Auf die Frage „Was liest du eigentlich so?“ antworten wir meist mit einem Autor oder einem Buch. Manchmal jedoch mit einem Genre wie Fantasy, Krimi, Science-Fiction oder Liebesroman. Mit diesen Genrebegriffen verbinden wir eine bestimmte Vorstellung von Literatur, die unserem Geschmack entspricht. Lieben wir eher phantastische Elemente, Spannung oder doch romantisches Kribbeln? Wir geben damit unsere Vorlieben preis und geben Einblick in unsere Identität. Doch wie ist das eigentlich mit dem Genre Mystery? Gehört haben wir davon alle schon mal, doch was stellen wir uns darunter vor? Gibt es klare Kriterien, die zu diesem Genre gehören? In diesem Beitrag möchte ich den Versuch wagen und Mystery definieren.
Was bedeutet „Mystery“? Die Ursprünge
Lange dachte ich, der Begriff Mystery sei eindeutig zu verstehen und jeder wisse, was damit gemeint ist. Tatsächlich ist er jedoch genauso geheimnisvoll wie seine Wortbedeutung selbst. Man versteht darunter etwas Übernatürliches und Unerklärliches, das sich nicht so richtig begreifen lässt. Möchte man konkrete Beispiele für Mystery nennen, fallen einem eher Fernsehserien zwischen 1990 und 2010 ein. Allen voran Akte X. Aber Bücher? Nein, das nicht so richtig. Warum das so ist, erklärt ein Blick auf die Geschichte des Wortes.
Das Wort „mystery“ hat seinen Ursprung im griechischen „mysterion“, das sich auf Ereignisse oder Rituale mit geheimem Kern bezog . Diese hatten oft einen religiösen Hintergrund. Das etymologische Lexikon der deutschen Sprache sagt sogar, „mysterion“ hinge eng mit der Idee zusammen, dass die Eingeweihten eines Geheimnisses durch ein Schweigegebot gebunden waren. Das Rätsel, das Unbekannte, bezog sich also auf etwas, von dem andere ausgeschlossen waren und das nur diejenigen im eingeweihten Kreis kannten.
Heute wird im Deutschen unter dem Begriff „Mystery“ ein Rätsel oder Geheimnis verstanden. Es gibt Mystery-Games, Mystery-Filme, Mystery-Bücher. Der religiöse Kontext ist verschwunden, wenngleich es thematisch noch immer um etwas geht, das unerklärlich ist und uns genau dadurch schockiert oder interessiert. Im Gegensatz zum Rätsel in einem Kriminalroman gleicht das Mysterium eher einem übernatürlichen Puzzle, das sich nur selten auf die Aufklärung eines Kriminalfalls begrenzt.
Mystery in der englischsprachigen Literatur
Das Wort „Mystery“ in seiner heutigen Form im Gegensatz zum „Mysterium“ ist aus dem Englischen entlehnt und im Grunde ein Anglizismus. Geprägt durch die Medienlandschaft und ihre Werbung wird Mystery vor allem als Etikett für Geschichten verwendet, die einen großen phantastischen Anteil haben.
Im englischsprachigen Raum wird Mystery jedoch für jedwede Form von Kriminalroman verwendet. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die englische mystery novel auf Deutsch mit Kriminalroman übersetzt wird.
In diesen beiden Polen besteht der Konflikt. Im deutschsprachigen Raum denken wir bei Mystery unweigerlich an düstere Schauplätze mit unerklärlichen Vorkommnissen. Das heißt, wir denken eher weniger an einen Kriminalroman, sondern an eine Mischung aus Psychothriller, Grusel und einem tiefen, verstörenden Geheimnis. Die Stimmung der Mystery Geschichte ist dabei atmosphärisch dicht, oft düster und geprägt von undurchsichtigen Figuren. Es geht nicht um alltägliche Rätsel, sondern um etwas überhaupt nicht Alltägliches.
Gleichzeitig ist Mystery kein Horror, denn es fehlen die ekelhaften, extrem gewaltvollen und schockierenden Elemente.
Was passiert, wenn ich nun zum Beispiel im Shop einer Onlinebuchhandlung* nach Mystery suche? Es wird ein Misch aus unterschiedlichen Büchern angezeigt. Die meisten lassen sich im Bereich Psychothriller, atmosphärischer Horror, aber auch düsteres Märchen ansiedeln. Was wie ein Kriminalroman aussieht, sind Übersetzungen aus dem Englischen. Thalia führt sogar ein Book Trope mit dem Titel Mystery unter dem sich auch Liebesromane finden – vermutlich haben sie ein Mysterium im Zentrum, das gelöst wird.
Warum es für Mystery keine klaren Genregrenzen gibt
Der Genrebegriff Mystery findet in der deutschen Literaturwelt bis jetzt kaum Bedeutung. Die Ursache dafür fasst das folgende Zitat aus Buecher-wiki treffend zusammen:
„Mystery ist eine unscharfe Sammelbezeichnung für erzählende Literatur an der Schnittstelle von Kriminalroman, Fantasy, Horrorliteratur und historischem Roman, selten von Science Fiction.“ (Buecher-wiki 2016, nicht mehr online einsehbar)
In einer Seminararbeit schreibt Jana Gläßer bereits 2013 über den Begriff Mystery, dass er ursprünglich von Fernsehsendern wie ProSieben genutzt worden ist, um einer Serie das Etikett Mystery zu geben und das Rätselhafte in die Medienlandschaft zu tragen. Das heißt die Bezeichnung Mystery war ein Marketinginstrument. Auch heute 2026 ist das noch immer der Fall.
Was heißt das jetzt genau? Das Genre Mystery hat noch keine Definition. Autor*innen mit geisterhaften und düsteren Themen, die einen geheimnisvollen Hintergrund beleuchten, müssen sich also entscheiden: Entweder ist mein Buch ein Krimi oder Horror oder Fantasy oder Science-Fiction. Ein Bücherregal mit der Aufschrift Mystery finden wir in keiner Buchhandlung. Es handelt sich viel eher um ein Subgenre der Phantastik so wie das ziemlich moderne Subgenre Dark Fantasy.
Natürlich können wir uns darüber streiten, ob es überhaupt nötig ist, ein Genre wie Mystery genau zu definieren. Ich sage ja, denn im deutschsprachigen Raum gibt es eine deutliche Trennung zwischen Büchern, die man in der Phantastik ansiedelt und Bücher mit realem Kontext, die zur Belletristik gehören. Ein Genre-Mix findet besonders in der Kriminalliteratur selten statt, die Phantastik ist da deutlich offener, weshalb sich in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Variationen entwickelt haben. Es ist also durchaus sinnvoll, das Etikett „Mystery“ für Bücher zu nutzen, die zwar eher kriminalistisch sind, jedoch mit phantastischen Elementen wie dem Übernatürlichen arbeiten.
Was ist Mystery? Der Versuch einer Definition
Der Begriff Mystery, den wir heute im deutschsprachigen Raum nutzen, ist abzugrenzen vom englischen Begriff, der hier eher als Krimi zu verstehen ist. In einem Mystery Roman geht es meist um das Lösen eines Geheimnisses. Das kann in Form eines Verbrechens, einer übernatürlichen Macht oder einem Rätsel vorliegen. Die Sprache ist atmosphärisch dicht und eindeutig dunkel/negativ. Im Gegensatz zu Horror geht es aber nicht vorrangig darum, den Leser mit Abartigkeit zu schockieren, sondern ihn vielmehr in eine finstere Welt zu führen. Der Mystery-Roman arbeitet mit Spannung und Nervenkitzel. Er verführt zum Miträtseln und bedient sich einer breiten Zahl an Elementen ganz unterschiedlicher Genre. Im Gegensatz zum Kriminalroman bedient er sich jedoch oft auch in der Phantastik. Geister, dunkle Wesen, Magie, Aliens das alles kann man in einem Mystery-Roman finden. Das Genre ist also viel eher als Substitut aus ganz unterschiedlichen Elemente zu verstehen und heute eher ein Subgenre.
Aktualisiert Mai 2026
Mystery Bücher von Mika M. Krüger



Quellen:
Jana Gläßer „Was ist Mystery“ 2013, Seminararbeit.
https://www.etymonline.com/word/mystery
https://corpora.uni-leipzig.de/de/res?corpusId=deu_newscrawl-public_2018&word=Mysterium
https://www.dwds.de/wb/Mysterium
Buecher-wiki – der Link ist leider inzwischen tot, letzter Aufruf war 2016

Da scheint mein Verständnis von Mystery ja ganz gut zu passen. Es ist so ziemlich das Einzige, das all meine Projekte gemeinsam haben. Das habe ich wohl Goodreads zu verdanken, wo Autoren wie Dan Brown oder Dennis Lehane u.a. unter Mystery eingestuft werden.
P.S. Ich liebe Coraline 🙂
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Danke für deinen Kommentar Christian. Interessant, dass goodreads eine eigene Mystery Ecke hat.
Coraline ist super. Es ist unglaublich simpel geschrieben, aber jeder Satz hat Gewicht. Kennst du den Animationsfilm dazu? Ich mag ihn sehr, auch wenn er für Kinder sein soll (was ich nicht verstehe).
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Goodreads hat sogar eine umfangreiche Erklärung auf Lager, was Mystery ist. Man muss die Seite einfach nur lieben 🙂
Ich habe sogar zuerst den Film gesehen und erst kürzlich zwischen den Jahren das Buch entdeckt. Ich fand den Film schon recht gruselig, doch das Buch setzt da noch einen drauf. Aber der Zauberer von Oz ist ja auch angeblich ein Kinderbuch 😛
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Ja, was ein Kinderbuch ist und was nicht, da scheiden sich ja dann auch noch mal die Geister. Übrigens schade, dass du dein Blog nur noch auf Englisch machst. Ich verstehe zwar alles, bin auf Englisch aber noch zu schüchtern, um Kommentare zu schreiben… 😮
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Der Aufwand wurde leider zu groß … oder die Zeit zu knapp … oder beides 😦
Englisch war jedenfalls Pflicht, schon allein, damit meine Betaleserin alles versteht.
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Toller Artikel 🙂
Als ich zum ersten Mal darüber nachdachte, welches Genre ich eigentlich schreibe, bewegte ich mich noch im englischen Sprachraum. Daher war für mich schnell klar, dass ich Mystery schreibe – schliesslich geht es bei mir im Vordergrund immer um die Lösung eines Rätsels (welches von „Wer steckt hinter den Morden, und vor allem warum?“ bis zu „Was ist mir mit los? Werde ich verrückt?“ reichen kann). Im Hintergrund spielt sich dann oft noch eine romantische Beziehung eine Rolle, weshalb ich meine Geschichten pauschal als „Mystery/Romance“ bezeichnet habe.
Bis ich dann herausfand, dass viele Leser (aber auch Autoren) im deutschsprachigen Raum unter Mystery etwas ganz anderes verstehen… Seitdem hat meine deutsche Autorenseite die Ergänzung, dass es sich bei meinen Projekten um eine Mischung aus Spannungs- und Beziehungsgeschichte handelt. So ganz glücklich bin ich damit aber nicht, da für mich das englische Wort „Mystery“ das ganze einfach besser trifft.
Übrigens wird auch Poe – den ich verehre und mit dem ich mich im Studium durch meine Spezialisierung auf American Gothic viel beschäftigt habe – als Mystery Autor bezeichnet, was deutsche Leser gerne auf übernatürliche Elemente in seinen Geschichten beziehen. Strenggenommen aber entspringen diese übernatürlichen Elemente oft der Interpretation des Lesers, denn nicht umsonst ist Poe der Erfinder und Meister des ‚unreliable narrator‘ (= eines ich-Erzählers, der sich im Verlauf der Geschichte als nicht vertrauenswürdig erweist und dessen Version der Ereignisse daher vom Leser angezweifelt werden kann und muss). Die ‚Lösung‘ ist also ganz dem Leser überlassen, und neben dem Übernatürlichen gibt es fast immer auch einen ’natürlichen‘ Ansatz: der Erzähler ist z.B. verrückt, oder nimmt etwas aus Schlafmangel oder unter Drogeneinfluss falsch war.
Es geht also auch bei Poe um das Lösen eines Rätsels (was sogar den Leser selbst überlassen und nicht von einer Figur übernommen wird), dennoch ist die Angabe ‚Mystery‘ bei Poe im ganz engen und klassischen Sinne gemeint, da er auch als prägender Autor und Erfinder des Genres „detective fiction“ bekannt ist. (Nebenbei gestaltete er auch das neu entstehende Genre Science Fiction mit – er war also ein höchst vielseitiger Autor.)
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Ich finde Genre-Bezeichnungen sowieso immer sehr schwierig und wenn ich mir ansehe, was Verlage daraus machen, geht das allen anderen genauso. Da trifft endlich mal der schöne Satz „Früher war das besser“ zu.
Früher waren Liebesromane Liebesgeschichten, Thriller waren Krimis und ??? waren Gruselromane. Heute gibt es Vermischungen von allem und das Grenzen ziehen wird so erschwert, dass ich ganz oft nicht weiß, was mich bei einem Buch erwartet, wenn ein bestimmtes Genre drauf steht.
Mysterie ist darum für mich nicht so sehr ein Genre, sondern eher ein Element eines Genres. Um bei dem Beispiel X-Files zu bleiben. Das ist ein gutes Beispiel für die Vermischung der Genres, weil es sowohl Liebesgeschichten enthält (jedenfalls in den zwei Folgen, die ich gesehen habe), also auch Krimi, als auch Geheimnisvolles. Würde ich deswegen die Serie als Mysterie bezeichnen? Nicht unbedingt.
Würde ich sagen, ich lese Mysterie? Auch nicht unbedingt. Ich lese Liebesgeschichten, Krimis, Zukunftsgeschichten (ich versuche hier verzweifelt nur dt. Begriffe zu nenne, ist echt schwer) und alle haben eine Spur Mysterie in sich.
Ich glaube, mein Beitrag verliert gerade komplett Deinen Faden und geht 1km am Ziel vorbei. Sorry dafür…
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Ach Quatsch, das ist absolut in Ornung. Ich weiß schon, was du meinst. Genre sind verwirrend und nicht immer hilfreich. Ich habe mich lange Zeit damit schwer getan, aber inzwischen finde ich sie notwendig. Einfach auch, damit ich weiß, für welche Zielgruppe ich im Endeffekt schreibe.
Warum möchtest du eigentlich nur die Deutschen Genrebezeichnungen verwenden?
Grüße
+Mika+
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Warum ich nur die dt. Genrebezeichnungen verwenden wollte? Um so ein wenig zu zeigen, dass die Amerikanisierung, so gern ich sie auch habe, ein Teil des Bezeichnungsproblems ist. Die haben die Fragestellung, was welches Genre ist, nämlich sehr einfach gelöst in dem sie neue Bezeichnungen erfunden haben (Paranormal, Suspense etc). Nur wir Deutschen versuchen immer noch alles in eine bestimme Schablone zu drücken und fragen uns dann für welches Genre wir eigentlich schreiben.
Oder hast Du schon mal Young Adult oder New Adult Bücher im dt. Mark mit einer passenden Genre-Bezeichnung gefunden?
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Interessanter Beitrag, habe mir zuvor noch keine Gedanken darüber gemacht, also finde ich es schön, dass du das Thema aufbringst!
In der Tat hätte ich selbst gedacht, dass Mystery geheimnisvolle, nun mysteriöse Stories mit Tendenz zu Schauergeschichten sind. Mir war nicht klar, dass es im Englischen lediglich Krimi-Romane sind.
Ich tendiere dazu sie aus einen Mix zwischen Horror und Krimi zu bezeichnen. Ich habe mich in dem Genre noch nie befunden, wäre interessant etwas davon zu lesen. Ich hoffe, dass dein Buch als Printausgabe rauskommt, dann kann ich mir sicherlich ein Bild davon machen =)
p.s. Dein Buchpaket schicke ich Montag los 😀 war etwas faul, hehe.
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Das Taschenbuch wird hoffentlich bis Ende Februar erschienen sein. Derzeit bin ich dabei, das Layout zu machen, was gar nicht so leicht ist und viel Zeit in Anspruch nimmt.
Horror ist für mich noch nie das Gleiche gewesen wie Mystery. Bei Horror denke ich ganz automatisch an Stephen King. Weiß nicht wie es dir geht.
PS: Lass dir mit dem Buchpaket Zeit. Ich bin sehr geduldig. 😀
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ooh so früh schon, das freut mich sehr zu hören, wie wiest du es drucken lassen bzw über wen? Ich habe mich leider noch nie in diese Gebiete hineinglesen, obwohl ich Filme dergleichen sehr mag. Ich bin gespannt, ob ich mit der Zeit den Unterschied erkenne.
P.P.S Ich wollte das Paket eigentlich erst abfotographieren, doch eine Überraschung ist doch schöner 😉
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Nach meinem Dafürhalten gibt es sowohl das Genre Mystery als auch eine Reihe vom Romanen, die Mystery-Elemente einführen, um zu betonen, dass es sich um ganz und gar ausgedachte Geschichten handelt, die in der Wirklichkeit so nie passieren könnten. Die zentrale Aufgabe, ein Rätsel zu lösen, ist allerdings auch in diesen Romanen zu finden.
Zwei Beispiele: „V.“ und „Vineland“, beide von Thomas Pynchon. Diese Bücher greifen Gegenwartsthemen auf, die in einem Kontext historischer Ereignisse spielen.
„V.“ ist eine deutsche Geheimagentin, die mit den Aufträgen ihre Namen wechselt, und dabei Teile ihres Körpers Stück für Stück durch hochwertige Prothesen ersetzt, die von echten Körperteilen kaum zu unterscheiden sind. Das Rätsel für den Protagonisten ist, V. zu finden, um von ihr zu erfahren, was aus seinem Vater, einem Agent der Gegenseite, geworden ist.
In „Vineland“ stehen sich Vertreter der Bürgerrechtsbewegung und der Staatsmacht gegenüber, die alle ihre eigenen, ganz privaten Interessen verfolgen. Pynchon teilt nach beiden Seiten kräftig aus. Indem er aber eine Gruppe untoter Vietnamveteranen einführt, die irgendwo in den Wäldern Kaliforniens hausen und in der Handlung am Rande mitmischen, sagt er: „Hey, das ist natürlichlich nicht das echte FBI, nicht die echte Bürgerechtsbewegung, von der hier die Rede ist.“
Roman läuft im Englischen ja auch unter Fiction. Würden wir es im Deutschen ebenso halten, wäre klar, dass es ausgedachte Geschichten sind. So aber denken wir bei Roman zuerst an Romanzen.
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