine Ernährung mies ist …

  1. Mein erster Gedanken war: WOW, so ein super Outline/Storyboard. Sogar mit Zeichnungen! (*jealous cause I can’t draw AT ALL*) Das möchte ich gerne nochmal aus der Nähe sehen…

    Und Pläne sind dazu da, dass man sie verwirft. Hat dir das noch keine deiner Figuren gesagt? 😉

    Das Schreiben einsam ist, stimmt allerdings. Und Zeit für andere Sachen klaut es auch.

    Zum Thema Ernährung: ich hatte heute Morgen Toast und Kaffee zum Frühstück, und seitdem nur nen Apfel und Gummibärchen. Frühstück war aber auch spät, und jetzt gibts dann selbstgenachte Pizza (*Stück rüberschieb*).

    Aber eben, einsam. Deswegen bin ich ja so froh über Writing Buddies. Die verstehen einen wenigstens 😉

    Ganz liebe Grüsse, and keep writing! 🙂

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    • Dieses Figurenmap hab ich bei meinem letzten Projekt schon gemacht und es hilft echt, um sich über die Rollen der Personen Gedanken zu machen und wie man sie besser im Roman einsetzen kann. Normal mache ich keine Zeichnungen von meinen Figuren, aber Neel, Rina und Amanda sind mir so deutlich vor Augen als hätte ich sie schon mal persönlich getroffen.
      Hm, ja meine Figuren haben ihren eigenen Kopf und machen nicht immer das, was ich will. Zum Glück, wo wäre da sonst der Spaß? 🙂
      Pizza! Ich nehm ein Stück. :3

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  2. Schreiben ist einsam – zum Glück!
    Vielleicht liegts an mir, aber nach einem Tag in der Arbeit, wo von 10 Kollegen jeder gefühlte 20 Dinge von mir wollte und dann einem Feierabend mit der Familie, wo mich eine Katastrophe nach der Nächsten erwartet (vom vollen Geschirrspüler, den nur ich ausräumen kann und der Wäsche, die auch nur durch meine magischen Hände auf die Leine wandert, ganz zu schweigen), bin ich regelrecht dankbar ins stille Zimmerchen gehen zu dürfen und mich ganz in meine Romanwelt zu vertiefen *seufz*
    Aber wie gesagt: Könnte auch nur an mir liegen.

    Zum Thema Essen habe ich leider nichts praktisches anzubieten. Ich mag Essen und hasse Kochen. Darum sind Fertigpizza oder Tiefkühllasagne so oft auf meinem Essensplan, das sogar ich mich schon schäme. Der NaNo ist da der Monat im Jahr, wo ich ohne schlechtes Gewissen auftauen darf 🙂

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    • Ich verziehe mich auch sehr gern in mein Zimmer und schreibe einfach so für mich. Allerdings ist es schon manchmal schade, dass (logisch) meine Leidenschaft zu meinen Figuren und Geschichten nur ich teile. Solange ich mich aber mit irgenjemandem austauschen kann, fühle ich mich nicht mehr einsam und das wollte ich sagen. Dass der NaNo den Austausch möglich macht und wir zwar ‚allein‘, aber eben doch nicht ‚einsam‘ sind. Zumindest in einem bestimmten Sinn. Und dass man einfach mal Ruhe braucht und sie sich gönnt, finde ich ist absolut notwendig!!! Gibt schon genug Stress überall.

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