Silver Coin 203

Wie ein Roman entsteht

… Statusupdate #1: Hurt No One …

Mein letzter Beitrag handelte von Vorsätzen und deren Sinn oder Unsinn. Heute soll es um eines meiner Ziele gehen: Die Veröffentlichung meines Science-Fiction Romans „Hurt No One“ im Herbst. Noch ein Beitrag über ein Romanprojekt, werdet ihr jetzt denken und auf Schließen drücken. Aber Halt! Nicht so schnell. Es springt auch für euch etwas dabei heraus. Es geht hier nicht um meine Höhen und Tiefen, sondern um die einzelnen Schritte im Entstehungsprozess. Ihr seid also live dabei, wie mein Roman entsteht und könnt prüfen, ob ich meinen Job auch wirklich ordentlich mache.


Schreibprozess: Wie weit bin ich eigentlich?

Auf den ersten Blick ist das die wichtigste aller Fragen. Hab ich schon alles fertig geschrieben? Fehlt da noch etwas? Um es kurz zu machen: Mein Projekt befindet sich in der Überarbeitungsphase. Das heißt, der unliebsame, stressige und nervenaufreibende Teil hat begonnen. Für eine Seite brauche ich bis zu drei Stunden. Zumindest wenn ich schlechte Laune habe. Aber lassen wir das, ich bin natürlich immer gut gelaunt! So wie ihr und alle anderen da draußen!

Jeder Autor hat sein eigenes Überarbeitungssystem. Ich teile meines in vier Schritte und gehe diese Kapitel für Kapitel durch:

  • Schritt 1) Korrektur grober Sinnfehler, Rechtschreibung, Grammatik im Word-Dokument mit etwa zwei oder drei Runden.
  • Schritt 2) Überlegung zur Kapitelstruktur und inhaltlicher Logik auf einem Ausdruck mit rotem Stift (sehr demotivierend, aber leicht zu lesen, siehe Bild unten)
  • Schritt 3) Korrektur, nachdem die ersten Testleser gelesen haben.
  • Schritt 4) Finaler Durchgang mit Rechtschreibprüfung nach dem zweiten Testlesen.

Derzeit bastele ich am ersten Kapitel in Schritt 2. Vom eigentlichen Manuskript fehlt mir nur noch der Showdown, das Sahnehäubchen. Den schreibe ich allerdings erst, wenn die chaotische Struktur, entstanden durch das schnelle Schreiben im NaNoWriMo, sortiert ist. Erst dann kann ich leicht Querverweise zum Anfang ziehen und offene Fragen beantworten.

Überarbeitung.jpg


Ein Cover braucht Bedenkzeit …

… weshalb ich mir in der letzten Woche Gedanken über das Titelbild gemacht habe. Es soll düster sein, muss den Geist der Geschichte enthalten und trotzdem genügend Anziehungskraft ausüben, damit überhaupt jemand zugreift. In dem Zusammenhang ist eine Skizzen entstanden, die ich euch nicht vorenthalten will:

Coverdesign_Skizze2
Links seht ihr einen Soldaten, der auf eine Gestalt im Nebel schießt. Rechts eine Frau, aus der Gedanken herausströmen. Nicht zu sehen ist, dass sie angeschossen wird.

Ich schwanke zwischen zwei Möglichkeiten: Entweder wird es fotorealistisch oder aber eine Variante mit comichafter Tendenz. Ich meine damit nicht, dass ich Comicfiguren auf dem Titelbild möchte. Ich stelle mir viel eher vor, dass die Menschen schattenhaft sind und mit groben Zeichenstrichen gemalt werden. Letztere Variante erfordert natürlich sehr viel zeichnerisches Können (allein schaffe ich das sicher nicht). In beiden Fällen möchte ich keinesfalls Gesichter oder zu klare Formen, damit ihr kein zu eindeutiges Bild meiner Protagonisten bekommt. Es lebe die Fantasie! Es reift in jedem Fall die Überlegung, einen professionellen Coverdesigner zu engagieren, damit euch mein Cover auch wirklich umhaut.


Der rote Faden entsteht nur, wenn die Struktur stimmt

Seit ich von einer Lektorin gehört habe (2012), dass eines meiner Manuskripte stilistisch und sprachlich zwar überzeugt, aber die Struktur ausbaufähig ist, nehme ich mir für die Struktur viel Zeit. Ich nutze kleine Karteikarten, die ich mit den Kapitelinhalten beschrifte und schiebe sie hin und her, bis mir klar wird, was ich brauche und was nicht. In den letzten Tagen musste ich deshalb einige Kapitel löschen und an anderen Stellen Szenen einfügen. So langsam entsteht ein rundes Gesamtbild und der rote Faden wird sichtbar. Wichtig sind mir dabei auch Schlagwörter oder offene Fragen, die ich später in den Text einbaue. Wenn das Ganze fertig ist, sieht es am Ende ungefähr so aus:

PPS2
Struktur meines Projekts „Purpurscherben“ aus dem letzten Jahr.

Die Sache mit dem Titel …

… ist wirklich unglücklich gelaufen. Vielen von euch gefällt der Titel „Hurt No One“ sehr gut. Mir gefällt er auch, leider. Nur kann ich ihn für das endgültige Buch nicht übernehmen, da es der Songtitel einer meiner Lieblingsbands ist. Ich würde mich also nur in die Copyright-Nesseln setzen und das wäre unschön. Also muss ein neuer Titel her. Brainstorming ist angesagt. Inzwischen habe ich mehrere Blätter mit möglichen Varianten vollgeschmiert, bin der Lösung aber noch immer nicht näher gekommen. Fakt ist: Ich brauche einen Übertitel für die Trilogie und einen Untertitel. Der Untertitel ist kein Problem, den habe ich für Band eins schon seit zwei Monaten. Der eigentliche Trilogietitel bereitet mir jedoch Kopfschmerzen. Er soll den Inhalt aller drei Teile widerspiegeln, am besten schon den Konflikt andeuten und dennoch aussagekräftig sein. Der gleiche Nenner in meiner Trilogie ist die fiktive Stadt, in der alles spielt. Sie trägt den Namen „Red-Mon-Stadt“. Aber so ein Titel ist weder aussagekräftig noch deutet er einen Konflikt an. Mal sehen, was ich da tun kann.


Science-Fiction braucht eine eigene Welt: Ein Glossar entsteht

Da mein Projekt nicht einfach nur SF ist, sondern es sich im Speziellen um eine Dystopie handelt, brauche ich eine ganz eigene Welt mit ganz eigenen Regeln. Ein paar davon habe ich euch schon in meiner Kurzvorstellung Hurt No One beschrieben, aber das war eben nur die Spitze einer Welt, mit der ich mich schon seit mehr als zwei Jahren beschäftige. Aus diesem Grund habe ich ein Glossar mit allen wichtigen Begriffen, Institutionen oder Personengruppen erstellt. Für euch ein noch nicht ganz perfekter, aber exklusiver Auszug daraus:

Die Nutzversicherung bescheinigt den Nutzen einer Person für Red-Mon-Stadt. Es ist ein schriftliches Dokument, das jeder Bürger zu unterzeichnen hat. Dort wird einerseits die Art des Nutzens und andererseits die Eignung für diesen festgelegt. Der Nutzen einer Person wird durch einen Test ermittelt. Dieser Test bezieht sich nicht ausschließlich auf die Benotung durch schriftliche oder mündliche Prüfungen, sondern geht auch auf angeborene Talente oder die Persönlichkeit ein. Änderungen können im Nachhinein beantragt werden. Personen ohne Nutzversicherung, die sich in Red-Mon-Stadt aufhalten, sind keine offiziellen Einwohner der Stadt und gelten als PON (Person ohne Nutzen) und sind als Gefahr einzustufen.


Damit beende ich mein Statusupdate und wünsche euch eine wundervolle Restwoche. Macht was draus. Ihr hört von mir. Und solltet ihr selbst gerade an einem Buchprojekt sitzen, hinterlasst mir einen Kommentar, wir können uns gern darüber austauschen.

Bis dahin

+ Mika +

Gedanken-Mix

Wann wir nicht im Vorsatzrausch untergehen

Ich melde mich zurück aus meinem Weihnachts- und Silvesterschlaf und steige ein in ein Thema, das jedes Neujahr erneut die Gemüter erhitzt: Vorsätze. Die einen schwören darauf, die anderen verteufeln sie und die nächsten fragen sich, was daran so besonders sein soll. Doch was zum Teufel treibt uns eigentlich dazu, ausgerechnet zum Neujahr alles ändern zu wollen? Lief doch gerade alles so gut, oder?


Ein Schrei nach Veränderung

Rollen wir das Ganze mal von hinten auf und gehen ein paar Tage in die Vergangenheit. Es ist Silvester. Ihr steht in der kalten Dezemberluft, umgeben von Menschen, die euch wichtig sind. Gemeinsam mit ihnen zählt ihr die Sekunden. …58 …59 …60! Es ist Null Uhr. In der dunklen Nacht blitzen farbenfroh Lichter auf. Ein Feuerwerkgewitter zieht sich über den Himmel und etliche Eindrücken regnen auf euch nieder.* Städte und Dörfer werden zugedeckt mit einem rauchigen Schleier und ihr seid mittendrin. Ein Teil von einem Moment, den hunderte, tausende, Millionen gleichzeitig erleben und feiern. Der erste Tag des neuen Jahres ist angebrochen. Wir setzen die Zeit wortwörtlich auf Null zurück und spüren das auch. Die Energie, die sich am Himmel entlädt, färbt auf uns ab. Und in genau diesem Moment fragen wir uns, was wir letztes Jahr eigentlich so alles gemacht haben. Die Antwort enthält meist eine gewisse Resignation: „Na ja, so richtig was bei rumgekommen ist im letzten Jahr ja nicht … Aber dieses Jahr, dieses Jahr wird hunderprozentig sicher alles anders!“

Warum wir also jedes Jahr aufs Neue etwas ändern wollen, liegt nicht etwa daran, dass wir in die Zukunft blicken können, sondern, weil wir uns an die vergangen Monate erinnern, unzufrieden sind und uns wünschen, alles wäre anders. Im Grunde geht es also um Veränderung. Nur die gibt es nicht umsonst. Selbst der gute alte Weihnachtsmann schenkt sie uns nicht in einem gut verschnürten Paket, an dessen Schleifen wir nur noch ziehen brauchen und schon ist sie da: strahlend neu, die Veränderung! Leider müssen wir sie selbst in die Hand nehmen. Nur wie zum Himmel noch mal, wie? Da schlägt sich der Bogen zum eigentlich Thema, denn unsere Methode, der Veränderung Herr zu werden ist das Festlegen von Vorsätzen.


Vorsätze sind in Wirklichkeit gut getarnte Ziele

 Sich gute Vorsätze für das neue Jahr auszudenken ist absolut essentiell. Denn wer sich keine Ziele steckt, der kann auch nichts erreichen. (utopia.de)

Das sind klare Worte, die ich jederzeit unterschreiben würde. Vorsätze sind Ziele, Ziele sind Vorsätze und wir brauchen sie, um voranzukommen. Wer die Ziellinie nicht vor Augen hat, läuft womöglich in die falsche Richtung.

Bis vor einem Jahr zählte ich mich allerdings noch zu den Menschen, die keine Ziele formuliert haben. Das hatte folgende Gründe: 1) Ich habe es als Stress empfunden, mir selbst Vorsätze auszudenken. Zu einer bestimmten Zeit, etwas tun zu müssen, hatte für mich immer etwas Zwanghaftes an sich 2) Ich war der Ansicht, alles fügt sich von selbst. 3) Ich war mit dem Vorjahr stets zufrieden.

Seit 2015 hat sich das geändert. Ich schreibe mir Ziele als Dauernotiz in mein Handy und behalte sie dadurch immer im Hinterkopf, denn ich möchte etwas erreichen. Vor allem als Autorin. Aber: Ich sage mir selbst, wenn etwas nicht klappt, dann ist es kein Weltuntergang. Es sind meine Ziele, sie sollen mich leiten und mich nicht beherrschen. Damit uns unsere Ziele positiv im neuen Jahr begleiten, sollten sie konkret, realistisch und langfristig geplant sein. Wie man solche Ziele im Detail formulieren kann und warum gerade das wichtig ist, dazu habe ich euch drei Blogartikel herausgesucht, die ihr euch gern anschauen könnt:  ganzwunderbar, Zeitblueten und ein Artikel vom palverlag.


Autoren und Leser – Was machbar und sinnvoll ist

Angehende Autoren sind in der Regel sehr ambitioniert, haben tausend Ideen und wollen am liebsten alles auf einmal. In bester Qualität veröffentlichen, mit einem super Cover, einem noch besseren Lektorat und einem Verlag wie Knaur, Ullstein oder Randomhouse als Unterstützer. Wir wissen alle, dass das ein Traum ist, der sich nur sehr schwer in die Tat umsetzen lässt. Gerade wenn wir etwas kreatives Schaffen wollen, dürfen wir uns nicht selbst unter Druck setzen, denn das hemmt nicht nur die Motivation, sondern auch unsere Ideenvielfalt. Darum ist es wichtig, dass alles Schritt für Schritt geplant wird. Erst das Buch, dann die Bewerbung, im Folgenden die Veröffentlichung und dann das Marketing (obwohl das bereits vor dem Veröffentlichungstermin starten sollte).

Wer Leser ist, will natürlich nicht zwingend etwas mit seiner Tätigkeit „erreichen“. Außer er/sie führt einen Rezensionsblog. Als Leser wollen wir uns viel lieber entspannen, die Realität ausblenden und uns in einer fesselnden Geschichte verlieren. Es ist also nicht unser Ziel, in einer bestimmten Zeit so und so viel zu lesen, obwohl es auch andere Meinungen gibt. Viel eher ist es realistisch, dass wir uns selbst sagen: Ein Mal pro Woche nehme ich mir Zeit für mich und mein Hobby, denke nicht mehr an die Arbeit und beschäftige mich ausschließlich mit etwas, das mir gut tut. Klingt esoterisch, ich weiß, aber fragt euch mal selbst, wie oft euch diese Zeit einfach mal gönnt.


Meine Ziele für das Jahr 2016

Ob ich meine eigenen Grundsätze in die Tat umsetze, könnt ihr hier sehen. Bei Kritik, wisst ihr Bescheid, einfach an die hiesige Autorin wenden. Also, los geht’s:

  • Veröffentliche Hurt No One Teil I (Herbst)
  • Schreibe die Fortsetzung von Hurt No One (Teil II) (bis Dezember)
  • Umzug (egal wann)
  • Werde aktiv in einer offline Schreibcommunity
  • Biete Sieben Raben als Print an (vor März)
  • Sei auf der Leipziger Buchmesse präsent
  • Führe dein Blog aktiv weiter und konzentriere dich mehr auf deine Zielgruppe und das, was sie wirklich lesen wollen (ab sofort)

In dem Sinne verabschiede ich mich und wünsche euch viel Erfolg beim Erfüllen eurer ganz persönlichen Ziele. Lasst euch nicht unterkriegen. Wir lesen uns. Bis dahin.

+ Mika +

Schneeflocke2
Diese Schneeflocke bat mich um eine Fotografie. Ich dachte, ich tue ihr den Gefallen.

 


*Ich weiß, einige von euch mussten arbeiten … Ihr habt mein Mitgefühl.

Aktuelles, Silver Coin 203

Frohe Weihnachten

Ich wünsche euch ein frohes Weihnachtsfest. Genießt die Zeit mit euren Lieben und schaltet den Alltagsstress einfach mal aus. Klick und weg. Da ich mir bis zum 10. Januar eine Pause gönne, habe ich für euch eine kurze Weihnachtsgeschichte vorbereitet. Lesbar in zehn Minuten. Düster, aber hoffnungsvoll.  Viel Spaß damit. 🙂


Verlorene Weihnachten

Rina zählte zu einer aussterbenden Generation. In Red-Mon-Stadt gab es kein Weihnachten und sie als Einwanderin war eine der Wenigen, die sich noch daran erinnern konnten. Deshalb war sie es auch, die am 24. beschloss, dieses Fest aufleben zu lassen, auch wenn sie sich und die anderen damit in Gefahr brachte. Seit Monaten lebten sie wie Ratten unter der Straße, verbargen sich in der Dunkelheit und wurden von ihrer ausweglosen Situation erdrückt. Es war Zeit, dass ein wenig Licht in die Dunkelheit kam und mit ihm etwas, woran sie sich gemeinsam festklammern konnten, um nicht aufzugeben.

Eisiger Wind streifte Rinas Gesicht und sie zog ihre Jacke fester um den Körper. Sie stand im langen Schatten eines Hochhauses, Owens Hausmarkt fest im Blick. Vor dem Lebensmittelladen, er war beliebt, weil er Importwaren verkaufte. Ein seltenes Gut in einer Stadt, die vom Rest der Welt abgeschnitten war. Darum hatte sie diesen Ort gewählt. Zwischen den Menschenmassen konnte sie sich gut verstecken. Es durfte ihr nur niemand ins Gesicht sehen.

Rina zog den Schal über die Hälfte ihres Gesichtes und kämmte mit den Fingern ihren Pony über die Augen. Dann richtete sie den Blick auf den Boden. Sie zog den panischen Stachel, der sich tief in ihren Körper gefressen hatte und machte Platz für Mut. Nichts würde ihr passieren. Sie hatte es immer geschafft, denn im Notfall war sie flink wie eine scheue Katze. Vor Gefahr zu flüchten, war ihre Spezialität.

Sie machte sich auf den Weg zum Laden, passierte die Brücke zu Oberstadt, hörte ihr Herz in der Brust hämmern, zwängte sich zwischen die Menschen und war drinnen. Wärme umfing sie und ihre Wangen begannen zu brennen. Der Geruch fremder Gewürze stieg ihr in die Nase.

Zuerst brauchte sie Öl. Unauffällig schlich sie an den Leuten vorbei, entdeckte die goldene Flasche in unmittelbarer Nähe, gelangte dorthin, streckte die Hand aus und ließ sie unter ihrer geöffneten Jacke in einer Tasche verschwinden. Nun brauchte sie etwas Süßes. Ihr Blick streifte durch den Laden. Am anderen Ende waren die abgepackten Kekse, deshalb schob sie sich zwischen die Leute, kam in die Nähe des Regals, nutzte den Moment und ließ sie genauso verschwinden wie das Öl. Nur noch die Milch und Kakao. Ihre Schritte fühlten sich wie die eines Fremden an, doch sie fand die beiden Lebensmittel und ließ auch sie unbemerkt verschwinden. Geschafft. Niemand schrie, zeigte auf sie, brach in Panik aus. Sie waren alle mit sich selbst beschäftigt. Doch gerade als Rina zum Ausgang strebte, stieß sie gegen jemanden.

„Kannst du deine Augen nicht aufmachen!“, sagte ein Mann und in diesem Moment entglitt ihr die Situation. Reflexartig sah sie auf. Vor ihr stand ein großer Mann mit kurzen Haaren und eleganter Kleidung. Sein Blick traf ihren und er hatte freie Sicht auf ihre verräterisch goldenen Augen. Sekunden tickten. Er starrte sie an. Sie starrte ihn an. „Du … du … bist ein Lorca“, murmelte er und ein Stich raste durch Rinas Körper. Ausgesprochen, das verfluchte Wort.

„Hier ist ein LORCA!“, schrie er mit einem Mal. „Ruft doch jemand die Hygienepolizei!“

Es war passiert. Alle drehten sich zu ihr um und in ihren Gesichtern bildete sich der Ausdruck kalter Abscheu. „Hygienepolizei“, wiederholte der Mann und trat ein paar Schritte zurück. Im gleichen Augenblick ertönte schrill der Lorca Alarm. Rina erwachte aus der Trance. Jetzt blieben ihr noch höchstens zwei Minuten.

Sie fauchte wild, so als sei sie besessen. Es half. Die Menschen erschraken, wandten sich ab und rannten panisch davon. Rina nutzte die Gelegenheit und setzte zum Sprint an. Niemand würde sie packen oder aufhalten, denn sie alle waren davon überzeugt, dass sie krank wurden, sobald sie einen Lorca berührten. Zu glauben, dass jemand wie Rina eine todbringende Krankheit übertrug, ersetze den Glauben an einen Gott. Niemand bemerkte, dass diese Krankheit gar nicht existierte.

Rinas Beine trugen sie aus dem Laden heraus, die Brücke von Oberstadt entlang. Sie war schnell und wendig und sah niemals zurück. Ihr Weg führte sie die Treppe hinunter nach Mittelstadt, wo sie in einer Gasse verschwand, während der Alarm bedrohlich an und abschwoll.

Dort lief sie zu einem leicht geöffneten Kellerfenster. Bevor sie in den Keller abtauchte, sah sie sich um. Niemand war ihr gefolgt. Hastig zog sie die Jacke aus, steckte sie als erstes durch das Fenster und folgte ihr dann. Drinnen war es dunkel und staubig. Sie schloss das Fenster hinter sich und atmete einmal tief durch. Sie war entkommen.

***

Es war ein ungewöhnliches Weihnachtsfest. Fünf junge Menschen mit ungewöhnlich heller Haut und golden glänzenden Augen saßen um eine Ölkerze herum, aßen Kekse und tranken Kakao. Es gab keine Tannenzweige, keine Lebkuchen, keinen Weihnachtsschmuck und keine Geschenke, doch sie hatten einander. Es war kein Vergleich zu jenen Festen, die Rina aus ihrer Kindheit kannte, aber das war nicht wichtig. Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sie sich lebendig. Sie erzählte den anderen Weihnachtsgeschichten im Flüsterton und sie klebten an ihren Lippen. Jeder von ihnen war jünger als sie, jeder in Red-Mon-Stadt geboren. Sie alle hatten etwas verloren, nur das Leben war ihnen geblieben. Rina malte mit Worten Bilder von Häusern, bedeckt mit Puderzuckerschnee, einem Mann in rotem Mantel und einem weißen Bart, der nachts an die Tür klopfte. Was sie in der Dunkelheit hatten, war eine zerbrechliche Gemeinschaft. Es war ein Licht im Dunkel, denn sie hatten einander und sie würden nicht aufgeben. Egal, wie feindlich die Welt war, in der sie lebten. Denn irgendwann würden auch sie geborgen sein, geliebt werden und keine Angst mehr haben. Sicher. Ganz sicher …


Die Kurzgeschichte ist ein Szene aus meinem derzeitigen Romanprojekt Hurt No One. Wer von euch mehr darüber wissen will, schaut einfach mal HIER vorbei.


Beitragsbild von flickr.com

Gedanken-Mix, Schreibarbeit

Warum Romane Gegner brauchen

… und eine schlechte Rezension kein Weltuntergang ist …

Habt ihr schon mal ein richtig schlechtes Buch gelesen? Eins, wo ihr nach zehn Seiten abbrechen musstet und dachtet: „Was zum Teufel hat sich der Autor denn dabei gedacht?“ Und ist euch im gleichen Moment klar geworden, dass das Buch in euren Händen von unzähligen Menschen abgöttisch geliebt wird? Ja? Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um ein Buch handelt, welches polarisiert. Ein Buch, das die einen lieben und die anderen hassen. Um dieses Phänomen dreht sich mein heutiger Beitrag. Ich behaupte, dass Bücher, die Fans und Feinde haben, erfolgreicher sind als solche, die keine Emotionen in uns auslösen.


Wenn Bücher kontrovers diskutiert werden

Es kommt nicht oft vor, dass wir einen Roman verabscheuen. Viel häufiger mögen wir ein Buch oder halten es für durchschnittlich. Trotzdem lösen manche Bücher in uns Gefühle aus, die negativ sind und dazu führen können, dass wir mit den Augen rollen, sobald wir den Titel irgendwo lesen, hören oder sehen. Bis dahin ist es allerdings ein weiter Weg und man kann sich schon fragen, wieso wir diesen negativen Gefühlen so viel Raum geben. Es ist ja doch nur ein Buch, oder?

Was Kritik angeht, bin ich ein gemäßigter Typ. Ich bin streng, aber sehe in jedem künstlerischen Werk etwas Gutes und weiß, dass der Künstler Zeit, Schweiß und Selbstzweifel überwunden hat, um sein Produkt zu schaffen. Aber auch ich kenne ein Buch, das mich in den Wahnsinn treibt, weil ich es grauenhaft schlecht finde. Trotzdem ist es in aller Munde. Den Titel werde ich nicht verraten, nur so viel, es ist ein Buch, das als Fanfiction Werk geschrieben worden ist. Doch was genau stört mich daran? Es ist nicht nur der Schreibstil oder der klischeehafte Inhalt, es die Tatsache, dass es trotz der offensichtlichen Fehler eines der erfolgreichsten Werke der letzten Jahre ist. Es ist einfach überall. Ich kann nicht durch die Stadt laufen ohne über den Titel böse zu stolpern.

Meine These leitet sich daraus ab. Wir ärgern uns nicht etwa über das Buch selbst, das wir aus subjektiven Gründen schlecht finden, sondern darüber, dass es im Gegensatz zu unseren Lieblingsbüchern, so viel häufiger angepriesen wird. Wir wollen plötzlich, dass die Welt begreift, dass DAS BUCH DA ganz grauenhaft ist und es viel bessere Literatur gibt. Doch genau das Gegenteil passiert: Mit unserem öffentlichen Protest verschaffen wir dem Werk noch mehr Aufmerksamkeit, denn wer Kritik übt, bekommt etwas zurück. Von Fans. Es entsteht eine heftige Diskussion und zwei gegensätzliche Pole kristallisieren sich heraus. Jeder ist fest davon überzeugt, dass er im Recht ist. Das Buch rückt ins Zentrum des Interesses, wie so manches gesellschaftliches Problem, und ehe wir uns versehen, ist es auf Plakaten, auf der Arbeit (im Gespräch), im Kino und anderswo. Ein Kreislauf, der sich nicht durchbrechen lässt. Und am Ende steht ein Werk, das wir für schlecht halten, das aber doch jeder kennt. Gemäßigte Stimmen gibt es nur selten, denn jeder hat eine Meinung dazu. Entweder oder. Ein Dazwischen gibt es nicht. Tatsache ist, so ein Werk verkauft sich blendend. Frank Schätzing sagte dazu in einem Interview, dass nur Bücher Erfolg haben, die kontrovers diskutiert werden, denn „wer nicht polarisiert, ist nicht relevant.“


Eine schlechte Rezension muss nicht schädlich fürs Geschäft sein

Nun komme ich zum eigentlichen Anlass dieses Beitrags. Im Laufe der letzten drei Jahre, in denen ich mich in Autorenforen, auf neobooks, Facebook und anderen Onlineportalen herumgetrieben habe, ist mir eines aufgefallen: Manche Autoren vertragen keine Kritik, weil sie glauben, negative Kritik ist schädlich für den Verkauf oder wertet das Buch ab. Tatsache ist, dass diese Angst nur im Kopf eines Autors existiert, aber nicht in der Wirklichkeit. Anschließend zwei Fälle dazu:

Fall eins: Eine Autorin, die in unangenehmer Art und Weise ihr Werk bis aufs Blut verteidigt

Die Autorin hatte einen provokativen Roman über Borderline geschrieben, in dem sich eine Frau in einer Traumwelt befand, in der alles möglich war. Brutaler Sex inbegriffen. Einige Leser äußerten mehr oder weniger ungehalten, dass so etwas geschmacklos ist. Das ist harte Kritik, die jeder erstmal verdauen muss. Eine Nacht darüber schlafen ist die beste Medizin. Die Reaktion der Autorin war jedoch unüberlegt. Sie kommentierte die Rezensionen mit den Worten: Es handelt sich um eine Traumwelt, in der alles möglich ist. Wer das nicht versteht, ist „dumm“. Den Wortlaut hat sie mehrfach wiederholt.

Und? Würdet ihr nach der Reaktion noch eines von ihren Büchern lesen wollen? Ich denke nicht. Da liegt dann auch der Hase begraben. Eine solche Überreaktion schreckt ab und schadet dem Verkauf mehr als die Rezension selbst.

Fall zwei: Ein Autor, der die Kritik nutzt, um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen.

Der Autor hatte ein Science-Fiction Werk geschrieben. Soweit ich mich erinnern kann, ging es um Zeitreisen. Im Detail wurde die Maschine beschrieben, die diese Reise ermöglicht und das war streckenweise langweilig. Viele Leser haben diesen Punkt kritisiert. Der Autor griff diese Kritik auf und postete in regelmäßigen Abständen Beiträge, in denen er sein Buch als „polarisierend“ anpries. Er stellte beide Pole gegenüber und überließ uns die Entscheidung, welcher Meinung wir uns anschließen.*

Jetzt erneut die Frage, würdet ihr dieses Buch lesen? Vermutlich eher als das Werk aus dem obigen Beispiel. Im Endeffekt habe ich die ersten Seiten des Buches nur gelesen, weil mich interessiert hat, worüber die anderen eigentlich diskutieren. In kurzer Zeit erstürmte das Buch die neobooks Verkaufscharts und stand lange Zeit auf Platz eins.

So viel zur negativen Wirkung von schlechten Rezensionen oder auch Kritik. Was daraus wird, liegt in der Hand des Autors, nicht in der Hand des Lesers.

islieb-brotlose-kunst.png


Einige abschließende Worte und der Versuch eines Fazits

Ein Buch, das Aufmerksamkeit bekommt, verkauft sich besser. So banal diese Erkenntnis klingt, so schwierig ist es, diese Aufmerksamkeit zu erlangen. Ein wichtiger Faktor zum Erfolg sind Bewertungen. Egal ob positiv oder negativ. Nichts ist schlimmer als ein Buch ohne jede Kritik. Denn das suggeriert uns, dass niemand sich dafür interessiert. Außerdem gibt es viele, die einem Buch mit nur guten Rezensionen skeptisch gegenüberstehen. Das liegt in der Natur der Sache. Literatur ist subjektiv. Ab einer bestimmten Anzahl von Rezensionen ist es ganz normal, auch negative Kommentare zu erhalten. Nicht selten widersprechen sich die Rezensenten sogar und ein verzweifelter Autor fragt sich dann stets, was soll ich eigentlich noch glauben? Wie kann ich ein Werk schreiben, das jedem gefällt? Kurz und knapp: Geht nicht. Ist unmöglich. Wird nicht passieren. Selbst Harry Potter hat seine Feinde. Deshalb ist mir als Autorin eine ehrliche Meinungen lieber als eine Beweihräucherung meines Buches.**

Ihr findet meine Meinung unsinnig? Dann nutzt das Kommentarfeld und tobt euch aus. Wenn euch gefallen hat, was ihr gelesen habt, freue ich mich, wenn ihr meinen Beitrag teilt. In dem Sinne, wünsche ich euch einen wundervollen dritten Advent.

+ Mika  +


Beitragsbilder: Mika M. Krüger

Comic von islieb.de.

*Mir hat da Buch letztendlich nicht gefallen, aber das steht auf einem anderen Blatt geschrieben

**Auch ich muss nach jeder harten Kritik schlucken und beginne, an mir selbst zu zweifeln.

Gedanken-Mix, Schreibarbeit

Eine Woche im Schreibmonat oder: Warum meine Ernährung mies ist …

… und es mir trotzdem gut geht …

Keine Angst, dies ist kein Beitrag mit Tipps zur Ernährung. Und erst recht kein Beitrag, indem ich mich über dies und das beklage. Im Gegenteil, es geht um meine Erfahrungen in der ersten Woche des Schreibmonats November. Als Neuling plagten mich mit dem Startschuss am ersten November einige Zweifel: Schaffe ich es, täglich eine Wortanzahl von etwa 1.700 zu schreiben? Werde ich von meiner anfänglichen Euphorie verschluckt oder gar von meiner Müdigkeit besiegt? Bin ich vielleicht so motiviert, dass ich den 50.000 Wortsoll in einer Woche schaffen kann (unrealistisch ich weiß, aber … es könnte ja …)? All das ging mir durch den Kopf. Was ich dann tatsächlich in der letzten Woche erlebt habe, das lest ihr in diesem Beitrag.


Von Eiern auf Brot und Stress

Wenn man neben der Arbeit und anderen Verpflichtungen auch noch an seinem Roman arbeiten möchte, muss man sich die Zeit strikt einteilen, denn sie ist knapp bemessen. In meinem Fall habe ich mir drei Stunden pro Tag Zeit gegeben, um an meinem Projekt zu arbeiten. Da bleibt natürlich einiges auf der Strecke. Besonders die Zubereitung von Mahlzeiten wird auf das Mindeste beschränkt. Für gewöhnlich esse ich abwechslungsreich, koche zur Entspannung und fühle mich wie ein falscher Mensch, wenn ich nicht vernünftig was zwischen die Kiemen bekomme. Von Gemüselasagne über Sushi, Plätzchen und exotischen Kreationen wie Shrimps Banane Curry habe ich schon einiges ausprobiert und bin nur mittelmäßig wählerisch. Von Fertigessen aus der Tiefkühltruhe halte ich mich aber für gewöhnlich fern. Leider ist dieser Monat alles andere als gewöhnlich. Wenn ich im Schreibfluss bin, will ich nicht aufstehen und irgendetwas kochen. Ich möchte mich in meiner Geschichte verlieren und empfinde jede Art von Ablenkung als Störelement. Kurz gesagt, mein Ernährungsplan wurde rabiat umgestellt. Ich ernähre mich von Ei auf Brot, Pizza, Keksen und allen Dingen, die sich schnell zubereiten lassen. Das klingt nach Stress und irgendwie ist es das auch. Trotzdem fühle ich mich grandios, denn was den Schreibmonat ausmacht ist nicht etwa der Zeitdruck oder das Gefühl, unbedingt etwas schaffen zu „müssen“, sondern gleichzeitig mit tausend anderen zu schreiben.


Die Community und Schreiben muss nicht einsam sein

Den streng strukturierten Plan meines Projekts habe ich schon nach einer Woche im NaNo verworfen. Ich muss in kurzer Zeit Lösungen finden und daher vieles abändern.
Den streng strukturierten Plan meines Projekts habe ich schon nach einer Woche im NaNo verworfen. Ich muss in kurzer Zeit Lösungen finden und daher vieles abändern.

In meinem Post zum NaNo habe ich es schon angedeutet. Warum es sich lohnt, an diesem stressigen Projekt teilzunehmen, liegt nicht etwa daran, dass man am Ende einen fertigen Roman hat (gut, dass ist natürlich auch nicht schlecht), sondern an der Idee, nicht allein zu sein. Überall kann man es hören und lesen „Schreiben ist einsam“. Wer schreibt, egal ob als Journalist, Texter oder Romanautor, ist im Entstehungsprozess seines Textes allein mit sich und dem Schreibmedium. Recherche wird betrieben, die Struktur aufgebaut und sich jedes Wort reiflich überlegt. Irgendwann wird das Projekt an Testleser gegeben und man könnte annehmen von da ist man nicht mehr einsam, denn es entsteht im besten Fall eine Diskussion um das Projekt. Doch das ist ein Trugschluss. In einem Prozess, wo Kritisierter und Kritiker sich gegenübersitzen entsteht selten eine ausgelassene, kreative Stimmung, in der sich der Schreiberling wohlfühlt. Liegt ja auch in der Natur der Sache. Kritik ist immer unangenehm. Und seien wir mal ehrlich, die Rohfassung eines Romans schafft es nur selten, einen euphorischen Aufschrei der Entzückung bei einem Testleser auszulösen. Viel eher hagelt es niederschmetternden Kritik, die im schlimmsten Fall bösartige Selbstzweifel heraufbeschwören kann.

Der NaNo hat mir jedoch gezeigt, dass wir Schreiberlinge alles andere als einsam arbeiten müssen. Obwohl ich physisch allein vor meinem PC sitze und schreibe, sorgt die Vorstellung, zur gleichen Zeit wie tausend andere, einen Text zu schreiben, dafür, dass ich mich nicht allein fühle. Auf zahlreichen Blogs, in Foren und Gruppen bei Facebook sprießen täglich Beiträge aus dem Boden. Es wird offen über das geredet, was man sonst still und heimlich macht, ohne andere einzuweihen. Ich habe ein Ziel vor Augen und weiß, dass ich nicht die Einzige mit der verrückten Idee bin, einfach nur zu schreiben, weil es verdammt nochmal Spaß macht. Das führt zu einem kreativen Hoch, zu Freude und Zufriedenheit und trotzdem kann vieles schief gehen.


Wenn die Blockade kommt

In meiner ersten Woche ist sie mir erspart geblieben, die allseits unbeliebte „Schreibblockade“. Ein Wort, das selbst einen ausgewachsenen Verlagsautor zum Zittern bringen kann, denn es handelt sich um einen Zustand extremer Unproduktivität. Wir Schreiberlinge starren auf ein leeres Blatt und kommen einfach nicht vorwärts. Unser Kopf sagt: Tipp jetzt! Aber der Körper streikt. Jedes Wort fühlt sich falsch an, die Sätze klingen holprig, wir lenken uns ab, indem wir Youtube Videos ansehen, auf Facebook posten, Instagram öffnen, vielleicht ein Spiel zocken. Diesem fiesen Teufel in Gestalt eines weißen Papiers habe ich den Kampf angesagt und in den letzten zehn Jahren einige Möglichkeiten entwickelt, mit ihm umzugehen.

  1. Inspiration wächst nicht auf Bäumen. Um Quellen für neue Ideen zu finden, solltet ihr euer Umfeld ändern. ein Museum besuchen, ein Buch lesen, einen Film sehen, Mangas lesen. Es gibt unzählige Quellen der Inspiration.
  2. Erstellt eine Mindmap. Klingt banal, aber mach dir bewusst, was du mit der nächsten Szene sagen willst und wofür du sie brauchst. Es ist kein Geheimnis, dass Blockaden immer dann auftauchen, wenn wir unzufrieden sind. Denk also darüber nach, ob du die Szene, die dich blockiert wirklich brauchst und schmeiß sie ggfs. einfach raus.
  3. Schreib eine andere Szene in deinem Roman, eine Kurzgeschichte, aber vor allem etwas, was dir Spaß macht und dich zurück in den Schreibfluss bringt. Eventuell reicht auch ein Tagebucheintrag. Wenn du dann im Schreibfluss bist, kehr zu der problematischen Stelle zurück und lass die Worte einfach fließen.
  4. Setz dich mit deinen Figuren auseinander. Zeichne ein Bild, schreib ein Interview mit deinen Charakteren und frag dich, was sie besonders macht und weshalb du dich zu Beginn der Geschichte in sie verliebt hast.
  5. Sprich mit jemandem über die Blockade. Ob in Autorenforen, mit Freunden, deinen Eltern. Völlig egal, wichtig ist nur, dass du dich mitteilst und dein Projekt von einer anderen Seite betrachtest. Meist findest du erst nach einiger Zeit eine Lösung, aber je mehr Input du bekommst, umso wahrscheinlicher die Chance, dass irgendetwas dabei ist, was du für dein Projekt verwerten kannst. (Für mehr Ideen zu Schreibblockaden habe ich hier noch diese beiden Links: Leselupe und Marcus Johanus)

Das war es dann von meiner Seite. Ich blicke zuversichtlich auf die zweite Woche im November. Auch wenn die laut Hören-Sagen die schlimmste sein soll. Nächstes Wochenende findet ihr mich außerdem auf der NaNo Schreibnacht in Hamburg. Ich wünsche euch viel Erfolg für euer Projekt. Solltet ihr mal nicht weiterwissen, bin ich für ein Brainstorming immer bereit. Dazu könnte ihr mir per Mail schreiben oder aber einen Kommentar verfassen. Ich freu mich auf euch.

+ Mika +


Außerdem: Im letzten Beitrag habe ich um eure Mithilfe gebeten und viele großartige Anregungen zum Namen der Rebellenorganistion in meinem Roman „Hurt No One“ bekommen. Insgesamt haben 19 Personen an meiner Umfrage teilgenommen und ich habe mich für REKA  (Revolution des kalten Sturms) entschieden. Obwohl dieser Name literarischer ist als der zweite Favorit ERF, spiegelt er die Grundstimmung der Organisation für mich am besten wider. Vielen lieben Dank noch einmal für eure Teilnahme. Ihr wart mir eine große Hilfe!

Auswertung im Detail: REKA Revolution des kalten Sturms: 6; ERF Equal Rights Front: 6; AIF Alliance for Independence and Freedom: 5; AFUF Allianz für Freiheit und Unabhängigkeit: 4; RDNG Rebellen der neuen Generation: 1; RFFG Revolutionäre Front für Gleichberechtigung: 0.

Und wenn ihr jetzt noch aufnahmefähig seid: Ich höre derzeit das Album Death Cab for Cutie, Kintsugi. Es ist sanfter Indie-Rock, der mich sehr leicht in eine fremde Welt entführt.