Gedanken-Mix

Rezension zu Sieben Raben

In der letzten Woche habe ich von Christian Milkus eine sehr gute Rezension zu meinem Buch Sieben Raben bekommen, über die ich mich unwahrscheinlich gefreut habe. Da mir aufgefallen ist, dass ich hier auf dem Blog noch gar keine Leserstimmen veröffentlicht habe, hole ich das an dieser Stelle nach und poste seine Rezension hier als Gastbeitrag.


„Criminal Mystery ist heute angesagt: „Sieben Raben“ von Mika M. Krüger. Angelehnt an das Grimmsche Märchen und übertragen ins Moderne, wird die junge Frana von sieben Raben begleitet, wohin sie auch geht. Schon bald stoßen ihre rätselhaften Begleiter sie auf dunkle Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit. Sie forscht nach und gerät so ins Visier gefährlicher Männer, die es schon seit ihrer Geburt auf sie abgesehen haben.

Ich mag düstere Geschichten, und somit war das Buch genau das Richtige für mich. Solche Bücher leben von der Atmosphäre, und das hat die Autorin sehr gut umgesetzt. Es ist ein stimmungsvolles Buch, das man abends im Bett während eines Gewitters lesen kann oder vorm Kamin mit Pfeife und Scotch in der Hand (ja, ein Kakao tut’s auch). Die Beschreibungen sind gut gelungen, und der Schreibstil ist sehr sanft und flüssig, sodass die Atmosphäre auch über das ganze Buch hinweg bestehen bleibt. Auch das Umschalten gelingt der Autorin wunderbar, so gibt es zwischendurch actionreiche Szenen, die wirklich packend geschrieben worden sind, und emotionale Szenen, die zum Nachdenken anregen.

Frana ist durch ihre liebenswürdige, aber auch sture und freche Art sehr sympathisch, und die Raben gaben der Geschichte von Anfang an den richtigen Flair. Franas Nachforschungen werden schön linear beschrieben, ohne unnötiges Blabla. Dadurch ist das Buch relativ kurz, dafür aber – wie sagt man so schön – knackig.

Für mich hat das Buch nur einen größeren Kritikpunkt: das Ende. Es war nicht schlecht, jedoch platzte keine Bombe, sondern eher ein Bömbchen. Etwas schade, denn da wurde Potential verschenkt. Insgesamt gesehen ist das aber nur ein kleiner Wermutstropfen. Mystery-Fans werden an der frechen Frana und ihrer tollkühnen Rabenbande definitiv ihre Freude haben und das Buch nur schwer beiseite legen können. Thumbs up!“


Wer ist Christian Milkus?

ChristianMilkus

Christian Milkus ist Autor und Geotechnologe. Er schreibt Fantasy und wird demnächst seinen Debütroman „Der Schatten in mir“ herausbringen. Es ist ein dunkler Fantasy Roman, der in einer mittelalterlichen Welt spielt. Das Besondere daran? Es gibt eine mutige Protagonistin, die trotz Borderline ihren Weg geht. Hier geht es zu seiner Webseite.

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Serve the good: Zeichnen inspiriert

Zeichnen ist etwas, das mich seit Jahren begleitet. Vor einigen Jahren konnte ich stunden- und tagelang den Stift nicht aus der Hand legen. Gezeichnet habe ich vor allem Menschen im Mangastil. Heute habe ich kaum noch Geduld, eine Zeichnung überhaupt fertigzustellen. Meist bleibe ich bei einfachen Skizze, die ihr vereinzelt auch in den Beiträgen hier auf dem Blog sehen könnt. Vielleicht fragt ihr euch jetzt, was dieses Thema auf einem Schreibblog zu suchen hat. Ganz einfach: Derzeit stecke ich in einem Kreatief. Egal was ich tippe und wie lange ich es verändere, es gefällt mir nicht. Zeichnen sollte meinen Geist lockern.

Ursprünglich wollte ich deshalb etwas aus meinem Projekt auf Papier bringen. Das hätte mir vielleicht einen neuen Blickwinkel beschert, doch im Grunde gelingt mir das nur an richtig guten Tagen. Dann kam die Rettung. Meine Freundin Stella Delaney schrieb gerade an einer Kurzgeschichte für eine Anthologie. Ihr Protagonist hat eine Abneigung gegen weiße Flächen und das kam mir bekannt vor. Ich vor einem weißen Blatt Papier, auf das eigentlich Worte gehören. Ich hatte sofort ein Bild im Kopf, das mich nicht wieder losließ. Ihr kennt das sicher. So als ob man einen guten Film gesehen hat, den man einfach nicht vergessen kann. Oder wenn man einen Gedanken hat, der einen mehrere Tage verfolgt. Jedenfalls setzte ich mich hin und machte eine winzige Skizze:

Skizze
Aus der Leinwand sollte so etwas wie eine schwarze Wolke wachsen.

Obwohl ich nur fünf Minuten brauchte wurde mir schmerzlich bewusst, dass ich weder eine Ahnung hatte, wie eine Leinwand aussieht, noch wie die Proportionen des Menschen richtig waren. Meine Frustration steigerte isch ins Unermessliche und ich war kurz davor alles abzubrechen. Zum Glück hatte ich gute Unterstützung und rappelte mich auf. Ich entschied, meinem Mitbewohner abzuzeichnen und ein gutes Foto von einer Leinwand  als Vorlage zu nutzen. Und siehe da, es funktionierte. Bis halb zwei in der Nacht saß ich da, meinen Bleistift in der Hand und zeichnete, was das Zeug hält. Hier das Ergebnis:

AlanFürStella
Ich zeichne meist nur mit Bleistift und ergänze einige wenige Akzente.

Eigentlich hätte ich an der Stelle zufrieden sein können, aber wie es so ist, gefiel mir der Scan überhaupt nicht. Am PC sehen Bleistiftzeichnungen immer so blass aus. Ich wollte also mehr Kontrast und tiefe Schatten, weshalb ich mich meiner Photoshopkenntnisse und eines Grafiktabletts bediente. Im Grunde zog ich dabei nur die Linien dunkel nach, fügte Schatten ein und ergänzte etwas Rot.

AlanFürStella2600px

Was das Bild bedeutet ist gar nicht so leicht zusammenzufassen. Beim Zeichnen selbst, mache ich mir natürlich immer irgendwelche Gedanken, die ich dann aber in Sekunden verwerfe. Ich habe mir Stellas Figur ausgeborgt und sie im Grunde in einen neuen Kontext gesetzt.  Ich stelle mir vor, wie Alan einen Brief bekommt, in dem er aufgefordert wird, ins Militär einzutreten (der echte Alan ist Soldat, soweit mir das richtig im Kopf geblieben ist). In dem Moment als er das Schreiben öffnet und begreift, worum es geht, taucht vor ihm diese Leinwand auf und ein Schatten legt sich über ihn. Einerseits will er den Unschuldigen und Guten dienen, andererseits weiß er, dass Soldaten oft unmenschlich handeln müssen. Die angedeutete Zeichnung auf der Leinwand ist eine also Illusion, die sich in einer Explosion löst. Pow, und dann kommt die Dunkelheit.

Lasst es euch gut gehen.
+Mika+


Ich bitte darum, die Bilder nicht ungefragt zu verwenden. Ihr könnt sie gern teilen und weiterverbreiten, aber gebt bitte stets diese Seite und meinen Namen als Quelle an. Ich danke euch!

Schreibarbeit

Ist Mystery ein Genre?

Wer fragt: „Was liest du eigentlich so?“, der erwartet als Antwort einen bestimmten Autor, Buchtitel oder aber ein Genre. Fantasy, Krimi, Science-Fiction, Liebesroman. Das sind Genrebegriffe mit denen wir eine bestimmte Vorstellung verbinden. Sie sagt uns, welchen Geschmack unser Gegenüber hat. Doch wie ist das bei Mystery? Ist unsere Vorstellung da auch so eindeutig, oder reden wir bei diesem Begriff möglicherweise aneinander vorbei?


Was bedeutet Mystery?

Vor wenigen Tagen hätte ich die oben gestellten Fragen mit einem „Nein“ beantwortet. Mystery, da weiß doch jeder was gemeint ist. Eine düstere Szenerie mit übernatürlichen Dingen und einer geheimnisvollen Geschichte. Wenn es jedoch so einfach wäre, bräuchte ich diesen Beitrag nicht schreiben. Eine Diskussion in der Facebookgruppe Recherche-Pool brachte mich darauf, dass nicht jeder meine Meinung teilt. Bevor ich jedoch das Pferd von hinten aufzäume, fange ich ganz klein an. Bei dem Begriff „mystery“.

Es ist eindeutig, dass das Wort „mystery“ aus dem englischen Sprachraum stammt. Es begegnet uns auf TV-Sendern wie RTL, Prosieben und Kabel eins. Ein Schlagwort mit dem Serien wie Akte X, Fringe oder auch Supernatural eingeleitet werden. Alles Serien, die ich selbst mit mal mehr mal weniger Genuss konsumiert habe. In einem Englischwörterbuch werden wir jedoch vergeblich nach den Worten „Randgebiet“* oder „übernatürlich“ suchen. Als deutsche Übersetzung finden wir dort Wörter wie Geheimnis, oder Rätsel. Also etwas Unbekanntes, das neugierig macht und entschlüsselt werden will. Soweit so gut, das deckt sich ja schon mit dem deutschen Pendant Mysterium.

Wer sich nun die Mühe macht und das meist zitierte Internetlexikon Wikipedia  zu Rate zieht, wird feststellen, dass wir den Begriff Mystery im Bereich der Literatur trotzdem „nicht korrekt“ verwenden (wir bösen Fremdsprachenlerner wir!). Mystery ist im Grunde genommen ein „false friend“ wie handy, lyrics oder realise. Ein Phänomen, das hitzige Diskussionen auslösen kann, die meist darauf hinauslaufen, dass wir der englischen Sprache eben doch nicht mächtig sind.  Dabei ist diese fehlerhafte Übertragungen ganz normal und passiert auch mit deutschen Wörtern, zum Beispiel im Japanischen (arubaito für Arbeit als Nebenjob). Nun aber zurück zum eigentlichen Thema.


Mystery in der englischen Literatur

Inwiefern verwenden wir Mystery nun eigentlich nicht korrekt? Darauf gibt es eine klare Antwort: wir (es gibt sicher Ausnahmen) bringen es mit etwas Übernatürlichem in Verbindung. Das englische Original meint allerdings einen Kriminalroman im Stil von Sherlock Holmes oder Agatha Christies Romanen. Es geht vordergründig um das Lösen eines Rätsels. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass mystery novel im Deutschen als Kriminalroman übersetzt werden kann. Wir hingegen  denken ganz unweigerlich an düstere Schauplätze mit unerklärlichen Vorkommnissen. Ganz so, wie es sich RTL und Co sich wünschen. Unsere Vorstellung tendiert daher eher weniger in Richtung Krimi, sondern zu Psychothriller oder auch Horror.

Meine Autorenkollegin Stella Delaney hat festgestellt, dass sich Genrebezeichnungen immer dann von ihrem englischen Pendant unterscheiden, wenn sie sich bereits eigenständig entwickelt haben (Romance vs. Romanze oder auch Mystery vs. Kriminalroman). Begriffe, die allerdings direkt aus dem Englischen übernommen worden sind, sind häufig identisch, da die Genredefinition mitgenommen worden ist (Sci-Fi oder Fantasy).


Warum es keine klaren Genregrenzen gibt

Doch damit nicht genug des Mysteryhorrors, denn Tatsache ist, dass der Genrebegriff Mystery in der deutschen Literatur bis jetzt kaum Bedeutung hat. Die Ursache dafür fasst das folgende Zitat aus Buecher-wiki treffend zusammen:

Mystery ist eine unscharfe Sammelbezeichnung für erzählende Literatur an der Schnittstelle von Kriminalroman, Fantasy, Horrorliteratur und historischem Roman, selten von Science Fiction. (Buecher-wiki, siehe Quellen unten)

Kurz: Das Genre hat noch keine eindeutige Definition. Autoren mit geisterhaften und düsteren Themen, die einen geheimnisvollen Hintergrund beleuchten, müssen sich also entscheiden: Entweder Krimi oder Horror oder Fantasy oder Science-Fiction. Ein Bücherregal mit der Aufschrift Mystery finden wir bei Thalia oder Amazon nicht. Ich persönlich finde keines der Genre passend. Natürlich können wir uns darüber streiten, ob es denn überhaupt nötig ist, ein Genre festzulegen. Macht es Sinn, dass wir Bücher in Schubladen legen, aus denen sie nicht ausbrechen können? Ich sage Ja. Für die Kommunikation ist es notwendig, dem Gegenüber klar machen zu können, von was man gerade spricht. „Ich lese gerade einen Fantasyroman“ heißt also: Ich lese gerade ein Buch, das in einer Welt spielt, in der die Gesetze unserer realen Welt ausgehebelt werden. Mein Buch Sieben Raben stellte mich jedoch genau vor dieses Problem der Genrebezeichnung. Es ist märchenhaftes Mystery mit Aspekten eines Kriminalromans. Horror? Nein. Kriminalroman? Nein. Thriller? Keinesfalls. Deshalb habe ich mich entschieden, es dem bisher noch unscharfen Genre Mystery zuzuordnen.


Was macht Mystery aus?

Versuche ich das Ganze in ein paar Sätzen zusammenzufassen. In einem Mystery Roman geht es damit um das Lösen eines Geheimnisses. Das kann in Form eines Verbrechens, einer übernatürlichen Macht oder einem Rätsel vorliegen. Die Sprache ist atmosphärisch dicht und eindeutig dunkel/negativ. Zudem ist auch die Szenerie geheimnisvoll wie es beispielsweise in Neil Gaimans Romanen zu finden ist. Im Gegensatz zu Horror geht es also nicht vorrangig darum, den Leser mit Abartigkeit zu schockieren, sondern ihn vielmehr in eine finstere Welt zu führen. Ein Kriminalfall an sich jedoch ist nicht sofort Mystery, denn erst, wenn Sprache, Szenerie und Thema mysteriös sind, haben wir die Kombination, die Mystery ausmacht. Aber wie bei allen Definitionen, gibt es nicht etwa eine Schablone, die nachgezeichnet werden kann, sondern einen Rahmen, in dem wir uns völlig frei entfalten können.

In dem Sinne verabschiede ich mich von euch mit Zitat von Neil Gaiman aus Coraline im englischen Original:

She will take your life and all you are and all you care’st for, and she will leave you with nothing but mist and fog. She’ll take your joy. And one day you’ll awake and your heart and your soul will have gone.


* In dem konkreten Zusammenhang der Serie bedeutet fringe Grenzgebiet der Wissenschaften.

Weiterführende Links:

Mysterynet (Englisch)

Scholastic (Englisch)

Buecher-wiki

Gedanken-Mix

Rezension: Schlechtes Blut …

… von Martina Bauer …

RezensionMartina Bauer_Rahmen


Handlung

In Annas Kindheit passiert etwas Furchtbares. Ihre Schwester wird brutal ermordet und der Mörder nie gefunden. Was sich hinter dem rituell anmutenden Mord verbirgt, erfahren wir in diesem aufreibenden Roman. Dabei bleibt stets die Vermutung, ob Anna nicht selbst etwas mit dem grausamen Ende ihrer Schwester zu tun hat. Oder kann es gar sein, dass es die Sumpfhexe, von der man sich schaurige Märchen erzählt, tatsächlich gibt und diese der Mörder ist?

Martina Bauers Roman hat einen lokalen Bezug und kriminalistische Züge. Ich muss zugeben, dass Klappentext und Cover meine Erwartungen etwas in die Irre geleitet haben. So hatte ich gedacht, es handele sich bei „Schlechtes Blut“ um die Geschichte einer brutalen Mörderin. Zum Glück war es am Ende nicht so einfach und die Auflösung bot Überraschungen. Idee und Handlung wurden sehr gut miteinander verflochten und bieten vielr Alternativen zum Mitdenken.


Die Figuren

Die Hauptfigur Anna, ihre Mutter, ihre Schwester und die zwei männlichen Protagonisten werden überzeugend dargestellt. Ich kann mich gut in sie hineinfühlen und habe sofort Sympathie für Anna, die naiv und trotzdem bestimmt ihren Weg geht. Besonders ist dieser Roman deshalb, weil die Hauptfiguren nicht den typischen Heldenklischees entsprechen. Sie sind in besonderer Weise „normal“, haben jedoch ihr eigenes Päckchen zu tragen und verlieren darum nicht an Tiefe.

Allerdings waren mir zu viele Personen im Roman unterwegs. Besonders Annas Klassenkameradin und Sophies ehemaliger Bekannter waren sehr farblos. Schade eigentlich, denn die Autorin kann es ja, das steht fest.


Insgesamt

Sprachlich ist dieser Roman klar, schnörkellos und gerade deshalb spannend. Er bedient sich nicht der gängigen Klischees, sondern will anders sein.
Dass der Klappentext irreführende Erwartungen schürt, kann schwierig sein, wenn man nicht bereit ist, sich auf diese Art einzulassen, denn die Geschichte lebt davon, dass sie zaghaft voranschreitet und mit wenigen Thriller-Elementen arbeitet. Darauf sollte man sich einlassen und schon hat man eine super Lektüre für Zwischendurch, denn „Schlechtes Blut“ ist kurz, knapp und mitreißend. Ein schönes Stück Literatur, das ich gerne weiterempfehle. Das Qindie-Siegel (Was ist Qindie: Klick hier!) hat sich das Werk verdient.


Fragt ihr euch, was der Rabe neben dem Buch zu suchen hat?

Ich vergebe auf meinem Blog keine Sterne, da ich überzeugt bin, dass meine Rezensionen auch ohne diese Bewertung deutlich machen, wie gut mir das Werk gefallen hat. (eine Diskussion dazu findet ihr HIER!) Deshalb habe ich mich entschieden, nur Empfehlungen auszusprechen. Alle Bücher mit Rabe werden direkt von mir weiterempfohlen, weil sie nicht nur strukturell, stilistisch und von der Rechtschreibung überzeugt haben, sondern weil sie mir schlichtweg gefallen und meinen persönlichen Geschmack getroffen haben.