Red-Mon-Stadt

Mein Projekt beim NaNoWriMo …

… und eine Schreibnacht auf Facebook …

HurtNoOne_NaNoWriMo

Wie angekündigt werde ich in diesem Jahr am NaNoWriMo teilnehmen. Hiermit lasse ich nun die Katze aus dem Sack. Das Projekt mit dem ich mein Glück versuche, trägt den vorläufigen Titel „Hurt No One“ und ist eine Science-Fiction Story über zwei Menschen, deren Schicksal sich durch Zufall miteinander verwebt. Zwei Antihelden, die in den blutigen Kampf zweier Parteien gerissen werden, sich auf gegnerischen Seiten befinden, aber am Ende Hand in Hand gegen ihre Unterdrückung und für ihre Freiheit kämpfen.

Wie es der Zufall wollte, habe ich gestern dann an einer Schreibnacht auf Facebook teilgenommen und mich der dort gestellten Schreibaufgabe gewidmet. Diese lautete: Schreibe einen Dialog zwischen dem Protagonist und dem Antagonist deiner Story. Das war nicht ganz einfach, denn bisher hatte meine Antagonistin weder ein Gesicht noch einen Charakter.

Ob mir der Dialog gelungen ist oder nicht, davon könnt ihr euch selbst überzeugen. Sollten Verdauungsproblemen beim Konsum der Kost auftreten, wendet euch vertrauenswürdig an die Autorin. ;P


„Amanda war kein Name, der zu ihr passte. In einem kantigen Gesicht mit leichengrauer Haut, ruhten stechend kalte Augen, die ihre Umgebung bestens im Griff hatten. Niemand gab sich freiwillig mit einer Frau wie Amanda ab. Ihm aber blieb keine Wahl. Neel setzte sich auf den Stuhl, den sie ihm schon vor seiner Ankunft zurechtgeschoben hatte und wartete.

„Ich habe gehört, dass du nicht funktioniert hast“, sagte Amanda, nachdem sie ihn eine Weile betrachtet hatte.

Bin wohl eingerostet, wollte er entgegnen, aber seine Ironie blieb ihm im Hals stecken. Wenn er Pech hatte, würde Amanda an einer Strippe ziehen und alles war vorbei. Hätte er es doch einfach sein lassen. Zu spät. Da musste er jetzt durch.

„Ich war nicht bei der Sache.“, log Neel.

„Du warst also nicht bei der Sache. Wie kann ich mir das genau vorstellen, Soldat?“

„Ihre Leiche ist ins Meer gestürzt und als ich es bemerkt habe, war sie im Dunkeln nicht mehr zu sehen. Es war ein Fehler und kommt nicht wieder vor.“

Amandas Hände ruhten auf dem Tisch. In ihrer Miene lag der Ausdruck abschätziger Missbilligung. Wenn Amanda am Ruder saß, ging nichts schief. Das war ausgeschlossen. Zumindest in der Theorie.

„Wir tolerieren kein Fehlverhalten, Soldat. Ich hatte angenommen, das ist dir bewusst. Also stellt sich mir die Frage, wieso du einem Befehl nicht Folge geleistet hast.“

„Ich habe den Befehl befolgt. Die Zielpersonen sind tot. Es ist nur etwas danebengegangen. Fehler sind menschlich. Kann mal passieren. Kommt nicht wieder vor.“

Jetzt wurde ihre Miene zu Stahl.

„Fehler … sind … menschlich“, wiederholte sie. „Um eins klarzustellen, Soldat, du bist weder ein Mensch noch hast du das Recht, dir Menschlichkeit zu erlauben. Du bist eine Maschine, die zu funktionieren hat. Wie ein Rädchen in einer Uhr, das ganz leicht austauschbar ist. Willst du das abstreiten?“

„Nein.“

„Gut. Mach dir das bewusst, wenn du das nächste Mal einen Auftrag hast. Mach dir bewusst, dass ich dich ganz einfach gegen ein neues, funktionierendes Rädchen austauschen kann.“

Neel fragte sich, ob Amanda deshalb so eindrücklich sprach, weil sie glaubte, ihn dadurch besser manipulieren zu können. Innerlich zog er den Revolver aus dem Halfter an seiner Hose, richtete ihn auf sie und schoss. Was für eine Genugtuung. Äußerlich blieb er ruhig.

Amanda schaltete das Display ein, das in den Tisch eingelassen war und schob mit den Fingern Dokumente beiseite. Ein Blatt vergrößerte sie und drehte es, damit er es sehen konnte.

„Dein Vertrag.“ Natürlich kam sie ihm damit. Ihr dürrer Finger tippte auf seine krakelige Unterschrift. „Steht da irgendetwas von Fehlern und Menschlichkeit?“

„Nein.“

„Richtig. Natürlich nicht. Streich diese beiden Wörter aus deinem Wortschatz. Sie existieren nicht. Nicht für einen Soldat wie dich. Es gibt einen Befehl, einen Auftrag und am Ende zählt nur das Ergebnis. Und heute fehlt uns einer auf der Liste. Dieser jemand ist spurlos verschwunden. Das ist inakzeptabel. Niemand kümmert sich darum, was in deinem erbsengroßen Gehirn vorgegangen ist, dass es so weit kam. Sind wir uns da einig?“

„Natürlich.“

„Gut, dann haben wir das geklärt. Du kannst gehen.“

Er stand auf, neigte sich zum Abschied und ging zur Tür. Gerade als er auf dem Absatz stand, meinte Amanda beiläufig: „Ach, ich hätte es fast vergessen. Deine Mutter war sehr aufgelöst als sie hörte, dass du derjenige bist, den sie den Totenläufer nennen.“

Neel erstarrte in der Bewegung. Sein Herz wurde kalt in der Brust und zitterte. Sie hatte mit seiner Mutter gesprochen. Persönlich. So weit war es also.

„Ich habe keinen Kontakt mehr zu meiner Familie“, brachte er hervor.

„Das ist wirklich sehr schade. Ihre Stimme war weich wie Butter. Eine entzückende Person. Nun denn, Neel, alles weitere folgt bei der Besprechung um fünfzehn Uhr.“

Er ging ohne ein weiteres Wort.

Als er draußen im Flur war, achtete er auf die Kameras. Ihm durfte sein Gesicht nicht entgleiten. Er musste durchhalten, zumindest bis er draußen auf der Straße war. Diese Frau. Sie kannte ihn perfekt. Seine Ängste, seine Zweifel. Er konnte nur hoffen, dass sie die Wahrheit nicht schon kannte, denn die Zielperson war nicht tot. Er hatte sie laufen lassen. „


Und wer sich jetzt noch neugierig ist, wie ich auf diesen den Buchtitel gekommen bin, der schaut sich einfach das Musikvideo der Band The Used an. Dieses Lied hat mich überhaupt erst auf die Idee zum neuen Projekt gebracht. Musik regiert die Welt!

Ich wünsche euch noch einen angenehmen Restsonntag

+ Mika +


PS: Und nein, ich habe nicht schon vor November mit dem Schreiben an meinem Roman begonnen. Diesen Dialog wird es sehr wahrscheinlich nie in die Endfassung von „Hurt No One“ schaffen.