1: Aktuelles, 2: Gedanken-Mix

Sommerpause ist beendet!

Liebe Leser und Interessierte,

vor etwa einem Monat habe ich hier meine Sommerpause bekanntgegeben. Ich wollte mich ganz auf mein Romanprojekt und einige andere Dinge konzentrieren, was auch wunderbar funktioniert hat. Inzwischen sind beinahe alle Kapitel überarbeitet, ich habe das erste Feedback bekommen und kann euch nun wieder mit Neuigkeiten versorgen. Los geht es demnächst mit einem Thema, über das ich mir seit einigen Monaten Gedanken mache: einen Redaktionsplan für mein Blog. Ich muss an dieser Stelle einräumen, dass ich Dinge gern totplane. Für das Blog gilt das jedoch nicht. Hier habe ich immer aus dem Bauch heraus entschieden, was für einen Artikel ich veröffentlichen möchte. Der Nachteil liegt auf der Hand. Manchmal gingen mir einfach die Themen aus und ich geriet in Verzug mit meinen Beiträgen. In der Hoffnung, das in Zukunft besser in den Griff zu bekommen, werde ich also einen vernünftigen Redaktionsplan erstellen und über den Entwicklungsprozess einen Blogbeitrag schreiben. Vielleicht wir der ein oder andere ja davon inspiriert.

Um euch noch kurz mit auf den Weg zu geben, was im letzten Monat passiert ist, hier ein kurzes Statusupdate:

Punkt 1) Hurt No One wird allerspätestens Anfang November auf allen Onlineshops erhältlich sein. Inzwischen bin ich ganz nervös, da die Veröffentlichung schon bald ansteht.

Punkt 2) Ich bin nun stolze Besitzerin von Papyrus Autor und werde meine letzte Überarbeitung damit durchgehen.

Punkt 3) Der vorläufige Coverentwurf von Hurt No One steht, obwohl die Ausarbeitung mich noch einige Kraft kosten wird.

Punkt 4) Ich habe unzählige Projektideen und keine Zeit, sie alle aufzuschreiben. Mag mir jemand eine abnehmen? 😛

Punkt 5) Ich habe am Camp NaNo teilgenommen, war aber weniger produktiv als meine drei KollegInnen, mit denen ich mir eine Cabin teilte. Wer jetzt gerade nicht weiß, worum es geht, schaut einfach auf Stella Delaney Blog nach. Sie hat das ganz wundervoll erklärt. 🙂

Ich hoffe, euch ist es im letzten Monat gut ergangen. Haltet die Ohren steif und genießt den Sommer.

+Mika+

2: Gedanken-Mix, 3: Schreibarbeit

Selbstzensur: Wieso wir uns beim Schreiben selbst Grenzen setzen

Es gibt Dinge, über die darf ich nicht schreiben. Wieso? Na, das ist eben so. In einen Krimi gehört keine explizite Sexszene, genauso wie in eine romantische Liebesgeschichte kein brutaler Mord passt. Ganz zu schweigen von einem anspruchsvollen Gegenwartsroman, der ja nun wirklich nicht zu viele Klischees bedienen sollte. Passt nicht, gibt’s nicht, soll so nicht sein.

Diese und ähnliche Gedanken machen wir uns beim Schreiben jeden Tag. Einige sagen, in der Literatur gäbe es keine Tabus, andere meinen, Grenzen seien wichtig, um die Erwartungen von Lesern zu erfüllen. Es scheint immer wichtiger zu werden, warum wir etwas nicht tun, als die Frage, warum wir etwas tun. Selbstzensur ist das Thema, das sich dahinter verbirgt. Nur ist das wirklich so dramatisch, wie es klingt?


Selbstzensur: Ein Widerspruch in sich

Zu Beginn eine Kleinigkeit: Ich hatte einen Knoten im Kopf, als ich Selbstzensur zum ersten Mal gehört habe. Wie soll man sich denn selbst zensieren? Geht nicht, dachte ich mir. Immerhin bezeichnet die Zensur etwas, was durch eine Institution oder ein Organ vorgenommen wird. Inhalte werden dabei gezielt kontrolliert und beschnitten. „Streich das! Mach das nicht! Das ist zu kritisch, bloß weg damit!“ Sind Aufforderungen, die ganz gut passen. Es ist ein negativer Begriff, der Einfluss auf die Freiheit hat. Dass man selbst derlei Druck auf sich ausübt, ist für mich ein Widerspruch in sich. Aber halt! Ich habe mich getäuscht. Wenn ich in Ruhe darüber nachdenke, ist er nicht so unsinnig, wie es auf den ersten Blick den Eindruck macht. Werfen wir einen Blick auf das Wort Selbstbestrafung . Es ist ähnlich konstruiert. Bestrafungen werden in der Regel durch andere durchgeführt. Durch die Gesellschaft, Menschen, Institutionen. Psychologisch gesehen, ist es jedoch auch möglich, sein eigenes Verhalten zu bestrafen.


Brisant ist interessant

Im Grunde geht es also darum, ob jemand etwas bewusst oder auch unbewusst aus seinem Romanprojekt streicht, um damit gesellschaftlich weniger aufzufallen, weniger anzuecken, mehr Akzeptanz zu bekommen. Sagt meine Protagonistin wirklich ‚Penner‘ oder ‚Nigger‘, weil sie eine rechtsradikale Schlägerin ist oder lasse ich das lieber, damit sich niemand am Wortlaut stört?

Ein Gedanke aus meinem eigenen Schreibprozess: Eine meiner Protagonistinnen hat in ihrer Vergangenheit ein Tier gequält. Vermutlich aus Frustration über ihre eigene ausweglose Situation. Diese Erfahrung hat sie und ihr zwischenmenschliches Vorgehen stark geprägt. Ich weiß, dass eine solche Szene negativ auffallen wird. Stephen King ist das passiert, als einer seiner Protagonisten in einem Buch einen Hund quälte. Er bekam daraufhin Hassbotschaften. Natürlich möchte ich nicht, dass mir das Gleiche passiert, andererseits ist diese Frau eben eine gefühlskalte Person. Das ist ein Konflikt. Auch jetzt, wo ich diese Worte hier im Blog niederschreibe, fühlt es sich nicht richtig an, eine solche Szene in mein Buch einzubinden. Ich fürchte mich davor, die Quälerei zu erwähnen und zensiere mich selbst, indem ich diesen Aspekt lösche. Nicht etwa, weil es für die Geschichte nicht wichtig ist, sondern weil ich mich fürchte, einen schlechten Eindruck zu machen. Dabei ist es nur eine fiktive Geschichte. Mal ganz davon abgesehen, dass es tatsächlich Menschen gibt, die Tieren schaden. Das ist traurige Realität.

Um zur Selbstzensur zurückzukommen. Es macht durchaus Sinn, zu hinterfragen, aus welchen Gründen bestimmte Dinge von uns selbst gelöscht werden. Wer etwas nicht schreibt, weil es zu brisant ist, läuft Gefahr, nicht ehrlich mit sich und seiner Geschichte zu sein. Eventuell entsteht ein langweiliges Werk ohne Höhen und Tiefen. Zu glatt, zu sauber, zu perfekt. Wer kann damit Menschen aufrütteln? Keiner, denke ich.


Rules

Sich an Schreibregeln und Genregrenzen zu halten, ist keine Zensur

Einige Dinge fallen mir in der Diskussion dennoch negativ auf und verursachen ein Stirnrunzeln. Es ist meiner Ansicht nach keine Zensur, wenn wir uns an Regeln des Schreibens und genrespezifische Grenzen halten. Wer beides überschreitet, ist entweder extrem gut oder, ich muss es sagen, kennt sich nicht aus. Ich kann nicht eine Fantasywelt aufbauen und urplötzlich eine machthungrige Maus einführen, die vom Planet Mauswahn kommt und mit einer Laserstrahlenpistole auf einen Ork zielt. Na gut, ja, das kann ich schon, die Frage ist doch aber, will das jemand lesen? Sehr wahrscheinlich nicht. Und ja, ich kann radikal alle meine Hauptpersonen umbringen, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich kann auch Figuren auftauchen lassen, die nichts mit dem eigentlichen Geschehen zu tun haben, pöbeln, brutalen Sex haben, sich die Köpfe blutig schlagen und einfach wieder verschwinden, ohne eine weitere Erwähnung. Kein Problem, aber mehr als einen verwirrten Blick und frustrierte Leser wird das wohl nicht bringen.

Die Frage ist immer, ob man sich freiwillig entscheidet, Dinge zu löschen oder es nur tut, weil man sich gesellschaftlich dazu gedrängt fühlt. Eine Geschichte über einen pädophilen Massenmörder? Nein Danke. Islamkritik? Nein danke. Veganerin trifft Kannibalen? Auch nicht. Zu sagen, wo freiwillig anfängt und wo es aufhört, ist dabei unmöglich. Überall werden wir durch irgendetwas beeinflusst. Wir sollten uns in erste Linie mit der Entscheidung wohlfühlen und sie nicht bereuen. Es ist richtig zu sagen, die Geschichte ist einfach so wie sie ist, egal, ob manche sich daran stören. Wir sollten dazu stehen und mutig sein, die ‚unpassenden‘ Dinge anzusprechen. Es ist allerdings nicht sinnvoll, Schreibregeln zu missachten, nur weil man denkt: „Pah, ich mach das jetzt eben so.“ Wenn ich nicht weiß, wo eine Straße anfängt und wo sie aufhört, werde ich womöglich überfahren.

Mein Eindruck ist, dass die Kritik einer sogenannten Selbstzensur im Bereich Self-Publishing zum Teil (!) dazu genutzt wird, um zu rechtfertigen, warum man bestimmte, unlogische Dinge in Romanen eben doch tut. Es ist Kunst, ich wollte mich nicht selbst zensieren. Von Lesern höre ich demgegenüber immer öfter, Bücher seien Versprechen und mit diesem sind eben auch gewisse Erwartungen verknüpft. Jemand, der einen aufwühlenden Thriller in den Händen hält, wird wohl wütend werden, wenn in diesem eine ausschweifende Dreiecksbeziehung vorkommt. Gedankenlos einfach zu schreiben, was einem gerade einfällt, kann problematisch sein (muss nicht, kann aber …). Für mich ist es daher keine Selbstzensur, zu durchdenken, wie der Roman ankommen könnte. Ich fühle mich dadurch auch nicht meiner Freiheit beraubt. Es gibt tatsächlich viel schwerwiegendere Gründe, sich gegen bestimmte Szenen zu entscheiden. Aus Angst vor gesellschaftlichen Konsequenzen zum Beispiel.

Bis dahin

+Mika+


Nützliche Links

Selbstzensur der Medien

FaZ

Spiegel

Bilder:

Filtern ist keine Lösung: Karsten Suehring

To break the rules you must first master them: Lefteris Heritakis

2: Gedanken-Mix, 3: Schreibarbeit

7 Gründe, warum Raben faszinierend sind

Raben sind düstere Vögel, die auf knorrigen Ästen sitzen und kehlige Laute von sich geben. Wenn ihre schwarze Gestalt am Himmel kreist, haben wir ein mulmiges Gefühl. Sie stehen symbolisch für den Tod und werden bis heute von einem tiefschwarzen Image verfolgt. Dabei brauchen wir vor ihnen keine Angst zu haben. In diesem Beitrag findet ihr sieben Gründen gegen das schlechte Image von diesen erstaunlichen Vögeln.


Grund 1) Raben sind unwahrscheinlich intelligent. Sie können komplexe Handlungen planen, sich Gesichter einprägen und von uns lernen. Wenn sie auf Ästen oder Laternen sitzen, versuchen sie stets, uns einzuschätzen. Sind wir eine Gefahr, ein Freund oder ein Feind? Keinesfalls dient ihr skeptischer Blick dazu, uns einzuschüchtern. Ihnen ist wohl bewusst, dass sie gegen einen Menschen keine Chance haben.

Dank ihrer Intelligenz können sie ganz erstaunliche Dinge tun. Ein Beispiel dafür ist ihr Vorgehen beim Knacken von Nüssen. Dazu nutzen sie den Straßenverkehr, werfen in roten Ampelphasen Nüsse auf die Straße und warten, bis es grün wird. Wenn die Nussschale dann von den Autoreifen geknackt worden ist, bedienen sie sich am Fressen. Ein weiteres Beispiel ihrer Intelligenz seht ihr in diesem Video:

Grund 2) Raben sind sehr kreativ und anpassungsfähig. Deshalb nutzen sie alles, was ihnen in den Schnabel kommt, um ihr Ziel zu erreichen. In Japan lässt sich zum Beispiel beobachten, wie sie Kleiderbügel aus Draht zum Nestbau verwenden. Dabei verbiegen sie den Draht in gewünschter Art und Weise und setzen ihn Stück für Stück aneinander, sodass ein Nest entsteht. Was im ersten Moment unglaublich erscheint, nämlich ein Nest aus Metall, ist ein Zeichen dafür, wie gut sie sich mit dem Leben in der Großstadt arrangiert haben. Zu sehen ist dieses Verhalten in der Doku, die am Ende des Beitrags als Link angegeben ist (ab 25:19).

Grund 3) Raben sind keine Einzelgänger, die darauf lauern anzugreifen, sondern soziale Gruppentiere. Sie leben monogam (ja, ihr habt richtig gehört, die Vögel haben manchen unserer Mitmenschen da was voraus) und sitzen bereits als Jungtiere beisammen und ‚erzählen‘ einander Geschichten. Schade, dass wir nicht verstehen, worum es geht.

Grund 4) Raben sind Singvögel. Das merkwürdige Krächzen oder Glucksen, das Raben aus der Kehle dringt, ist kein beabsichtigt gruseliger Laut. Es ist vielmehr eine ungewöhnliche Art zu singen. Man könnte sagen, es ist die Rabenvariante von öffentlichem Karaoke. Singen für die Geselligkeit sozusagen, ob es nun schön klingt oder nicht.

Grund 5) Raben können sehr zutraulich werden. Man könnte annehmen, dass Menschen und Raben nicht zusammenpassen. Jeder hat Respekt vor dem anderen, aber eine Freundschaft wird das nicht. Weit gefehlt, denn junge Rabentiere können genauso auf den Menschen geprägt werden wie Katze und Hund. Sie lassen sich streicheln, füttern und werden richtig anhänglich. Und mal ehrlich, wer will nicht so ein intelligentes Tier an seiner Seite? Nein okay, das ist natürlich nicht zu empfehlen. Es sind Wildtiere, die ihren eigenen Weg gehen sollten.

Grund 6) Raben sind keine Mörder, sondern Aasfresser. Ein Vorurteil gegenüber Raben ist die Vermutung, sie würden kleinere Singvögel töten, sodass ihre Population in bestimmten Gebieten abnimmt. Während wir es mit einem genervten Blick abnicken, dass unsere Hauskatze einen toten Vogel anschleppt, ist ein Rabe, der dies tut, sofort brutal und bösartig. Noch dazu sind Raben eher Aasfresser als Jäger. Sie begleiten Wölfe und andere Jäger eher beim Beutefang und bedienen sich anschließend, als selbst tätig zu werden. Frei nach dem Motto: Lass die anderen die Arbeit machen.

Rabenvögel sind keineswegs „blutrünstige Mörder“, sondern kümmern sich im Naturhaushalt um die Beseitigung von Aas. Deshalb kamen sie bereits im Mittelalter als Galgenvögel in Verruf. Finden sich heute Raben, Elstern oder Krähen an einem Kadaver ein, wird ihnen gleich ein Mord unterstellt. (Zitat aus NABU)

Grund 7) Raben sind wunderschön und fotogen. Ihr Gefieder glänzt silbern im Licht. Sie haben tiefschwarze Knopfaugen, bewegen sich grazil in der Luft und sind von beachtlicher Größe. Ob bei schummrigem Dämmerlicht, Sonnenaufgang oder Sommersonne, die dunkle Gestalt eines Raben macht sich auf jeder Fotografie gut. Während man beispielsweise eine weiße Taube vor weißen Wolken niemals vernünftig fotografieren kann, ist es ein Leichtes, den sich stark vom Himmel abzeichnenden Rabenvogel schön in Szene zu setzen. Man muss nur schnell genug sein.


Jetzt fragt ihr euch sicher, weshalb ich diesen Beitrag auf einem Blog für Romane und das Schreiben veröffentlicht habe. Ganz einfach, was ich euch hier präsentiert habe, ist in Auszügen das Ergebnis der Recherche für meinen Roman Sieben Raben. Dieser ist nun auch als Taschenbuch über Amazon oder epubli bestellbar. Ob ich da beim Klischee des mordenden Raben geblieben bin, könnt ihr sehr gern überprüfen. Bis zum nächsten Mal.

+Mika+


Beitragsbild von Robb Hannawacker

Quellen:

Dokumentation über Raben

Rabenvögel

Rabenvögel: Vorurteile und Fakten

Rabenvögel aufziehen

Anmerkung: Ich nutze hier den Begriff Rabe, obwohl das korrekte Wort Rabenvogel ist und Elstern und Krähen mit einschließt.