Wo wir Inspiration finden

Mein heutiger Blogeintrag möchte mit euch auf Entdeckungsreise gehen. Wir suchen gemeinsam Inspiration, denn dass diese tatsächlich vom Baum fällt wie auf meinem Beitragsbild ist in der Regel nicht der Fall. Damit wir von irgendetwas inspiriert werden können, müssen wir Neues wagen, suchen und unermüdlich Ausschau halten. Inspiration kann sich hinter jeder Ecke verstecken, ob in Form von Musik, Bildern, Romanen, dem Alltag oder einer erlebnisreichen Reise. Wenn man geübt genug ist, kann man selbst aus dem unsinnigsten Ding etwas machen, was später die Grundlage für etwas Großes ist. Da ich auf Tipps zum Finden von beflügelnden Momenten verzichten will, stelle ich euch heute drei Dinge vor, die mich in den letzten Wochen kreativ unterstützt haben. Mal sehen, ob ich euch mit meiner Auswahl überraschen kann.


Dokumentationen sind nicht immer was für Langweiler

Ich habe keinen Fernseher, da ich auf Familiendramen a lá RTL keine Lust mehr habe. Vielleicht geht es auch ähnlich. Aus dem Grund habe ich mir angewöhnt, Dokumentation auf Youtube zu schauen. Meine Vorliebe liegt bei Dokus über Straftäter wie Ted Bundy. Sie gehen oft auf psychologische Details des Täters ein und machen einem klar, dass jeder Mensch ein Mörder sein könnte. Verstörende Vorstellung, aber das ist ein anderes Thema. Während meiner Dokusession entdeckte ich dann den Titel „Kannibalen auf dem Medusafloß„. Genau das Richtige für mich. Im Zentrum der Dokumentation steht das Ölgemälde von Théodore Géricault „Das Floß der Medusa“, das Schiffsbrüchige auf einem Floß zeigt. Er hat es zwischen 1818 bis 1819 gemalt:

 Das-Floss-der-Medusa_opt

Die künstlerische Überzeichnung der Szenerie täuscht darüber hinweg, dass es sich bei dem Bild um brutale Realität handelte. Denn das grauenhafte Bild ist vom Künstler nicht etwa frei erfunden worden, sondern zeigt einen Vorfall, der sich tatsächlich ereignet hat. Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, möchte ich kurz zusammenfassen, worum es ging: Die Fregatte La Méduse sticht 1816 in See. An Bord sind Edelmänner, Familien und Matrosen zugleich. Als das Schiff an der afrikanischen Küste auf eine Sandbank aufläuft, rettet sich ein Teil der Passagiere in Rettungsboote. Doch nicht alle finden Platz. Die entbehrliche Crew, 151 Mann, wird auf ein Floß verfrachtet, das behelfsmäßig zusammengezimmert worden ist. Obwohl es das Ziel ist, das Floß an Land zu ziehen, gelingt dies nicht und die Menschen darauf werden der See überlassen. Nach 14 Tagen auf dem offenen Meer, ist endlich Land in Sicht, doch von den 151 Personen leben nur noch 15. Von Kannibalismus ist die Rede, von Mord und menschenunwürdigen Bedingungen.

Die Dokumentation schildert jedoch nicht einfach nur den Vorfall. Es geht um Géricaults fanatische Sucht ein Meisterwerk zu schaffen. Darum, wie das Floß in der Realität hätte aussehen können und wieso es nicht verwunderlich war, dass am Ende der Reise nur noch eine Handvoll Männer übrig blieb. Der Vorfall wird aus der Sicht des Künstlers, des Forschers und der Männer genau dargestellt.

Ganz unweigerlich begann ich beim Konsum der Dokumentation mir zahlreiche Fragen zu stellen. Werden wir fähig im Angesicht des Todes über unsere menschlichen Grenzen zu gehen, weil Hunger uns besiegt? Treibt und Enge und Not in einen Sog aus Panik? Töten wir, damit wir selbst überleben können? Eine schaurig reale Geschichte, die für mich aus psychologischer Sicht genügend Stoff hergeben würde, um einen Roman zu schreiben. Kein Wunder, dass der Künstler beinahe besessen von seinem Gemälde war …


Kurze Animationsfilme: Alles nur Trickfilmquatsch, oder?

Eine meiner liebsten Inspirationsquellen sind seit jeher Animationsfilme. Bevor ich darauf jedoch näher eingehe, schaut euch einfach mal dieses Video an. Es gehört zu meinen Favoriten und spricht für sich. Zur Länge: Mehr als zehn Minuten sollte es nicht dauern.

Nun mein Kommentar: Ist euch etwas aufgefallen? Genau, es wird gar nicht gesprochen. Animationsfilme, wie die früheren Versionen von Mickey Mouse funktionieren ohne Gespräche. Sie leben allein von Bildern, Musik und der Gewalt dessen, was diese uns erzählen. Innerhalb von wenigen Minute reiht sich eine Szene an die nächste und wir verstehen sofort, worum es geht. Oder war euch nicht klar, dass das da im Video Tod und Leben oder Winter und Sommer sind? Dazu brauchtet ihr niemanden, der mit dem Finger drauf zeigen und sagt: „Ey, guck mal, die sieht aus wie Sommer.“ Es wird mit unserer Vorstellungskraft gespielt und eine Geschichte erzählt, die schockierend und anrührend zugleich ist. Tod und Leben halten sich die Hand, doch sie treffen sich nie. Für mich ist das ganz großes Kino und veranschaulicht, was ich mir unter „show, don’t tell“ vorstelle. Ein Satz, der in der Schriftstellerei gern mal einem Stoßgebet gleich von sich gegeben wird. Es ist nicht wichtig, zu sagen, was passieren wird oder hätte passieren können, wichtig ist, es zu zeigen.


Beeindruckende Persönlichkeiten: Noella Borie und Faceless Neil

Erst gestern bin ich auf die Künstlerin Noella Borie und ihren „Faceless Neil“ gestoßen (Faceless Neil und seinen Kumpel Manny seht ihr oben). Gestartet bin ich bei einen Kurzanimationsfilm, dessen Hauptperson sich als „Neil“ entpuppte. Da der Protagonist meines derzeitigen Romanprojekts ähnlich heißt (Neel) wurde ich neugierig. Einige Kurzfilme und etliche Internetbesuche später war ich dann schlauer. Noella Borie startete ihr Projekt „Faceless Neil“ 2009. Es war ursprünglich eine Hausaufgabe im College, die sie so lieb gewann, dass sie einen Film drehen wollte. Ganz im Stil von Stop-Motion-Animation wie bei Filmen von Tim Burton bekannt. Mit Hilfe einer Crowd-Funding Aktion sammelte sie genügend Geld, um sich ein kleines Stück vom Traum zu erfüllen. Die erste Szene ihres Films wurde 2014 umgesetzt.

Aber was ist das jetzt eigentlich für ein merkwürdiger Junge ohne Gesicht? Der arme Neil hat sich offensichtlich zwischen der Welt der Toten und Lebenden verirrt und dabei auch noch sein Gesicht verloren. Zurückgeblieben sind nur leere, schwarze Augen. Da er natürlich nicht so bleiben will, macht er sich auf die Suche nach einem neuen Gesicht. Im Gepäck einen gesprächigen Geist in Gestalt einer Schlange. Klingt verrückt? Natürlich klingt es das, aber schon allein deshalb ist es Inspiration genug. Und mal ehrlich, wer so verbissen an seinen Traum glaubt und selbst fünf Jahre nach der ersten Skizze seines Projekts nicht aufgegeben hat, der kann nur bewundert werden.

So und nach all dem Gerede über meine Quellen der Inspiration interessiert mich jetzt, was euch beflügelt hat? Gibt etwas, was euer Kopfkino in Gang setzt, sodass ihr einfach nicht mehr aufhören könnt, an einer Idee festzuhalten?

Ich wünsche euch noch ein schönes Wochenende

+Mika+

PS: Mein nächster Beitrag wird voraussichtlich Dienstag erscheinen. Darin geht es um die „Nacht der wilden Worte“ in Hamburg. Es ist eine Schreibnacht, die morgen ab 18 Uhr im Rahmen des NaNoWriMo veranstaltet wird. Ihr dürft also gespannt sein.


Quellen:

Beitragsbild von Flickr.com

Dokumentation „Kannibalen auf dem Medusafloß“

Faceless Neil Homepage

Noella Borie bei Kickstarter und Vimeo Channel

5 Gedanken zu “Wo wir Inspiration finden

  1. Interessante Inspirationsquellen 😀

    Jetzt hast du mich an meine Blogreihe über meine Inspirationsquellen erinnert, die ich seit Wochen beginnen will, aber immer wieder aufschiebe, weil sich andere Posts dazwischendrängen 😛

    Gefällt 1 Person

  2. Danke Mika für deinen Beitrag. Wir haben ebenfalls keinen Fernseher, aus exakt den gleichen Gründen! Inspirationen sind für mich dadurch unter anderem Serien wie Netflix/AmazonPrime geworden, so wie YouTube Videos. Super Vorschlag mit den Dokumentationen, in der Tat kann uns die Realität anderer Menschen viel erzählen und inspirieren. Kurzgeschichten in Form von Animationsfilmen oder schlichtweg in Schriftform finde ich genauso Ideen-beflügelnd. Durch neue Städte, Reisen, neue Persönlichkeiten oder manchmal die merkwürdige Bäckersfrau lassen sich ungeahnte Geschichten in den Gedanken formen, ganz unfreiwillig, hehe.

    Gefällt 1 Person

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