2: Dies und das

Reise beendet und nun?

Sonnuntergang in Tennoji mit Blick auf den Hitachi-Turm in Osaka.
Sonnuntergang in Tennoji mit Blick auf den Hitachi-Turm in Osaka.

Liebe Leser,

ich melde mich zurück aus dem Urlaub. Zehn Tage konntet ihr mich im Land der aufgehenden Sonne finden. Dieses Mal war ich in Osaka, habe Kyoto gesehen, einen Fuß in die Stadt Nara gesetzt und mich mit vielen Kleinigkeiten aus Japan eingedeckt. Nun bin ich ausgeruht und habe Energie getankt, um die nächsten Wochen in Angriff zu nehmen. Diese halten einige Hürden für mich bereit, denn seit heute bin ich keine Studentin mehr. Nach beinahe acht Jahren Studium ist dieser Lebensabschnitt endgültig beendet und nun muss ein Job her. Am besten einer, der mir genügend Freizeit lässt, damit ich weiterhin schreiben kann. Ein Job, der mich nicht unterfordert, aber auch nicht alles von mir abverlangt und noch dazu so viel abwirft, dass ich überleben kann. Klingt nicht unrealistisch, aber schon ein wenig träumerisch. Trotzdem, ich möchte in Zukunft ohne finanziellen Druck im Nacken Geschichten schreiben, denn nur so kann ich überhaupt kreativ sein. Dass ich mir mein Leben mit dem Schreiben finanzieren kann, wird wohl noch einige Jahre dauern. Deshalb werde ich mich nun in den Dschungel des Arbeitsmarktes begeben und hoffen, dass dort kein Raubtier auf mich lauert.

Ich bin in Umbruchstimmung. Auf der Suche. Rastlos und ein wenig planlos, aber auch euphorisch. Endlich ist es geschafft und ohne die Verpflichtungen des Studiums fühle ich mich wirklich ein wenig vogelfrei.

Auf dem Blog findet ihr weiterhin regelmäßig Neuigkeiten. Lasst euch überraschen. Bald ist Halloween und das ist ganz meine Jahreszeit. Denn da kommen die düsteren Gestalten aus den Ecken, die den Protagonisten in meinen Geschichten gern mal an den Kragen wollen. Beste Voraussetzungen für einige schaurige Ideen, oder?

In dem Sinne wünsche ich euch eine gute Restwoche.

+ Mika +

Und damit ihr einen Eindruck davon bekommt, was ich in Japan so getrieben habe, hier ein paar Fotos von meinem Aufenthalt.

Schloss Osaka.
Schloss Osaka.
Sumijoshi Taisha in Osaka.
Sumijoshi Taisha in Osaka.
Der Sonnenturm im ehemaligen EXPO Gelände von 1970 in Osaka.
Der Sonnenturm im ehemaligen EXPO Gelände von 1970 in Osaka und ich.
Eine Gasse in Kyoto mit japanischen Restaurants.
Eine Gasse in Kyoto mit japanischen Restaurants.
2: Dies und das, 5: Japan

Die Legende von Okiku

… der unnötige Tod einer Hausangestellten …

Yoshitoshis Holzdruck von Okiku über dem Brunnen.
Yoshitoshis Holzschnitt von Okiku.

Als ich von September 2013 bis Oktober 2014 an einer japanischen Universität studiert habe, fand dort auch ein Kurs statt, der sich mit japanischen Geistern beschäftigte. Da ich mich schon immer für Legenden, Märchen oder Schauergeschichten interessiert habe, nahm ich teil und habe so einige interessante Geschichten kennengelernt. Eine davon ist die Geschichte von der Hausangestellten Okiku. Wem der Name bekannt vorkommt, das Buch „The Ring“ ist von dieser Geschichte inspiriert und wurde in Japan und den USA verfilmt. Bildnisse von japanischen Frauengeistern (Wort!), die über einem Brunnen schweben, stellen die junge Okiku dar, die an ihrem Arbeitsplatz den Tod fand. Besonders berühmt sind die Darstellungen von Yoshitoshi  (oben) und auch Hokusai (unten).

Hokusais Holzschnitt von Okiku in Form einer Schlange aus Tellern.
Hokusais Holzschnitt von Okiku in Form einer Schlange aus Tellern.

Zur Geschichte

Die Geschichte spielt im Japan der Edo-Zeit (zwischen 1709-1716)im Distrikt Bancho.

Okiku ist eine junge und sehr hübsche Angestellte des Flaggenträgers Aoyama Tessan. Diesem wurden von holländischen Händlern fünf Gedecke (dishes) wertvolle Teller anvertraut, auf die er Acht geben sollte. Eines Tages jedoch zerbrach seine Frau versehentlich einen der teuren Teller. Aus Angst vor der Reaktion ihres Ehemannes gab sie der jungen Okiku die Schuld an dem Maleur. Daraufhin wurde Okiku in eingesperrt und musste mehrere Tage lang hungern. Immer wieder beteuerte sie ihre Unschuld, doch niemand glaubte ihr. Irgendwann gelang ihr die Flucht, doch sie konnte nicht mit der Schande leben und stürzte sich selbst in einen Brunnen hinein. Von da an tauchte sie nächtlich auf und zählte von eins bis neun, um dann in einen lauten Schrei auszubrechen, der die Hausbewohner davon abhielt, Schlaf zu finden.

In einer zweiten Variante wird Okiku von dem Hausherren Aoyama umschwärmt, wehrt seine Annäherungen jedoch immer wieder ab. Aus diesem Grund greift Aoyama zu einem bösartigen Trick und versteckt einen seiner wertvollen Teller. In einem Vieraugengespräch wirft er Okiku vor, den Teller gestohlen zu haben und bietet ihr an, die Sache zu vergessen, sollte sie sich ihm freiwillig hingeben. Da sich Okiku keiner Schuld bewusst ist, weigert sie sich und Aoyama verfällt in einen bösartigen Zorn. Er tötet Okiku und wirft sie in den Hausbrunnen. Auch in dieser Version sucht der Geist Okikus den Brunnen heim und zählt von eins bis neun, kann jedoch nie die Zahl zehn aussprechen.

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Eine moderne Version Okikus gezeichnet von JDarnell (auf Deviantart)


Was ist Okiku für ein Geist?

Japanische Geistergeschichten erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit. Im Gegensatz zu den brutalen Horrorgeschichten der modernen Literatur, die vorrangig darauf abzielen blutig, ekelhaft und psychologisch zu sein, geht es in japanischen Geschichten um gruselige Elemente. Verzerrte Laute, geisterhafte Stimmung, düstere Atmosphäre. Der Ausdruck Yurei umfasst dabei alle Geistergetalten, allerdings ist die Vielfalt japanischer Geschichten so zahlreich, dass sich für einzelne Geister eigene Begriffe entwickelt haben. Die Hausangestellte Okiku wird dabei als ein Rachegeist (Onryo) bezeichnet, denn auch wenn sie niemandem direkt Schaden zufügt, so rächt sie sich an ihren Hausherren, indem sie diese Nacht für Nacht mit ihrem Schrei peinigt.

So beliebt wie die Geschichte auch ist, in deutscher Übersetzung gibt es zu Okikus Geschichte nicht einmal einen Wikipedia Eintrag. Daher habe ich mich entschieden, diesen Post zu schreiben, und weil eine meiner demnächst erscheinenden Kurzgeschichten von Okikus Legende inspiriert worden ist. Sie trägt den Titel „Zähl bis zum Tod“ und wird voraussichtlich im Oktober in der Grusel-Anthologie „Bloody Qindie“ veröffentlicht werden.

Bis dahin! Ich wünsche euch noch eine angenehme Woche. Die Hälfte habt ihr ja überstanden. Und sollte jemand in eurer Nähe mit hoher Stimme von eins bis neun zählen … dann einfach einmal laut „ZEHN“ rufen. 😛

+ Mika +

Neben der Geistergeschichte gibt außerdem noch eine merkwürdige Geschichte über eine Puppe, deren Besitzerin Okiku hieß ...
Neben der Geistergeschichte gibt es außerdem noch eine merkwürdige Überlieferung über eine Puppe, deren Besitzerin Okiku hieß …

Quellen:

Hyakumonogatari

Stevenson, John (2005): Yoshittoshis strange Tales.

Wikipedia

Abbildungen:

Yoshitoshis Holzschnitt (siehe Hyakumonogatari)

Hokusais Holzschnitt (siehe Hyakumonogatari)

JDarnell auf Deviantart