Gedanken-Mix, Schreibarbeit

Auf zu neuen Büchern

Zwei Wochen ist sie her: die Leipziger Buchmesse. Wer schon mal dort war, weiß, so ein Messetag ist anstrengend, aber seine Zeit wert. Leser wollen Autogramme, Autoren Kontakte knüpfen und Verlage ihr Programm präsentieren. Ich war in diesem Jahr am Freitag und Sonntag zugegen und habe alles mitgenommen. Von Vorträgen zum Self-Publishing über Lesungen mir bekannter Autoren oder Gesprächen mit Illustratoren war alles dabei. Einige meiner Erfahrungen möchte ich mit euch teilen.


Die Buchmesse löst in mir stets ein Gefühl von Euphorie aus. Es ist der kurze Blick in die erfolgreiche Buchwelt. Vor zehn Jahren berührten meine Füße zum ersten Mal die Hallen des Messegeländes. Damals kam ich als Mangafan, habe mich vom Japanhype mitreißen lassen und all die Zeichner bewundert, die dort ihre Sachen ausstellten. Dieses Jahr kam ich als Autorin und mischte mich unter das Volk der Verleger. Ich muss gestehen, das war eine ganz schöne Umstellung, denn die lockere Atmosphäre der Mangafans ist nicht überall zu spüren. Doch genau das macht die Leipziger Messe aus. Bunt mischt sich mit akkurat, chaotisch mit sortiert. Welten prallen aufeinander, begegnen sich, erfüllen einander und ich war mittendrin.


Self-Publishing: Marketing oder wie verkaufe ich meine Seele?

Meine erste Anlaufstelle war Halle fünf mit dem Bereich für Self-Publisher. Als ich am Freitagmorgen dort ankam, war die Halle gut besucht. Beinahe etwas zu gut. Die Anziehungskraft, die dieser Teil der Buchbranche innehat, war deutlich zu spüren. Ich startete mit Standbesuchen und einem Vortrag über Selbstvermarktung. Leser, so das Fazit, kaufen Bücher vor allem wegen des Inhalts, des Covers oder des Klappentexts. Die Wahl aufgrund eines Verlags ist eher selten. Eine Tatsache, die ich gut nachvollziehen kann. Bevor ich in die Buchwelt eintauchte, kannte ich höchstens Heyne oder Bastei Lübbe. Autorennamen oder Buchtitel sind für mich bis heute aussagekräftiger als ein Verlagsname. Euch geht es vielleicht ähnlich.

Der Grundtenor in Halle fünf war leicht zu erkennen: Self-Publishing ist Marketing und wer sich mit seinem Buch als Eigenverleger durchsetzen will, muss auch auf Qualität achten und mit Profis zusammenarbeiten. Ob Lektor, Grafiker oder Korrektor, ganz allein wird es schwer. Was auf den ersten Blick demotivierend klingt, hat mich angespornt und tausend Ideen in mir geweckt. Ich dachte, ich kann alles schaffen. Jetzt wo ich diesen Beitrag schreibe, sehe ich das etwas anders. Die von den Veranstaltern geführten Vorträge waren darauf aus, Autoren zu motivieren. Logisch, BoD, epubli und weitere leben von Self-Publishern und verdienen gut an ihnen. Es ist also nicht verwunderlich, dass es heißt, man braucht als Autor keinen Verlag. Ob das wirklich so einfach ist, wie es auf den ersten Blick aussieht, darüber lässt sich streiten.

Tatsache ist, der Autor soll eine „Marke“ werden, unter der ihr Leser euch etwas vorstellen könnt. So wie ihr genau wisst, ob euch eher Bücher von J.K. Rowling interessieren oder von Stephen King. Ich gebe zu, damit habe ich ein Problem. Ein Buch im Eigenverlag zu veröffentlichen bedeutet für mich Freiheit. Ich treffe eigene Entscheidungen und tue das, was ich für richtig halte. Marketing heißt jedoch, sich selbst verkaufen zu müssen und sich auch dem Mainstream anzupassen, um die Verkaufszahlen zu erhöhen. Nur verkaufe ich damit nicht auch meine Seele?


Verlagsspionage

Neben Vorträgen wollte ich in diesem Jahr gezielt Verlagsständen aufsuchen. Es heißt ja immer, man solle das Verlagsprogramm kennenlernen, schauen, ob es zu einem passt, eine Nische finden und sich dort einsortieren. Ich bin deshalb nicht zu den großen Publikumsverlagen gegangen. Das Spektrum dieser ist so groß, dass ich nie weiß, woran ich wirklich bin. Ich habe mich bewusst dazu entschieden, Kleinverlage aufzusuchen und bin dort als Leser aufgetreten. Meine Fragen waren breit gefächert, je nachdem, ob die Mitarbeiter am Stand Zeit hatten oder nicht.

Auf meiner Liste standen zehn Verlage. Bei einigen konnte ich schon beim ersten Blick auf den Stand feststellen, dass meine Werke nicht für sie in Frage kommen. Zu viel Fantasy, zu viel Romantik. In meine engere Wahl gefallen sind der El Gato Verlag, der Luzifer Verlag, der Amrûn Verlag und der Papierverzierer Verlag. Alle vier haben düstere Science-Fiction Werke im Programm und machen einen professionellen Eindruck. Ganz besonders der Stand von El Gato war sehr familiär. Ich saß etwa zehn Minuten gemütlich mit dem Verlagsinhaber auf einem Kissen und habe mich über die Bücher unterhalten, die dort produziert werden. Man sagte mir, es geht nicht um Massentauglichkeit, sondern um etwas Besonderes. Damit haben sie meinen Geist punktgenau getroffen. Ob ich mich nun doch bei Verlagen bewerbe, das entscheide ich demnächst.

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Der inzwischen sehr beliebte Drachenmondverlag auf der Messe. Mir gefallen die Cover sehr gut.

Auf der Suche nach Illustratoren

Wie einige von euch wissen, bin ich ein visueller Mensch. Ich zeichne selbst, fotografiere gern und bastele mit Photoshop Bilder zusammen, die ich für meine Geschichten verwenden kann. Kunst ist ein Teil meiner ganz persönlichen Leidenschaft und ich konsumiere sie in so gut wie allen Formen und Farben. Modern, historisch, abstrakt, detailliert. Warum also nicht auf der Buchmesse nach Inspiration suchen? Warum nicht Illustratoren ansprechen, mit denen ich mir eine Zusammenarbeit vorstellen kann? Mit zwei Künstlerinnen konnte ich ins Gespräch kommen und vielleicht entwickelt sich ja in Zukunft etwas. Zum einen ist dies Synticfaye und zum anderen Miss Geisterhausen, deren Name mich einfach sofort begeistert hat. Synticfaye macht digitale Zeichnungen im Fantasybereiche, aber auch für Science-Fiction. Eines ihrer Bilder hat mich an mein Projekt Hurt No One erinnert, weshalb es in meiner Postkartensammlung landete. Miss Geisterhausen hat genau den düsteren und verruchten Stil, den ich liebe. Ihre Zeichnungen sind grob, aber doch wundervoll ausdrucksstark. Beim Betrachten ihrer Bilder kommen mir gleich unzählige Ideen für neue Geschichten.

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Links das Bild von Miss Geisterhausen, rechts das von Synticfaye. Seid so lieb und kopiert das Foto nicht. Alle Rechte liegen natürlich bei den Künstlern!

Lesungen auf der Messe

Ein weiteres Ziel für die Messe waren Lesungen. Ich wollte von den bekannten und unbekannten Autoren lernen, denn irgendwann will ich für euch auch eine Lesung ausrichten. Aus diesem Grund war aufmerksames Zuhören angesagt. Überall dort, wo gelesen wurde, blieb ich kurz stehen und ließ die Geschichte auf mich wirken. Bemerkt habe ich, dass viele Autoren sehr leise vorlasen und den Blickkontakt mit dem Publikum scheuten. Natürlich, das eigene Buch gibt Sicherheit, aber gut ist es nicht.

Mein persönliches Highlight war die Lesung von Matí, der aus seiner Kurzgeschichtensammlung „Des Monsters Makel“ vorlas. Auch wenn er mir später im Vieraugengespräch sagte, er habe einige Fehler gemacht (ich habe nichts bemerkt), fand ich seine Art vorzulesen einfach grandios. Mit einer lauten Stimme und starker Betonung weckte er sofort das Interesse seiner Zuhörer. Und dann hat er noch diese kratzig düstere Stimme, die perfekt zu seinen Geschichten passt. Einfach wundervoll.


 

Qindie auf der Buchmesse 2016

Und neben all den Dingen, die ich so schon vorhatte, gab es auch noch den Qindiestand. Die Autorengruppe, in der ich mich engagiere, hat es zum zweiten Mal möglich gemacht und einen Stand auf der Buchmesse organisiert. Mein Buch Sieben Raben war mit dabei. Ja wirklich. Es stand zwischen den anderen Büchern im Regal und glänzte in düsterem Blau. Wie stolz ich war und was das für mich bedeutet hat, kann ich gar nicht beschreiben.

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Ich vor dem Qindiestand. Das Bild wurde von Divina Michaelis geschossen.

Mir bleibt nur noch eins zu sagen: Wir sehen uns im nächsten Jahr zur Buchmesse!

+Mika+


Das Beitragsbild und das letzte Foto sind von Divina Michaelis

Aktuelles, Gedanken-Mix

Buchmesse 2016: Ich bin dabei

Liebe Leser, Interessierte und ungewollt auf diesen Blog Gestoßene,

ich bin dabei! Bei der Leipziger Buchmesse 2016. Am Freitag und Samstag werde ich mich in den Hallen der Messe austoben, Veranstaltungen besuchen, mir Inspirationen holen und mich vom Meer der Besucher treiben lassen. Es ist nicht mein erster Besuch, aber dennoch eine kleine Premiere, denn in diesem Jahr wird mein Buch „Sieben Raben“ auf der Messe ausgestellt sein. Und nicht nur das, ich wirke wahrhaftig auf einem Stand mit und bin für euch ansprechbar. Gemeinsam mit den wundervollen Autoren und Autorinnen von Qindie bin ich in Halle 5 am Stand C301 vertreten. Allerdings nicht den ganzen Tag, sondern nur von 15 bis 17Uhr am Freitag und am Sonntag ab 15Uhr. Solltet ihr also Zeit haben, dann schaut einfach am Stand vorbei. Wir Autoren von Qindie freuen uns über jeden Besuch.

Vielleicht fragt ihr euch, was ich die restliche Zeit auf der Messe mache. Ich werde mich wohl hauptsächlich in Halle 2 aufhalten, wo es so viele Dinge aus meiner zweiten ‚Heimat‘ Japan gibt, an denen ich nur sehr schwer, wirklich sehr schwer vorbeigehen kann. Ansonsten besuche ich am Sonntag die Lesung von Mati zu seinem Buch „Des Monsters Makel“ um 14Uhr und werde mich bei allem anderen von meiner Intuition leiten lassen. 🙂 Na, wer von euch wird noch da sein?

Einen Bericht von der Messe und was so alles passiert ist, bekommt ihr von mir eine Woche später.

Ich wünsche euch was.

+Mika+

Mika Krüger - Sieben RabenBeitragsbildAdventskalender

Gedanken-Mix, Schreibarbeit

7 Gründe, warum Raben faszinierend sind

Raben sind düstere Vögel, die auf knorrigen Ästen sitzen und kehlige Laute von sich geben. Wenn ihre schwarze Gestalt am Himmel kreist, haben wir ein mulmiges Gefühl. Sie stehen symbolisch für den Tod und werden bis heute von einem tiefschwarzen Image verfolgt. Dabei brauchen wir vor ihnen keine Angst zu haben. In diesem Beitrag findet ihr sieben Gründen gegen das schlechte Image von diesen erstaunlichen Vögeln.


Grund 1) Raben sind unwahrscheinlich intelligent. Sie können komplexe Handlungen planen, sich Gesichter einprägen und von uns lernen. Wenn sie auf Ästen oder Laternen sitzen, versuchen sie stets, uns einzuschätzen. Sind wir eine Gefahr, ein Freund oder ein Feind? Keinesfalls dient ihr skeptischer Blick dazu, uns einzuschüchtern. Ihnen ist wohl bewusst, dass sie gegen einen Menschen keine Chance haben.

Dank ihrer Intelligenz können sie ganz erstaunliche Dinge tun. Ein Beispiel dafür ist ihr Vorgehen beim Knacken von Nüssen. Dazu nutzen sie den Straßenverkehr, werfen in roten Ampelphasen Nüsse auf die Straße und warten, bis es grün wird. Wenn die Nussschale dann von den Autoreifen geknackt worden ist, bedienen sie sich am Fressen. Ein weiteres Beispiel ihrer Intelligenz seht ihr in diesem Video:

Grund 2) Raben sind sehr kreativ und anpassungsfähig. Deshalb nutzen sie alles, was ihnen in den Schnabel kommt, um ihr Ziel zu erreichen. In Japan lässt sich zum Beispiel beobachten, wie sie Kleiderbügel aus Draht zum Nestbau verwenden. Dabei verbiegen sie den Draht in gewünschter Art und Weise und setzen ihn Stück für Stück aneinander, sodass ein Nest entsteht. Was im ersten Moment unglaublich erscheint, nämlich ein Nest aus Metall, ist ein Zeichen dafür, wie gut sie sich mit dem Leben in der Großstadt arrangiert haben. Zu sehen ist dieses Verhalten in der Doku, die am Ende des Beitrags als Link angegeben ist (ab 25:19).

Grund 3) Raben sind keine Einzelgänger, die darauf lauern anzugreifen, sondern soziale Gruppentiere. Sie leben monogam (ja, ihr habt richtig gehört, die Vögel haben manchen unserer Mitmenschen da was voraus) und sitzen bereits als Jungtiere beisammen und ‚erzählen‘ einander Geschichten. Schade, dass wir nicht verstehen, worum es geht.

Grund 4) Raben sind Singvögel. Das merkwürdige Krächzen oder Glucksen, das Raben aus der Kehle dringt, ist kein beabsichtigt gruseliger Laut. Es ist vielmehr eine ungewöhnliche Art zu singen. Man könnte sagen, es ist die Rabenvariante von öffentlichem Karaoke. Singen für die Geselligkeit sozusagen, ob es nun schön klingt oder nicht.

Grund 5) Raben können sehr zutraulich werden. Man könnte annehmen, dass Menschen und Raben nicht zusammenpassen. Jeder hat Respekt vor dem anderen, aber eine Freundschaft wird das nicht. Weit gefehlt, denn junge Rabentiere können genauso auf den Menschen geprägt werden wie Katze und Hund. Sie lassen sich streicheln, füttern und werden richtig anhänglich. Und mal ehrlich, wer will nicht so ein intelligentes Tier an seiner Seite? Nein okay, das ist natürlich nicht zu empfehlen. Es sind Wildtiere, die ihren eigenen Weg gehen sollten.

Grund 6) Raben sind keine Mörder, sondern Aasfresser. Ein Vorurteil gegenüber Raben ist die Vermutung, sie würden kleinere Singvögel töten, sodass ihre Population in bestimmten Gebieten abnimmt. Während wir es mit einem genervten Blick abnicken, dass unsere Hauskatze einen toten Vogel anschleppt, ist ein Rabe, der dies tut, sofort brutal und bösartig. Noch dazu sind Raben eher Aasfresser als Jäger. Sie begleiten Wölfe und andere Jäger eher beim Beutefang und bedienen sich anschließend, als selbst tätig zu werden. Frei nach dem Motto: Lass die anderen die Arbeit machen.

Rabenvögel sind keineswegs „blutrünstige Mörder“, sondern kümmern sich im Naturhaushalt um die Beseitigung von Aas. Deshalb kamen sie bereits im Mittelalter als Galgenvögel in Verruf. Finden sich heute Raben, Elstern oder Krähen an einem Kadaver ein, wird ihnen gleich ein Mord unterstellt. (Zitat aus NABU)

Grund 7) Raben sind wunderschön und fotogen. Ihr Gefieder glänzt silbern im Licht. Sie haben tiefschwarze Knopfaugen, bewegen sich grazil in der Luft und sind von beachtlicher Größe. Ob bei schummrigem Dämmerlicht, Sonnenaufgang oder Sommersonne, die dunkle Gestalt eines Raben macht sich auf jeder Fotografie gut. Während man beispielsweise eine weiße Taube vor weißen Wolken niemals vernünftig fotografieren kann, ist es ein Leichtes, den sich stark vom Himmel abzeichnenden Rabenvogel schön in Szene zu setzen. Man muss nur schnell genug sein.


Jetzt fragt ihr euch sicher, weshalb ich diesen Beitrag auf einem Blog für Romane und das Schreiben veröffentlicht habe. Ganz einfach, was ich euch hier präsentiert habe, ist in Auszügen das Ergebnis der Recherche für meinen Roman Sieben Raben. Dieser ist nun auch als Taschenbuch über Amazon oder epubli bestellbar. Ob ich da beim Klischee des mordenden Raben geblieben bin, könnt ihr sehr gern überprüfen.


Quellen:

Dokumentation über Raben

Rabenvögel

Rabenvögel: Vorurteile und Fakten

Rabenvögel aufziehen

Anmerkung: Ich nutze hier den Begriff Rabe, obwohl das korrekte Wort Rabenvogel ist und Elstern und Krähen mit einschließt.

Silver Coin 203

Figuren: Neel Talwar

Romane leben von ihren Figuren. Sie sind das Herzstück der Geschichte und formen die Handlung. In diesem Beitrag stelle ich euch eine der Erzählfiguren aus Silver Coin 203 vor: Neel Talwar.


Neels Rolle in Silver Coin 203

„Es zählt nicht nur das Ergebnis einer Tat, sondern auch, warum wir so gehandelt haben.“

Neel ist ein Familienmensch. Seine zwei Geschwister Nikki und Mischa und seine Mutter bedeuten ihm alles. Für sie geht er wortwörtlich durch die Hölle, denn er ist davon überzeugt, dass er als Erstgeborener Sohn die Pflicht hat, sie alle zu beschützen. Neel blickt auf eine liebevolle Kindheit mit Eltern zurück, die ihn immer unterstützt und an ihn geglaubt haben. Umso schwerer ist es für ihn, dass er im Jahr 2075, als die Geschichte von Totenläufer beginnt, keinen Kontakt mehr mit der Familie hat und als Einsiedler lebt. Immer wieder versucht er, seine Familienmitglieder zu erreichen, doch seine Mutter verweigert die Gespräche und besteht auf Distanz.

Im Grunde ist Neel ein Einwanderer, denn er ist als Kind zusammen mit seinen Eltern Raveena Talwar und Angus Talwar nach Red-Mon-Stadt geflüchtet. Die Familie wollte auf der Insel ein sicheres Leben in Frieden führen, was zuerst gut funktioniert, ihnen dann jedoch entrissen wird. An diesem Schicksal hat Amanda Whitman, die Antagonistin von Silver Coin 203, einen großen Anteil.

Der Soldat

Neel ist Soldat der SDF. Er kämpft jedoch nicht in Kriegen, sondern verteidigt die Insel von innen heraus. Dafür löscht er im Auftrag der Verwaltung Red-Mon-Stadts unangenehme Störfaktoren aus. In brutalen Einsätzen wird er gezwungen, Dinge zu tun, die er mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann. Er ist hin- und her gerissen zwischen Schuld, Pflicht und seinen Idealen, weshalb er kaum schläft, Alpträume hat und sich jeden Tag aufs Neue fragen muss, was er eigentlich tut.

Geschichten

Neel wird als SDF-Soldat streng überwacht. Es gibt kaum einen Ort, an dem er unbeobachtet ist. Deshalb hat er eine Strategie entwickelt, die ihm hilft, aus dem Alltag zu flüchten. Er geht in eine Bar namens „Hintertüren“ trinkt dort immer zwei Tequila, um nicht allzu betrunken zu werden, und kommt mit den Leuten ins Gespräch. Besonders angezogen wird er von Menschen, die ihm traurige Geschichten vom Festland oder von Verlusten erzählen.

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Neel liebt alte Sachen, denn sowohl sein Vater als auch seine Mutter haben einen Faible dafür. Eine solche alte Uhr steht in der Wohnung seiner Familie und er selbst trägt immer eine alte Silbermünze bei sich.

Neels Makel

Zu Neels schlechten Eigenschaften zählt seine Art, indirekt auf Fragen zu antworten. Er kann sich nur schwer festlegen und geht ungern konkret auf Fragen ein, außer jemand kitzelt seine Antwort zum Beispiel in einem Streit heraus. Es ist für seine Umfeld daher oft schwer, herauszufinden, was er wirklich denkt oder meint. Zumal er kein großes Taktgefühl hat und gerade, wenn er bedrängt wird, verletzend reagiert. Das manövriert ihn mehrfach in unangenehme Situationen und bringt ihm einen unwiederbringlich schlechten Ruf ein. Außerdem gibt er in Notsituationen gern den Ton an und vergisst die Menschen um sich herum.


Bilderquellen: Giampaolo Macorig von flickr.com // Kaminuhr

Schreibarbeit

Warum Self-Publishing? Hürden des Eigenverlags

Über Self-Publishing wird viel diskutiert. Für Autoren ist es die Möglichkeit, das eigene Buch nach eigenen Vorgaben herauszubringen. Für Verlage sind Eigenverleger ernst zu nehmende Konkurrenz und Leser wissen oft nicht, was sie von dem Ganzen nun eigentlich halten sollen. Mein Beitrag möchte einige Unklarheiten beseitigen, kann jedoch keinesfalls Vollständigkeit bieten. Denn sind wir mal ehrlich, dieses Thema ist so vielfältig, ich könnte ein Buch im Format von Herr der Ringe darüber schreiben.


Self-Publishing, im Deutschen auch Eigenverlag oder Selbstverlag, ist jedem inzwischen ein Begriff. Es ist eine Variante des Verlegens von Büchern. Dabei tritt der Autoren selbst in Vorkasse und veröffentlicht ohne die Unterstützung eines Verlags seine Bücher. Ob ebooks, Hörbücher oder Taschenbücher spielt dabei keine Rolle. Alles ist machbar. Autoren werden so zu Unternehmern. Sie kümmern sich nicht nur um das Schreiben des Buches, sondern auch um den Druck, die Vermarktung, den Kontakt mit der Presse, das Netzwerken und alles andere, was so anfällt. Man kann also sagen, die gesamte Verantwortung für die Qualität und den Erfolg des Buches lastet auf den Schultern der Autoren und es stellt sich die Frage: Wie schafft man das und was hat man davon?


Self-Publisher als Marketingspezialisten

Im Grunde genommen ist es heute ganz einfach, ein Buch zu veröffentlichen. Nehmen wir an, wir haben einen fertigen Text, der mehrfach korrigiert/lektoriert worden ist und gehen davon aus, dass es schon ein fachmännisches Cover, einen guten Titel sowie einen guten Klappentext gibt. Wer an diesem Punkt angelangt ist, muss sich nur noch die Frage stellen: Wie will ich mein Buch veröffentlichen? Als Ebook oder Taschenbuch? Der Neuling wird sofort zum ebook greifen, denn das verursacht in der Regel keine großen Kosten. Man wählt einen der zahlreichen Distributoren* wie Neobooks, Amazonas Kindle Publishing, Tolino Media und schon kanns losgehen. Distributoren Homepage öffnen, Daten einpflegen, was bis zu einen Tag dauern kann, dann drückt man auf „veröffentlichen“ und den Rest übernimmt das Team von bspw. Neobooks. Danach sollte sich das Buch im besten Fall ganz von selbst verkaufen. Sieht ja schön aus und macht was her, das Büchlein! Aber genau so funktioniert es nicht. Im Titel dieses Beitrags ist nicht umsonst das Wort „Hürden“ aufgeführt. Und von Schreibblockaden oder ganz klassischen Problemen des Schreibens ist hier gar nicht die Rede. Sowas kann sich ein Self-Publisher nämlich nicht leisten (siehe letzter Abschnitt).

Die grundsätzliche Hürde des Self-Publishing besteht nicht etwa darin, ein Buch zu veröffentlichen, sondern es zu verkaufen. Wie kann ich mein Werk im Amazonas der Bücherwelt sichtbar machen? Ich muss euch enttäuschen, auf diese Frage habe ich kein Patentrezept. Das gibt es auch nicht. Wer mehr darüber wissen will, schaut einfach mal auf die Seite von Matthias Matting, der sich ausführlich damit beschäftigt. Fakt ist, Autoren sollten im Eigenverlag auch die Rolle eines Marketingspezialisten übernehmen, obwohl sie sich dessen sehr wahrscheinlich nicht bewusst sind. Und Marketing ist harte, schweißtreibende und undankbare Arbeit. Es macht überhaupt keinen Spaß. Ganz ehrlich. Null, nada. Wer weiß, wie schwer es ist, bei einem Bewerbungsgespräch auf die eigenen Stärken zu verweisen, hat eine Ahnung davon, wie es sich anfühlt, das eigene Buch öffentlich als „kaufbar“ anzupreisen. Egal, ob man davon überzeugt ist oder nicht. Doch gerade das ist für Self-Publisher notwendig. Während man inzwischen überall freie Lektoren oder Coverdesigner findet, bin ich noch nicht über einen freien Werbespezialisten für Autoren gestoßen. Diesen Part übernehmen normalerweise Agenturen oder Verlage. Wer sich damit absolut nicht anfreunden kann, für den ist Self-Publishing nicht rentabel und wahrscheinlich nur Spaß an der Freude. Ein gelungenes Beispiel für gutes Marketing ist das Autorenprofil von Ilona Bulazel. Ihre letzte Buchankündigung bekam viel Zuspruch und niemand moniert, dass es sich im Grunde um ein Buch im Eigenverlag handelt. Merkt man ja auch nicht. Sieht alles top aus.


Warum eigentlich Self-Publishing?

Eine heikle Frage, die Autoren und Außenstehende völlig gegensätzlich beantworten. Autoren sagen: Weil ich mein eigener Herr sein will. Außenstehende sagen: Weil vom Verlag abgelehnte Autoren auf Teufel komm raus, ihr eigenes Buch veröffentlichen wollen. Wie bei allen Dingen liegt die Wahrheit in der Mitte. Ja, es gibt viele Autoren, die abgelehnt werden und einige davon veröffentlichen ihr Buch dann in Eigenregie, doch die Gründe für eine Ablehnung sind vielfältig. Es geht nicht immer nur um schlechte Qualität. Ein Verlag ist ein Wirtschaftsunternehmen. Wenn das Unternehmen Verluste wittert, wird eine Annahme verweigert, ansonsten kann es nicht haushalten. Ein Text, der nicht massentauglich ist, hat es beim Verlag demnach schwer, egal, ob gut oder nicht.

Ich habe mich insgesamt mit zwei Manuskripten direkt beim Verlag beworben und ja, ich habe Absagen bekommen. In meinen Absagen standen Dinge wie: Science-Fiction verkauft sich in Deutschland nicht gut (das war 2010 also vor Tribute von Panem) oder die Geschichte hat keinen Handlungsrahmen (2012 für das Manuskript „Das Geschick meines Feindes“). Ersteres war niederschmetternd, letzteres hat mir gezeigt, dass ein Verlag Geschichten mit einem bestimmten Schema sucht. Wer einen Thriller schreibt, sollte sich inhaltlich von Fitzek, Dan Brown oder anderen bekannten Größen inspirieren lassen und es ähnlich machen. Was der Leser kennt, kauft er auch, ist die Devise und funktioniert besonders gut bei Liebesromanen. Ein Buch mit zu individuellem Charakter ist nicht gern gesehen. Lange Rede kurzer Sinn. Verlage haben ihre eigenen Richtlinien, Vorstellungen, Ideen. Sie möchten das Cover bestimmen und ggfs. in das Werk selbst eingreifen, wenn sie es für richtig halten. Veränderungen können massiv oder gering ausfallen, je nach Manuskript. Autoren, die genau das nicht wollen, werden von sich aus auf eine Bewerbung beim Verlag verzichten. Die Hürde besteht dann darin, nicht als frustriert und qualitativ schlecht abgestempelt zu werden.


Veröffentlichung am Fließband

Ich bin weder ein fanatischer Anhänger von Self-Publishing noch ein jemand, der Verlage bejubelt. Jede Art der Veröffentlichung hat seine Vor- und Nachteile. Allerdings ist mir in den letzten Monaten eine Tendenz aufgefallen, die mich beunruhigt. Es ist kein Geheimnis, dass wir in Zeiten, wo neue Smartphones alle halbe Jahr auf den Markt geworfen werden und wir ein Überangebot von Luxusgütern haben, schnell, schnell etwas NEUES haben wollen. Ein Verlag sieht das nicht so eng, sie haben mehrere Bücher zur Auswahl, wenn ein Autor mal ein Jahr braucht, kein Problem. Im Self-Publishing ist das nicht so leicht. Ein Buch hat eine Halbwertszeit von drei Monaten. Danach ist es in den Listen von Amazonas und Co. verschwunden und die Verkaufszahlen gehen gegen null. Wer Self-Publisher ist, muss also Bücher wie am Fließband produzieren. Drei Bücher oder mehr im Jahr sind keine Seltenheit. Zu diesem Thema habe ich eine ganz klare Meinung: Ein in drei Monaten geschriebenes Buch kann niemals die Qualität eines Verlagswerkes haben. Schreibprozess, Lektorat, Korrektorat, Buchdruck, das alles geht nicht von heute auf morgen. Sicher kann man Routinen entwickeln und Bücher mit ähnlichem Konzept immer wieder produzieren, aber ist das wirklich sinnvoll? Ich weiß es nicht. Ich finde, das ist purer Stress. Mir ist klar, dass es aus kurzer Sicht gesehen, Sinn macht, so zu verfahren, bin aber der Ansicht, dass ein handfestes Werk Zeit braucht, anderenfalls können (müssen nicht) Bücher entstehen, die das negative Bild von Self-Publishing stärken. Ein Baum braucht hundert Jahre, um so hoch zu wachsen, dass wir staunend vor ihm stehen bleiben. Ein Buch vielleicht auch.

+Mika+


*Distributoren sind Anbieter, die meist online das Veröffentlichen und Vertreiben von Büchern ermöglichen.

Weiterführende Links:

Über Self-Publishing in Zeit Online.

Die Self-Publisher Revolution?!

Beitragsbild: www.literalis.net aus flickr.com