7: Leserstimmen

Rezension: Der Märchenerzähler

…  von Antonia Michaelis …

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Eines der besten Bücher, das mir in den letzten Jahren untergekommen ist, ist das Werk von Antonia Michealis: „Der Märchenerzähler“. Düster, melancholisch und sehr lyrisch, packt einen die Geschichte von Abel Tannatek sofort. Schon zu Beginn werden viele Fragen eröffnet: Wer ist Tannatek? Wieso erzählt er seiner Schwester ein so trauriges Märchen? Und wie zum Teufel hängt das alles mit der Hauptfigur Anna zusammen? Auf all diese Fragen bekommen wir als Leser am Ende eine klare, wenn auch, sagen wir, umstrittene Antwort.

Bildlich und anrührend, zieht die Autorin den Leser von einer Seite zur nächsten und schafft eine märchenhafte Welt mitten in Deutschland.

Wer auf dramatische Liebesgeschichten steht, die noch dazu sprachlich überragend aufgearbeitet worden sind, der wird mit dem Werk wirklich seine Freude haben. Ich hatte sie jedenfalls und musste lange über das, was im Werk passierte, nachdenken.
Übrigens, obwohl als Jugendroman klassifiziert, halte ich das Werk durchaus tauglich, auch Erwachsenen zu gefallen.

Ich weiß, heute ist meine Rezension nicht ganz so ausführlich geraten wie die letzten Male. Das spricht jedoch für den Roman.

Ich wünsche euch ein angenehmes Wochenende!

+ Mika +


Fragt ihr euch, was der Rabe neben dem Buch zu suchen hat?

Ich vergebe auf meinem Blog keine Sterne, da ich überzeugt bin, dass meine Rezensionen auch ohne diese Bewertung deutlich machen, wie gut mir das Werk gefallen hat. (eine Diskussion dazu findet ihr HIER!) Deshalb habe ich mich entschieden, nur Empfehlungen auszusprechen. Alle Bücher mit Rabe werden direkt von mir weiterempfohlen, weil sie nicht nur strukturell, stilistisch und von der Rechtschreibung überzeugt haben, sondern weil sie mir schlichtweg gefallen und meinen persönlichen Geschmack getroffen haben.

7: Leserstimmen

Rezension: Daimonion

… von Daniela Hochstein …

RezensionMartina Bauer_Rahmen


Handlung

Armon, ein reicher Adliger aus dem 18. Jh., muss sich nach seinem Tod dem „Hohen Himmlischen Gericht“ stellen. Als Dämon hat er die Welt jahrzehntelang heimgesucht. Es scheint nur logisch, dass die Himmelspforte für ihn verschlossen bleibt. Doch so einfach ist es nicht, ein Engel ergreift Partei für ihn und behauptet, Armon der Dämon, habe sehr wohl einen Platz im Himmel verdient, denn er sei ein rechtschaffener Dämon gewesen. Zu seiner Verteidigung beginnt Armon, seine Lebensgeschichte zu erzählen. Wir als Leser begleiten ihn auf dieser Reise. Beginnend mit seiner Verwandlung bis hin zu dem Tag, an dem er sich dem Himmlischen Gericht stellen muss.


Figuren

Da der Roman „Daimonion“ einiges an Umfang vorzuweisen hat, tauchen viele, sehr lebhaft beschriebene Charaktere auf. Armon ist jedoch unser Erzähler, der in der Ich-Perspektive berichtet. Wichtige weitere Figuren sind sein bester, menschlicher Freund und seine Schwester, die beide mehrere Jahre an Armons Seite sind und sein Handeln mitbestimmen.
Armons Zwiespältigkeit macht den Roman interessant, denn er will kein Dämon sein. Die Rolle, die ihm ungewollt zuteil wird, beschämt ihn, macht ihn verrückt. Armon will keine Menschen töten und sucht daher nur jene heim, die ihm unwürdig erscheinen. Seine eigenen Artgenossen jedoch behandelt er sträflich.
Die Figuren haben eine tragische Tiefe und sind realistisch gezeichnet. Besonders bewegend ist die Freundschaft zwischen Armon und seinem besten Freund, die zu zerbrechen droht, als letzterer von Armons wahrer Identität erfährt.


Insgesamt

Figuren und Idee zeichnen diesen Roman aus. Allerdings hat die Autorin Schwierigkeiten, ein gleichbleibendes Level von Spannung zu erzeugen. Stellenweise erscheint der Roman sehr langatmig. Da sehe ich Verbesserungsbedarf. Beispielsweise gerade zu Beginn, in der sehr beklemmenden Höhlenszene, als Armon zum Dämon wird, ertappte ich mich öfter dabei, mit den Gedanken abzuschweifen. Da diese Szene am Ende der Geschichte noch eine tragende Bedeutung bekommt, muss sie mehr Überzeugungskraft ausstrahlen. Trotzdem, und das muss ich der Autorin zu Gute halten, gibt es am Ende einige spannende Wendungen, die den Roman lesenswert machen. Kreativität hat Daniela Hochstein alle mal.
Für die Idee und die gut gelungene Figurenkonstellation vergebe ich vier Sterne.

Da Daimonion das Erstlingswerk der Autorin ist, bin ich gespannt, wie wohl ihr nächster Roman sein wird. Der, wie sie mir selbst mitteilte, gerade in Arbeit ist.

Ich wünsche euch einen angenehmen Mittwoch!

Link zum Buch: Daimonion

+ Mika +

7: Leserstimmen

Rezension: Weggetrieben …

… von Johannes Möhler …

RezensionMartina Bauer_Rahmen


Handlung

Martin ist verheiratet, Mitglied im Kanuverein und hat Freunde. Zwei richtig Gute um genau zu sein. Doch das zunehmende Alter bereitet ihm Probleme, er fühlt sich unattraktiv und langweilig. Er flieht in eine heiße Affäre und bekommt so die Anerkennung, die er dringend braucht. Was er jedoch nicht weiß: Seine Selbstzweifel sind nicht das Einzige, was sein Leben völlig auf den Kopf stellt. Einer nach dem anderen sterben seine Freunde. Die Polizei glaubt an Unfälle, aber Martin weiß genau, irgendjemand steckt dahinter und will den Männerfreunden an den Kragen.


Die Figuren

Dem Protagonisten Martin wird sich in diesem Werk auf psychologischer Ebene genähert. Ich erlebe Martins Ängst, seine Wünsche und muss auch an seinen Abgründen teilhaben. Obwohl der Roman nicht im Ich-Erzähler geschrieben worden ist, spüre ich stark Martins Perspektive. Mein Problem war jedoch, dass er mir unsympathisch war. Ohne Skrupel betrügt er seine Frau und kriecht am Ende reuig zu ihr zurück. So echt und lebensnah mir dieses Geschehen auch vorkommt, so sehr weiß ich auch, dass nicht jeder Ehemann ein solcher Feigling ist.
Ich finde, mit wenig Aufwand hätte Martin noch mehr von meiner Sympathie gewinnen können. Er könnte zumindest an die Folgen seines Verhaltens denken, Fehler bei sich suchen und sich zumindest darüber im Klaren sein, dass sein Betrug moralisch falsch ist. Das macht sein Fehlverhalten zwar nicht besser, aber dem Betrüger Martin gönne ich die grauenhaften Schicksalsschläge beinahe. Das wiederum führt dazu, dass ich gar nicht mehr so wissen will, was aus Martin eigentlich wird, weil er meinetwegen auch selbst Opfer des Mörders werden kann.


Insgesamt

Mit seinem bedrückenden Erzählstil schafft Johannes Möhler einen Thriller, der den psychologischen Spiegel des Haupthelden Martin darstellt und ohne die typischen Elemente eines Thrillers auskommt.
Anstatt ständig eine echte Gefahr in Form eines bösen Antagonisten zu zeigen, begleiten wir Martin auf seinem Weg in einen ernsthaft paranoiden Zustand, und wissen am Ende selbst nicht mehr, ob wir Martin noch glauben können. Der Roman ist ehrlich mit uns und der Realität, es gibt keine heroischen Übermenschen. Alle Figuren sind echt und lebensnah gezeichnet.

Wer also Lust auf einen Thriller hat, der sehr real ist und Interesse an Stimmungsschwankungen von Männern Mitte Vierzig hat, der findet hier die richtige Lektüre.
Ich für meinen Teil hatte aufgrund des sehr guten Schreibstils meinen Spaß, war jedoch vom Protagonisten stark enttäuscht.

Link zum Buch: Weggetrieben bei Lovelybooks