Gedanken-Mix, Schreibarbeit

Ihr seid gefragt II

Liebe Leser, Interessierte und Neugierige

auf diesem Blog findet ihr Beiträge über Literatur. Ob Artikel über die Technik, Leser das Gruseln zu lehren, den Schreibprozess an sich oder auch Eindrücke, die ich in meiner Zeit als Autorin gewinnen konnte, alles ist dabei. In letzter Zeit habe ich zahlreiche Ideen für Blogbeiträge, aber nicht genug Zeit, um tatsächlich alle aufzuschreiben. Deshalb frage ich heute euch, was ihr gern lesen wollt. Zur Auswahl stehen drei verschiedene Themen, die ihr unten in der Umfrage seht. Das erste Thema dreht sich vor allem um die Frage, was es zu beachten gilt, wenn man über Kulturen schreibt, die man selbst nicht kennt. Darauf gebracht, hat mich eine Diskussion im Writers Inn bei Facebook. Das zweite Thema ist ein Beitrag über mein Romanprojekt und die Hauptfigur darin. Ich werde jedoch nicht nur auf die Figur eingehen, sondern auch einige interessante psychologische Aspekte zur Sprache bringen, die bspw. zur Entwicklung von Figuren interessant sein können. Das letzte Thema soll sich vom Schwerpunkt her mit Self-Publishing und einigen Vorurteilen dieser unbeliebten Branche auseinandersetzen. Ich werde aus der Sicht der Autorin und des Leser schauen, warum der Eigenverlag noch immer unbeliebt ist und welche Hürden es gibt.

Jetzt bitte ich euch, einfach das anzuklicken, was euch am meisten interessiert. Immerhin will ich euch nicht langweilen. Vielen Dank schon im Voraus für die Teilnahme. Ich wünsche euch einen wundervollen Freitag und gebe euch ein düsteres „Krächz“ mit auf den Weg.

Gedanken-Mix, Schreibarbeit

Schreiben, das kann doch jeder!

In diesem Beitrag geht es um etwas Persönliches. Um meine Erfahrung mit dem Schreiben. Es geht nicht darum, wie ich schreibe oder warum, sondern darum, wie ich mich fühle, wenn ich über meinen Traum spreche. Ich sehe euch schon die Stirn runzeln: „Ist das jetzt auch so ein Blogeintrag bei dem gejammert wird was das Zeug hält?“ Ich kann euch beruhigen, das ist es nicht. Ich möchte euch von einem Dilemma berichten, das nicht so ungewöhnlich ist, wie es auf den ersten Blick scheint.


Beginnen wir mal ganz am Anfang. Es war einmal … Okay, okay, das würde zu lange dauern und nicht zielgerichtet sein. Der Anfang dieses Blogeintrags beginnt vielmehr mit mir und meiner derzeitigen beruflichen Situation. Einige haben es im Blog bereits verfolgt, im August 2015 habe ich mein Studium abgeschlossen und war plötzlich vogelfrei. Im Gegensatz zu vielen anderen, wusste ich sofort, was ich nach dem Studium machen will: Teilzeit arbeiten, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen und gleichzeitig schreiben zu können. Es war ein Gefühl von grenzenloser Euphorie nach sieben Jahren Studium endlich das tun zu können, was ich immer tun wollte. Die Realität sieht natürlich etwas anders aus. Wer hat schon Lust nach einem harten Arbeitstag abends noch in die Tasten zu hauen? Ich geb’s zu, ich nicht. Trotzdem schreibe ich viel und sehr regelmäßig. In erster Linie, weil ich daran glaube, dass es irgendwo da draußen Menschen gibt, die mit meinen Geschichten Spaß haben können. Als Autorin bin ich streng genommen Entertainer. Immer am Überlegen, wie ich die nächste Szene so eindrücklich wie möglich über die Bühne bringe. Wenn ich Wörter zusammensetze, habe ich mein Publikum immer vor Augen und stelle mir die Reaktionen vor. Berührt, schockiert, belustigt oder wütend? Das bereitet mir ungeheure Freude und treibt mich zu Höchstformen an.

Trotz alledem fällt es mir bis heute schwer, über das, was ich tue, zu sprechen. Das ist mein Dilemma und ein Widerspruch in sich. Am liebsten würde ich in die Welt hinausrennen und euch alle mit meinen Geschichten, ja, nennen wir es beim Namen, nerven. Meine Reaktion ist dann leider das Gegenteil von dem, was ich mir wünsche. Ich bleibe sitzen und behalte alles für mich. Sind ja eh nur meine dummen Ideen, oder?

Ich habe mich gefragt, warum das so ist? Andere plappern doch auch einfach drauflos. Ein Grund liegt auf der Hand: Ich gehe nicht den normale Lebensweg, sondern einen ungewöhnlichen, unsicheren. Kaum jemand wird anerkennend nicken, wenn ich ihm von meinen Zukunftsplänen berichte, es bricht viel eher betretenes Schweigen aus. Das gilt nicht nur für den Beruf des Autors, sondern genauso für all die anderen Kreativen im Bereich der Kunst oder Musik. Unser täglich Brot hat einen großen Nachteil: Es hat keinen konkreten Nutzen. Wer Hunger hat, muss essen. Wer zur Arbeit will, braucht ein Zugticket oder ein Auto. Bilder, Bücher, Lieder sind im Gegensatz dazu Luxusartikel, die für den Alltag nicht  überlebensnotwendig sind. Sie sind das Toping und das kann auch mal wegbleiben.

Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass angehende Autoren skeptisch beäugt werden. Aber nicht nur deshalb. Ein weiterer Faktor ist der folgende Gedanke: Schreiben, das kann doch jeder. Dazu braucht man nur einen PC und eine Tastatur, dann reiht man fleißig ein paar Wörter aneinander und schon … ist ein Roman aus dem Hut gezaubert. Kann ja nicht so schwer sein. Autoren wie Stephen King oder J. K. Rowling haben Talent! Die sind etwas Besonderes. Für alle anderen ist schreiben nur ein Hobby und mit dem lässt sich bekanntlich nichts verdienen. Es käme ja auch keiner auf die Idee zu sagen: Ach, ich gehe regelmäßig schwimmen und jetzt möchte ich davon leben. Die fünfzig Bahnen, dafür kann man mich ruhig bezahlen. Also die, die zugucken und sehen, wie außerordentlich grazil ich schwimme, meine ich.

Eine meiner Autorenkolleginnen sagte mal zu mir, dass sie sich als richtige Autorin gefühlt hat, als sie sich selbstständig machte. Das ist etwas Offizielles wie ein Studienabschluss oder ein Zeugnis. Den Titel Anwalt führt man zu recht, der Titel Autor lässt sich im Gegensatz dazu nicht bescheinigen. Man wird Autor über Nacht. Manche sagen, man habe erst ein Recht darauf, sich Autor zu nennen, wenn man eine Veröffentlichung vorweisen kann. Andere sagen, jeder, der schreibt, ist Autor. Mir ist das, ganz ehrlich, völlig egal. Ich weiß nur, dass ich meiner Tätigkeit einen Namen geben möchte. Ich bin Autorin, weil ich schreibe. Ich schreibe, weil ich Autorin bin. Warum ich also nicht über meinen Beruf sprechen kann, liegt in der Sache selbst begründet. Der Beruf Autor ist nicht verifizierbar.

Ein weiterer Hemmschuh bin ich selbst. Ja, richtig, ich selbst. Hat lange gedauert, mir das einzugestehen. Ich habe mir seit jeher mehr Unterstützung gewünscht. Wie habe ich mir diese Unterstützung vorgestellt? Von der simplen Frage nach dem: Was schreibst du grad?, bis hin zur Mund zu Mund Propaganda, weil meine Geschichten Begeisterung erwecken, wäre mir alles recht gewesen. Doch es kam nur wenig und ich fühlte mich abgelehnt und fragte mich, ob ich etwas falsch mache oder noch schlimmer, ob ich nicht weniger wert bin als beispielsweise der erfolgreiche Anwalt. Das klingt verrückt, aber solche Sachen kamen mir in den Kopf und ich denke, einigen unter euch geht es ähnlich.

Fakt ist: Seitdem ich offener mit meinem Wunsch zum Schreiben umgehe, bekomme ich mehr Resonanz als jemals zuvor. Wieso? Weil Begeisterung abfärbt. Ein graues Mäuschen wird neben dem schillernden Prachtexemplar einfach untergehen. Es ist also gar nicht so wichtig, sich zu fragen, ob wir anderen gerecht werden. Viel wichtiger ist es, sich einzugestehen, dass das Schreiben ein wichtiger Teil von uns ist, an den wir selbst glauben.

In dem Sinne wünsche ich euch allen noch einen erfüllten Valentinstag. Ich bin ja nicht so die Romantikerin, aber ein Schokoherz lässt auch mich weich werden. ;P

+Mika+

Valentinsraben

PS: War euch der Beitrag zu philosophisch? Keine Angst, solche Ausbrüche passieren mir höchstens alle paar Monate, ach nein Wochen. Wenn ich es mir recht überlege, passiert das alle paar Tage. Okay, ich bin ehrlich … stündlich.


 

Quellen:

Beitragsbild

Raben mit Herz

Gedanken-Mix

Die 15 häufigsten Sätze aus dem Mund eines Autors

Ich bin gerade auf diesen Beitrag gestoßen. Was meint ihr, gibt es noch mehr Sätze, die uns Autoren so durch den Kopf gehen? Mir fällt spontan der folgende ein:
Streichen, das kann ich alles restlos streichen.

Ich wünsche euch was. Haut in die Tasten und lasst euch von eurem inneren Kritiker nicht die Show stehlen. 😉

Avatar von saskialouisSaskia Louis

Genau wie ein Chef vielleicht dauernd „Ich brauch das bis morgen!“ ruft oder eine Mutter irgendwann nicht mehr zählen kann, wie oft sie schon „Jetzt räum endlich dein Zimmer auf!“ gefordert hat, gibt es auch gewisse Sätze, die einem Autor (und ja, auch einer Autorin!) dauernd durch den Kopf gehen. Und gerade, wenn man dann mit jemand anderem zusammen schreibt, fallen diese besonders auf. Hätten die liebe Saskia und ich, während wir zusammen Szenen durchgeplant und Geschichten weitergesponnen haben, jedes Mal einen Euro in ein Glas getan, wenn einer dieser Sätze fiel – tja, dann könnten wir davon jetzt einen schönen Urlaub machen. Stattdessen haben wir sie für euch gesammelt,  sodass ihr euch schön vorstellen könnt, wie wir über unseren Geschichten verzweifeln.

Ihr seid herzlich willkommen, die Liste zu ergänzen!

Alle Autoren:

  1. Ach, so hatte ich mir das gedacht!
  2. … das macht doch keinen Sinn.
  3. Das hatte ich aber mal…

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Gedanken-Mix

Wann wir nicht im Vorsatzrausch untergehen

Ich melde mich zurück aus meinem Weihnachts- und Silvesterschlaf und steige ein in ein Thema, das jedes Neujahr erneut die Gemüter erhitzt: Vorsätze. Die einen schwören darauf, die anderen verteufeln sie und die nächsten fragen sich, was daran so besonders sein soll. Doch was zum Teufel treibt uns eigentlich dazu, ausgerechnet zum Neujahr alles ändern zu wollen? Lief doch gerade alles so gut, oder?


Ein Schrei nach Veränderung

Rollen wir das Ganze mal von hinten auf und gehen ein paar Tage in die Vergangenheit. Es ist Silvester. Ihr steht in der kalten Dezemberluft, umgeben von Menschen, die euch wichtig sind. Gemeinsam mit ihnen zählt ihr die Sekunden. …58 …59 …60! Es ist Null Uhr. In der dunklen Nacht blitzen farbenfroh Lichter auf. Ein Feuerwerkgewitter zieht sich über den Himmel und etliche Eindrücken regnen auf euch nieder.* Städte und Dörfer werden zugedeckt mit einem rauchigen Schleier und ihr seid mittendrin. Ein Teil von einem Moment, den hunderte, tausende, Millionen gleichzeitig erleben und feiern. Der erste Tag des neuen Jahres ist angebrochen. Wir setzen die Zeit wortwörtlich auf Null zurück und spüren das auch. Die Energie, die sich am Himmel entlädt, färbt auf uns ab. Und in genau diesem Moment fragen wir uns, was wir letztes Jahr eigentlich so alles gemacht haben. Die Antwort enthält meist eine gewisse Resignation: „Na ja, so richtig was bei rumgekommen ist im letzten Jahr ja nicht … Aber dieses Jahr, dieses Jahr wird hunderprozentig sicher alles anders!“

Warum wir also jedes Jahr aufs Neue etwas ändern wollen, liegt nicht etwa daran, dass wir in die Zukunft blicken können, sondern, weil wir uns an die vergangen Monate erinnern, unzufrieden sind und uns wünschen, alles wäre anders. Im Grunde geht es also um Veränderung. Nur die gibt es nicht umsonst. Selbst der gute alte Weihnachtsmann schenkt sie uns nicht in einem gut verschnürten Paket, an dessen Schleifen wir nur noch ziehen brauchen und schon ist sie da: strahlend neu, die Veränderung! Leider müssen wir sie selbst in die Hand nehmen. Nur wie zum Himmel noch mal, wie? Da schlägt sich der Bogen zum eigentlich Thema, denn unsere Methode, der Veränderung Herr zu werden ist das Festlegen von Vorsätzen.


Vorsätze sind in Wirklichkeit gut getarnte Ziele

 Sich gute Vorsätze für das neue Jahr auszudenken ist absolut essentiell. Denn wer sich keine Ziele steckt, der kann auch nichts erreichen. (utopia.de)

Das sind klare Worte, die ich jederzeit unterschreiben würde. Vorsätze sind Ziele, Ziele sind Vorsätze und wir brauchen sie, um voranzukommen. Wer die Ziellinie nicht vor Augen hat, läuft womöglich in die falsche Richtung.

Bis vor einem Jahr zählte ich mich allerdings noch zu den Menschen, die keine Ziele formuliert haben. Das hatte folgende Gründe: 1) Ich habe es als Stress empfunden, mir selbst Vorsätze auszudenken. Zu einer bestimmten Zeit, etwas tun zu müssen, hatte für mich immer etwas Zwanghaftes an sich 2) Ich war der Ansicht, alles fügt sich von selbst. 3) Ich war mit dem Vorjahr stets zufrieden.

Seit 2015 hat sich das geändert. Ich schreibe mir Ziele als Dauernotiz in mein Handy und behalte sie dadurch immer im Hinterkopf, denn ich möchte etwas erreichen. Vor allem als Autorin. Aber: Ich sage mir selbst, wenn etwas nicht klappt, dann ist es kein Weltuntergang. Es sind meine Ziele, sie sollen mich leiten und mich nicht beherrschen. Damit uns unsere Ziele positiv im neuen Jahr begleiten, sollten sie konkret, realistisch und langfristig geplant sein. Wie man solche Ziele im Detail formulieren kann und warum gerade das wichtig ist, dazu habe ich euch drei Blogartikel herausgesucht, die ihr euch gern anschauen könnt:  ganzwunderbar, Zeitblueten und ein Artikel vom palverlag.


Autoren und Leser – Was machbar und sinnvoll ist

Angehende Autoren sind in der Regel sehr ambitioniert, haben tausend Ideen und wollen am liebsten alles auf einmal. In bester Qualität veröffentlichen, mit einem super Cover, einem noch besseren Lektorat und einem Verlag wie Knaur, Ullstein oder Randomhouse als Unterstützer. Wir wissen alle, dass das ein Traum ist, der sich nur sehr schwer in die Tat umsetzen lässt. Gerade wenn wir etwas kreatives Schaffen wollen, dürfen wir uns nicht selbst unter Druck setzen, denn das hemmt nicht nur die Motivation, sondern auch unsere Ideenvielfalt. Darum ist es wichtig, dass alles Schritt für Schritt geplant wird. Erst das Buch, dann die Bewerbung, im Folgenden die Veröffentlichung und dann das Marketing (obwohl das bereits vor dem Veröffentlichungstermin starten sollte).

Wer Leser ist, will natürlich nicht zwingend etwas mit seiner Tätigkeit „erreichen“. Außer er/sie führt einen Rezensionsblog. Als Leser wollen wir uns viel lieber entspannen, die Realität ausblenden und uns in einer fesselnden Geschichte verlieren. Es ist also nicht unser Ziel, in einer bestimmten Zeit so und so viel zu lesen, obwohl es auch andere Meinungen gibt. Viel eher ist es realistisch, dass wir uns selbst sagen: Ein Mal pro Woche nehme ich mir Zeit für mich und mein Hobby, denke nicht mehr an die Arbeit und beschäftige mich ausschließlich mit etwas, das mir gut tut. Klingt esoterisch, ich weiß, aber fragt euch mal selbst, wie oft euch diese Zeit einfach mal gönnt.


Meine Ziele für das Jahr 2016

Ob ich meine eigenen Grundsätze in die Tat umsetze, könnt ihr hier sehen. Bei Kritik, wisst ihr Bescheid, einfach an die hiesige Autorin wenden. Also, los geht’s:

  • Veröffentliche Hurt No One Teil I (Herbst)
  • Schreibe die Fortsetzung von Hurt No One (Teil II) (bis Dezember)
  • Umzug (egal wann)
  • Werde aktiv in einer offline Schreibcommunity
  • Biete Sieben Raben als Print an (vor März)
  • Sei auf der Leipziger Buchmesse präsent
  • Führe dein Blog aktiv weiter und konzentriere dich mehr auf deine Zielgruppe und das, was sie wirklich lesen wollen (ab sofort)

In dem Sinne verabschiede ich mich und wünsche euch viel Erfolg beim Erfüllen eurer ganz persönlichen Ziele. Lasst euch nicht unterkriegen. Wir lesen uns. Bis dahin.

+ Mika +

Schneeflocke2
Diese Schneeflocke bat mich um eine Fotografie. Ich dachte, ich tue ihr den Gefallen.

 


*Ich weiß, einige von euch mussten arbeiten … Ihr habt mein Mitgefühl.

Gedanken-Mix, Schreibarbeit

Warum Romane Gegner brauchen

… und eine schlechte Rezension kein Weltuntergang ist …

Habt ihr schon mal ein richtig schlechtes Buch gelesen? Eins, wo ihr nach zehn Seiten abbrechen musstet und dachtet: „Was zum Teufel hat sich der Autor denn dabei gedacht?“ Und ist euch im gleichen Moment klar geworden, dass das Buch in euren Händen von unzähligen Menschen abgöttisch geliebt wird? Ja? Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um ein Buch handelt, welches polarisiert. Ein Buch, das die einen lieben und die anderen hassen. Um dieses Phänomen dreht sich mein heutiger Beitrag. Ich behaupte, dass Bücher, die Fans und Feinde haben, erfolgreicher sind als solche, die keine Emotionen in uns auslösen.


Wenn Bücher kontrovers diskutiert werden

Es kommt nicht oft vor, dass wir einen Roman verabscheuen. Viel häufiger mögen wir ein Buch oder halten es für durchschnittlich. Trotzdem lösen manche Bücher in uns Gefühle aus, die negativ sind und dazu führen können, dass wir mit den Augen rollen, sobald wir den Titel irgendwo lesen, hören oder sehen. Bis dahin ist es allerdings ein weiter Weg und man kann sich schon fragen, wieso wir diesen negativen Gefühlen so viel Raum geben. Es ist ja doch nur ein Buch, oder?

Was Kritik angeht, bin ich ein gemäßigter Typ. Ich bin streng, aber sehe in jedem künstlerischen Werk etwas Gutes und weiß, dass der Künstler Zeit, Schweiß und Selbstzweifel überwunden hat, um sein Produkt zu schaffen. Aber auch ich kenne ein Buch, das mich in den Wahnsinn treibt, weil ich es grauenhaft schlecht finde. Trotzdem ist es in aller Munde. Den Titel werde ich nicht verraten, nur so viel, es ist ein Buch, das als Fanfiction Werk geschrieben worden ist. Doch was genau stört mich daran? Es ist nicht nur der Schreibstil oder der klischeehafte Inhalt, es die Tatsache, dass es trotz der offensichtlichen Fehler eines der erfolgreichsten Werke der letzten Jahre ist. Es ist einfach überall. Ich kann nicht durch die Stadt laufen ohne über den Titel böse zu stolpern.

Meine These leitet sich daraus ab. Wir ärgern uns nicht etwa über das Buch selbst, das wir aus subjektiven Gründen schlecht finden, sondern darüber, dass es im Gegensatz zu unseren Lieblingsbüchern, so viel häufiger angepriesen wird. Wir wollen plötzlich, dass die Welt begreift, dass DAS BUCH DA ganz grauenhaft ist und es viel bessere Literatur gibt. Doch genau das Gegenteil passiert: Mit unserem öffentlichen Protest verschaffen wir dem Werk noch mehr Aufmerksamkeit, denn wer Kritik übt, bekommt etwas zurück. Von Fans. Es entsteht eine heftige Diskussion und zwei gegensätzliche Pole kristallisieren sich heraus. Jeder ist fest davon überzeugt, dass er im Recht ist. Das Buch rückt ins Zentrum des Interesses, wie so manches gesellschaftliches Problem, und ehe wir uns versehen, ist es auf Plakaten, auf der Arbeit (im Gespräch), im Kino und anderswo. Ein Kreislauf, der sich nicht durchbrechen lässt. Und am Ende steht ein Werk, das wir für schlecht halten, das aber doch jeder kennt. Gemäßigte Stimmen gibt es nur selten, denn jeder hat eine Meinung dazu. Entweder oder. Ein Dazwischen gibt es nicht. Tatsache ist, so ein Werk verkauft sich blendend. Frank Schätzing sagte dazu in einem Interview, dass nur Bücher Erfolg haben, die kontrovers diskutiert werden, denn „wer nicht polarisiert, ist nicht relevant.“


Eine schlechte Rezension muss nicht schädlich fürs Geschäft sein

Nun komme ich zum eigentlichen Anlass dieses Beitrags. Im Laufe der letzten drei Jahre, in denen ich mich in Autorenforen, auf neobooks, Facebook und anderen Onlineportalen herumgetrieben habe, ist mir eines aufgefallen: Manche Autoren vertragen keine Kritik, weil sie glauben, negative Kritik ist schädlich für den Verkauf oder wertet das Buch ab. Tatsache ist, dass diese Angst nur im Kopf eines Autors existiert, aber nicht in der Wirklichkeit. Anschließend zwei Fälle dazu:

Fall eins: Eine Autorin, die in unangenehmer Art und Weise ihr Werk bis aufs Blut verteidigt

Die Autorin hatte einen provokativen Roman über Borderline geschrieben, in dem sich eine Frau in einer Traumwelt befand, in der alles möglich war. Brutaler Sex inbegriffen. Einige Leser äußerten mehr oder weniger ungehalten, dass so etwas geschmacklos ist. Das ist harte Kritik, die jeder erstmal verdauen muss. Eine Nacht darüber schlafen ist die beste Medizin. Die Reaktion der Autorin war jedoch unüberlegt. Sie kommentierte die Rezensionen mit den Worten: Es handelt sich um eine Traumwelt, in der alles möglich ist. Wer das nicht versteht, ist „dumm“. Den Wortlaut hat sie mehrfach wiederholt.

Und? Würdet ihr nach der Reaktion noch eines von ihren Büchern lesen wollen? Ich denke nicht. Da liegt dann auch der Hase begraben. Eine solche Überreaktion schreckt ab und schadet dem Verkauf mehr als die Rezension selbst.

Fall zwei: Ein Autor, der die Kritik nutzt, um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen.

Der Autor hatte ein Science-Fiction Werk geschrieben. Soweit ich mich erinnern kann, ging es um Zeitreisen. Im Detail wurde die Maschine beschrieben, die diese Reise ermöglicht und das war streckenweise langweilig. Viele Leser haben diesen Punkt kritisiert. Der Autor griff diese Kritik auf und postete in regelmäßigen Abständen Beiträge, in denen er sein Buch als „polarisierend“ anpries. Er stellte beide Pole gegenüber und überließ uns die Entscheidung, welcher Meinung wir uns anschließen.*

Jetzt erneut die Frage, würdet ihr dieses Buch lesen? Vermutlich eher als das Werk aus dem obigen Beispiel. Im Endeffekt habe ich die ersten Seiten des Buches nur gelesen, weil mich interessiert hat, worüber die anderen eigentlich diskutieren. In kurzer Zeit erstürmte das Buch die neobooks Verkaufscharts und stand lange Zeit auf Platz eins.

So viel zur negativen Wirkung von schlechten Rezensionen oder auch Kritik. Was daraus wird, liegt in der Hand des Autors, nicht in der Hand des Lesers.

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Einige abschließende Worte und der Versuch eines Fazits

Ein Buch, das Aufmerksamkeit bekommt, verkauft sich besser. So banal diese Erkenntnis klingt, so schwierig ist es, diese Aufmerksamkeit zu erlangen. Ein wichtiger Faktor zum Erfolg sind Bewertungen. Egal ob positiv oder negativ. Nichts ist schlimmer als ein Buch ohne jede Kritik. Denn das suggeriert uns, dass niemand sich dafür interessiert. Außerdem gibt es viele, die einem Buch mit nur guten Rezensionen skeptisch gegenüberstehen. Das liegt in der Natur der Sache. Literatur ist subjektiv. Ab einer bestimmten Anzahl von Rezensionen ist es ganz normal, auch negative Kommentare zu erhalten. Nicht selten widersprechen sich die Rezensenten sogar und ein verzweifelter Autor fragt sich dann stets, was soll ich eigentlich noch glauben? Wie kann ich ein Werk schreiben, das jedem gefällt? Kurz und knapp: Geht nicht. Ist unmöglich. Wird nicht passieren. Selbst Harry Potter hat seine Feinde. Deshalb ist mir als Autorin eine ehrliche Meinungen lieber als eine Beweihräucherung meines Buches.**

Ihr findet meine Meinung unsinnig? Dann nutzt das Kommentarfeld und tobt euch aus. Wenn euch gefallen hat, was ihr gelesen habt, freue ich mich, wenn ihr meinen Beitrag teilt. In dem Sinne, wünsche ich euch einen wundervollen dritten Advent.

+ Mika  +


Beitragsbilder: Mika M. Krüger

Comic von islieb.de.

*Mir hat da Buch letztendlich nicht gefallen, aber das steht auf einem anderen Blatt geschrieben

**Auch ich muss nach jeder harten Kritik schlucken und beginne, an mir selbst zu zweifeln.