Wie ein Roman entsteht III

… Statusupdate #3: Hurt No One …

Ein Roman wird nicht einfach aus dem Hut gezaubert. Er ist die Summe harter Arbeit, die zu großen Teilen aus Nachdenken, Überarbeiten und Schreiben besteht. Heute teile ich mit euch den dritten Teil meiner Reihe ‚Wie ein Roman ensteht‘, in der ich euch im Detail zeige, was alles passiert, bevor ein Buch veröffentlicht werden kann. Dies mache ich natürlich nicht langweilig, indem ich euch mit Faktenwissen überhäufe, sondern indem ich euch anhand meines Projektes Hurt No One zeige, wie ich beim Schreiben vorgehe. Viel Spaß also beim Lesen.


Ein kurzer Einstieg

Der ein oder andere von euch weiß, dass die Rohfassung meines Projekts bereits steht. Im Februar konnte ich das wohltuende „Ende“ unter meinen Text setzen, doch genau da fängt die Arbeit erst an. Das Stichwort ist ‚Überarbeitung‘ und um die geht es heute im Besonderen. Nur zur Erinnerung: Das Buch ist eine Dystopie für Erwachsene, enthält viele Aktion- und Thrillmomente, ist gleichzeitig aber auch etwas psychologisch. Geheimniskrämereien sind an der Tagesordnung und es ist nie wirklich klar, wer nun wirklich gut oder böse ist.

Aber bleiben wir mal beim Thema. Wenn ich es hochrechnet, werkele ich seit sechs Monaten an meinem Büchlein und das Ende ist noch weit entfernt. Für euch der Stand der Dinge:

  • Kapitel 1: Check. Nächster Schritt ist hier die Testleserunde ab Juni.
  • Kapitel 2: Ist mehrfach überarbeitet. Das letzte Unterkapitel ist jedoch noch offen.
  • Kapitel 3: Hat noch einige Schwächen, ist jedoch strukturell gewachsen und wartet auf zwei weitere Überarbeitungsrunden, die ab Anfang Mai laufen.
  • Kapitel 4: Ist im Stadium der ersten vollständigen Überarbeitung.
  • Kapitel 5-12: Noch offen.

Ihr seht, etwa ein Viertel habe ich geschafft, das ist ganz ordentlich, aber weniger als geplant. Und nun höre ich euch schon sagen, wieso dauert das denn so lange (oder bin ich es vielleicht selbst, die mir das vorwirft?). Kann ja nicht so schwer sein, bei der Überarbeitung ein paar Rechtschreibfehler zu löschen und fehlende Wörter zu ergänzen. Leider ist es damit lange nicht getan …


Das elende Überarbeiten …

Die Überarbeitung: jeder spricht davon, jeder weiß in etwa, was sich dahinter verbirgt, doch für mich ist es der blanke Horror. Ja, wirklich, das ist keine Übertreibung. Überarbeiten heißt: Lesen, löschen, lesen, tippen, lesen, löschen in einem ewigen Kreislauf. Währenddessen muss man sich über eine unendliche Anzahl von Punkten Gedanken machen: Eindruck der Figuren, Aufbau der Szene, Logik der Sätze, Rechtschreibung, Bedeutung der Szenen für den Gesamtzusammenhang, Stil, Ton, Grammatik. Für jeden einzelnen Punkt gibt es Regeln und jede muss geprüft werden, bis man zu einem Punkt kommt, an dem man schier verzweifelt.

„Interessiert das jemanden?“, schreit der innere Kritiker bösartig: „Wozu machst du dir die ganze Mühe, bist du dumm oder was?“ Zum Glück meldet sich aus dem Hintergrund dann meist ein zartes Stimmchen und flüstert: „Aber wenn du das so lässt, dann kann das keiner lesen.“ Und diese Stimme hat recht. Denn ein Text in Rohform ist schlichtweg nicht leserlich. Überarbeiten ist eine Mammutaufgabe, die ich gern jemand anderem überlassen würde, aber was muss, das muss. Während ich beispielsweise für 30 Normseiten etwa zwei bis drei Tage reine Schreibzeit brauche, kann eine Überarbeitung schon mal das vierfache an Zeit in Anspruch nehmen. Hier mal ein konkretes Beispiel  aus meinem Problemkapitel Drei:

„Es konnte ihn das Leben kosten, den Köder zu spielen, doch jemand anderem hätte er diesen Job nicht überlassen. Wenn er vorsichtig war, seinen Gegner nicht unterschätzte und sich dieses Mal an den Plan hielt, standen seine Chancen jedoch nicht schlecht. Er verbarg sich in dem unfertigen Rohbau eines Hochhauses. Noch war es nur ein skeletthafter Bau aus Beton. Die Fenster waren glaslos und durch die Räume jagte der Wind. Um das Haus herum waren mehr als zwanzig Rebellen postiert, die im äußersten Notfall eingreifen konnten. Nach den Rückschlägen der letzten Wochen war das einer der wenigen Hoffnungsschimmer und niemand wollte den Erfolg aufs Spiel setzen.“ (Nach der ersten Überarbeitung)

„Der Plan war in Toms Augen nicht mehr als ein unstabiles Gerüst. Er wackelte an allen Ecken und Enden, eine heftige Windböe konnte ihn jederzeit zu Fall bringen. Am liebsten hätte er den Rückzug befohlen, doch der Lorca-Alarm war ausgelöst und der Totenläufer auf dem Weg zum Rohbau. Das Einzige, was er jetzt noch tun konnte, war, alles daran zu setzen, dass sie trotzdem die Oberhand behielten. In seinem Kopf ging er deshalb Szenarien durch, die vom eigentlichen Vorhaben abwichen. Möglich war, dass er den Totenläufer nicht erkannte, dass die Stadtverwaltung noch eine weitere Einheit als Nachhut schickte, dass die Einheit 203 nicht etwa vom Stadtzentrum her kam, sondern vom Meer. Variablen, auf die er kaum Einfluss hatte.“ (Nach der dritten Überarbeitung)

Fällt euch etwas auf? Ja richtig, der Text ist vollständig anders, obwohl er die gleiche Szene einleitet: einen Häuserkampf. Warum habe ich beinahe alles verworfen? Das hat mehrere Gründe: 1) Es war unlogisch, dass meine Figur in diesem Moment als Köder fungiert (out of character), 2) die Position der Rebellen wird im späteren Verlauf durch einen Perspektivwechsel geklärt, 3) die Beschreibung des Rohbaus ist für den Beginn der Szene nicht wichtig, sie folgt später.

Was ich damit sagen will: Manche Kapitel müssen völlig neu konzipiert und durchdacht werden, was unheimlich viel Zeit in Anspruch nimmt. Zumindest bei mir ist die erste Version noch sehr naiv und unrealistisch geschrieben. Der Text hat zu sehr meine eigene Stimme, die sich erst nach viel Bedenkzeit eliminieren lässt. Damit ich bei solch einer aufwendigen Überarbeitung nicht den Überblick verliere, erstelle ich Zeichnungen, die das Geschehen genau skizzieren. So wie diese:

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Es sieht ziemlich gekritzelt aus, aber ihr seht die zwei Parteien, die sich beim Häuserkampf gegenüberstehen und ein paar Aufrisse, um den Standort der Personen zu klären.


Was sonst noch so anfällt: Das Cover und Band zwei.

Neben dem Schreibprozess gibt es einige Überlegungen, die ich als Autorin nicht außer Acht lassen darf. Ein Punkt ist das Cover. In der letzten Zeit ist mir klar geworden, dass ich dieses unbedingt selbst gestalten will und nur dann auf einen Designer zurückreife, wenn ich an die Grenzen meiner Möglichkeiten stoße. Eine Inspiration habe ich durch das Titelbild des Buches ‚Wenn du mich tötest‘ erhalten. Mir gefällt der verschwommene Stil sehr gut:

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Zudem ist Hurt No One ein Mehrteiler und nichts ist schlimmer als ein Buch mit Fortsetzung, die nicht notwendig ist. Aus diesem Grund bastele ich inzwischen an den ersten Seiten von Band zwei und konzipiere den Plot. Richtig lege ich jedoch erst los, wenn ich einen Haken hinter die Überarbeitung von Band eins setzen kann.


Zum Abschluss ein Wort aus Red-Mon-Stadt

Die letzten Male habe ich euch einen Auszug aus dem Glossar zu meiner Dystopie vorgestellt. Das werde ich für die Zukunft beibehalten. Heute stelle ich euch eine wichtige Figur vor, die in dem kurzen Textabschnitt oben erwähnt worden ist:

Der Totenläufer: Der Totenläufer ist ein SDF-Soldat, der im Namen der Stadtverwaltung Gefahrenquellen eliminiert. Er ist eine Person des öffentlichen Interesses. Er ist das Paradebeispiel absoluter Loyalität. In den Medien der Stadt ist er überall präsent, obwohl seine Identität geheim bleibt. Der Totenläufer reagiert auf Leserbriefe persönlich und setzt sich für die Bevölkerung ein, die sich immer mehr mit ihm identifiziert. Der Glaube an den Totenläufer und die Ideale, die er verkörpert, eint die gesamte Stadt.


Ich wünsche euch was

+Mika+

Wenn ihr Interesse an den ersten beiden Beiträgen zum Thema habt, klickt einfach hier:

Wie ein Roman entsteht 1

Wie ein Roman entsteht 2

Wie ein Roman entsteht

… Statusupdate #2: Hurt No One …

Vor einem Monat habe ich einen Beitrag verfasst, in dem es um eines meiner Jahresziele ging: Die Veröffentlichung meines Romanprojektes Hurt No One. Inzwischen gibt es einige Neuigkeiten, die ich mit euch teilen möchte. Warum solltet ihr jetzt weiterlesen? Durch meine Beiträge könnt ihr miterleben, wie nach und nach ein Buch entsteht. Es gibt jeden Monat ein Update mit Skizzen, Fotos und exklusiven Details zur Geschichte.


Die Rohfassung: Das Ende konnte nicht warten

Wer meinen letzten Beitrag gelesen hat, erinnert sich noch an die ungewöhliche Idee zum Showdown meines Buches. Die letzten vier Kapitel sollten erst entstehen, wenn das Manuskript vollständig überarbeitet ist. Grund dafür war die Überlegung, dass die ersten Kapitel wie das Grundgerüst eines Hauses sind und das Ende das alles entscheidende Dach. Wenn also das Gerüst nicht steht oder wackelt, brauche ich das Dach nicht bauen. In meiner Geschichte sind noch einige Stützpfeiler wackelig. Es passieren Dinge, die nichts mit der Handlung zu tun haben, Personen verhalten sich nicht ihrer Rolle entsprechend, einige Szenen sind nur in Auszügen vorhanden. Trotzdem habe ich mich entschieden, die letzten vier Kapitel zu schreiben und war am 04. Februar fertig. Woher kommt der plötzliche Sinneswandel?

  1. Ich kam bei der Überarbeitung nicht voran, weil ich immer daran denken musste, wie ich das Ende am besten über die Bühne bringe.
  2. Ich hatte das Gefühl, meinen Hauptfiguren Rina und Neel damit keinen Gefallen zu tun. Sie wirkten ungewöhnlich nervös und zappelig …
  3. Ich wollte einfach etwas schreiben.

Demnach ist die Rohfassung meines Buches jetzt fertig. Insgesamt sind es 14 Kapitel mit rund 80.000 Wörtern. Angedacht war etwas weniger, allerdings hat mir meine dystopische Welt da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es muss eben doch mehr beschrieben werden als in einem Gegenwartsroman. So eine Zukunftsstadt mit ganz eigenen Regeln baut sich nicht von selbst.


Der Showdown: Action oder Strategie?

Mein Roman ist kein seicht dahinplätscherndes Buch mit einigen wenigen Spannungselementen. Da romantische Szenen so gut wie nicht vorkommen und wir uns in einer menschenfeindlichen Umgebung befinden, sind Geheimnisse, Rätsel und Aktionszenen meine Elemente, um euch bei der Stange zu halten. Es geht dabei nicht um stumpfes Geballer, sondern Verfolgungsszenarien, Verhaftungen oder psychologische Folter. Deshalb wollte ich ein Ende, das diese Grundstimmung auffängt und die vorherigen Szenen toppt. Logisch, ich will euch ja nicht enttäuschen.

An dieser Stelle möchte ich euch nicht spoilern oder zu viel verraten, aber trotzdem einen Einblick in meine Überlegungen beim Showdown geben. Es ging im Grunde um die Planung des Handlungsablaufes, was mich mehrere Tage Bedenkzeit gekostet hat. Meine Hauptpersonen sollen in einen Gebäudekomplex namens Safecity eindringen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass das Gebäude stark bewacht ist und wenige verwundbare Stellen hat (stellt euch Helmes Klamm in modern vor). Ich musste mich also fragen, wie kommen meine Hauptpersonen realistisch in das Gebäude hinein und wieder hinaus. Damit ich das halbwegs ordentlich planen konnte, habe ich eine Skizze angefertigt und mir die räumlichen Gegebenheiten vor Augen geführt. Das ist dabei herausgekommen:

Safecity_Plan_Rahmen

Wie ihr sehen könnt ist links das Meer und rechts das Festland. Über den eigentlichen Gebäuden ist eine Glaskuppel. Unten rechts ist der Aufriss dargestellt. Meine Hauptpersonen wollen in das zweite Gebäude von links gelangen. Den so genannten Hygienetrakt.

Die Strategen in meinem Roman (Tom, Jay und Caren) haben sich dazu nun folgende Vorgehensweisen überlegt:

  1. Ein Vorstoß über die Kanalisation mit einem Durchbruch durch eine Wand, hinter der sich Räume des Gebäudes befinden. Vorteil: Geht schnell und braucht wenig Vorbereitung. Nachteil: Zieht viel Aufmerksamkeit auf sich und könnte schief gehen, wenn man auf zu viel Widerstand trifft.
  2. Ein Vorstoß über einen selbst gegrabenen Tunnel wie es die Gangster in Fortaleza 2005 oder auch Berlin 2013 gemacht haben. Vorteil: Es existieren bereits etliche Tunnel unterhalb von Red-Mon-Stadt, die man gut nutzen kann. Außerdem ist es möglich, selbst zu bestimmen, wo genau man im Gebäude herauskommt. Nachteil: Es dauert lange und die Frage ist, ob die Zeit für ein solches Unterfangen da ist.
  3. Jemanden in das Gebäude schleusen. Vorteil: Sie haben einen Trumpf und könnten ihn ausspielen. Wenn alles glatt geht, kommt man einfach rein und wieder raus, ohne Ressourcen zu verschwenden. Nachteil: Es besteht ein sehr hohes Risiko entdeckt zu werden und wenn etwas schief geht, sind alle tot oder gefangen oder …

Für welche Variante würdet ihr euch entscheiden? Habt ihr andere Ideen? In der endgültigen Version gibt es zahlreiche Details, viele unerwartete Wendungen und Spielraum zur Improvisation. Bisher bin ich ganz zufrieden, werde mir aber vermutlich beim nächsten Lesen die Haare raufen und mich für meine Entscheidung verfluchen.

Hier noch kurz das Gebäude, das mich zu meiner Skizze von Safecity inspiriert hat. Es steht in Valencia und heißt Hemisfèric. Das Foto wurde von Maren Arndt geschossen. Ich finde es wunderschön.

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Überarbeitung: Wo bin ich gerade?

Ich gebe zu, dass ich in letzter Zeit mit den Vorbereitungen für die Leipziger Buchmesse stark eingespannt war. Mein Taschenbuch Sieben Raben wird gedruckt, Flyer erstellt und noch vieles mehr, deshalb hatte ich nicht viel Zeit, um mich mit der Überarbeitung von Hurt No One zu beschäftigen. Das frustriert mich. Ich würde viel lieber mein neues Buch voranbringen als das, das ich bereits 2013 vollendet habe, aber es lässt sich nicht ändern. Kapitel eins wurde jedenfalls von den ersten beiden Testlesern auf Logikfehler hin überprüft und beide waren mit dem Text zufrieden. Ansonsten sitze ich nun an der ersten Überarbeitungsrunde von Kapitel zwei. Es kann nur noch vorwärts gehen.


Hurt No One ist ein Mehrteiler

In meinem letzten Beitrag habe ich das böse „T“ Wort benutzt. Ja, ich plane derzeit drei Bände für Hurt No One. Einige von euch werden mir nun vorwerfen, dass ich auf einen fahrenden Zug aufspringe. Schreibt ja jeder inzwischen eine Trilogie. Da habt ihr nicht mal unrecht und ja, mich nervt der Hype auch. Ich habe mich allerdings nicht für mehrere Bände entschieden, weil die Geschichte so komplex ist oder ich dadurch mehr Verkäufe generiere. Ursprünglich wollte ich einfach nur mehr Zeit mit meinen Hauptfiguren verbringen. Meine letzten drei Buchprojekte (zwei davon schlummern in Schubladenland) waren relativ kurz. Außerdem habe ich viele Kurzgeschichten geschrieben und musste mir daher oft neue Figuren ausdenken, die nie wieder (oder ziemlich wahrscheinlich nicht) in meinen nächsten Geschichten auftauchen werden. Ehrlich, das ist schon traurig. Abschied fällt mir schwer. Deshalb schreibe ich nun mehrere Bände und fühle mich damit richtig gut. Die vorläufigen Untertitel heißen derzeit: Totenläufer, Racheland und Kalter Sturm. Die letzten beiden Titel werden sich wohl noch ändern.


Zum Abschluss ein Wort aus Red-Mon-Stadt

Beim letzten Mal habe ich euch einen Auszug aus dem Glossar zu meiner Dystopie vorgestellt. Das werde ich heute fortsetzen und euch eine der wichtigsten Personengruppen in meiner Welt vorstellen:

Lorca: Eine diskriminierte Minderheit. Lorca unterscheiden sich in wenigen Merkmalen vom Menschen. Der Forscher Albertus Lorca entdeckte das Gen, welches die Differenzierung verursacht, weshalb man diese Menschen mit seinem Namen ruft. Lorca entwickeln im Zuge ihrer Pubertät außergewöhnliche Fähigkeiten, die sich von Person zu Person unterscheiden. Sie haben eine durchscheinend helle Haut mit schwacher Pigmentierung und leuchtende Augen unterschiedlicher Farben. Sie sind in Red-Mon-Stadt nicht erwünscht, da sie als Gefahr eingestuft werden. Es wird behauptet, sie tragen eine gefährliche Krankheit in sich, die man gemeinhin als Lorcakrankheit bezeichnet. Sie soll höchst ansteckend sein und nach einem kurzen Krankheitsverlauf sofort zum Tod führen.


Ich danke euch für euer Interesse an meinem Blog und meinen Geschichten und wünsche euch einen angenehmen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

+Mika+

Wie ein Roman entsteht

… Statusupdate #1: Hurt No One …

Mein letzter Beitrag handelte von Vorsätzen und deren Sinn oder Unsinn. Heute soll es um eines meiner Ziele gehen: Die Veröffentlichung meines Science-Fiction Romans „Hurt No One“ im Herbst. Noch ein Beitrag über ein Romanprojekt, werdet ihr jetzt denken und auf Schließen drücken. Aber Halt! Nicht so schnell. Es springt auch für euch etwas dabei heraus. Es geht hier nicht um meine Höhen und Tiefen, sondern um die einzelnen Schritte im Entstehungsprozess. Ihr seid also live dabei, wie mein Roman entsteht und könnt prüfen, ob ich meinen Job auch wirklich ordentlich mache.


Schreibprozess: Wie weit bin ich eigentlich?

Auf den ersten Blick ist das die wichtigste aller Fragen. Hab ich schon alles fertig geschrieben? Fehlt da noch etwas? Um es kurz zu machen: Mein Projekt befindet sich in der Überarbeitungsphase. Das heißt, der unliebsame, stressige und nervenaufreibende Teil hat begonnen. Für eine Seite brauche ich bis zu drei Stunden. Zumindest wenn ich schlechte Laune habe. Aber lassen wir das, ich bin natürlich immer gut gelaunt! So wie ihr und alle anderen da draußen!

Jeder Autor hat sein eigenes Überarbeitungssystem. Ich teile meines in vier Schritte und gehe diese Kapitel für Kapitel durch:

  • Schritt 1) Korrektur grober Sinnfehler, Rechtschreibung, Grammatik im Word-Dokument mit etwa zwei oder drei Runden.
  • Schritt 2) Überlegung zur Kapitelstruktur und inhaltlicher Logik auf einem Ausdruck mit rotem Stift (sehr demotivierend, aber leicht zu lesen, siehe Bild unten)
  • Schritt 3) Korrektur, nachdem die ersten Testleser gelesen haben.
  • Schritt 4) Finaler Durchgang mit Rechtschreibprüfung nach dem zweiten Testlesen.

Derzeit bastele ich am ersten Kapitel in Schritt 2. Vom eigentlichen Manuskript fehlt mir nur noch der Showdown, das Sahnehäubchen. Den schreibe ich allerdings erst, wenn die chaotische Struktur, entstanden durch das schnelle Schreiben im NaNoWriMo, sortiert ist. Erst dann kann ich leicht Querverweise zum Anfang ziehen und offene Fragen beantworten.

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Ein Cover braucht Bedenkzeit …

… weshalb ich mir in der letzten Woche Gedanken über das Titelbild gemacht habe. Es soll düster sein, muss den Geist der Geschichte enthalten und trotzdem genügend Anziehungskraft ausüben, damit überhaupt jemand zugreift. In dem Zusammenhang ist eine Skizzen entstanden, die ich euch nicht vorenthalten will:

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Links seht ihr einen Soldaten, der auf eine Gestalt im Nebel schießt. Rechts eine Frau, aus der Gedanken herausströmen. Nicht zu sehen ist, dass sie angeschossen wird.

Ich schwanke zwischen zwei Möglichkeiten: Entweder wird es fotorealistisch oder aber eine Variante mit comichafter Tendenz. Ich meine damit nicht, dass ich Comicfiguren auf dem Titelbild möchte. Ich stelle mir viel eher vor, dass die Menschen schattenhaft sind und mit groben Zeichenstrichen gemalt werden. Letztere Variante erfordert natürlich sehr viel zeichnerisches Können (allein schaffe ich das sicher nicht). In beiden Fällen möchte ich keinesfalls Gesichter oder zu klare Formen, damit ihr kein zu eindeutiges Bild meiner Protagonisten bekommt. Es lebe die Fantasie! Es reift in jedem Fall die Überlegung, einen professionellen Coverdesigner zu engagieren, damit euch mein Cover auch wirklich umhaut.


Der rote Faden entsteht nur, wenn die Struktur stimmt

Seit ich von einer Lektorin gehört habe (2012), dass eines meiner Manuskripte stilistisch und sprachlich zwar überzeugt, aber die Struktur ausbaufähig ist, nehme ich mir für die Struktur viel Zeit. Ich nutze kleine Karteikarten, die ich mit den Kapitelinhalten beschrifte und schiebe sie hin und her, bis mir klar wird, was ich brauche und was nicht. In den letzten Tagen musste ich deshalb einige Kapitel löschen und an anderen Stellen Szenen einfügen. So langsam entsteht ein rundes Gesamtbild und der rote Faden wird sichtbar. Wichtig sind mir dabei auch Schlagwörter oder offene Fragen, die ich später in den Text einbaue. Wenn das Ganze fertig ist, sieht es am Ende ungefähr so aus:

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Struktur meines Projekts „Purpurscherben“ aus dem letzten Jahr.


Die Sache mit dem Titel …

… ist wirklich unglücklich gelaufen. Vielen von euch gefällt der Titel „Hurt No One“ sehr gut. Mir gefällt er auch, leider. Nur kann ich ihn für das endgültige Buch nicht übernehmen, da es der Songtitel einer meiner Lieblingsbands ist. Ich würde mich also nur in die Copyright-Nesseln setzen und das wäre unschön. Also muss ein neuer Titel her. Brainstorming ist angesagt. Inzwischen habe ich mehrere Blätter mit möglichen Varianten vollgeschmiert, bin der Lösung aber noch immer nicht näher gekommen. Fakt ist: Ich brauche einen Übertitel für die Trilogie und einen Untertitel. Der Untertitel ist kein Problem, den habe ich für Band eins schon seit zwei Monaten. Der eigentliche Trilogietitel bereitet mir jedoch Kopfschmerzen. Er soll den Inhalt aller drei Teile widerspiegeln, am besten schon den Konflikt andeuten und dennoch aussagekräftig sein. Der gleiche Nenner in meiner Trilogie ist die fiktive Stadt, in der alles spielt. Sie trägt den Namen „Red-Mon-Stadt“. Aber so ein Titel ist weder aussagekräftig noch deutet er einen Konflikt an. Mal sehen, was ich da tun kann.


Science-Fiction braucht eine eigene Welt: Ein Glossar entsteht

Da mein Projekt nicht einfach nur SF ist, sondern es sich im Speziellen um eine Dystopie handelt, brauche ich eine ganz eigene Welt mit ganz eigenen Regeln. Ein paar davon habe ich euch schon in meiner Kurzvorstellung Hurt No One beschrieben, aber das war eben nur die Spitze einer Welt, mit der ich mich schon seit mehr als zwei Jahren beschäftige. Aus diesem Grund habe ich ein Glossar mit allen wichtigen Begriffen, Institutionen oder Personengruppen erstellt. Für euch ein noch nicht ganz perfekter, aber exklusiver Auszug daraus:

Die Nutzversicherung bescheinigt den Nutzen einer Person für Red-Mon-Stadt. Es ist ein schriftliches Dokument, das jeder Bürger zu unterzeichnen hat. Dort wird einerseits die Art des Nutzens und andererseits die Eignung für diesen festgelegt. Der Nutzen einer Person wird durch einen Test ermittelt. Dieser Test bezieht sich nicht ausschließlich auf die Benotung durch schriftliche oder mündliche Prüfungen, sondern geht auch auf angeborene Talente oder die Persönlichkeit ein. Änderungen können im Nachhinein beantragt werden. Personen ohne Nutzversicherung, die sich in Red-Mon-Stadt aufhalten, sind keine offiziellen Einwohner der Stadt und gelten als PON (Person ohne Nutzen) und sind als Gefahr einzustufen.


Damit beende ich mein Statusupdate und wünsche euch eine wundervolle Restwoche. Macht was draus. Ihr hört von mir. Und solltet ihr selbst gerade an einem Buchprojekt sitzen, hinterlasst mir einen Kommentar, wir können uns gern darüber austauschen.

Bis dahin

+ Mika +