Für Buchfans von Mystery, Dystopie und Dark Fantasy
Autor: Mika M. Krüger
Mika M. Krüger veröffentlicht seit 2012 Bücher und Kurzgeschichten in den Genres Krimi, Science-Fiction und Horror. Bevor sich Mika den Büchern widmete, studierte sie im beschaulichen Halle Japanologie und Deutsch als Fremdsprache und verirrte sich während ihrer Studienzeit mehrmals nach Japan. Eine Erfahrung, die ihren Schreibstil maßgeblich beeinflusst hat. Inzwischen ist sie in Berlin angekommen.
wenn euch mein gestriger Beitrag über Romane und deren Gegner gefallen hat, dann könnt ihr euch heute selbst ein Bild von meinem Schreibkünsten machen. Denn meinen Roman Sieben Raben findet ihr zum kostenlosen Download hinter Türchen Nummer 14 als .epub oder .mobi Datei. Dazu folgt ihr einfach diesem Link. Viel Spaß beim Lesen.
Und bei Beschwerden, wisst ihr ja, einfach an die Autorin wenden. 😉
Grüße
… und eine schlechte Rezension kein Weltuntergang ist …
Habt ihr schon mal ein richtig schlechtes Buch gelesen? Eins, wo ihr nach zehn Seiten abbrechen musstet und dachtet: „Was zum Teufel hat sich der Autor denn dabei gedacht?“ Und ist euch im gleichen Moment klar geworden, dass das Buch in euren Händen von unzähligen Menschen abgöttisch geliebt wird? Ja? Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um ein Buch handelt, welches polarisiert. Ein Buch, das die einen lieben und die anderen hassen. Um dieses Phänomen dreht sich mein heutiger Beitrag. Ich behaupte, dass Bücher, die Fans und Feinde haben, erfolgreicher sind als solche, die keine Emotionen in uns auslösen.
Wenn Bücher kontrovers diskutiert werden
Es kommt nicht oft vor, dass wir einen Roman verabscheuen. Viel häufiger mögen wir ein Buch oder halten es für durchschnittlich. Trotzdem lösen manche Bücher in uns Gefühle aus, die negativ sind und dazu führen können, dass wir mit den Augen rollen, sobald wir den Titel irgendwo lesen, hören oder sehen. Bis dahin ist es allerdings ein weiter Weg und man kann sich schon fragen, wieso wir diesen negativen Gefühlen so viel Raum geben. Es ist ja doch nur ein Buch, oder?
Was Kritik angeht, bin ich ein gemäßigter Typ. Ich bin streng, aber sehe in jedem künstlerischen Werk etwas Gutes und weiß, dass der Künstler Zeit, Schweiß und Selbstzweifel überwunden hat, um sein Produkt zu schaffen. Aber auch ich kenne ein Buch, das mich in den Wahnsinn treibt, weil ich es grauenhaft schlecht finde. Trotzdem ist es in aller Munde. Den Titel werde ich nicht verraten, nur so viel, es ist ein Buch, das als Fanfiction Werk geschrieben worden ist. Doch was genau stört mich daran? Es ist nicht nur der Schreibstil oder der klischeehafte Inhalt, es die Tatsache, dass es trotz der offensichtlichen Fehler eines der erfolgreichsten Werke der letzten Jahre ist. Es ist einfach überall. Ich kann nicht durch die Stadt laufen ohne über den Titel böse zu stolpern.
Meine These leitet sich daraus ab. Wir ärgern uns nicht etwa über das Buch selbst, das wir aus subjektiven Gründen schlecht finden, sondern darüber, dass es im Gegensatz zu unseren Lieblingsbüchern, so viel häufiger angepriesen wird. Wir wollen plötzlich, dass die Welt begreift, dass DAS BUCH DA ganz grauenhaft ist und es viel bessere Literatur gibt. Doch genau das Gegenteil passiert: Mit unserem öffentlichen Protest verschaffen wir dem Werk noch mehr Aufmerksamkeit, denn wer Kritik übt, bekommt etwas zurück. Von Fans. Es entsteht eine heftige Diskussion und zwei gegensätzliche Pole kristallisieren sich heraus. Jeder ist fest davon überzeugt, dass er im Recht ist. Das Buch rückt ins Zentrum des Interesses, wie so manches gesellschaftliches Problem, und ehe wir uns versehen, ist es auf Plakaten, auf der Arbeit (im Gespräch), im Kino und anderswo. Ein Kreislauf, der sich nicht durchbrechen lässt. Und am Ende steht ein Werk, das wir für schlecht halten, das aber doch jeder kennt. Gemäßigte Stimmen gibt es nur selten, denn jeder hat eine Meinung dazu. Entweder oder. Ein Dazwischen gibt es nicht. Tatsache ist, so ein Werk verkauft sich blendend. Frank Schätzing sagte dazu in einem Interview, dass nur Bücher Erfolg haben, die kontrovers diskutiert werden, denn „wer nicht polarisiert, ist nicht relevant.“
Eine schlechte Rezension muss nicht schädlich fürs Geschäft sein
Nun komme ich zum eigentlichen Anlass dieses Beitrags. Im Laufe der letzten drei Jahre, in denen ich mich in Autorenforen, auf neobooks, Facebook und anderen Onlineportalen herumgetrieben habe, ist mir eines aufgefallen: Manche Autoren vertragen keine Kritik, weil sie glauben, negative Kritik ist schädlich für den Verkauf oder wertet das Buch ab. Tatsache ist, dass diese Angst nur im Kopf eines Autors existiert, aber nicht in der Wirklichkeit. Anschließend zwei Fälle dazu:
Fall eins: Eine Autorin, die in unangenehmer Art und Weise ihr Werk bis aufs Blut verteidigt
Die Autorin hatte einen provokativen Roman über Borderline geschrieben, in dem sich eine Frau in einer Traumwelt befand, in der alles möglich war. Brutaler Sex inbegriffen. Einige Leser äußerten mehr oder weniger ungehalten, dass so etwas geschmacklos ist. Das ist harte Kritik, die jeder erstmal verdauen muss. Eine Nacht darüber schlafen ist die beste Medizin. Die Reaktion der Autorin war jedoch unüberlegt. Sie kommentierte die Rezensionen mit den Worten: Es handelt sich um eine Traumwelt, in der alles möglich ist. Wer das nicht versteht, ist „dumm“. Den Wortlaut hat sie mehrfach wiederholt.
Und? Würdet ihr nach der Reaktion noch eines von ihren Büchern lesen wollen? Ich denke nicht. Da liegt dann auch der Hase begraben. Eine solche Überreaktion schreckt ab und schadet dem Verkauf mehr als die Rezension selbst.
Fall zwei: Ein Autor, der die Kritik nutzt, um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen.
Der Autor hatte ein Science-Fiction Werk geschrieben. Soweit ich mich erinnern kann, ging es um Zeitreisen. Im Detail wurde die Maschine beschrieben, die diese Reise ermöglicht und das war streckenweise langweilig. Viele Leser haben diesen Punkt kritisiert. Der Autor griff diese Kritik auf und postete in regelmäßigen Abständen Beiträge, in denen er sein Buch als „polarisierend“ anpries. Er stellte beide Pole gegenüber und überließ uns die Entscheidung, welcher Meinung wir uns anschließen.*
Jetzt erneut die Frage, würdet ihr dieses Buch lesen? Vermutlich eher als das Werk aus dem obigen Beispiel. Im Endeffekt habe ich die ersten Seiten des Buches nur gelesen, weil mich interessiert hat, worüber die anderen eigentlich diskutieren. In kurzer Zeit erstürmte das Buch die neobooks Verkaufscharts und stand lange Zeit auf Platz eins.
So viel zur negativen Wirkung von schlechten Rezensionen oder auch Kritik. Was daraus wird, liegt in der Hand des Autors, nicht in der Hand des Lesers.
Einige abschließende Worte und der Versuch eines Fazits
Ein Buch, das Aufmerksamkeit bekommt, verkauft sich besser. So banal diese Erkenntnis klingt, so schwierig ist es, diese Aufmerksamkeit zu erlangen. Ein wichtiger Faktor zum Erfolg sind Bewertungen. Egal ob positiv oder negativ. Nichts ist schlimmer als ein Buch ohne jede Kritik. Denn das suggeriert uns, dass niemand sich dafür interessiert. Außerdem gibt es viele, die einem Buch mit nur guten Rezensionen skeptisch gegenüberstehen. Das liegt in der Natur der Sache. Literatur ist subjektiv. Ab einer bestimmten Anzahl von Rezensionen ist es ganz normal, auch negative Kommentare zu erhalten. Nicht selten widersprechen sich die Rezensenten sogar und ein verzweifelter Autor fragt sich dann stets, was soll ich eigentlich noch glauben? Wie kann ich ein Werk schreiben, das jedem gefällt? Kurz und knapp: Geht nicht. Ist unmöglich. Wird nicht passieren. Selbst Harry Potter hat seine Feinde. Deshalb ist mir als Autorin eine ehrliche Meinungen lieber als eine Beweihräucherung meines Buches.**
Ihr findet meine Meinung unsinnig? Dann nutzt das Kommentarfeld und tobt euch aus. Wenn euch gefallen hat, was ihr gelesen habt, freue ich mich, wenn ihr meinen Beitrag teilt. In dem Sinne, wünsche ich euch einen wundervollen dritten Advent.
im September habe ich in einer Kurzgeschichtensammlung von 84 Autoren die geisterhafte Kurzgeschichte „Kristallene Realität“ veröffentlicht. Als nachträgliches Nikolausgeschenk veröffentliche ich sie heute auf meinem Blog. Kurz zusammengefasst geht es um einen Künstler, dessen Muse nicht so ganz das macht, was er möchte. Zu behaupten, sie sei ein wenig störrisch, ist da noch untertrieben, denn sie macht, was sie will. Viel Spaß beim Lesen und wie immer: Bei Verdauungsproblemen mit der Kost, wendet euch vertrauensvoll an die Autorin. Eine gute Woche wünsche ich euch.
Die Muse
Mein Herz explodierte, denn die Frau vor mir war keine meiner irren Fantasien, sondern kristallene Realität – obwohl „real“ in meinem Fall so oder so eine Frage der Definition war. Und in diesem teuren Fünf-Sterne Hotel mit Satin-Gardinen und Gold bestickten Couchgarnituren fühlte sich ihr Lächeln so real an wie kaltes Wasser auf nackter Haut.
„Du hast ihn umgebracht“, sagte sie und ihre Puppenaugen blinzelten. Dabei berührten ihre Wimpern die tellergroßen Brillengläser und hinterließen schwarze Schlieren auf dem Glas. Sie hatte Katzenpupillen und ihr Mund war so groß wie eine zwei Euro Münze. Wenn sie sprach, hob sie die Oberlippe nur einen Millimeter an und trotzdem flüchteten Worte darunter hindurch. Ich schluckte.
„Er hat mich von der Arbeit abgehalten“, verteidigte ich mich und spürte die Reste meines Herzens wild schlagen. Ihr Anblick machte mich verrückt. Ihre zarte Gestalt mit der schneeweißen Haut und der azurblauen Kutte auf der vorn am Reißverschluss ein Menschenauge thronte. Ein echtes Menschenauge. Blickte sie in eine bestimmte Richtung, dann glotzte es mit. Ich wandte mich dem Schreibtisch zu.
„Du wolltest ihn nicht mehr haben“, sagte sie und ich hörte, wie sich der Stoff um ihren Körper bewegte. Steife Wolle auf schneeweißer Haut. Sie kam zu mir, stellte sich hinter mich, blickte mir über die Schulter. „Du hast zu ihm gesagt, er soll verschwinden und dann ist er gesprungen.“
Ich ignorierte ihre Worte, spürte Gänsehaut auf meinen Armen und zog meinen Skizzenblock hervor. Ich musste die Zeit nutzen, die mir mit ihr blieb. Meine Finger zitterten.
„Wirst du mich auch umbringen?“, fragte sie und die Haut auf meinen Wangen begann zu glühen.
„NEIN!“, schrie ich und drehte mich zu ihr um. Verwundert wich sie zurück. Das Menschenauge glotzte. „Nein, nein, nein! Hör auf, so einen Unsinn zu reden. Ich brauche dich.“
„Ach so“, sagte sie leise, hob ihre Hand und begann, nervös an ihren Fingern zu knabbern. Sie sah verloren aus, wie sie in dem geräumigen Zimmer stand, umgeben von lauter Luxus und Prunk. Ihre Gestalt passte viel besser in eine Galerie, auf ein Gemälde mit Ölfarben. Ich liebte sie. Auch das war Realität. Mein Herz klopfte.
„Und die anderen?“, flüsterte sie. „Ich möchte nicht allein sein.“
„Jetzt hör schon auf damit! Es ist meine Entscheidung, wer mir nutzt und wer nicht. Ihr kommt und geht in ständigem Wechsel. Das ist ein Kreislauf, den man nicht durchbrechen kann. Wenn ich morgen überfahren werde, bist du auch allein.“
„Hm“, machte sie, „dann werden sie alle weinen, die Menschen, die dich bewundern, und mit denen du immer sprichst, während wir uns verstecken müssen.“ Sie sagte es mit Vorwurf in der Stimme. „Ich würde auch gern mal mit ihnen sprechen.“
Ich atmete tief durch und raufte mir die Haare. Natürlich wollte sie mit ihnen sprechen, aber das konnte ich nicht erlauben. Diese Menschen, die nur an meinem Ruhm interessiert waren, würden sie stehlen und für sich verwenden.
„Ja, ja, ich weiß schon. Bist du deshalb hier?“
Sie musterte mich mit ihren drei Augen und schüttelte den Kopf. Das kurze, goldgelbe Haar bewegte sich im Takt und glänzte im Sonnenlicht rötlich. „Ich bin wegen ihm hier. Weil du ihn umgebracht hast. Das weißt du doch.“
Ich stöhnte, denn natürlich wusste ich das. Wie viele Stunden war es her, seit ich ihm den, wie nannte man das, Laufpass gegeben hatte? Ein paar vermutlich. Sein geschocktes Gesicht war mir noch deutlich vor Augen. Die Knopfaugen, der kindliche Körper, selbst der verdammte Hut, der stets gewippt hatte, ohne dass sich der Junge bewegte, war erstarrt. Ich wusste, einem Kind durfte man nicht wehtun, aber ich hatte es trotzdem getan. Die Flinte angelegt, gezielt und ihn erschossen, weil mir ihre Anwesenheit lieber war. Ich hatte sie vermisst.
„Warum verschwindest du auch immer?“, fragte ich sie und sie hockte sich hin, zog mit ihren Fingern Kreise auf dem Boden.
„Ich bin eben nur da, wenn es nötig ist.“
„Es ist immer nötig!“
„Nein.“
„Doch“, protestierte ich und mir traten Tränen in die Augen. Sie war mein Leben, aber sie kam und ging, wann sie wollte. Ohne sie fiel mir das Atmen schwer, ich konnte mich nicht konzentrieren, meine Arbeit nicht vernünftig machen. Der Junge war ein Ersatz gewesen und er hatte einige Monate geholfen, aber nun brauchte ich sie so dringend wie ein Mörder seine Waffe. Nichts funktionierte mehr. Ich war ohne sie völlig allein. „Bleib hier, für immer“, murmelte ich, doch sie schüttelte den Kopf.
„Du brauchst mich nicht immer. Dann werde ich langweilig“, sagte sie und lächelte. „Wenn es nötig ist, bin ich da. Sonst musst du dir jemand anderen suchen. Aber töte sie nicht, es tut dir weh und am Ende musst du weinen.“
Ich schluckte den Schmerz herunter, unterdrückte meinen inneren Protest. Dann kam sie zu mir, gab mir einen Kuss auf die Wange. Es fühlte sich heiß an, dort wo sie mich berührte. Ihre zarten Lippen waren wie Wundsalbe. Ich schloss die Augen und als ich sie öffnete, sah ich, wie sie ging. Nicht wie normale Menschen durch die Tür, sondern durch die Fensterfront. Dann verschwand sie. Vermutlich für eine lange Zeit.
Erschöpft sank ich auf meinem Stuhl zusammen. Es juckte mich in meinen Fingern. Tausend Bilder rasten durch meinen Kopf. So war es immer, wenn sie auftauchte. Rasch wandte ich mich dem Tisch zu. Der Skizzenblock lächelte. Ich nahm einen Stift hervor und begann zu zeichnen. Strich um Strich fügte sich aneinander. Schon lange war es nicht mehr so leicht gewesen.
Sie war eine meiner vielen Musen, aber sie kam nur manchmal zu mir. Nur manchmal, wenn ich eine andere Muse aufgab oder verlor und verzweifelt auf das leere Blatt starrte.
Manche sagten, ich sei verrückt, aber Kunst funktioniert nur so. Mit dem Verrücktsein verdiente man Geld und ich war ausgezeichnet darin, besonders wenn ich sie zeichnete. Alle liebten die Frau mit den Katzenaugen und dem azurblauen Umhang, der wie ein Federkleid ihren Körper schmückte. Sie war ein Teil von mir, ein Teil meiner ureigenen Realität.
Zuerst einmal, wünsche ich euch allen einen wundervollen ersten Advent! Genießt den Sonntag und lasst euch nicht vom Schnee nicht in die Knie zwingen.
Nun zum Schreibmonat November: Für mich ist der NaNo in diesem Jahr beendet. Die 50.000 Wörter waren schon am Dienstag geschafft, aber ich wollte gemeinsam mit meiner Kollegin Stella Delaney über die Ziellinie springen. Das haben wir dann gestern gemacht und auf der NaNo Homepage unseren Text validiert. Ich bin nun also ein „Gewinner“.
Es war für mich ein erfolgreicher Monat mit Höhen und Tiefen. Meine Hauptfiguren Neel und Rina sind mir mit jeder Seite mehr ans Herz gewachsen, entpuppten sich jedoch als selbstständige Menschen, die ohne mich zu fragen, ihren eigenen Kopf durchsetzten. Meinen Plot musste ich dadurch jedoch nach zwei Wochen über den Haufen werfen. Die gut durchdachte Planung war dahin. Ich wollte eine Antagonistin, die von oben her beeinflusst wird und habe nun eine Frau, die im Hintergrund alle Strippen zieht. Mir schwebte eine Hauptheldin vor, die ängstlich und stur sein sollte, nun ist Rina eine Frau, die ohne zu zögern ihren Willen durchsetzt. Hatte ich geplant, dass es nur zwei Hauptpersonen gibt, sind es inzwischen vier.
Das schnelle Schreiben hat mich davon abgehalten, viel über die Struktur meines Werkes nachzudenken. Es hat sich verselbstständigt und mich gerade deshalb ständig auf Trab gehalten. Leider bringt diese Art des Schreibens auch einen großen Nachteil mit sich: Das Werk ist nun chaotisch. Ehe ich es irgendjemandem zum Lesen geben kann, muss ich dringend und ich meine DRINGEND alles überarbeiten … Diesen grauenvollen Arbeitsschritt werde ich im Januar beginnen, denn bisher ist mein Projekt noch gar nicht fertig. Der große Showdown steht meinen Hauptfiguren noch bevor. Drückt mit also die Daumen, dass ich trotz beendetem NaNo die Euphorie nicht verliere.
Im Dezember werde ich mich wieder mehr meinem Blog widmen, euch mein Projekt näher vorstellen und eine Schreibpause einlegen.
Und ich freue mich auch mit meiner Kollegin Sarah Richizzi, die ihren NaNo schon einige Tage vor mir beendet hat. 🙂
Inzwischen sind drei Wochen im Schreibmonat November vergangen. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gesammelt, ist verzweifelt, noch immer euphorisch oder bereits routinierter Wortzähler. Ich für meinen Teil spüre eine Mischung aus allen drei Aspekten. Euphorisch, weil ich schon die Hälfte meines Romans auf Papier habe. Verzweifelt, weil die Struktur einfach nicht hinhaut. Routiniert, weil ich täglich mindestens eine Stunde für das Schreiben investiere. Vorletztes Wochenende konnte ich im Rahmen des NaNo endlich ein paar meiner Schreibkollegen bei der „Nacht der wilden Worte“ persönlich treffen.
Die Nacht der wilden Worte
Schon mal in einem Raum mit vierzig Leuten gesessen, die alle fleißig und schnell auf ihren Tastaturen tippen? Nein. Ich bis zum vorletzten Wochenende auch nicht, aber es ist ein grandioses Gefühl, kann ich euch sagen. Vom 14.11. bis zum 15.11. fand in Hamburg die „Nacht der wilden Worte“ statt. Schreibende NaNos aus ganz Deutschland fanden sich zusammen, tauschten sich aus, philosophierten über das Schreibhandwerk und tippten einige Wörter in ihrem derzeitigen Projekt. Sechs Stunden lang wurden aus uns einsamen Wölfen und Wölfinnen Gemeinschaftstiere, die alle ein Ziel verfolgten: So viel zu schreiben wie nur möglich. Kein Wunder also, dass man an den Vierertischen auch gegeneinander antrat. Wer schreibt in welcher Zeit wie viele Wörter, war das Gebot der Stunde.
Der Veranstaltungsort tat sein Übriges, um mich in die richtige Schreibstimmung zu versetzen, denn getippt wurde nicht in einem Café, sondern in der Pauluskirche in Hamburg. Draußen war es kalt und finster, Nieselregen lag über der Stadt und wir saßen bis zur Mitternacht in einer Kirche bei Tee, Kaffee und Baguettes. Daran könnte ich mich glatt gewöhnen.
Was die Stimmung des Abends betraf, gehe ich mit gemischten Gefühlen nach Hause. Die Autoren waren ausgelassen, konzentriert, hoch motiviert und sehr gesprächig, aber der Wettbewerbscharakter war nicht mein Fall. Es gab WordWars, das heißt in 15 Minuten wurde wie verrückt drauflos getippt und danach gezählt, wie viele Wörter man geschafft hat. Derjenige mit den meisten Worten bekam anerkennenden Applaus. Ergänzt wurde das Programm durch Speed Datings, in denen es im Grunde auch darum ging, in 15 Minuten so viel zu schreiben wie möglich, um sich danach mit den anderen Autoren darüber auszutauschen. Da hätte ich mir beispielsweise gewünscht, dass wir uns gegenseitig das Geschriebene vorlesen, um über den Inhalt diskutieren zu können. Dem war jedoch nicht so. Es geht ja beim NaNo bekanntlich darum, die Geschichten voranzubringen und nicht über Kritikpunkte nachzudenken. Schade war es trotzdem, denn ich bin immer interessiert daran, was der Einzelne so aufs Papier bringt.
Außerdem gab es noch eine Tombola, Poster auf denen jeder seine liebsten Zitate, Ziele des Abends oder seinen Wordcount eintragen konnte. Mein persönliches Highlight war allerdings der Pep Talk von Andreas Eschbach, der auf einer A4 Seite zusammengefasst hat, warum der Mittelteil eines Romans immer der schwerste ist. Man weiß eben einfach nicht, welchen Weg man genau einschlagen soll, um zum Ziel zu kommen.
Gegen Null Uhr löste sich alles langsam auf. Einige Wenige blieben bis zum Schluss und kümmerten sich darum, dass das Kaffeekränzchen der Omas am nächsten Tag wie gehabt stattfinden konnte und keine Schreibnachtüberbleibsel (was für ein Wort) zurückgelassen worden.
So sah der Raum aus, den wir für die Schreibnacht zur Verfügung hatten. Man sieht, alle schreiben fleißig.
Fazit: Unter Druck schreiben ist …
… nicht mein Ding. Während einige gerade durch die WordWars angespornt waren, so schnell wie möglich ihren Text voranzubringen, war ich durch den Druck wie blockiert. Ich wollte mit den Teilnehmern sprechen und erfahren, worum es in ihren Geschichten geht, denn daher nehme ich meine Motivation. Von Geschichten zur Erinnerung an die verstorbene Mutter, über Dreiecksbeziehungen, Young Adult und eine Fanfiction von „Alles steht Kopf“ war alles vertreten. Ich fühlte mich mit meinem Science-Fiction Projekt, das zumindest etwas gesellschaftskritisch sein möchte, weniger kreativ als einige meiner Kollegen/Innen im Raum. Alles in allem war die Schreibnacht für mich eine grandiose Erfahrung. Da war selbst die Überraschung mit der Bahn vergessen. Auf der Hinfahrt nach Hamburg hieß es nämlich in Uelzen: Überspannungsschaden, bitte pressen sie sich mit aller Kraft in den SEV. Nun gut, das bin ich ja von der Tokioter Rush Hour gewöhnt.
Ich danke allen, die diesen Abend zu einem Erlebnis gemacht haben und möchte mich im Besonderen bei meiner Gastgeberin Johanna bedanken, die mich bei sich aufgenommen hat 🙂 Ich hoffe, man sieht sich bald wieder.
+ Mika +
PS: In der dritten Woche des NaNo hatte ich tatsächlich einen ernsthaften Hänger. Ich würde es nicht Schreibblockade nennen, aber die ersten Zweifel am Sinn meines Projektes haben sich eingeschlichen. Das habe ich zum Glück überwunden und inzwischen bin ich bei 45.000 Wörtern angekommen.