3: Schreibtipps

Tod dem Plotloch: die Grundlage

Ob Leser oder Autor, wir kennen sie alle: die bösen und sehr frustrierenden Plotlöcher. Sie machen uns wahnsinnig und zerstören im schlimmsten Fall die Illusion einer Geschichte. Deshalb müssen sie weg, ohne Rücksicht auf Verluste. Doch wie nur wie, kann man diese anhänglichen und doch so unauffälligen Gesellen eigentlich finden und noch besser beseitigen? Am besten starten wir dazu mit den Grundlagen. Denn ihr wisst schon, wir können ein Loch nur füllen, wenn wir genau wissen, wie tief es ist und mit was wir es auffüllen können. Daher in diesem Beitrag  der Versuch einer Definition.


Was ist ein Plotloch?

Bevor ich starte, ein Gedankenexperiment. Erinnert ihr euch an unlogische Stellen in Büchern und Texten? Habt ihr diese mal mit anderen diskutiert und festgestellt, dass jeder etwas anderes bemängelt? Vermutlich schon. Genau das ist der heikle Punkt bei allem, was wir tun. Es ist unmöglich, jedem zu gefallen. Das Gleiche gilt für Plotlöcher. Den einen stört schon der kleinste Logikbruch, der nächste reibt sich an psychologischen Details oder zu wenig Empathie auf. Je nach Leser, Erfahrung und Empfindung wird das Augenmerk auf etwas völlig anderes gelegt. Darum sollten wir uns bewusst machen, was für einen Text wir da eigentlich vor uns haben. Eine perfekt recherchierte, top durchdachte Sci-Fi-Story mit in sich schlüssigen Erfindungen oder ein Buch, in dem die Beziehungen der einzelnen Figuren im Vordergrund stehen, während technische Details eher belanglos sind? Je nach Schwerpunkt sollten Plotlöcher anders behandelt werden.

Hier nun mein Versuch, eine Einteilung zu Plotlöchern zu machen (keine Garantie auf Vollständigkeit, ist ja keine wissenschaftliche Arbeit):


Hole
Ein Plotloch strahlt auch in tiefster Dunkelheit. Leider ist das selten gut …

1) Logikbrüche – Das verstehe ich jetzt nicht … wieso passiert das?

Wir lesen Geschichten und dabei springt (hoffentlich) unser Gedankenkino an. Wir versetzen uns in die Lage der Figuren hinein und malen uns aus, was hätte sein können. Bei Stellen im Text, die unlogisch sind, gelangen wir zu dem Schluss, dass eine andere Lösung eindeutig die „bessere“ wäre. Diese Diskrepanz zwischen dem, was ist, und dem, was wir für richtig halten, nennen wir „Logikbruch“. Meist erzeugt das Verärgerung oder Verwirrung und ab und an fühlen wir uns auch etwas veralbert.
Stellen wir beim Hinterfragen einer solchen Szene jedoch fest, dass es einen plausiblen Grund für diese Entwicklung gab, dann nehmen wir die Merkwürdigkeit hin und kommentieren nur: „Ich hätte es besser so und so gefunden, aber in der Geschichte musste es so sein. Ging halt nicht anders.“ Das ist der Idealfall.
Ein Beispiel mit konstruierter Geschichte: Alica ist eine talentierte Tänzerin, sie verletzt sich bei einem Sturz vom Fahrrad und bricht sich das Bein. Die Diagnose ist zermürbend, vermutlich wird sie nie wieder richtig tanzen können. Ihr Leben gerät völlig aus den Fugen. Drama pur über dreihundert Seiten. Bis … ihr plötzlich ein Arzt von einer neuen Operationsmethode erzählt. Sie unterzieht sich dieser und in kurzer Zeit ist sie wieder fit. Alica wird fröhlich, alles ist gut, die Welt ist toll. Nur nicht beim Leser. Der ist schon vor der OP ausgestiegen. Wo kommt der Arzt denn plötzlich her? Wieso ging das vorher nicht, sind die denn alle inkompetent? Und überhaupt, sollte Alica nicht selbst eine Lösung für sich finden, anstatt durch ein „Wundermittel“ geheilt zu werden? Ist doch unrealistisch und Quatsch! Hallo Plotloch, besser du verschwindest.

2) Änderungen von Tatsachen, die zuvor einer Lösung dienten – Hä? War das nicht vorher anders?

In jedem Roman gibt es Dinge, die extra eingeführt werden, um eine Problematik zu lösen. Ob es der anonyme Anruf, ein Geheimnis oder eine Fähigkeit ist, ihnen ist gemeinsam, dass sie in diesem speziellen Moment wichtig und notwendig sind. Schlecht ist es aber, wenn diese Dinge verschwinden oder gar als „nichtig“ erklärt werden.

Beispiel Alica: Sie ist nur gestürzt, weil ein Auto ihr die Vorfahrt nahm und sie scharf bremsen musste. Sie kam ins Schlingern, fiel, alles weitere ist klar. Alica will eine Entschädigung und den Autofahrer überführen. Eine Videoaufnahme zeigt dann: Es war Alicas beste Freundin! Und weil es ja die beste Freundin ist und sie bereut und weint und nicht mehr zurechtkommt, ist die Aufnahme urplötzlich unbrauchbar, da zu verschwommen. Man kann ja nicht einfach die beste Freundin bestrafen! GEHT DOCH NICHT! Spätestens jetzt seufze ich und finde – unnötiges Plotloch.

3) Unvorhersehbare Ereignisse – Hallo Leser, schluck das, ich hab es geschrieben, du musst mir glauben, das ist ganz logisch!

Manchmal ist es mühselig, einer Geschichte eine spannende Wendung zu geben, die sich nathlos ins Geschehen einfügt. Am einfachsten ist es, wie ein Magier eine Idee aus dem Hut zu zaubern und diese genauso begeistert zu präsentieren. Der Leser bemerkt den Trick sicher nicht! Niemals!

Fall Alica: Die Tänzerin mit gebrochenem Bein hat nur einen Vertrauten in der schweren Zeit, ihren Schwarm Peter. Er begleitet sie überall hin, ist für sie da, gibt ihr Halt. Durch ihn steigert sich ihr Selbstbewusstsein und Alica geht es besser. Dann kommt Martin. Der ist so cool und lässig, dass sie ihn prompt beim ersten Treffen anquatscht, und, ähm, ja, mit ihm schläft. Kurz, sie geht fremd … muss ich dazu noch mehr sagen? Nein, oder? Der Text wäre für mich gestorben. Alica verhält sich inkonsequent und der Eindruck entsteht, das One-Night-Stand war nur inszeniert, um einen Konflikt heraufzubeschwören, der nicht wichtig ist. Es geht doch um den Unfall …?!

4) Widersprüche – Boah, da hätte man echt mal mehr drauf achten können!

Das sind die offensichtlichsten und fiesesten Löcher, denn durch sie bekommen Leser den Eindruck, der Autor habe sich keine Gedanken gemacht und glatt vergessen, was er zuvor geschrieben hat. Es geht hier um Fakten, die ohne Grund anders sind. Schwerter mit anderen Namen, Umbenennung von Figuren, Bezug zu Dingen, die nie da waren, aber als gegeben hingestellt werden.
Zum Beispiel: Auf Seite eins wird gesagt, dass Alica in einer Stadt mit Dorfcharakter lebt. Zur Schule fährt sie stets mit dem Bus. Jeder kennt jeden, das war wichtig, um zu zeigen, dass Alica ständig von Bekannten bemitleidet wird, was wenig hilfreich ist. Im Verlauf der Geschichte fährt sie dann plötzlich mit einer Straßenbahn zum örtlichen Park, um zu entspannen … Stopp, halt. Ein Dorf mit Straßenbahn? Ja, was denn nun? Dorf oder Stadt? Und überhaupt stand da nicht vorhin, der Park wird gerade umgebaut??? Sowas geht natürlich gar nicht.


Ja, so kann das aussehen, wenn man frustriert ein Plotloch bemerkt. Aber nicht aufgeben, das lässt sich schon füllen! 🙂

Fazit der Definition

Plotlöcher sind Antworten auf „Warum“-Fragen, die wir uns beim Lesen stellen. Meistens unterscheiden sich diese Antworten von denen, die im Buch gegebenen werden. Sie werfen unzählige weitere Fragen auf, die nicht logisch beantwortet werden können und daher störend sind. Es ist nötig, diese Plotlöcher zu finden und zu hinterfragen, was die passende Antwort auf diese „Warum“-Frage ist. Hier: Warum ist da im Dorf eine Straßenbahn? Natürlich deshalb, weil Alica nie im Dorf wohnte, sondern in einem Stadtviertel mit Dorfcharakter, das eine Straßenbahnanbindung hat. Das mag wie Wortklauberei klingen, aber es wird ein unterschiedliches Bild im Kopf erzeugt und dieser minimale Unterschied genügt schon, um etwas Unlogisches zu vermeiden.

Ich hoffe, der Beitrag war für euch interessant. Lasst mich doch wissen, was ihr über Plotlöcher denkt. Nerven sie euch genauso wie mich? Und nicht vergessen, bleibt schreib- und lesewütig. Soll doch Spaß machen.^^


Quelllen:

Beitragsbild
J. Vellguth

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Wie eine Messe geplant wird

In vielen Blogs für Self-Publisher geht es um Marketing, vor allem im Social Media. Ich selbst habe mir einiges abgeschaut und umgesetzt. Was ich selten sehe, sind Beiträge über Messen. Lesungen sind da schon eher ein Thema. Vermutlich, weil Messen so schon viel Arbeit machen und man kaum dazu kommt, einen Beitrag darüber zu verfassen. Ich dachte mir, heute gebe ich euch zumindest einen kleinen Einblick in meine Vorbereitungen für die Buchberlin.


Über die Buchberlin

Die Buchberlin ist noch recht jung und genau darin liegt ihr Vorteil. Auf den großen Besuchermessen wie Leipzig oder Frankfurt geht man als Einzelperson unter und noch dazu sind die Standgebühren jenseits von gut und böse. Wenn man sich nicht gerade mit anderen Autoren organisiert, hat man kaum die Möglichkeit, einen solchen Stand allein zu stemmen oder man stürzt sich in Unkosten. Bei der Buchberlin ist das nicht so, vor allem dann nicht, wenn man sich den Stand teilt. Um in konkreten Zahlen zu sprechen: 125 Euro habe ich für mein Tischlein auf der Buchberlin bezahlt (Auf der Buchberlin darf generell verkauft werden, was ein großer Pluspunkt ist!). Ein fairer Preis über den ich wirklich nicht meckern kann. Das Gleiche gilt auch für die Eintrittspreise: 4Euro sind wirklich moderat und bezahlbar. Genau deshalb werden sich auf der Messe auch viele Kleinverlage und Self-Publisher tummeln. Was bedeutet, es findet sich eine bunte Vielfalt an Büchern, die eben nicht dem Standard-Verlagsbild entspricht. Könnte also mal ganz angenehm sein. Zudem ist die Messe überschaubar und ich stelle mir vor, dass der Kontakt von Autor zu Leser wesentlich persönlicher ist. Ob ich das nach der Messe auch noch sage, wird sich zeigen.


Erste Gedanken vor der Messe

Ich bin niemand, der eine Marketingausbildung hat oder in irgendeinem Feld von Management tätigt war. Bei einer Messeplanung war ich nur 2011 tätig, als ich als Praktikantin im Goethe Insitut Tokio gearbeitet habe. Aus diesem Grund habe ich mir erstmal Seiten um Seiten über einen gelungenen Messeauftritt durchgelesen. Das meiste war unbrauchbar, denn es ging um großangelegte Aktionen, die ich nie hätte umsetzen können. Allerdings war dort vermerkt, man solle sich ein Messekonzept (Publikum/Ziele, Weshalb die Messe, Gastgeberfunktion, Nachüberlegungen) erstellen, indem man die Ziele für dieses Event formuliert. Ich gebe zu, das ist eine großartige Idee, aber leider … habe ich es nur teils ausformuliert, weil die Zeit fehlte. Dafür tue ich es jetzt für euch, hier meine Ziele:

  • Neue Leser erreichen
  • Zwischen den anderen auffallen
  • Einen professionellen, aber interessanten Eindruck hinterlassen
  • Die Standgebühr über Verkäufe erwirtschaften

Klingt jetzt nicht allzu spektakulär und wäre euch wohl auch in kurzer Zeit eingefallen, aber es ist eben noch etwas anderes, sich diese Ziele vor Augen zu führen, als sie nur im Kopf zu haben.

Zweitens muss man sich überlegen, wie man diese Ziele erreicht:

  • Neue Leser erreichen: Leseproben anbieten, keine Scheu davor haben, Leute anzusprechen, stolz auf das eigene Produkt sein
  • Zwischen anderen auffallen: Ein Rollup, das ein Hingucker ist und farblich passt
  • Einen professionellen Eindruck machen: stets freundlich sein, auf Fragen eingehen, Visitenkarten auslegen und ein vernünftiges Design für Postkarten, Lesezeichen und so weiter haben, plus den Stand gut aufbauen
  • Standgebühr erwirtschaften: Ankündigung hier auf dem Blog, auf anderen Social Media Kanälen
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Leseproben, Lesezeichen, Postkarten und Bücher, alles muss entworfen und bestellt werden.

Feste Zeitplanung

Man beginnt immer mit den langfristigen Aufgaben. Das heißt, Werbemittel, Bücher und alles, was sonst eine länger Produktionszeit hat. Das ist Punkt Nummer eins. Da mein neues Buch Totenläufer erst am 01.11. herausgekommen ist, hatte ich einen knappen Zeitrahmen. Die Bestellung für den Buchdruck habe ich erst am 4.11 abgeschickt (Danke epubli, dass ihr so pünktlich liefert!), genauso wie das Werbematerial. Nun ist aber alles da. Das Wichtigste ist, dass ein genauer Zeitplan erstellt wird. Kann man ganz einfach über sein Handy mit Kalenderfunktion machen, in dem man sich Erinnerungen einrichtet. Das klingt jetzt alles wirklich sehr banal, ich weiß, aber man neigt wirklich dazu, bei dem Wust an Arbeit alles auf einmal machen zu wollen, aber das geht nach hinten los. Drei Monate vor Messe mit der Planung zu beginnen ist mehr als notwendig, am besten noch früher.

Und bei allem solltet ihr eins nicht vergessen: Wenn etwas schiefgeht, beim Druck oder an anderer Stelle, es ist nicht schlimm. Denn das sieht niemand, nur ihr selbst und vielleicht der arme Mensch, der gerade in eurer Nähe ist und den Panikanfall mitbekommt. Man muss wirklich ruhig bleiben und alles mit Humor sehen. Was ein Fehler auf dem Klappentext? Was soll’s hab ja auch nur ich allein zehnmal kontrolliert. 😀 Perfektionismus ist da ganz fatal, weil man dazu tendiert in Tränen auszubrechen, wenn oben am Lesezeichen ein KNICK ist. Ich sage euch, niemand, nicht einmal die großen Verlage mit ihren vielen Angestellten machen alles richtig. Sie verstecken ihre Fehler nur besser. 😉 Und als Einzelperson kann man dieses Niveau niemals erreichen. Plus, wenn ihr euch wie ich den Stand mit jemandem teilt, fetzt euch nicht wegen Kleinigkeiten, das Ganze soll ja Spaß machen.

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Lagerstätte im WG-Zimmer, nicht gerade der idealste Platz, aber konnte ja keiner ahnen, dass ich mal einen Messestand organisiere

Was braucht man dringend außer ein Buch?

Ja, man könnte wohl ein Buch nehmen, es auf den Tisch legen und sich freuen, dass es jetzt da liegt. Das allein macht aber noch keinen Messeauftritt aus. Natürlich ist es unmöglich, einen Flachbildschirm hinter sich zu positionieren und einen HD Trailer des eigenen Buches zu liefern, aber zumindest etwas Liebe und Kreativität sollte man investieren. Hier nun eine (noch nicht ganz vollständige Liste) an Dingen, die ich für die Messe brauche:

  • Leseproben für Totenläufer und Sieben Raben (Produktionszeit bis zu 10 Tage bei wirmachendruck.de)
  • Bestellung der Bücher (10 Tage Produktionszeit bei epubli)
  • Lesezeichen für Totenläufer (4 Tage Produktionszeit diedruckerei.de)
  • Postkarten für Totenläufer (4 Tage Produktionszeit diedruckerei.de
  • Die Kasse mit Wechselgeld (!hätten wir beinahe vergessen)
  • Quittungsblock, Buchständer, Taschenrechner, Tischdecke
  • Rollup (10 Tage Produktionszeit)
  • Süßigkeiten zum Verteilen (Lotuskekse und Werthers Original)
  • Transportmöglichkeit bis zur Messe
  • individuelle Tüten zum Rausgeben
  • Preisschilder
  • Visitenkarten

Ihr seht die Liste ist wahnsinnig lang und ich habe beinahe selbst den Überblick verloren, aber nun  sind wir gut vorbereitet, obwohl einige Kleinigkeiten von mir noch in der nächsten Woche organisiert werden. Für mich wird das wohl eines der anstrengendsten Wochenenden überhaupt, aber es wird auch großartig. Hoffentlich seid ihr mit dabei. Hier ein Plan, wo ihr mich und Sabine Schulter findet:

Standnummern 12.10