Aktuelles, Gedanken-Mix

Wenn vierzig Leute gleichzeitig schreiben

… Erfahrungsbericht zur Nacht der Wilden Worte …

Inzwischen sind drei Wochen im Schreibmonat November vergangen. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gesammelt, ist verzweifelt, noch immer euphorisch oder bereits routinierter Wortzähler. Ich für meinen Teil spüre eine Mischung aus allen drei Aspekten. Euphorisch, weil ich schon die Hälfte meines Romans auf Papier habe. Verzweifelt, weil die Struktur einfach nicht hinhaut. Routiniert, weil ich täglich mindestens eine Stunde für das Schreiben investiere. Vorletztes Wochenende konnte ich im Rahmen des NaNo endlich ein paar meiner Schreibkollegen bei der „Nacht der wilden Worte“ persönlich treffen.


Die Nacht der wilden Worte

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Schon mal in einem Raum mit vierzig Leuten gesessen, die alle fleißig und schnell auf ihren Tastaturen tippen? Nein. Ich bis zum vorletzten Wochenende auch nicht, aber es ist ein grandioses Gefühl, kann ich euch sagen. Vom 14.11. bis zum 15.11. fand in Hamburg die „Nacht der wilden Worte“ statt. Schreibende NaNos aus ganz Deutschland fanden sich zusammen, tauschten sich aus, philosophierten über das Schreibhandwerk und tippten einige Wörter in ihrem derzeitigen Projekt. Sechs Stunden lang wurden aus uns einsamen Wölfen und Wölfinnen Gemeinschaftstiere, die alle ein Ziel verfolgten: So viel zu schreiben wie nur möglich. Kein Wunder also, dass man an den Vierertischen auch gegeneinander antrat. Wer schreibt in welcher Zeit wie viele Wörter, war das Gebot der Stunde.

Der Veranstaltungsort tat sein Übriges, um mich in die richtige Schreibstimmung zu versetzen, denn getippt wurde nicht in einem Café, sondern in der Pauluskirche in Hamburg. Draußen war es kalt und finster, Nieselregen lag über der Stadt und wir saßen bis zur Mitternacht in einer Kirche bei Tee, Kaffee und Baguettes. Daran könnte ich mich glatt gewöhnen.

Was die Stimmung des Abends betraf, gehe ich mit gemischten Gefühlen nach Hause. Die Autoren waren ausgelassen, konzentriert, hoch motiviert und sehr gesprächig, aber der Wettbewerbscharakter war nicht mein Fall. Es gab WordWars, das heißt in 15 Minuten wurde wie verrückt drauflos getippt und danach gezählt, wie viele Wörter man geschafft hat. Derjenige mit den meisten Worten bekam anerkennenden Applaus. Ergänzt wurde das Programm durch Speed Datings, in denen es im Grunde auch darum ging, in 15 Minuten so viel zu schreiben wie möglich, um sich danach mit den anderen Autoren darüber auszutauschen. Da hätte ich mir beispielsweise gewünscht, dass wir uns gegenseitig das Geschriebene vorlesen, um über den Inhalt diskutieren zu können. Dem war jedoch nicht so. Es geht ja beim NaNo bekanntlich darum, die Geschichten voranzubringen und nicht über Kritikpunkte nachzudenken. Schade war es trotzdem, denn ich bin immer interessiert daran, was der Einzelne so aufs Papier bringt.

Außerdem gab es noch eine Tombola, Poster auf denen jeder seine liebsten Zitate, Ziele des Abends oder seinen Wordcount eintragen konnte. Mein persönliches Highlight war allerdings der Pep Talk von Andreas Eschbach, der auf einer A4 Seite zusammengefasst hat, warum der Mittelteil eines Romans immer der schwerste ist. Man weiß eben einfach nicht, welchen Weg man genau einschlagen soll, um zum Ziel zu kommen.

Gegen Null Uhr löste sich alles langsam auf. Einige Wenige blieben bis zum Schluss und kümmerten sich darum, dass das Kaffeekränzchen der Omas am nächsten Tag wie gehabt stattfinden konnte und keine Schreibnachtüberbleibsel (was für ein Wort) zurückgelassen worden.

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So sah der Raum aus, den wir für die Schreibnacht zur Verfügung hatten. Man sieht, alle schreiben fleißig.

Fazit: Unter Druck schreiben ist …

… nicht mein Ding. Während einige gerade durch die WordWars angespornt waren, so schnell wie möglich ihren Text voranzubringen, war ich durch den Druck wie blockiert. Ich wollte mit den Teilnehmern sprechen und erfahren, worum es in ihren Geschichten geht, denn daher nehme ich meine Motivation. Von Geschichten zur Erinnerung an die verstorbene Mutter, über Dreiecksbeziehungen, Young Adult und eine Fanfiction von „Alles steht Kopf“ war alles vertreten. Ich fühlte mich mit meinem Science-Fiction Projekt, das zumindest etwas gesellschaftskritisch sein möchte, weniger kreativ als einige meiner Kollegen/Innen im Raum. Alles in allem war die Schreibnacht für mich eine grandiose Erfahrung. Da war selbst die Überraschung mit der Bahn vergessen. Auf der Hinfahrt nach Hamburg hieß es nämlich in Uelzen: Überspannungsschaden, bitte pressen sie sich mit aller Kraft in den SEV. Nun gut, das bin ich ja von der Tokioter Rush Hour gewöhnt.

Ich danke allen, die diesen Abend zu einem Erlebnis gemacht haben und möchte mich im Besonderen bei meiner Gastgeberin Johanna bedanken, die mich bei sich aufgenommen hat 🙂 Ich hoffe, man sieht sich bald wieder.

+ Mika +

PS: In der dritten Woche des NaNo hatte ich tatsächlich einen ernsthaften Hänger. Ich würde es nicht Schreibblockade nennen, aber die ersten Zweifel am Sinn meines Projektes haben sich eingeschlichen. Das habe ich zum Glück überwunden und inzwischen bin ich bei 45.000 Wörtern angekommen.

Gedanken-Mix

Wo wir Inspiration finden

Mein heutiger Blogeintrag möchte mit euch auf Entdeckungsreise gehen. Wir suchen gemeinsam Inspiration, denn dass diese tatsächlich vom Baum fällt wie auf meinem Beitragsbild ist in der Regel nicht der Fall. Damit wir von irgendetwas inspiriert werden können, müssen wir Neues wagen, suchen und unermüdlich Ausschau halten. Inspiration kann sich hinter jeder Ecke verstecken, ob in Form von Musik, Bildern, Romanen, dem Alltag oder einer erlebnisreichen Reise. Wenn man geübt genug ist, kann man selbst aus dem unsinnigsten Ding etwas machen, was später die Grundlage für etwas Großes ist. Da ich auf Tipps zum Finden von beflügelnden Momenten verzichten will, stelle ich euch heute drei Dinge vor, die mich in den letzten Wochen kreativ unterstützt haben. Mal sehen, ob ich euch mit meiner Auswahl überraschen kann.


Dokumentationen sind nicht immer was für Langweiler

Ich habe keinen Fernseher, da ich auf Familiendramen a lá RTL keine Lust mehr habe. Vielleicht geht es auch ähnlich. Aus dem Grund habe ich mir angewöhnt, Dokumentation auf Youtube zu schauen. Meine Vorliebe liegt bei Dokus über Straftäter wie Ted Bundy. Sie gehen oft auf psychologische Details des Täters ein und machen einem klar, dass jeder Mensch ein Mörder sein könnte. Verstörende Vorstellung, aber das ist ein anderes Thema. Während meiner Dokusession entdeckte ich dann den Titel „Kannibalen auf dem Medusafloß„. Genau das Richtige für mich. Im Zentrum der Dokumentation steht das Ölgemälde von Théodore Géricault „Das Floß der Medusa“, das Schiffsbrüchige auf einem Floß zeigt. Er hat es zwischen 1818 bis 1819 gemalt:

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Die künstlerische Überzeichnung der Szenerie täuscht darüber hinweg, dass es sich bei dem Bild um brutale Realität handelte. Denn das grauenhafte Bild ist vom Künstler nicht etwa frei erfunden worden, sondern zeigt einen Vorfall, der sich tatsächlich ereignet hat. Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, möchte ich kurz zusammenfassen, worum es ging: Die Fregatte La Méduse sticht 1816 in See. An Bord sind Edelmänner, Familien und Matrosen zugleich. Als das Schiff an der afrikanischen Küste auf eine Sandbank aufläuft, rettet sich ein Teil der Passagiere in Rettungsboote. Doch nicht alle finden Platz. Die entbehrliche Crew, 151 Mann, wird auf ein Floß verfrachtet, das behelfsmäßig zusammengezimmert worden ist. Obwohl es das Ziel ist, das Floß an Land zu ziehen, gelingt dies nicht und die Menschen darauf werden der See überlassen. Nach 14 Tagen auf dem offenen Meer, ist endlich Land in Sicht, doch von den 151 Personen leben nur noch 15. Von Kannibalismus ist die Rede, von Mord und menschenunwürdigen Bedingungen.

Die Dokumentation schildert jedoch nicht einfach nur den Vorfall. Es geht um Géricaults fanatische Sucht ein Meisterwerk zu schaffen. Darum, wie das Floß in der Realität hätte aussehen können und wieso es nicht verwunderlich war, dass am Ende der Reise nur noch eine Handvoll Männer übrig blieb. Der Vorfall wird aus der Sicht des Künstlers, des Forschers und der Männer genau dargestellt.

Ganz unweigerlich begann ich beim Konsum der Dokumentation mir zahlreiche Fragen zu stellen. Werden wir fähig im Angesicht des Todes über unsere menschlichen Grenzen zu gehen, weil Hunger uns besiegt? Treibt und Enge und Not in einen Sog aus Panik? Töten wir, damit wir selbst überleben können? Eine schaurig reale Geschichte, die für mich aus psychologischer Sicht genügend Stoff hergeben würde, um einen Roman zu schreiben. Kein Wunder, dass der Künstler beinahe besessen von seinem Gemälde war …


Kurze Animationsfilme: Alles nur Trickfilmquatsch, oder?

Eine meiner liebsten Inspirationsquellen sind seit jeher Animationsfilme. Bevor ich darauf jedoch näher eingehe, schaut euch einfach mal dieses Video an. Es gehört zu meinen Favoriten und spricht für sich. Zur Länge: Mehr als zehn Minuten sollte es nicht dauern.

Nun mein Kommentar: Ist euch etwas aufgefallen? Genau, es wird gar nicht gesprochen. Animationsfilme, wie die früheren Versionen von Mickey Mouse funktionieren ohne Gespräche. Sie leben allein von Bildern, Musik und der Gewalt dessen, was diese uns erzählen. Innerhalb von wenigen Minute reiht sich eine Szene an die nächste und wir verstehen sofort, worum es geht. Oder war euch nicht klar, dass das da im Video Tod und Leben oder Winter und Sommer sind? Dazu brauchtet ihr niemanden, der mit dem Finger drauf zeigen und sagt: „Ey, guck mal, die sieht aus wie Sommer.“ Es wird mit unserer Vorstellungskraft gespielt und eine Geschichte erzählt, die schockierend und anrührend zugleich ist. Tod und Leben halten sich die Hand, doch sie treffen sich nie. Für mich ist das ganz großes Kino und veranschaulicht, was ich mir unter „show, don’t tell“ vorstelle. Ein Satz, der in der Schriftstellerei gern mal einem Stoßgebet gleich von sich gegeben wird. Es ist nicht wichtig, zu sagen, was passieren wird oder hätte passieren können, wichtig ist, es zu zeigen.


Beeindruckende Persönlichkeiten: Noella Borie und Faceless Neil

Erst gestern bin ich auf die Künstlerin Noella Borie und ihren „Faceless Neil“ gestoßen (Faceless Neil und seinen Kumpel Manny seht ihr oben). Gestartet bin ich bei einen Kurzanimationsfilm, dessen Hauptperson sich als „Neil“ entpuppte. Da der Protagonist meines derzeitigen Romanprojekts ähnlich heißt (Neel) wurde ich neugierig. Einige Kurzfilme und etliche Internetbesuche später war ich dann schlauer. Noella Borie startete ihr Projekt „Faceless Neil“ 2009. Es war ursprünglich eine Hausaufgabe im College, die sie so lieb gewann, dass sie einen Film drehen wollte. Ganz im Stil von Stop-Motion-Animation wie bei Filmen von Tim Burton bekannt. Mit Hilfe einer Crowd-Funding Aktion sammelte sie genügend Geld, um sich ein kleines Stück vom Traum zu erfüllen. Die erste Szene ihres Films wurde 2014 umgesetzt.

Aber was ist das jetzt eigentlich für ein merkwürdiger Junge ohne Gesicht? Der arme Neil hat sich offensichtlich zwischen der Welt der Toten und Lebenden verirrt und dabei auch noch sein Gesicht verloren. Zurückgeblieben sind nur leere, schwarze Augen. Da er natürlich nicht so bleiben will, macht er sich auf die Suche nach einem neuen Gesicht. Im Gepäck einen gesprächigen Geist in Gestalt einer Schlange. Klingt verrückt? Natürlich klingt es das, aber schon allein deshalb ist es Inspiration genug. Und mal ehrlich, wer so verbissen an seinen Traum glaubt und selbst fünf Jahre nach der ersten Skizze seines Projekts nicht aufgegeben hat, der kann nur bewundert werden.

So und nach all dem Gerede über meine Quellen der Inspiration interessiert mich jetzt, was euch beflügelt hat? Gibt etwas, was euer Kopfkino in Gang setzt, sodass ihr einfach nicht mehr aufhören könnt, an einer Idee festzuhalten?

Ich wünsche euch noch ein schönes Wochenende

+Mika+

PS: Mein nächster Beitrag wird voraussichtlich Dienstag erscheinen. Darin geht es um die „Nacht der wilden Worte“ in Hamburg. Es ist eine Schreibnacht, die morgen ab 18 Uhr im Rahmen des NaNoWriMo veranstaltet wird. Ihr dürft also gespannt sein.


Quellen:

Beitragsbild von Flickr.com

Dokumentation „Kannibalen auf dem Medusafloß“

Faceless Neil Homepage

Noella Borie bei Kickstarter und Vimeo Channel

Gedanken-Mix, Schreibarbeit

Eine Woche im Schreibmonat oder: Warum meine Ernährung mies ist …

… und es mir trotzdem gut geht …

Keine Angst, dies ist kein Beitrag mit Tipps zur Ernährung. Und erst recht kein Beitrag, indem ich mich über dies und das beklage. Im Gegenteil, es geht um meine Erfahrungen in der ersten Woche des Schreibmonats November. Als Neuling plagten mich mit dem Startschuss am ersten November einige Zweifel: Schaffe ich es, täglich eine Wortanzahl von etwa 1.700 zu schreiben? Werde ich von meiner anfänglichen Euphorie verschluckt oder gar von meiner Müdigkeit besiegt? Bin ich vielleicht so motiviert, dass ich den 50.000 Wortsoll in einer Woche schaffen kann (unrealistisch ich weiß, aber … es könnte ja …)? All das ging mir durch den Kopf. Was ich dann tatsächlich in der letzten Woche erlebt habe, das lest ihr in diesem Beitrag.


Von Eiern auf Brot und Stress

Wenn man neben der Arbeit und anderen Verpflichtungen auch noch an seinem Roman arbeiten möchte, muss man sich die Zeit strikt einteilen, denn sie ist knapp bemessen. In meinem Fall habe ich mir drei Stunden pro Tag Zeit gegeben, um an meinem Projekt zu arbeiten. Da bleibt natürlich einiges auf der Strecke. Besonders die Zubereitung von Mahlzeiten wird auf das Mindeste beschränkt. Für gewöhnlich esse ich abwechslungsreich, koche zur Entspannung und fühle mich wie ein falscher Mensch, wenn ich nicht vernünftig was zwischen die Kiemen bekomme. Von Gemüselasagne über Sushi, Plätzchen und exotischen Kreationen wie Shrimps Banane Curry habe ich schon einiges ausprobiert und bin nur mittelmäßig wählerisch. Von Fertigessen aus der Tiefkühltruhe halte ich mich aber für gewöhnlich fern. Leider ist dieser Monat alles andere als gewöhnlich. Wenn ich im Schreibfluss bin, will ich nicht aufstehen und irgendetwas kochen. Ich möchte mich in meiner Geschichte verlieren und empfinde jede Art von Ablenkung als Störelement. Kurz gesagt, mein Ernährungsplan wurde rabiat umgestellt. Ich ernähre mich von Ei auf Brot, Pizza, Keksen und allen Dingen, die sich schnell zubereiten lassen. Das klingt nach Stress und irgendwie ist es das auch. Trotzdem fühle ich mich grandios, denn was den Schreibmonat ausmacht ist nicht etwa der Zeitdruck oder das Gefühl, unbedingt etwas schaffen zu „müssen“, sondern gleichzeitig mit tausend anderen zu schreiben.


Die Community und Schreiben muss nicht einsam sein

Den streng strukturierten Plan meines Projekts habe ich schon nach einer Woche im NaNo verworfen. Ich muss in kurzer Zeit Lösungen finden und daher vieles abändern.
Den streng strukturierten Plan meines Projekts habe ich schon nach einer Woche im NaNo verworfen. Ich muss in kurzer Zeit Lösungen finden und daher vieles abändern.

In meinem Post zum NaNo habe ich es schon angedeutet. Warum es sich lohnt, an diesem stressigen Projekt teilzunehmen, liegt nicht etwa daran, dass man am Ende einen fertigen Roman hat (gut, dass ist natürlich auch nicht schlecht), sondern an der Idee, nicht allein zu sein. Überall kann man es hören und lesen „Schreiben ist einsam“. Wer schreibt, egal ob als Journalist, Texter oder Romanautor, ist im Entstehungsprozess seines Textes allein mit sich und dem Schreibmedium. Recherche wird betrieben, die Struktur aufgebaut und sich jedes Wort reiflich überlegt. Irgendwann wird das Projekt an Testleser gegeben und man könnte annehmen von da ist man nicht mehr einsam, denn es entsteht im besten Fall eine Diskussion um das Projekt. Doch das ist ein Trugschluss. In einem Prozess, wo Kritisierter und Kritiker sich gegenübersitzen entsteht selten eine ausgelassene, kreative Stimmung, in der sich der Schreiberling wohlfühlt. Liegt ja auch in der Natur der Sache. Kritik ist immer unangenehm. Und seien wir mal ehrlich, die Rohfassung eines Romans schafft es nur selten, einen euphorischen Aufschrei der Entzückung bei einem Testleser auszulösen. Viel eher hagelt es niederschmetternden Kritik, die im schlimmsten Fall bösartige Selbstzweifel heraufbeschwören kann.

Der NaNo hat mir jedoch gezeigt, dass wir Schreiberlinge alles andere als einsam arbeiten müssen. Obwohl ich physisch allein vor meinem PC sitze und schreibe, sorgt die Vorstellung, zur gleichen Zeit wie tausend andere, einen Text zu schreiben, dafür, dass ich mich nicht allein fühle. Auf zahlreichen Blogs, in Foren und Gruppen bei Facebook sprießen täglich Beiträge aus dem Boden. Es wird offen über das geredet, was man sonst still und heimlich macht, ohne andere einzuweihen. Ich habe ein Ziel vor Augen und weiß, dass ich nicht die Einzige mit der verrückten Idee bin, einfach nur zu schreiben, weil es verdammt nochmal Spaß macht. Das führt zu einem kreativen Hoch, zu Freude und Zufriedenheit und trotzdem kann vieles schief gehen.


Wenn die Blockade kommt

In meiner ersten Woche ist sie mir erspart geblieben, die allseits unbeliebte „Schreibblockade“. Ein Wort, das selbst einen ausgewachsenen Verlagsautor zum Zittern bringen kann, denn es handelt sich um einen Zustand extremer Unproduktivität. Wir Schreiberlinge starren auf ein leeres Blatt und kommen einfach nicht vorwärts. Unser Kopf sagt: Tipp jetzt! Aber der Körper streikt. Jedes Wort fühlt sich falsch an, die Sätze klingen holprig, wir lenken uns ab, indem wir Youtube Videos ansehen, auf Facebook posten, Instagram öffnen, vielleicht ein Spiel zocken. Diesem fiesen Teufel in Gestalt eines weißen Papiers habe ich den Kampf angesagt und in den letzten zehn Jahren einige Möglichkeiten entwickelt, mit ihm umzugehen.

  1. Inspiration wächst nicht auf Bäumen. Um Quellen für neue Ideen zu finden, solltet ihr euer Umfeld ändern. ein Museum besuchen, ein Buch lesen, einen Film sehen, Mangas lesen. Es gibt unzählige Quellen der Inspiration.
  2. Erstellt eine Mindmap. Klingt banal, aber mach dir bewusst, was du mit der nächsten Szene sagen willst und wofür du sie brauchst. Es ist kein Geheimnis, dass Blockaden immer dann auftauchen, wenn wir unzufrieden sind. Denk also darüber nach, ob du die Szene, die dich blockiert wirklich brauchst und schmeiß sie ggfs. einfach raus.
  3. Schreib eine andere Szene in deinem Roman, eine Kurzgeschichte, aber vor allem etwas, was dir Spaß macht und dich zurück in den Schreibfluss bringt. Eventuell reicht auch ein Tagebucheintrag. Wenn du dann im Schreibfluss bist, kehr zu der problematischen Stelle zurück und lass die Worte einfach fließen.
  4. Setz dich mit deinen Figuren auseinander. Zeichne ein Bild, schreib ein Interview mit deinen Charakteren und frag dich, was sie besonders macht und weshalb du dich zu Beginn der Geschichte in sie verliebt hast.
  5. Sprich mit jemandem über die Blockade. Ob in Autorenforen, mit Freunden, deinen Eltern. Völlig egal, wichtig ist nur, dass du dich mitteilst und dein Projekt von einer anderen Seite betrachtest. Meist findest du erst nach einiger Zeit eine Lösung, aber je mehr Input du bekommst, umso wahrscheinlicher die Chance, dass irgendetwas dabei ist, was du für dein Projekt verwerten kannst. (Für mehr Ideen zu Schreibblockaden habe ich hier noch diese beiden Links: Leselupe und Marcus Johanus)

Das war es dann von meiner Seite. Ich blicke zuversichtlich auf die zweite Woche im November. Auch wenn die laut Hören-Sagen die schlimmste sein soll. Nächstes Wochenende findet ihr mich außerdem auf der NaNo Schreibnacht in Hamburg. Ich wünsche euch viel Erfolg für euer Projekt. Solltet ihr mal nicht weiterwissen, bin ich für ein Brainstorming immer bereit. Dazu könnte ihr mir per Mail schreiben oder aber einen Kommentar verfassen. Ich freu mich auf euch.

+ Mika +


Außerdem: Im letzten Beitrag habe ich um eure Mithilfe gebeten und viele großartige Anregungen zum Namen der Rebellenorganistion in meinem Roman „Hurt No One“ bekommen. Insgesamt haben 19 Personen an meiner Umfrage teilgenommen und ich habe mich für REKA  (Revolution des kalten Sturms) entschieden. Obwohl dieser Name literarischer ist als der zweite Favorit ERF, spiegelt er die Grundstimmung der Organisation für mich am besten wider. Vielen lieben Dank noch einmal für eure Teilnahme. Ihr wart mir eine große Hilfe!

Auswertung im Detail: REKA Revolution des kalten Sturms: 6; ERF Equal Rights Front: 6; AIF Alliance for Independence and Freedom: 5; AFUF Allianz für Freiheit und Unabhängigkeit: 4; RDNG Rebellen der neuen Generation: 1; RFFG Revolutionäre Front für Gleichberechtigung: 0.

Und wenn ihr jetzt noch aufnahmefähig seid: Ich höre derzeit das Album Death Cab for Cutie, Kintsugi. Es ist sanfter Indie-Rock, der mich sehr leicht in eine fremde Welt entführt.

Aktuelles, Gedanken-Mix

Ihr seid gefragt (Umfrage geschlossen)

Liebe Freunde, Autorenkollegen, Follower und zufällig auf diesen Blog Gestoßene,

ich brauche eure Hilfe. Derzeit sitze ich an den Vorbereitungen zu meinem Sci-Fi Projekt „Hurt No One“ anlässlich des NaNoWriMo. Die Geschichte wird in einer fiktiven Stadt spielen, in der sich zwei Parteien bekämpfen. Auf der einen Seite steht die Stadtverwaltung, auf der anderen gibt es eine Organisation, die mit allen Mitteln versucht, die Stadtverwaltung zu stürzen.

Ohne ins Detail gehen zu wollen, kann die zweite Organisation als aggressiv rebellisch betrachtet werden. Sie planen Angriffe auf Gebäude der Stadt, legen Bomben und scheuen sich nicht vor zivilen Opfern, solange das große Ziel erreicht wird. Das besteht vorrangig darin, die Unterdrückung einer bestimmten Minderheit in der Stadtbevölkerung aufzuhalten. Was nur möglich ist, indem eine neue Verwaltung eingesetzt wird.

Leider habe ich mir nun schon einige Zeit den Kopf darüber zerbrochen, welchen Namen diese Organisation tragen soll, aber ich komme zu keinem Ergebnis. Da dachte ich mir, warum nicht euch fragen. Wenn ihr kurz Zeit habt, bitte ich euch, meine Vorschläge zu lesen und jene Namen in der Umfrage anzukreuzen, die euch vom „Gefühl“ her am ehesten zusagen. Solltet ihr alle furchtbar finden und euch kommt spontan eine grandiose Idee, dann schreibt sie doch einfach als Kommentar unter diesen Post.

Edit: Die Umfrage ist seit dem 07. November 2015 beendet. Insgesamt haben sich 19 Leute beteiligt. Am Ende habe ich mich für REKA (Revolution des kalten Sturms) entschieden. Ich bedanke mich für eure Teilnahme. ❤

+ Mika +

Schreibarbeit

Warum wir uns gruseln wollen. Von Angstlust und Gruselgeschichten

 … Ein Beitrag zu Halloween …

In ein paar Tagen ist es so weit. Halloween steht vor der Tür. Das ist meine Zeit, denn ich will mich gruseln. Vor schaurigen Gestalten, untoten Monstern oder geheimnisvollen Schattengestalten. Nur worin genau besteht die Faszination des Gruselns und was macht sie aus?


Das psychologische Phänomen, das sich hinter dem „Sich-Gruseln-Wollen“ verbirgt, heißt Angstlust und bezeichnet das Streben, Angst zu empfinden. Es ist ein Zustand, in dem wir Angst positiv wahrnehmen, obwohl sie eine Emotionen ist, die wir generell unangenehm finden. Dieser merkwürdige Mix entsteht immer dann, wenn wir uns in einer beängstigenden Situation sicher fühlen. Wenn wir nämlich wissen, dass der als Zombie verkleidete Typ im Geisterhaus nicht wirklich ein Zombie ist, sondern eigentlich ein Mensch, der uns absolut gar nichts tun wird. Kurzzeitig schrillen die Alarmglocken, unser Körper schreit „Gefahr“, dann ist es aber auch schon wieder vorbei und wir stellen fest, dass all die Aufregung völlig unbegründet war. Wir leben, erfreuen uns bester Gesundheit und hatten einen riesen Spaß. Das ist ein Zustand, der auch von Extremsportlern empfunden und beschrieben wird. Wir befinden uns zwischen Angst und Euphorie.


Nur wieso sind manche Gruselgeschichten ängstigend und manche eben nicht?

Das selbe Prinzip funktioniert auch in Büchern. Wer kennt es nicht, das Buch „Friedhof der Kuscheltiere“, von Stephen King. Haustiere, die ins Reich der Toten gehören, erwachen zum Leben und terrorisieren eine Familie. Die tote Katze stürmt das Haus und am Ende lebt sogar der getötete Junge. Wir geben uns der Fantasie hin, dass dies auch mit unseren Haustieren passieren könnte und gruseln uns. In Panik verfallen wir jedoch nicht, denn wir wissen ganz genau, dass unsere Hauskatze niemals zu einem brutalen, untoten Mörder werden wird … oder?

Eine Gruselgeschichte spielt also mit uns und unseren Gefühlen. Sie forciert die Vorstellung einer unheimlichen Macht, die uns bedroht, die wir am Ende jedoch besiegen. Meistens indem wir einfach das Buch zuschlagen und denken: „Hui, gut, dass ich hier gemütlich in meinem Wohnzimmer sitze.“ Das ist der Grundgedanke. Was jedoch alles dazu gehört, um eine Geschichte so zu schreiben, dass ihr euch am Ende gruselt, lest ihr im nächsten Absatz.


Was genau macht einen Gruselroman nun eigentlich gruselig?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, habe ich ein paar Foren durchforstet, Blogbeiträge über das Schreiben gelesen und in der Nächtlichen Schreibwerkstatt auf Facebook nachgefragt. Einfach ist es nicht, denn neben der psychologischen Komponente hängt es von der Persönlichkeit des Lesers, von der Lesesituation* und vom Stil der Geschichte ab, ob eine Geschichte gruselig ist oder nicht. Da ein Roman keinen Einfluss darauf hat, wo er gelesen wird und was für einem Menschen er in die Hände fällt, konzentriere ich mich auf den Punkt des Stils der Geschichte. Wie muss das Geschenk also verpackt sein, damit wir es vor Angst zitternd nicht mehr öffnen wollen?

  • Es wird von etwas berichtet, was wir nicht kennen, aber uns vorstellen können

Ein undeutlicher Schatten schleicht um die Ecke, Nebel hängt in der Luft, Schritte sind zu hören, aber wer den Protagonisten verfolgt, dass erfahren wir nicht. Denn wenn wir es wüssten, wäre die Szene gestorben. Wir würden uns nicht fürchten. Solange wir jedoch im Ungewissen bleiben gruseln wir uns, und im besten Fall wird unsere Neugierde so groß, dass wir mit dem Weiterlesen nicht aufhören können.

  • Wir können uns so gut in die Figur hineinversetzen, dass wir uns aus Gründen der Empathie mitgruseln

Je konkreter die Angst der Figur in der Szene beschrieben ist, umso mehr können wir uns in sie hineinversetzen und fühlen mit. Demnach ist es nur logisch, dass eine Szene/ein Roman nur dann furchteinflößend sein kann, wenn der Protagonist selbst sich fürchtet. Klingt banal, aber nicht jede Geschichte hat eine Figur, mit der wir uns identifizieren können.

  • Unerklärliche Dinge passieren

Eine Uhr fällt plötzlich von der Wand, der Wecker geht an, das Licht flackert und um uns herum wird es eisig kalt. Alles Elemente, die man in einem guten Gruselfilm oder Roman finden kann. Sie sind deshalb so wirkungsvoll, weil es Dinge sind, die nicht natürlich sind. Auch wenn sie vielleicht einen logischen Ursprung haben, ist all das, was für uns im ersten Moment nicht normal ist, fremd und demnach ängstigend.

  • Anschauliche Bilder helfen uns, die Szene nachzuempfinden

Es gibt sie, die Vergleiche, die wir benutzen, um Blumen zu beschreiben oder einen sonnentaugetränkten Frühlingsmorgen. Aber genauso gibt es Bilder/Vergleiche/Metaphern, die uns ängstigen. Dazu sollten die Bilder im besten Fall widernatürlich sein. Ob ekelhaft, unnatürlich, brutal oder geheimnisvoll, je anschaulicher ein Geruch oder Geräusch dargestellt wird, umso mehr können wir uns in die Szene hineinversetzen, fühlen mit und haben schlussendlich Angst.

  • Nur eine kurze und knappe Erzählweise bringt genügend Schwung in eine Szene, um uns das Adrenalin durch die Glieder steigen zu lassen

Der Killer einer jeden Gruselgeschichte sind ausschweifende Erklärungen der Umgebung. In einer gruseligen Szene wird sich einzig auf die Angst konzentriert und das, was Angst machen könnte. Alle anderen Elemente sind nicht notwendig und können getrost wegfallen.

Im Endeffekt haben wir es alle in uns, den Wunsch nach dem Angstkick oder der Lust nach Angst. Und wenn ihr jetzt auf der Suche nach gruseliger Literatur zu Halloween seid, dann werft einen Blick in die kürzlich erschienene Sammlung der Autorengruppe Qindie „Dunkle Seelen“. In dem Sinne wünsche ich euch ein fürchterliches Halloween und einige angenehme Schreckmomente. 🙂

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+ Mika +

(*) Unter Lesesituation verstehe ich die Umgebung und das Gefühl, indem wir lesen. Es macht einen Unterschied, ob wir auf einer Parkbank bei Sonnenschein eine Gruselgeschichte lesen oder aber abends, den eReader in der Hand, im Halbdunkel an einer Bushaltestelle sitzen.


Quellen:

Beitragsfoto: Depositphoto, Standardlizenz von artshock

Tintenzirkelforum: Der Grusel-Effekt

Diskussion in der Gruppe „Nächtliche Schreibwerkstatt“ vom 24. Oktober.

Marcus Johanus: Wie man eine verdammt gute Horror-Geschichte schreibt

RP Online: Warum wir Lust an der Angst empfinden

Apotheken Umschau: Angstlust: Die Freude am Nervenkitzel

München Heilpraktiker: Warum wir uns gerne gruseln