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Gedanken-Mix

Gestatten, ich bin der Antagonist

Guten Abend ihr Lieben,

ich habe es heute nicht geschafft, einen Blogbeitrag zu verfassen. Eigentlich wollte ich euch die Protagonistin aus meinem derzeitigen Projekt vorstellen, aber wie es so ist, hatte ich Besuch, war im Zoo und habe in der letzten Woche nur an der Überarbeitung meines Projekts gesessen.
Deshalb reblogge ich heute diesen wundervollen Beitrag meiner Autorenfreundin Stella Delaney. Es geht um ein wichtiges Thema beim Schreiben eines Romans: Die Antagonistin oder den Antagonisten. Ich denke, es gibt einige Details zu lesen, die ihr noch nicht wusstet. Von daher, viel Spaß.

Schönen Restsonntag
+Mika+

Avatar von Stella DelaneyStella Delaney

Jonathan steht am Morgen auf. Die Sonne scheint durch sein Fenster, und draussen singen die Vögel. Er ist sofort total ausgeschlafen und startet mit Kaffee und einem leckeren Frühstück in den Tag. Auf dem Weg zur Arbeit geschieht absolut nichts, und er kommt wie immer rechtzeitig ins Büro. Seine Mitarbeiter grüssen ihn freundlich, die Chefin lächelt ihm zu und die Arbeit macht mal wieder total Spass…

Ganz ernsthaft, würdest du so eine Geschichte lesen wollen? Wahrscheinlich nicht.

(gettyimages) (gettyimages)

„Es passiert ja gar nichts“, würdest du dich wahrscheinlich beschweren und das Buch kurzerhand weglegen.

Denn wie wir alle wissen, interessieren wir uns mehr dafür, wer wen betrogen und wer mit wem gestritten hat, als für eine harmonische Beziehung oder einen friedlichen Alltag. Und genauso ist es in der Literatur. Eine Geschichte über einen Helden, dem alles gelingt, ist einfach nur totlangweilig. Ein spannender und guter Plot lebt vom Konflikt.

Und da…

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Gedanken-Mix

Achtung, Hobby-Autoren sind keine „echten“ Autoren … oder?

In den letzten Tagen bin ich im Social Media über einige Diskussionen zum Thema Hobby-Autor gestoßen und habe mir ein paar Gedanken dazu gemacht. Ernsthaft und völlig wertfrei. Und nein, es geht hier jetzt nicht um Wortklauberei. Im Gegenteil, das ist ein sehr wichtiges Thema, das wir endlich einmal ausdiskutieren müssen. Kann ja nicht sein, dass sich jeder einfach so Autor nennt, wo kommen wir denn da hin? Das wäre ja fast so als ob wir in einer Anarchie leben würden!!! Geht nicht, gibt’s nicht. Davon sind zumindest einige überzeugt.


Fangen wir aber mal beim Urschleim an und stellen uns gemeinsam etwas vor. Lieselotte Schreibwahn liest einen wundervollen Roman über eine junge Frau, die sich selbst aus den Zwängen der Gesellschaft befreit und so ihren Traumprinzen findet. Das Buch gefällt ihr so gut, dass sie anfängt, ein eigenes Buch zu schreiben. Sie tippt und tippt und tippt und irgendwann entsteht ein ganzer Roman. Da denkt sie: „Ach, wär doch ganz nett, wenn das Werk auch als Taschenbuch oder ebook erscheint. Sagen ja alle mit Self-Publishing kann man viel Geld machen.“ Daher informiert sie sich, überarbeitet ihr Werk, löscht einige Fehler, erstellt sich ein Pseudonym und veröffentlicht ihr Buch. Als sie fertig ist, lehnt sie sich im Stuhl zurück und denkt: „Hach, jetzt bin ich wirklich Autorin!“ Nur leider hat Lieselotte Schreibwahn alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, um in der hiesigen Autorenwelt als ‚echte‘ Autorin zu gelten. Denn sie ist eigentlich nur eine billige Kopie von diesen Menschen in strahlender Ritterrüstung. Sie ist eine Hobby-Autorin. Schlimm ist sowas, wirklich schlimm! Nur was unterscheidet sie vom ‚Original‘?

Punkt 1: Wer noch nichts veröffentlicht hat oder nur ab und an mal etwas veröffentlicht, der ist eindeutig ein Hobby-Autor!

Findet ihr diesen Punkt ungewöhnlich? Ich nicht. Es liegt ja auf der Hand! Jemand, der nur zehn Brötchen alle zwei Wochen fertigstellt, der ist kein Bäcker, der macht das nur, weil Tante Erna ihn darum gebeten hat. Wer Autor sein möchte, der muss da schon ordentlich in die Tasten hauen und regelmäßig veröffentlichen. Diese Ausreden, es ginge ja auch um Kreativität, sind ja nur Bla Bla. In einer Welt, wo alles auf Produktion ausgelegt ist, sollte doch jedem Kleinkind klar sein, dass auch kreative Berufe keine Ausnahme bilden. Also los, was sitzt ihr noch hier und lest diesen Beitrag, ihr hättet schon mindestens Kapitel drei eures nächsten Bestsellers fertig haben können.

Punkt 2: Hobby-Autor ist man, wenn man noch nicht viel Geld mit seinem Buch verdient.

Was, der Kapitalismus hat nun auch Einzug in die Welt der Kunst und Kultur gehalten? Richtig, denn auch hier macht das Geld die Musik. Wer mit seinen Texten kaum oder gar keine Einnahmen erzielt, der muss ja sein Geld irgendwo anders her bekommen. Von irgendwas muss man ja leben. Vermutlich ist unser Hobby-Autor hauptberuflich KFZ-Mechaniker oder aber Bäcker. Und wer lieber Brötchen bäckt, anstatt den ganzen Tag vor seinem Manuskript zu sitzen, der, tut mir leid, dass so hart sagen zu müssen, hat sich den Status Autor eben nicht verdient.

Punkt 3: Ein Hobby-Autor hat eindeutig eine schlechte Rechtschreibung, denn richtige Autoren können das viel besser.

 

Das ist mein persönlicher Favorit, denn er lässt sich noch erweitern. Wer als Autor im Social Media Rechtschreibfehler macht, der blamiert sich nicht nur, er ist im Grunde auf der Stufe eines Hobby-Autors stecken geblieben. Aber mal ganz von vorn. Autoren müssen ihr Handwerk beherrschen, dazu zählt die Rechtschreibung und die Grammatik. Wer offensichtliche Fehler in seinem Text macht, wie wahrscheinlich auch Lieselotte Schreibwahn (ich möchte der armen Frau natürlich nichts unterstellen), der kann aber gar nicht die Regeln der Rechtschreibung und Grammatik beherrschen. Denn ja, man sieht alle seine Fehler, wenn man schreit (Korrektur: schreibt). Diese Sache mit der Blindheit bei eigenen Texten ist nur eine Ausrede für faule Regelbrecher, die keine Lust haben, sich ernsthaft mit ihrem Text auseinanderzusetzen. Ja, erlich, wirkich! Kan isch ga nich leiden sowas!!!

Punkt 4: Ein Hobby-Autor hat keine 2000 Follower auf Facebook! NIEMALS! Das Social Media lügt nicht.

Kennt ihr dieses Bild:

 

Faktillon
Also wenn das nicht stimmt, dann weiß ich auch nicht …

Das ist die Wahrheit des Social Media. Je mehr Follower ich sammle, desto wichtiger bin ich und je wichtiger ich bin, na … ihr habt es erraten, umso mehr habe ich das Recht mich Autor zu nennen. Ganz egal, ob da nur zwei oder drei Leute dabei sind, die sich wirklich für meine Texte interessieren. Die Masse machts, das kennen wir ja schon aus der Vergangenheit …


Ihr seht, es gibt viele eindeutige Punkte, die einen Hobby-Autor von einem ‚echten‘ Autor unterscheiden. Wenn Punkt eins nicht greift, greift Punkt zwei und so weiter und so fort. Am Ende sind es nur einige wenige Auserwählte, die den glanzvollen Begriff ‚Autor‘ tatsächlich tragen dürfen. Nicht vergessen werden darf dabei, dass Hobby-Autor eine negative Konnotation enthält. Lest es etwas abwertend, so als stünde dort: Schmarotzer.

Aber jetzt mal im ernst und so ganz ohne einen ironischen Unterton: Diese Argumente habe ich mir nicht ausgedacht. Sie sind hier extrem überspitzt dargestellt, werden aber in etlichen Diskussionen verwendet. Und es sind nicht nur Trolle, die sich da äußern. Zu recht fragte mich vor kurzem ein Mitglied aus einer Gruppe, in der ich sehr aktiv bin: „Ist die Frage, ob Hobby-Autor oder nicht, eigentlich wichtig?“ Nein, es ist überhaupt nicht wichtig. So absolut gar nicht.

Im Grunde geht es in den Diskussionen zu diesem Thema nur um das Eine: Wie kann ich mir selbst einreden, dass ich besser bin als andere. „Also du bist kein echter Autor, weil …“ oder „Also ich bin ein echter Autor, weil …“ oder noch besser: „Na, wenn du nur XYZ machst, dann bist du ja kein ‚richtiger‘ Autor.“ Meiner Meinung nach ist das der verzweifelte Versuch, Anerkennung zu bekommen. Man möchte sich abgrenzen und klar aufzeigen, dass man selbst ja wirklich, wirklich viel tut. Einigen entgeht dabei, dass es dem Text egal ist, wer ihn schreibt oder wann oder mit wie viel Einsatz. Es mag idealistisch klingen, aber ein Autor ist der Urheber eines Textes, nicht mehr und nicht weniger. Es ist doch kein Geheimnis, dass viele Autoren neben dem Schreiben noch einer anderen Tätigkeit nachgehen und manche Ideen haben, aber eine Rechtschreibschwäche. Na und? Ist doch egal. Dieses elendige Gestreite existiert doch nur, weil ein paar Leute jemand anderem etwas nicht gönnen (was auch immer). Es wäre wirklich gut, wenn wir nicht immer auf andere schauen, um uns zu definieren, sondern einmal tief durchatmen. Andere abzuwerten ist einfach nur erbärmlich. Und wir Autoren, mal so ganz unter uns, sollten in jedem Fall zusammenhalten und uns nicht gegenseitig wegen solcher Kleinigkeiten zerfleischen.

Ich wünsche euch was

Mika


Quellen:

Beitragsbild: Markus Spiske von flickr.com

Faktillon: https://www.facebook.com/Faktillon

Aktuelles, Gedanken-Mix

Maiwetter und Neuigkeiten

Ich liege auf weichem Gras in der Sonne und tippe diesen Beitrag. Der Wind streicht über meine Haut, der Duft von Blumen steigt mir in die Nase. Angenehmer kann es kaum sein. Ich hoffe, euer Start in den Mai ist ähnlich idyllisch. Den Monatsanfang nutze ich heute, um euch über ein paar Entwicklungen in meinem Schaffen als Mystery Autorin auf dem Laufenden zu halten.


Buchberlin: Ich bin dabei

Das wohl größte Ereignis in diesem Jahr ist für mich die Buchberlin. Mit meiner Autorenkollegin Sabine Schulter werde ich dort einen kleinen Stand haben. Es ist für mich die erste Messe, die ich als Autorin selbst organisiere. Aus diesem Grund hatte ich einige Zweifel. Schaffe ich es bis zur Messe, mein neues Buch zu veröffentlichen? Kriegen wir die Standplanung vernünftig über die Bühnen? Wird überhaupt jemand da sein? Inzwischen freue ich mich einfach nur darauf, mit den Besuchern zwei erlebnisreiche Tage zu haben, die vor allen anderen Dingen Spaß machen sollten. Wir rocken das Haus alle gemeinsam (ja, auch ohne Musik). Die Buchberlin findet vom 19. bis 20. November statt. Mehr Infos gibt es zu gegebener Zeit natürlich hier auf dem Blog.

Buchberlin
Die Buchberlin 2014.

Reise, Reise …

Ich bin jemand, der nicht still stehen kann. Wirklich nicht. Ich liebe es, durch die Welt zu reisen, am liebsten mit der Bahn. In der letzten Woche war ich bei meiner Freundin Stella Delaney in der Schweiz. Wir haben Zürich angeschaut, sind durch Winterthur gelaufen und hatten trotz mäßigem Wetter (sehr kalt) ein paar wundervolle Tage. Einige Eindrücke von meiner Reise habe ich für euch zusammengestellt.

 


Taschenbuch Sieben Raben: Schönheitsfehler eliminiert

Mika Krüger - Sieben RabenBeitragsbildAdventskalender

Dem ein oder anderen dürfte aufgefallen sein, dass ich nicht viel Werbung für mein Buch ‚Sieben Raben‘ mache. Das hat mehrere Gründe. Erstens will ich euch wirklich nicht mit ‚kauft dies und das‘ Posts überhäufen, die gibt es nämlich schon genug, und zweitens gab es noch einige Schwierigkeiten beim Druck. Letzteres wurde nun behoben. Ich habe das Buch erneut gelesen, einige Schönheitsfehler beseitigt und die aktuelle Version online gestellt. Sie enthält nun noch eine kleine Kurzgeschichte am Ende. Bald wird es deshalb auch eine Leserunde auf Lovelybooks geben. Und, ich freue mich natürlich riesig, wenn der ein oder andere, der mein Büchlein liest oder gelesen hat, eine Rezension schreibt. Unabhängig davon, ob sie gut oder schlecht ausfällt.


Lesung 2016?

Ich plane außerdem Ende 2016 meine erste Lesung abzuhalten. Wo und wie ist noch unklar, aber es wird vermutlich in recht kleiner Runde sein. Warum erst Ende dieses Jahres? Weil ich natürlich aus meinem neuen Romanprojekt Hurt No One vorlesen möchte und die Veröffentlichung noch bis etwa Oktober dauert. Ein bisschen habe ich dafür sogar schon trainiert. Was bedeutet, ich habe meine Stimme mit Handy aufgenommen und mir das Ergebnis angehört. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich dabei lachen musste. Zwei meiner Protagonisten sind männlich und Soldaten, die dank mir ziemlich feminin klingen. Stimme verstellen bringt da gar nichts. Schade, dass ich mir keine neue Stimme kaufen kann. Bleibt nur eins, in Zukunft Liebesromane schreiben … oder?


Zwei Kurzgeschichten – Krimi und Horror

Ihr erinnert euch vielleicht daran, dass ich im letzten Jahr einige Kurzgeschichten veröffentlicht habe. Obwohl ich stets an meinen Romanprojekt arbeite, brauche ich ab und an Abwechslung, sodass ich mich entschieden habe, auch dieses Jahr wieder in zwei Kurzgeschichtensammlungen dabei zu sein. Eine zum Thema ‚besessen‘ und eine andere, die vorrangig für Leser entsteht, die gern Krimis lesen. Bisher habe ich nur ein oder zwei vage Ideen, die ich in den nächsten Tagen ausarbeiten werde.

Das war dann alles von meiner Seite.

Ich wünsche euch was, genießt den Restsonntag.

+Mika+


Das Bild zur Buchberlin ist der webseite www.buchmesse-berlin.com entnommen.

Beitragsbild: Shadowfirer

Silver Coin 203

Wie ein Roman entsteht III

… Statusupdate #3: Hurt No One …

Ein Roman wird nicht einfach aus dem Hut gezaubert. Er ist die Summe harter Arbeit, die zu großen Teilen aus Nachdenken, Überarbeiten und Schreiben besteht. Heute teile ich mit euch den dritten Teil meiner Reihe ‚Wie ein Roman ensteht‘, in der ich euch im Detail zeige, was alles passiert, bevor ein Buch veröffentlicht werden kann. Dies mache ich natürlich nicht langweilig, indem ich euch mit Faktenwissen überhäufe, sondern indem ich euch anhand meines Projektes Hurt No One zeige, wie ich beim Schreiben vorgehe. Viel Spaß also beim Lesen.


Ein kurzer Einstieg

Der ein oder andere von euch weiß, dass die Rohfassung meines Projekts bereits steht. Im Februar konnte ich das wohltuende „Ende“ unter meinen Text setzen, doch genau da fängt die Arbeit erst an. Das Stichwort ist ‚Überarbeitung‘ und um die geht es heute im Besonderen. Nur zur Erinnerung: Das Buch ist eine Dystopie für Erwachsene, enthält viele Aktion- und Thrillmomente, ist gleichzeitig aber auch etwas psychologisch. Geheimniskrämereien sind an der Tagesordnung und es ist nie wirklich klar, wer nun wirklich gut oder böse ist.

Aber bleiben wir mal beim Thema. Wenn ich es hochrechnet, werkele ich seit sechs Monaten an meinem Büchlein und das Ende ist noch weit entfernt. Für euch der Stand der Dinge:

  • Kapitel 1: Check. Nächster Schritt ist hier die Testleserunde ab Juni.
  • Kapitel 2: Ist mehrfach überarbeitet. Das letzte Unterkapitel ist jedoch noch offen.
  • Kapitel 3: Hat noch einige Schwächen, ist jedoch strukturell gewachsen und wartet auf zwei weitere Überarbeitungsrunden, die ab Anfang Mai laufen.
  • Kapitel 4: Ist im Stadium der ersten vollständigen Überarbeitung.
  • Kapitel 5-12: Noch offen.

Ihr seht, etwa ein Viertel habe ich geschafft, das ist ganz ordentlich, aber weniger als geplant. Und nun höre ich euch schon sagen, wieso dauert das denn so lange (oder bin ich es vielleicht selbst, die mir das vorwirft?). Kann ja nicht so schwer sein, bei der Überarbeitung ein paar Rechtschreibfehler zu löschen und fehlende Wörter zu ergänzen. Leider ist es damit lange nicht getan …


Das elende Überarbeiten …

Die Überarbeitung: jeder spricht davon, jeder weiß in etwa, was sich dahinter verbirgt, doch für mich ist es der blanke Horror. Ja, wirklich, das ist keine Übertreibung. Überarbeiten heißt: Lesen, löschen, lesen, tippen, lesen, löschen in einem ewigen Kreislauf. Währenddessen muss man sich über eine unendliche Anzahl von Punkten Gedanken machen: Eindruck der Figuren, Aufbau der Szene, Logik der Sätze, Rechtschreibung, Bedeutung der Szenen für den Gesamtzusammenhang, Stil, Ton, Grammatik. Für jeden einzelnen Punkt gibt es Regeln und jede muss geprüft werden, bis man zu einem Punkt kommt, an dem man schier verzweifelt.

„Interessiert das jemanden?“, schreit der innere Kritiker bösartig: „Wozu machst du dir die ganze Mühe, bist du dumm oder was?“ Zum Glück meldet sich aus dem Hintergrund dann meist ein zartes Stimmchen und flüstert: „Aber wenn du das so lässt, dann kann das keiner lesen.“ Und diese Stimme hat recht. Denn ein Text in Rohform ist schlichtweg nicht leserlich. Überarbeiten ist eine Mammutaufgabe, die ich gern jemand anderem überlassen würde, aber was muss, das muss. Während ich beispielsweise für 30 Normseiten etwa zwei bis drei Tage reine Schreibzeit brauche, kann eine Überarbeitung schon mal das vierfache an Zeit in Anspruch nehmen. Hier mal ein konkretes Beispiel  aus meinem Problemkapitel Drei:

„Es konnte ihn das Leben kosten, den Köder zu spielen, doch jemand anderem hätte er diesen Job nicht überlassen. Wenn er vorsichtig war, seinen Gegner nicht unterschätzte und sich dieses Mal an den Plan hielt, standen seine Chancen jedoch nicht schlecht. Er verbarg sich in dem unfertigen Rohbau eines Hochhauses. Noch war es nur ein skeletthafter Bau aus Beton. Die Fenster waren glaslos und durch die Räume jagte der Wind. Um das Haus herum waren mehr als zwanzig Rebellen postiert, die im äußersten Notfall eingreifen konnten. Nach den Rückschlägen der letzten Wochen war das einer der wenigen Hoffnungsschimmer und niemand wollte den Erfolg aufs Spiel setzen.“ (Nach der ersten Überarbeitung)

„Der Plan war in Toms Augen nicht mehr als ein unstabiles Gerüst. Er wackelte an allen Ecken und Enden, eine heftige Windböe konnte ihn jederzeit zu Fall bringen. Am liebsten hätte er den Rückzug befohlen, doch der Lorca-Alarm war ausgelöst und der Totenläufer auf dem Weg zum Rohbau. Das Einzige, was er jetzt noch tun konnte, war, alles daran zu setzen, dass sie trotzdem die Oberhand behielten. In seinem Kopf ging er deshalb Szenarien durch, die vom eigentlichen Vorhaben abwichen. Möglich war, dass er den Totenläufer nicht erkannte, dass die Stadtverwaltung noch eine weitere Einheit als Nachhut schickte, dass die Einheit 203 nicht etwa vom Stadtzentrum her kam, sondern vom Meer. Variablen, auf die er kaum Einfluss hatte.“ (Nach der dritten Überarbeitung)

Fällt euch etwas auf? Ja richtig, der Text ist vollständig anders, obwohl er die gleiche Szene einleitet: einen Häuserkampf. Warum habe ich beinahe alles verworfen? Das hat mehrere Gründe: 1) Es war unlogisch, dass meine Figur in diesem Moment als Köder fungiert (out of character), 2) die Position der Rebellen wird im späteren Verlauf durch einen Perspektivwechsel geklärt, 3) die Beschreibung des Rohbaus ist für den Beginn der Szene nicht wichtig, sie folgt später.

Was ich damit sagen will: Manche Kapitel müssen völlig neu konzipiert und durchdacht werden, was unheimlich viel Zeit in Anspruch nimmt. Zumindest bei mir ist die erste Version noch sehr naiv und unrealistisch geschrieben. Der Text hat zu sehr meine eigene Stimme, die sich erst nach viel Bedenkzeit eliminieren lässt. Damit ich bei solch einer aufwendigen Überarbeitung nicht den Überblick verliere, erstelle ich Zeichnungen, die das Geschehen genau skizzieren. So wie diese:

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Es sieht ziemlich gekritzelt aus, aber ihr seht die zwei Parteien, die sich beim Häuserkampf gegenüberstehen und ein paar Aufrisse, um den Standort der Personen zu klären.

Was sonst noch so anfällt: Das Cover und Band zwei.

Neben dem Schreibprozess gibt es einige Überlegungen, die ich als Autorin nicht außer Acht lassen darf. Ein Punkt ist das Cover. In der letzten Zeit ist mir klar geworden, dass ich dieses unbedingt selbst gestalten will und nur dann auf einen Designer zurückreife, wenn ich an die Grenzen meiner Möglichkeiten stoße. Eine Inspiration habe ich durch das Titelbild des Buches ‚Wenn du mich tötest‘ erhalten. Mir gefällt der verschwommene Stil sehr gut:

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Zudem ist Hurt No One ein Mehrteiler und nichts ist schlimmer als ein Buch mit Fortsetzung, die nicht notwendig ist. Aus diesem Grund bastele ich inzwischen an den ersten Seiten von Band zwei und konzipiere den Plot. Richtig lege ich jedoch erst los, wenn ich einen Haken hinter die Überarbeitung von Band eins setzen kann.


Zum Abschluss ein Wort aus Red-Mon-Stadt

Die letzten Male habe ich euch einen Auszug aus dem Glossar zu meiner Dystopie vorgestellt. Das werde ich für die Zukunft beibehalten. Heute stelle ich euch eine wichtige Figur vor, die in dem kurzen Textabschnitt oben erwähnt worden ist:

Der Totenläufer: Der Totenläufer ist ein SDF-Soldat, der im Namen der Stadtverwaltung Gefahrenquellen eliminiert. Er ist eine Person des öffentlichen Interesses. Er ist das Paradebeispiel absoluter Loyalität. In den Medien der Stadt ist er überall präsent, obwohl seine Identität geheim bleibt. Der Totenläufer reagiert auf Leserbriefe persönlich und setzt sich für die Bevölkerung ein, die sich immer mehr mit ihm identifiziert. Der Glaube an den Totenläufer und die Ideale, die er verkörpert, eint die gesamte Stadt.


Ich wünsche euch was

+Mika+

Wenn ihr Interesse an den ersten beiden Beiträgen zum Thema habt, klickt einfach hier:

Wie ein Roman entsteht 1

Wie ein Roman entsteht 2

Gedanken-Mix

Serve the good: Zeichnen inspiriert

Zeichnen ist etwas, das mich seit Jahren begleitet. Vor einigen Jahren konnte ich stunden- und tagelang den Stift nicht aus der Hand legen. Gezeichnet habe ich vor allem Menschen im Mangastil. Heute habe ich kaum noch Geduld, eine Zeichnung überhaupt fertigzustellen. Meist bleibe ich bei einfachen Skizze, die ihr vereinzelt auch in den Beiträgen hier auf dem Blog sehen könnt. Vielleicht fragt ihr euch jetzt, was dieses Thema auf einem Schreibblog zu suchen hat. Ganz einfach: Derzeit stecke ich in einem Kreatief. Egal was ich tippe und wie lange ich es verändere, es gefällt mir nicht. Zeichnen sollte meinen Geist lockern.

Ursprünglich wollte ich deshalb etwas aus meinem Projekt auf Papier bringen. Das hätte mir vielleicht einen neuen Blickwinkel beschert, doch im Grunde gelingt mir das nur an richtig guten Tagen. Dann kam die Rettung. Meine Freundin Stella Delaney schrieb gerade an einer Kurzgeschichte für eine Anthologie. Ihr Protagonist hat eine Abneigung gegen weiße Flächen und das kam mir bekannt vor. Ich vor einem weißen Blatt Papier, auf das eigentlich Worte gehören. Ich hatte sofort ein Bild im Kopf, das mich nicht wieder losließ. Ihr kennt das sicher. So als ob man einen guten Film gesehen hat, den man einfach nicht vergessen kann. Oder wenn man einen Gedanken hat, der einen mehrere Tage verfolgt. Jedenfalls setzte ich mich hin und machte eine winzige Skizze:

Skizze
Aus der Leinwand sollte so etwas wie eine schwarze Wolke wachsen.

Obwohl ich nur fünf Minuten brauchte wurde mir schmerzlich bewusst, dass ich weder eine Ahnung hatte, wie eine Leinwand aussieht, noch wie die Proportionen des Menschen richtig waren. Meine Frustration steigerte isch ins Unermessliche und ich war kurz davor alles abzubrechen. Zum Glück hatte ich gute Unterstützung und rappelte mich auf. Ich entschied, meinem Mitbewohner abzuzeichnen und ein gutes Foto von einer Leinwand  als Vorlage zu nutzen. Und siehe da, es funktionierte. Bis halb zwei in der Nacht saß ich da, meinen Bleistift in der Hand und zeichnete, was das Zeug hält. Hier das Ergebnis:

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Ich zeichne meist nur mit Bleistift und ergänze einige wenige Akzente.

Eigentlich hätte ich an der Stelle zufrieden sein können, aber wie es so ist, gefiel mir der Scan überhaupt nicht. Am PC sehen Bleistiftzeichnungen immer so blass aus. Ich wollte also mehr Kontrast und tiefe Schatten, weshalb ich mich meiner Photoshopkenntnisse und eines Grafiktabletts bediente. Im Grunde zog ich dabei nur die Linien dunkel nach, fügte Schatten ein und ergänzte etwas Rot.

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Was das Bild bedeutet ist gar nicht so leicht zusammenzufassen. Beim Zeichnen selbst, mache ich mir natürlich immer irgendwelche Gedanken, die ich dann aber in Sekunden verwerfe. Ich habe mir Stellas Figur ausgeborgt und sie im Grunde in einen neuen Kontext gesetzt.  Ich stelle mir vor, wie Alan einen Brief bekommt, in dem er aufgefordert wird, ins Militär einzutreten (der echte Alan ist Soldat, soweit mir das richtig im Kopf geblieben ist). In dem Moment als er das Schreiben öffnet und begreift, worum es geht, taucht vor ihm diese Leinwand auf und ein Schatten legt sich über ihn. Einerseits will er den Unschuldigen und Guten dienen, andererseits weiß er, dass Soldaten oft unmenschlich handeln müssen. Die angedeutete Zeichnung auf der Leinwand ist eine also Illusion, die sich in einer Explosion löst. Pow, und dann kommt die Dunkelheit.

Lasst es euch gut gehen.
+Mika+


Ich bitte darum, die Bilder nicht ungefragt zu verwenden. Ihr könnt sie gern teilen und weiterverbreiten, aber gebt bitte stets diese Seite und meinen Namen als Quelle an. Ich danke euch!